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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 15 (sequence 2384)
Language
German
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DAS DORF DER HOFFNUNG In vielen Ländern macht man es sich einfach, die Menschen werden eingeteilt, in die ‘Normalen’, die mit mittlerer und hoher Intelligenzquote, denen man Schulen und Ausbildungsstätten errichtet, und den ‘Anderen’, den ‘Kranken’, die man oft in geschlossene Anstalten unterbingt, mit wirklichen Nervenkranken, oder ohne jede Pflege lässt, und sie aufgibt. Die Statistik zeigt, dass 3% der Bevölkerung nicht die intellektuelle Reife mitbekommen hat, die es ihr erlaubt, so wie die anderen zu sein, und öffentliche Schulen zu besuchen. Viele von denen, mit einer Intelligenzquote zwischen 50 und 80 kann man aber so weit bringen, einen Beruf zu erlernen, sich mit sich selbst und Ihrem Schicksal abzufinden, und so nur bedingt der Öffentlichkeit zur Last zu fallen. Das ist das Ziel und die Aufgabe des Kfar Tikwa, des Dorfes der Hoffnung, das im Jahre 1963 durch die Initiative Dr. Siegfried Hirschs entstanden ist. Da das Dorf als private Gesellschaft geführt wird, kann sie nur 110 Zöglinge aufnehmen, was insofern Vorteile hat, als die Gruppe die jahrelang zusammen lebt, sich als ‘Familie’ fühl. Das, was in Kfar Tikwa vorgelebt wird, sollte Anregung sein für private oder staatliche Gruppen, derartige Arbeits-und Lehrdörfer zu gründen. Es -ist vielleicht ein Vorteil gewesen, dass der Gründer, der noch heute aktiv an dem Werk mitarbeitet, von Beruf weder Mediziner, noch Lehrer oder Psychologe ist, und so die Idee des Dorfes und dessen Entwicklung in den abgelaufenen 15 Jahren von keiner Theorie oder Lehrmeinung belastet ist. Siegfried Hirsch gehört zu dem kleinen Kreis der Juden aus Deutschland, die sich schon früh für Palästina entschieden haben. In seiner Heimatstadt Königsberg beginnt er im Jahre 1917 das Studium der Medizin, um bald zur landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin überzuwechseln. Aber auch das genügte den aktiven Zionisten damals nicht, er geht auf ‘Hachschara’, um praktische Landwirtschaft zu erlernen, und im Herbst 1922 landete die Gruppe in dem damaligen Palästina. Die Gruppe, ‘Kwuzat Zwi’ arbeitet zuerst in Gewa, dann in Bet Alpha, und kommt dann in der Nähe von Jagur, wo die meisten an Malaria erkrankten, und die Gruppe sich im Herbst 1924 auflöste. Siegfried Hirsch ging nach Utrecht an die landwirtschaftliche Hochschule, und beendete die Ausbildung mit dem Doktorat in Königsberg 1928. Als promovierter Agronom kehrt er in das Land zurück, arbeitet als Lehrer in Nahalal, Kfar Tabor, und erforscht die Probleme des Kleinviehs in Rechowot und am Vulcani Institut. 1936 wird er Leiter der landwirtschaftlichen Siedlungsabteilungen der Rassco, die viele der dörflichen Punkte der aus Deutschland eingewanderten Kleinkapitalisten errichtete. Aus dem vorgezeichneten Lebenslauf wird er gerissen, als er auf das Problem der ‘retarded’, der zurückgebliebenen Kinder stösst, denen mit ‘langsamer Auffassung’, die von geringer intellektueller Auffassungsgabe sind, — aber nicht geisteskrank. Die Welt ist grausam genug, sie zu verspotten, sie zu hänseln. Es dauerte lange, bis Dr. Hirsch die behördlichen Schwierigkeiten überwinden konnte, und die verlassenen Böden des Kibbuz Giwat Said, bekommen konnte. Er nannte das Werk ‘Kfar Tikwa’, das Dorf der Hoffnung, das allen denen Hoffnung geben soll. Für die Zöglinge soll das Dorf nicht nur Schule, Lehrfarm und Arbeitsplatz sein, sondern ein Heim, der Ort der Freizeitgestaltung, zu dem sie nach Besuchen in der Familie gerne zurückkehren, nach Hause kommen. Und so hat noch niemand das Dorf, das keine geschlossenen Türen kennt, verlassen. Die Tageseinteilung ist für alle gleich. Nach einem Arbeitstag folgen Schulstunden in einem neuen Gebäude, das in diesem Jahre beendet wurde, insbesondere wird Rechnen, Hebräisch und Geschichte gelehrt. Der Abend ist der Freizeitgestaltung und Unterhaltung gewidmet. Es besehen Sportanlagen wie ein Clubhaus auf den Namen von Dr. Erna Meier. Im Unterricht spielt die Frage des Alters keine Rolle, der älteste Zögling ist 40 Jahre alt, der jüngse 12, die Gruppen müssen nach Auffassungskraft eingeteilt werden. Tanz und Musik stellen einen entscheidenden Faktor im Unterricht dar wie auch in der Gemeinschaftsgestaltung. Auf dem Fest, das sie anlässlich der Chanukatage gaben, wurden Tänze, Musikvorführungen und Sport und Gymnastik vorgeführt, die auch jeder anderen Schulklasse zur Ehre gereichen würden. In den Werkstätten, Tischlerei, Schlosserei, Keramik, eine für Plastikartikel wie eine Teppichweberei werden recht nette Dinge hergestellt, die zum Teil verkauft werden. Ein Drittel der Zöglinge kommt aus Gemeinschaftssiedlungen, die sehr an dem Werk interessiert sind, da es sich herausgestellt hat, dass diese Jugendlichen dort schwerer einzuordnen sind als in den Städten, wo die Eltern den zurückgebliebenen Kindern ihren Schutz bieten, ein anderes Drittel stellen die Sozialämter, Der Rest kommt aus priv. Familien. Die grosse Zahl des benötigten Personals, 40 Personen, davon 22 Lehrer und Instruktoren, erfordern ein grosses Budget, zu dem ein Tei! die Nationalversicherung zusteuert, das Unterrichtsministerium die Lehrer für Rechnen und Sprachunterricht bezahlt, während die Ausgaben für Sport und Musik, die als pädagogische Faktoren hier wichtiger sind — niemand von den Zöglingen wird ein geistiger Arbeiter werden —, von der Gesellschaft getragen werden müssen. Der Besuch im Dorf überrascht. Die Wege sind gepflegt, die Häuser, die zum Teil von dem Kibbuz zurückgelassen sind, sauber und mit Vorgärten umgeben. Die Zöglinge, es ist schwer von Schulkindern zu sprechen, sind immer beschäftigt, in den Klassenzimmern, auf jien Feldern, in den Werkstätten, im Clubhaus oder in der Sporthalle in den Freistunden. Sie bilden eine grosse ‘Familie’, wobei aber nur ein verhältnismässig kleiner Teil so weit kommt, dass sie entlassen werden können, um den Lebenskampf draussen aufzunehmen. Selbst wenn sie ihren Beruf gut ausfüllen, wollen die wenigsten mit ‘Kollegen’ Zusammenarbeiten, die ‘anders’ als die Andern sind, und so ist die Parole des Dorfes: ‘Lasst uns leben wie die Anderen, trotz unseres Anderssein’ zu verstehen. Unter geschickter Führung und Anleitung wird ihnen ein Heim geboten, und durch die produktiven Arbeiten das Gefühl vermittelt, nicht überflüssig zu sein.— Heinzwerner Goldstein, Haifa AUS “BARITMAH-HAM’SCHULESCHET” — “IM DREIFACHEN JOCH“ Von JIZCHAK L AMD AN In diesen Herbsttagen Gott, wie ein armes Küken, das zittert von Kälte, Nimm mein Herz in Deine grosse Hand, es zu wärmen, In diesen langen Herbsttagen Und in dieser Kälte, die rings um uns weht! Noch ge^ern, verdurstend, suchten wir des Baumes Schatten Und glühend schon am Morgen er jauchzten wir den Tau — Und jetzt — wie graue Herbstäpfel, so fallen wir herab, Ein Jeder ein Apfel — mit seinem Wurm darin. Schau — viele Hände voll wurmiger Herzen Schuf der Herbst in unserm jungen Garten. Sieh, wie ein Trunkener, der aus der Schenke kommt, war ich, Vom Wein verwirrt, Mit lerren Taschen Und weit, weit von Hause — ünd selbst dort, wusste ich, Wartet kein Trost: Das Wasser im Trinkgefäss — bitter von Streit, Kein Labsal gibt das trockene Brot, Die Väter voil Herbheit, zuernen und seufzen, Die Knaben Zwisten, die Säuglinge weinen, Die Fenster zerbrochen und ohne Läden, Das Haus selbst steht nur wie durch Wunder — Und der Glanz des Morgen verbirgt sich Weinend in einem Winkel — Oh, mein Gott, mein Gott, ist schon die Zeit vorbei? Ach, so gross, so gewaltig war die Erwartung; Wohl war die Sabbathdämmerung stets traurig, Aber siebenmal trauriger noch Wird sie kommen ohne Dich, wird sie gehen ohne Dich — Und ohne Dich dem Wochentage entgegen — Denn ich weiss: Du bist nicht in mir, Darum sind unsre Feste so kurz Und so lang und kalt unsere Werktage — Gott, wie ein Küken, das zittert vor Kälte, Nimm mein Herz in Deine grosse Hand, es zu wärmen, In diesen langen, öden Herbsttagen Und in dieser Kälte, die rings um uns weht! Aus dem Hebräischen übertragen von Käte Tal Plessner 15

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