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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 20 (sequence 2389)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 10) musste man aufgeben, da man es mit den damaligen Arbeitsgeräten nicht schaffte, das harte Gestein zu durchbohren. Die Frage, die noch kein Historiker aufgeworfen hat, ist die, warum Hiskia den langen Tunnel errichten musste, wo es doch schon mindestens drei Hundert Jahre vorher das ‘Rohr’ gab, um die Bewohner der befestigten Stadt mit Trinkwasser zu versorgen? Es ist anzunehmen, dass Hiskia und seine Ratgeber, wie der damals aktive Jesaja, wenig von der lokalen Geschichte wussten, und den Inhalt des zweiten Buches Samuel kaum kannten. Vielleicht haben die ‘Schreiber’, die die Schriften hüteten, nicht zum ‘Establishment’ gehört, nicht zu dem kleinen Kreis der politischen und militärischen Führungsschicht im achten Jahrhundert vor der Zeitrechnung, und so musste das auch für unsere Begriffe grosse technische Werk geschaffen werden, zwölfhundert Ellen lang, oder — in unserer Masseinheit — 533 Meter. Man kann den Bericht über den Gichon, der sprudelnden Quelle, nicht schliessen, ohne zwei ältere Wasseranlagen zu erwähnen, dem in cana’iti- 6cher Zeit errichteten Graben, im Jahre 1901 von Masterman freigelegt, der mit Steinen bedeckt war, er diente dazu, die ‘Gärten des Königs’ im Kidronfcal zu bewässern. Ein zweiter Kanal, 1896 und 1913 untersucht, wurde in einer Periode angelegt, die in die Regierungszeit Salomos fällt, der Ja auch die Stadt nach Norden erweiterte, den Moria Hügel bebaute, wo er Palast und Heiligtum errichtete. Der Kanal führte nicht nur zu den Gärten sondern ■auch in das Becken, dem Schilo Teich, irgendwann in grauer Vorzeit errichtet, um das von den Bergen ablaufende Regenwasser zu sammeln. Vielleicht gehört die Selbstverständlichkeit dazu, mit der wir heute die Wasserleitung aufdrehen, dass man sich wenig Gedanken macht, woher das erfrischende Nass kommt, insbesondere in Jerusalem, dem Ort ohne Quellen, dass nur wenige Besucher einen Abstecher an der Gichon Quelle machen, und von dem Wasserwerk des Hiskia beeindruckt werden. In den Ruinenstädten wie Megiddo und Chazor gehören die Wasseranlagen zu dem Bild der Vergangenheit, in Jerusalem, der Hauptstadt des Landes, erscheinen sie irgendwie anachronistisch. Die Kinder des Dorfes Silwan, das Schilo’ach der Bibel, das auf den Ruinen der Vergangenheit aufgebaut ist, und noch, trotzdem es im Stadtgebiet Jerusalems liegt, den dörflichen Charakter beibehalten hat, bestürzen die seltenen Besucher, um sie gegen Backschich zu den Anlagen zu führen, während Erwachsene plötzlich auf der Strasse auftauchen und Säulenreste und Münzen anbieten... Heinzwerner Goldstein, Haifa ÜBERLEBENSFORMEL Lass dich nicht engagieren, sei aalglatt, sei aalstumm; tu dich nicht echauffieren, sieh dich umsichtig um. Sei nicht zu provozieren, stell dich wo möglich dumm, so magst du fossileren... Doch wenn Böse triumphieren frage nicht warum. Stella Rotenberg Breslau im September 1977 Breslau klingt wie früher: die Elektrische Strassenbahn. Ich habe sie nicht benützt, aber ich nehme an dass es innen nicht mehr heisst “Festhalten in Bögen”. Aber die Gleise und die Bremsen und wenn die Wagen in den Schienen um die Ecken fahren ist das immer noch ein Klang wie früher. Breslau wird jetzt Wroclaw geschrieben, aber wenn Polen den Namen aussprechen, klingt es fast genau so, nicht mit dem “W” sondern mehr wie ein "B”: Bresslaff und man kann es fast als Breslau verstehen. Was noch da ist, scheinbar unverändert, ist die Universität, die Kaiserbrücke, die Jahrhunderthalle, die Dominsel, der Scheitniger Park, die Maria Magdalenen Kirche und die Mauritiuskirche, genau wie früher mit den Napoleonischen Kanonenkugeln in den Mauern. Natürlich die Oder und die Ohle, das Stadttheater, der Hauptbahnhof und die Liebichshöhe und auch die hinteren Gebäude der Cäcilienschule das ist alles da, aber es schien mir alles so viel kleiner als früher, sogar die Oder hatte ich mächtiger in Erinnerung. Der Ohlauer Stadtgraben ist halb überwachsen und einige Strassennamen kann man wieder erkennen: die Ruska, der Rynek, die Swidnicka, die SW Mikolaja, die Olawie, die Legnicka, aber allen anderen Namen sind vollständig anders. Die Klosterstrasse heisst jetzt Romualda Traugutta und der Stadtgraben: Podwale, ein Wort das wohl die Übersetzung des Wortes Festungsgraben ist. Hinter der Mauritiuskirche war ein „Heldendenkmal” der Gefallenen von 1914—18 auf dem nur wenig deutsche Worte nicht ausgekratzt waren. Wo die Klosterstr. 33 war ist nun ein Kindergarten zusammen mit dem Grund wo einmal die Seifenfabrik stand. Aber 35 ist noch da, sogar noch mit der alten Nummer: 35 über der Tür. Dort war ich geboren worden. Ich hatte zwiespältige Gefühle als ich Breslau so wieder sah. Wie ich mich als es 1944/45 geschah über die Niederlage der Nazis freute, das Rachegefühl, dass sie jetzt das Gleiche bekommen haben was sie uns angetan hatten... aber dann war auch das Gefühl der Trauer, als ich meine Geburtsstadt so gebrochen wieder fand. Der Ring war scheibar nie vollständig zerstört, er sieht fast so aus wie früher, aber die Buden fehlen und die Staubsäule. Der Rathauskeller ist jetzt ein Tanzlokal und im polnischen Breslau gibt es keine polnischen Würste auf dem Ring. Es gibt kaum Lokale wo man essen kann, keine Cafes und keine Bierlokale. Es gibt sie sicher im kleinen Masse aber sie sind nicht in den Hauptstrassen. Die Geschäfte fehlen. Und wo man Geschäfte mit Auslagen sieht, da gibt es nur proletarische billige, farblose Dinge zu kaufen. Keine Eleganz, keine Schönheit. Wo M. Berger Nachfolger war da gibt es ein paar kleine Auslagen und wo Eckersdorff am Ring war konnte ich nicht feststellen welches Haus es wirklich war. Das einzige Haus das ich wieder erkannte war die Wallstrasse 30, noch mit der gleichen Nummer. Da hatte meine Grossmutter vor 1914 gewohnt. Der Eingang und die Stufen genau wie damals. Das Monopol Hotel neben dem Stadttheater sieht von aussen dreckig und verwahrlost aus und wir zogen vor im Hotel Orbis-Panorama zu wohnen das dort steht wo die Ohlauer Und die Albrechtstrasse nahe zusammen komen bevor man zur Kaiserbrücke kommt, die jetzt Grunwaldzki heisst. Das Monopol Hotel sieht aus wie ein Minen Verwaltungsgebäude. Erstaunlicherweise stehen noch die beiden Häuser am Stadtgraben, wo Landsbergers und wo Freys wohnten. Kein Lokal auf der Liebichshöhe, darum keine Berliner Weisse und keine Kandierten Früchte aber der Eiskeller unter der Liebischhöhe der früher niemals offen war, ist Jetzt eine Austellungshalle, auf die ich später noch mals zurückkommen will. Was ganz fehlt ist die deutsche Sprache. Ein paar Leute können ein paar Worte meistens ganz wenig und die drehen sich meistens um wenn man versucht eine Frage zu stellen. Da sind noch viele Trümmerhaufen und zwischen der Ohlauer- und der Albrechtstrasse wird scheinbar eine Unterführung gebaut, die der Gegend den Eindruck einer Römerausgrabung oder eines Erdbeben Wiederaufbaus gibt. Die Neudorfstrasse ist hinter der Unterführung einfach nicht mehr da. Einige einzelstehende moderne Wohnblöcke sind quer zwischen der Neudorfstr. und der Lohestrasse, ähnlich wie in Brasilia, in Barcelona und in Milano, aber ohne Ziergärten herum. Man gewinnt den Eindruck als wenn ein Kind mit Baublöcken spielte und hier und da ein paar Blöcke weggenommen und mit Teilen von einem anderen Baukasten ersetzte. Ganz und gar fehlt die Kaiser Wilhelmstrasse vom Tauentzienplatz an, der jetzt PI. Kosciuski heisst. Die Gartenstrasse heisst jetzt Boguslawskiego und die alten Hotels sehen ganz verwahrlost aus. Aber der Süden ist wie abrasiert. Bäume stehen noch im Scheitniger und im Südpark, aber das Ist alles. Der Ruderclub und Morgenau sind nicht mehr da, aber sie haben eine Fussgängerbrücke gebaut die ungefähr von Morgenau nach dem Zoo auf der anderen Seite der Oder geht. Sprachen fehlen fast ganz. Im offiziellen Reisebureau war eine junge Dame die einmal für ein Jahr in Frankreich war und die war mir sehr behilflich die jüdische Gemeinde aufzufinden, die neben der zerstörten Storch Synagoge ist. Die Storch Syn. ist wie mir Herr Finkeistein der der Vorsteher der Gemeinde ist, sagte, von den Polen zerstört worden und so haben sie einen kleinen Saal, der wahrscheinlich früher als Gemeindebureau diente als Synagoge ausgestattet. Die Fenster der Storch Synagoge sind alle zerbrochen. Ich kann mir nicht vorstellen dass sie den Nazismus überlebt hatte. Der Professor der ein Examen in der Bibliothek der Universität überwachte sprach genügend englisch um mir zu sagen dass ich in eine andere Universitätsblibliothek hinter dem Blücherplatz gehen muss um dort eine Karte vom Vorkriegs Breslau zu finden. Di? war in einem Buch, und eine Dame die sich ausgezeichnet auf deutsch ausdrückte (“Da muss ich mal nachgucken”) die war wirklich nett, aber leider war eine längere Unterhaltung unter den Augen der anderen Polinnen nicht möglich. Sie sagte dass sie deutsch in der Universität gelernt hatte, aber sie sprach zu gut tun nicht auch auf einen deutschsprachigen Familien Hintergrund zu schliessen. Sie gab das aber nicht zu. Diese Karte half uns sehr unser Gedächtnis aufzufrischen. So erkannten wir die Graupenstrasse, die Albrechtstrasse, die Schmiedebrücke wieder. Was mich sehr überrascht hat war dass die ganze Gegend vom Königsplatz bis nach Kosel nicht mehr existierte. Es scheint dass die Russen vom Süden und Westen angegriffen haben und darum steht mehr im Osten und im Norden Breslau’s. Breslau war einmal eine kleine Gressstadt von 600.000 Einwohnern. Man sagte mir dass jetzt 500.000 Menschen dort wohnen, aber es sieht wirklich wie eine grosse Kleinstadt aus. Verwahrlost, mit schlechtem Piaster und fast keine Geschäfte. (Fortsetzung auf Seite 21) 20

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