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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 19 (sequence 2388)
Language
German
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Das Wunder des Geigenspiels Von NORA HAUBEN * Es gibt Ereignisse im Lebenslauf eines Menschen, die unvergesslich im tiefsten Winkel der Seele haften bleiben, auch wenn der Alltag mit seinen oft stuermischen Wogen hinwegbraust. Diese Ereignisse, die Einmaligen, sie bleiben in Erinnerung als etwas Leuchtendes, Strahlendes, die ihren Glanz nie verlieren. Man schrieb das Jahr 1941. Dieses Datum war verknüpft mit den grausigsten Taten aller Zeiten. Wir befanden uns als Deportierte in Transnistrien. Unser Schicksal war besiegelt — dem Untergang geweiht. Wohl gab es Fälle, in welchem die Unglücklichen durch menschliche Güte vor dem bitteren Ende bewahrt blieben, aber diese Fälle waren so selten, dass ihr Licht umso strahlender leüchtete, und deren Licht den Mutlosen und Verzweifelten neue Hoffnung einflösste, auch wenn die Hoffnung nur für Tage, Stunden und kostbare Minuten währte. Wie so oft schon, erging der Befehl von höchster Stelle, eine bestimmte Anzahl Juden in ein Sammeilager zu überführen, um sie dann weiter in ein Todeslager, das nur ein paar Kilometer entfernt war, zu transportieren. Die Schergen gingen von Haus zu Haus, von Tür zu Tür, um die Befehle, Männer, Frauen und Kinder mit Gewalt einzutreiben, auszuführen. Frauen die sich wehrten, wurden bei den Haaren herausgeschleift. Unter Klagen und Weinen, sah man die Unglücklichen ihrem ausweglosen Schiksal entgegengehen, denn alle wussten sie es, dass es von dort, wohin man sie trieb, es niemals mehr ein zurück gab. Nun geschah es, dass man an einem der Türen ebenfalls mörderisch klopfte. — Ein Mann öffnete, dessen Gesicht weder Angst noch Schreck, sondern ruhige Gelassenheit ausstrahlte. Er entfaltete ein Schriftstück, in welchem zum Ausdruck kam, dass ihm und seiner Familie erspart blieb, ins Todeslager überführt zu werden. Dieses wichtige Schriftstück erhielt sein 12 jähriger Sohn, von der höchsten Instanz, des Majors, der damals über Leben und Tod zu entscheiden hatte. Wie das kam? Der Vater des Kindes ersann in seiner grossen Verzweiflung einen Plan, der ihm und seiner Familie das Leben retten konnte. Er wagte es mit seinem Sohn, den Major aufzusuchen, um ihn zu bitten, seinen Sohn doch vor ihm spielen zu lassen, er sei sicher, dass er einen angenehmen Abend verbringen werde. Der Major, der Geigenspiel sehr liebte, gab gnädig seine Einwilligung. Auf diese Weise kam der 12 jährige Junge in den Gesichtskreis des Majors. — Er fing zu spielen an — das Spiel um sein Leben — um das seiner Eltern. — Jetzt oder Nie!. — dachte er — es ging um Sein oder Nichtsein! — All sein Können — seine zerrissene Kinderseele legte er in sein Spiel, die Seiten der Geige weinten, man glaubte, durch die herzergreifende Töne das Schluchzen eines ganzen Volkes zu hören. Der Knabe wusste nicht, wie ihm geschah, niemals zuvor hatten seine Kinderhände die Saiten seiner Geige so zauberhaft zum Erklingen gebracht, wie damals in dieser schiksalshaften Stunde, — die über Leben und Tod entscheiden sollte. Und niemals später entlockte er seiner Geige solch klagende und anklagende Töne. Als der Knabe sein wundersames Spiel beendete, war der Major zutiefst beeindruckt — ja bewegt, denn was da in dem Raum erklang, war vollendete Kunst. Es berührte etwas in ihm, das noch gut war. Dieses erhabene Spiel entfachte den letzten Funken Menschlichkeit, der im kleinsten Winkel seiner Seele verborgen war und loderte zur hellen Flamme, und diese Flamme war es, die ihn zu einer guten Tat hinriss, unter diesem Einfluss fer- Der Tunnel Die Frage, warum die Jebusiter sich die Hügel, die wir als Zion und Ophel bezeichnen, zum Platz ihrer befestigten Stadt wählten, konnten die Historiker noch nicht beantworten. Für andere alte Orte, Jericho, Gaza, Akko, Meglddo, Bet Sche’an, gibt es einleuchtende Erklärungen. Sie lagen am ‘Wege des Königs’, an den Handels-und Militärstrassen. Jerusalem liegt im Gebirge, auf der Wasserscheide, ohne eigene Quellen. Wir können die Gedanken nicht nachzeichnen, die die ersten veranlassten, sich dort niederzulassen. Damals gab es an den Hängen des Ophel, dem Hügel, der über dem Kidrontal liegt, in dem man dem Touristen die aus dem Felsen geschlagenen Monumente zeigt, die als Grabmäler Absaloms, Secharia und den Bne Chesir zugeschrieben werden, eine Quelle, die Gichon genannt wird, der Sprudel. Noch immer sprudeln täglich 200 bis 1,100 Kubikmeter Wasser, Je nach der Jahreszeit. Die Quelle ‘arbeit’ — und das unterscheidet sie von anderen — jedesmal 30 bis 40 Minuten, um dann für vier bis zehn Stunden zu ruhen. Die ‘Berggeister’ sammeln das Wasser, um es von Zeit zu Zeit in das Quellbecken zu geben, das zehn Meter tief in der Erde liegt, in einem Krater, der leicht und gut zu vermauern ist. Und so kam die Quelle zu ihrem Namen. In den Legenden aller drei monotheistischen Religionen werden dem Wasser mystische Heilerfolge zugeschrieben. Für die Christen ist es die Marienquelle. Eine der technischen Leistungen der jüdischen Königszeit ist der Tunnel, unter der Regierung des Königs Hiskia, vor 701 B.-C.E., errichtet. Durch ihn werden die Wasser des Gichon in das 335 Meter entfernt liegende Reversoir den Schilo Teich, geleitet. Das Becken, das noch heute seine Aufgabe erfüllt, ist älteren Datums. Es befand sich innerhalb der befestigten Anlagen Jerusalems, die Quelle draussen. Die Steinbrecher, die in Eile von zwei Seiten arbeiteten, da König Sancherib die meisten Orte des Landes erobert und zerstört hatte, waren glücklich, als sie sich im Innern des Tunnels trafen. Diese Arbeitsleistung wurde in einer Inschrift verewigt, die 1880 entdeckt wurde, und die bis heute zu den ältesten bekannten hebräischen Texten gehört. Die Türken, die damaligen Beherrscher des Landes haben die Bedeutung der Schrift erkannt, sie aushauen lassen und den Stein in das Museum nach Istanbul gebracht. Der Tunnel wird in grossen Wendungen geführt. Er ist zwei hundert Meter länger als die Luftlinie. Einen Tunnel von 533 Meter zu bauen, ist eine Leistung, die wir noch heute bewundern. Grade Anlagen, wie die in Megiddo lassen sich noch mit den technischen Mitteln jener Tage erklären. Trotz der S-förmigen Biegungen haben sich tigte er dieses so bedeutungsvolle Schriftstück aus, das ihnen das Leben rettete. Der Major schenkte dem Judenjungen als Andenken an diesen denkwürdigen Abend eine kostbare Geige. Der Junge gelangte später, aus Anlass der Befreiung mit dem Kindertransport nach Israel, in einen der Kibbuzim, wo er auf seine Eitern wartete. — Endlich nach vielen unglücklichen Verkettungen und Zufällen gelangten auch seine Eltern an ihr so heissersehntes Ziel. Die Familie war nun glücklich vereint. Heute spielt der ehemalige Retter — sein Name ist Harry Melamd — im Philharmonischen Orchester — im Tel-Aviver-Hechal-Hatarbut. Heiratete inzwischen und hat selbst schon Kinder, denen er sicherlich die Geschichte seiner wunderbaren Errettung erzählen wird. des Hiskia die Werkgruppen auf gleicher Höhe getroffen, es waren nur wenige Zentimeter auszugraden. Der glatte Boden Ist nur mit leichtem Gefälle gebaut, da das Wasser langsam fiiesst, — Jesaja spricht, 8/6, in einem Vergleich von den ‘stillen Wassern zu Schiloa’. Die Höhe ist unterschiedlich von 1,45 Meter bis zu 5 Metern, die Breite 60 bis 70 Zentimeter. Die Belagerung der Assyrer übersteht Jerusalem nicht durch die Wasserversorgung alleine, sie wird durch ein ‘Wunder’ abgebrochen — ein an ein Wunder grenzendes Ereignes, das wir heute mit anderen Augen sehen, dass aber insofern ein ‘Wunder’ bleibt, weil es zur rechten Zeit eingetreten ist, die Stadt zu retten, und damit das Reich Juda. Im 2. Buch der Könige lesen wir, 19/35, 36; ‘Und in derselben Nacht fuhr ein Engel Gottes aus und schlug im Lager der Assyrer 185,000 Mann. Und da sie sich des Morgens früh aufmachten, siehe, da lag’s alles eitel tote Leichname. Also brach Sancherib, der König von Assyrien auf, und zog weg, und kehrte um...’. Von Herodot, dem griechischen Barden, wissen wir, dass ungefähr zur gleichen Zeit ein assyrisches Heer in Ägypten unter einer Mäuseplage zu leiden hatte. Jerusalem wurde im Jahre 701 B.C.E. von einer der Pestilenzen gerettet. Es ist unwichtig zu rätseln, ob es sich um Pest oder Fleckfieber handelte. Der Tunnel des Hiskia wurde niemals verschüttet. Die Wasser der Gichonquelle bewässern die Gemüsegarten der Bewohner des Dorfes Silvan, fruchtbare Oasen in der kahlen Felsenlandschaft. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts begann die Welt sich um ihre Vergangenheit zu interessieren. Im Lande, insbesondere ln Jerusalem, der heiligen Stadt dreier Konfessionen, wurde mit dem Buddeln, dem Forschen, begonnen. Wir wissen nicht, ob die Engländer den Offizier der Royal Engineers als Soldaten in das Land schickten, der nach strategischen Möglichkeiten Ausschau halten sollte, oder als Forscher der Vergangenheit, eine doppelte Aufgabe, die im Jahre 1913 Lawrence im Negew nur zu gründlich ausführte. Charles Warren kletterte im Jahre 1867 in der Quellgrube herum, und entdeckte einen Schacht, der senkrecht nach oben führt, nach 13 Metern führt ein treppenförmiger Tunnel weiter aufwärts. Warren war überzeugt, dass der Schacht und der 14 Meter lange Tunnel das ‘Rohr’ ist, der ‘Zinor’, durch das die Soldaten Davids um 1.000 B.C.E. die Stadt eroberten, 2. Sam 5/8. Die Untersuchungen des Palestine Exploration Fund bestätigen 1910 das Alter des Anlagen. Man findet, dass der ‘Warren’s Schacht’ nicht der erste Versuch war, von der Burg an die Quelle zu kommen. Den anderen Schacht (Fortsetzung auf Seite 20) 19

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