Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 44 (Oktober 1978)
- Date
- 1978-10-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2390)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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(Fortsetzung von Seite 20) Solche Läden die von Rumänien, CSR, Ungarn oder Ost-Deutschland manchmal beliefert werden, sind nach 10 Uhr offen und die Leute stehen lange vor 10 Uhr geduldig Schlange. Da gibt es manchmal bessere Esswaren oder geschliffene Glasswaren. Barasch ohne die Weltkugel war voll mit billigen Waren. Nur billiges Zeug, ganz billig gemachte Kleider und Spielwaren, nirgends Luxusgegenstände. Barasch heisst jetzt Fenix und es sieht grau aus wie ein Gefängnis. Ich habe nicht viel nach Preisen gefragt, aber eine Flasche Cognac (wahrscheinlich aus Russland) kostete 1000 Zloty (US $33.—). Keine Cafösü! Meine Frau fühlte sich beraubt. Und im Hotel kostete eine Tasse 27 Zloty oder ungefähr 85 US cts. Im Hotel war das Essen sehr gut, aber da waren nur Ausländer mit Ausnahmen von einigen Kommunistischen Delegierten, von denen ich 2 französisch sprechende Delegierte erkannte, die wie die typischen proletarischen Kommunisten in der ganzen Welt aussehen. Wertheim ist auch da aber wir sind nicht hineingegangen. Das Schilderhaus neben dem verschwundenen Kaiser Wilhelm Denkmal ist noch da und wo das Denkmal stand wächst jetzt Grass. Während niemand unterernährt aussieht, werden Kleider und Anzüge ohne die geringste Eleganz getragen. Alte Leute sehen alle aus wie Bettler. Ganz ohne Eleganz war der “Miliz-Polizist” der uns vor dem Eingang zum Zoo ein Parking Ticket geben wollte und nicht verstehen konnte dass ein New Yorker aus Amerika nicht popolski sprechen kann. Ich wies auf andere geparkte Autos hin, aber er zeigte sein Strafenbuch und ich verstand dass sie alle Strafe zahlen müssen. Da war auch eine Anschrift an der Wand des Einganges zum Zoo, natürlich in polnisch, die offenbar das Park-Verbot enthielt. Er sprach für 5 Minuten in polnisch auf mich hinein bis dann ein anderer Auto-Eigentümer erschien. Da verliess er mich mit einer Handbewegung die mich an einen Lehrer erinnerte der nach langen Versuchen jemandem etwas beizubringen es dann aufgibt und denkt “Du bist doch ein dummer Esel und aus Dir wird niemals was werden”. Als dann der andere Autoist erschien überfiel er ihn mit der Autorität der Obrigkeit. Das neue Panorama Hotel macht zwar eine Anstrengung wie ein modernes Hotel geführt zu werden, aber überall fehlte was. Der Griff der Eingangstür hing nur an einer Schraube und der Fahrstuhl (einer der zwei) war kaputt. Farbe war oft abgefallen. Da waren fast nur Deutsche da, viele von denen waren in einem grossen Mercedes Bus gekommen, viele von denen alte Breslauerinnen unverkennbar an der Breslauer Sprache. Die meisten über 60. Das Hallenschwimmbad und die Feuerwehr waren noch da. Ich glaube dass die Strasse Breitestrasse hiess. So viel habe ich vergessen. Für mich sind es ja jetzt 47 Jahre her als ich Breslau verliess. — Der Wassergang unter des Liebichshöhe, wo wir als Kinder spielten schien mir viel kleiner als früher. Alles schien verzerrt. Die Zerstörung muss ganz grausam gewesen sein, wie in Stalingrad. Die Lutherkirche und alles dort herum war von den Nazis abgerissen worden, die wollten im letzten Moment einen Flugplatz bauen um die nicht mehr existierenden Flugzeuge mit Proviant und Munition dort landen zu lassen. Immer waren Bettler in der Nähe unseres Autos, die Kaugummi oder "eine Mark” wollten, oder “Hilfe” anboten. Das habe ich aber immer abgelehnt. Eine andere Welt! Ein Mann ging mit seiner Familie an uns auf der Schweidnitzerstrasse vorbei und mit wütendem Gesichtsausdruck sagte er “Deitsche.” Ein anderer Mann wollte vor uns ausspucken. Es ist ihm aber nicht gelungen und der Dreck blieb ihm am Munde hängen. Aber sonst nirgends offene Feindschaft oder Schwierigkeiten. Offenbar wir der Fremdenverkehr ln Polen unterstützt um Dollars und Marks einzubringen. Wir fuhren auf die Lohestrasse hinaus um den Friedhof zu besuchen. Den Friedhof habe ich an den unregelmässigen hohen Mauern erkannt. Er ist vollständig überwachsen und das Tor ist mit einem Vorhängeschloss versehen. Man konnte nirgends über die Mauern sehen. Der Gemeinde Vorsteher sagte dass ich einmal im Frühjahr zurückkommen soll wenn die überwuchernden Pflanzen nicht mehr da sind. Dort, in der Wallstrasse fühlte man die Hilflosigkeit der letzten Station vor der Abtransportierung nach Auschwitz. Die wenigen Juden die in Breslau wohnen sind alle von Polen gekommen und sind alle alt. Der Vorsteher, Herr Finkeistein ist mit 65 Jahren der Jüngste. Interessanterweise gibt es jetzt ein paar jüdische Emigranten... aus Russland. Er selbst war von einem SS. Lastwagen auf dem Wege von Lemberg zum Erschiessen abgesprungen, von den 19 die es auch taten waren 13 sofort erschossen worden und 6 haben die letzten Monate bevor die Russen 1944 kamen in Wäldern überlebt. Am Ende wog er 45 Kg. Ein anderer Lemberger war 71, der hatte Glück, denn er war den Krieg über in Sibir und jetzt lebt er vom Betteln. Er verlangte auch eine "Gabe” von mir, die er natürlich erhielt. Dort gibt es koscheres Fleisch "so wiel wir wollen” aber später, in Krummhübel hat man mir gesagt, dass es nur manchmal ein paar Pfund gibt. Die Polen haben Kirchen, Theater, Schulen und Warenhäuser und Museum wieder aufgebaut. Aber die Strassen sehen elend aus. Am meisten fehlen die Cafehäuser. Wir sind viel herumgelaufen, was verhältnismässig einfach ist, wie z.B. vom Hotel nahe der Kaiserbrücke nach der Schweidnitzerstrasse, zum Hauptbahnhof, entlang der Gartenstrasse, dann nach der Graupen und Wallstrasse, zum Königsplatz, dann nach der Reuschestrasse zum Ring. Dan zum Essen ins Hotel und dann wieder durch die Albrechtstr. zu Fuss zur Universität und durch die Oderstrasse zum Blücherplatz wo wir die alte Breslauer Karte fanden und dann müde ins Hotel zurück. Aber wir sind noch viel mehr mit dem Auto gefahren, hin und zurück durch die Innenstadt, nach Scheitnig, nach Kosel und nach dem Südpark und dann zur Dominsel und nach Morgenau. Man kann so viel mehr mit dem Auto durchfahren ohne müde zu werden und wenn man langsam fährt sieht man fast so viel wie wenn man läuft. Am letzten Tag war die Ausstellung unter der Liebichshöhe offen. Da waren Bilder, Zeitungen, Militärische Befehle vom April 45, Photos von Bränden, Leichen, Soldaten, Generälen, kriegsgefangenen Nazis mit frechen Gesichtern, die wie Sieger aussahen. Todesurteile vom Gauleiter Hanke und auch eine Karte von Breslau mit russ. Buchstaben überklebt, offenbar für die Artillerie Beschiessung benützt. Eine Verlautbarung des Erzpriesters der Mauritiuskirche die darum bittet den gottlosen Führer zu verlassen und sich der Führung der dreieinigen Kirche anzuvertrauen — ein wenig spät — im April 1945 geschrieben. Dann auch eine Veröffentlichung des neuen polnischen Präfekten der die Bevölkerung aufforderte ihres polnischen Ursprung gewahr zu sein, eine Tatsache die bis vor 1500 zurückgeht und ganz in Vergessenheit geraten war... ausser eines badischen Schafhirten der in den Vogesen arbeitete und mit mir interniert war. Der hatte geglaubt dass Breslau doch polnisch war was mir vorher nie aufgefallen Ist. Er hat aber prophetisch recht gehabt denn es war doch schon 1940 und 4 Jahre sptäer war es so. In der Ausstellung waren Russische, Polnische und Nazi Uniformen, Gewehre, Orden, Kanonen und die letzten Ausgaben der Schlesischen Zeitung die z.B. berichteten dass die Engländer 200 extra gemeine Polizisten zum Gebrauch im besetzten West-Deutschland ausbildeten. Ein Bericht nach dem der Bürgermeister von Brockau geflohen war. Zu seiner Verteidigung hatte er vorgebracht, dass er telephonisch versuchte mit Brockau in Verbindung zu kommen, es ihm aber nicht gelang was ihm den Eindruck gab dass Brockau schon besetzt war und darum wurde er zum Tode verurteilt. Auch 2 Frauen wurden getötet denn sie sind in eine Wohnung eingebrochen... und das alles im letzten Moment vor dem Fall der "Festung Breslau”. Breslau schien mir wie eine chemische Reaktion wenn durch Zufügung von einer Chemikalie sich die Farbe ändert, Rauch aus dem Reagenzglass heraus kommt und man sich die Finger verbrennt. In der Universität war ein Examen im Gange. Jeder war ruhig und in der Arbeit versunken wie än alten Zeiten... vielleicht war da jemend der sein Gehirn bildet und später einmal helfen wird die Inhibierende Kommunistische Unterdrückung in neue Bahnen zu führen. Wenn es nur In der Art von Tito wäre, wo man atmen kann und wo eine Art Sozialismus praktiziert wird wo der kleine Mann das Recht hat ohne ständige Furcht zu leben. Man darf dort auch nicht die Regierung kritisieren, aber sonst ist in Jugoslawien keine Unterdrückung der Ambition zu fühlen. In Polen aber Ja. Die Unterdrückung der Ambition und der Konkurrenz verhindert den Jungen polnischen Arbeiter mehr zu arbeiten. Alles bleibt daher schmutzig und vernachlässigt und der Wiederaufbau ist weit zurück. Ich erinnerte mich an das Wort “Polnische Wirtschaft”, ein typischer deutscher nationalistischer Ausdurck, aber leider scheint da einige Wahrheit dabei zu sein. Man muss auch bedenken dass die jetzigen Bewohner Breslau's nicht in einer “Heimat” sind. Ausser ein paar 1000 Deuschen die dort sind, sind sie alle von anderen Gegenden gekommen. Anders ist es in der CSR wo es viel sauberer aussieht. In Breslau gibt es keine Sprachkenntnis, keine Höflichkeit und keine Konkurrenz. Ist das das Arbeiter Paradies? Aber was ist dann das Leben der Arbeiter im Westen und in der US? Wenn ein Paradies vom Kommunismus erwartet wird, da müssen sie aber schneller laufen um den Westen einzuholen. In Österreich hat man mir erzählt dass das Proletariat jetzt nach links rückt. Eine neue 30% Luxussteuer schliesst nun auch Tee & Kaffee ein. Das ist schlimm genug. In Polen gibt es weder Tee noch Cafes. Kein Unternehmungsgeist, keine Konkurrenz, keine Juden, keine Moden und nur nicht-luxus Esswaren. Jemand sagte mir dass alles nach Russland geht. Oder ist der Mangel an Waren nur die Folge der Entmutigung der Arbeitslust? Als die Kommunisten die kleinen und grossen Geschäfte nationalisierten hat man den Arbeitern ein besseres Leben auf Kosten der Geschäftsleute versprochen. Man hat den Boss gewechselt, aber den neuen Boss kann man nicht umwechseln, man darf nicht streiken, nicht protestieren. Diese neuen Bosse sind schlimmer als die Kapitalisten, denn für sie ist das gute Leben schon da. Sie können weder entlassen werden noch bankrott machen. Sie können die Buchführung fälschen und Statistiken färben. Sie können auf dem Papier behaupten dass sie grössere Erfolge haben als die Kapitalisten, was natürlich dem Arbeiter nicht möglich ist zu kontrollieren. Man sagt in Polen dass es keine Arbeitslosigkeit gibt. Das kann schon so sein. Aber wenn die Arbeiter keinen Grund haben sich anzustrengen, trotzdem ihr Gehalt bekommen, aber dann mit dem Geld nichts kaufen können, ist es leicht zweimal so viele Arbeiter für die gleiche Arbeit anzustellen und darum keine Arbeitslosigkeit zu haben. Die Kommunisten sagen auch dass sie keine Inflation haben. Das ist auch nicht wahr. Es war doch schon immer seit dem letzten Kriege ungefähr 30% billiger in Polen als im Westen. Es ist immer noch um 30% billiger dort als Jetzt im (Fortsetzung auf Seite 22) 21