Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 44 (Oktober 1978)
- Date
- 1978-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2379)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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(Fortsetzung von Seite 9) Forschung des Judentums (Chochmat Jisrael) und auf diesem Gebiete wurde hervorragendes geleistet. Nach dem Bibelwort erwuchs “Süsses aus dem Herben”. Die Hauptgemeinden des deutschen Judentums waren Zentren der “Wissenschaft des Judentums” geworden. Das waren Berlin, Breslau und Frankfurt. In Breslau erschien die „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums”. Auch die ausgezeichnete “Geschichte der Juden” von Heinrich Grätz erschien ln Breslau. Sie war eins der grössten Werke jüdischer Forschung. Die Monatsschrift, bis sie in den dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts vom Hitlerregime geschlossen wurde, war ein tätiges Zeugnis jüdischer Forschung und Wissenschaft in Deutschland. Aber neben den Eigenwerten dieser verschiedenartigen und vielseitigen Forschung war eine Hauptabsicht die Apologetik. Es sollte bewiesen werden, dass die Juden aus gutem Hause kommen, dass sie immer Kultur- und Moralwerte gefördert haben und sie es im Grunde genommen wert sind als volle, anständige und gute Bürger zu gelten. Die Geschichte sollte auch beweisen, dass die Juden Deutschland immer treu waren, während es ihnen die deutschen Mitbürger oft böse vergolten haben. Diese Absicht, wie auch der Wunsch die Juden selbst in diesem Sinne zu erziehen, ist auch z.B. in der “Geschichte der Juden in Deutschland” enthalten, die von A. Kohut um die Jahrhundertwende in Berlin publiziert wurde. In allen Zweigen der: Wissenschaften, Kunst und Wirtschaft taten sich Juden in Deutschland hervor. Je mehr sie sich jedoch bemühten im deutschen Kulturleben aufzugehen und aktiv zu sein, desto mehr wurden sie abgelehnt. Das war dem Antisemitismus öl auf seine Feuer. Die Juden sind vorlaut, schieben sich überall ein, wollen überall erscheinen. Ihr Anteil an freien Berufen überschreitet weit den Prozentsatz, den sie in der Bevölkerung bilden. Die Juden breiten sich in Kultur und Wirtschaft auf Kosten der Deutschen aus. Das ist unerwünscht, denn schliesslich “Jud bleibt immer Jud”. Auch das Problem der jüdischen Nationalbewegung in Deutschland enthält Phänomene, die fast unerklärlich sind. Es ist vielleicht bezeichnend, dass der Zionismus im deutschsprachigen Raume entstanden ist, sich aber grade im Osten ausgebreitet hat. Seine erste Sprache war Deutsch und seine ersten Führer, Herzl an ihrer Spitze kamen aus dem deutschen Sprachkreis. (Ich meine damit den organisierten Zionismus!) Das sind Dinge, die man zu erklären hat. Viele sind der Ansicht, dass es ohne Emanzipation keinen Zionismus gegeben hätte. Ich stimme dem vorbehaltlos zu, Jedoch aus grundverschiedenen Gesichtspunkten als den allgemein angenommenen. OHNE THESE GIBT ES KEINE ANTITHESE und die EMANZIPATION IST DIE ANTITHESE ZUM JÜDISCHEN NATIO¬ NALISMUS und umgekehrt. Der Zionismus entstand aus der tiefen Enttäuschung über das Scheitern der Emanzipation. Zwar konnten seine Gründer aus den Zivilisationsgütern des modernen Europas schöpfen, aber sie taten es um etwas eigenes und anderes zu schaffen. Es war ihnen klar geworden, dass auch, wenn ein Jude legal emanzipiert war und Stabsoffizier werden konnte, er dennoch nicht von der Gesellschaft anerkannt wird und bei erster Gelegenheit, WEIL ER JUDE IST, zum Verräter gestempelt wird. Im Osten Europas hatten die Juden keine gleichartigen Erwartungen und daher auch keine gleichartigen Enttäuschungen. Aber sie lebten ihr geschlossenes Jüdisches Leben. Daher wurde der Zionismus nicht dort geschaffen, fand aber fruchtbaren Boden als er an die Juden des Osten herantrat und wurde bald aufgeno'mmen. Im deutschen Kulturraum aber waren es Wenige, die sich zum Zionismus wandten. Die Mehrheit erwartete weiterhin die Erlösung durch Emanzipation und Verbrüderung. Diese Selbsttäuschung begleitete viele von den deutschen Juden bis in die Gaskammern. Auch die deutschen Zionisten waren an das deutsche Kulturbereich gebunden und waren daher dem Reiche immer getreu. In gewissem Sinne waren sie in einem Zustande doppelter Loyalität und sahen das zionististische Programm wichtiger für Juden andrer Länder, und in unterdrücktem Zustande, als für sich selbst. Auch sie glaubten weiterhin an eine Art von Emanzipation, die es eigentlich garnicht gab. Schon Dr. Leon Pinsker sagte in Russland, aber in deutscher Sprache, die Lösung der Judenfrage läge nicht in Emanzipation, sondern in Autoemanzipation. Für die Juden in Westeuropa und im gesammten deutschen Kulturkreis war die Emanzipation gleichbedeutend mit Entfernung vom Judentum, von den eigenen Quellen und auch die Ultra-Orthodoxen haben sich zumindest vom Nationalgefühl ihres Volkes entfernt. Sie glaubten bis zum Kommen des Erlösers gute Deutsche sein zu können und dann wird sie die messianische Erlösung, und nur diese, nach Zion bringen (das war die Mehrheit, ausser einer kleinen Zahl von Nationalreligiösen). Zwei Antworten wurden der Emanzipationsbewegung gegeben, beide bezeichneten sie als Scheinemanzipation, was sie auch wirklich war! Eine war die zionistische, die erklärte: Befreiung des Judenvolkes nur aus sich selbst heraus und nicht durch Gnade der Völker. Die andere war die nazistische, die erklärte: Keine Gnade den Juden sondern Endlösung durch Ausrottung. Ich glaube nicht an eine Emanzipation besagter Art. Gleiche Rechte bedeuten zwangsläufig Assimilation und Aufgehen in . der Umwelt. Gleiche Rechte aber, die Bestand haben, sind die der Autoemanzipation, die der geschlossenen territorialen Siedlung. Als Unterdrückte konnten Juden unter den Völkern bestehen, als tolerierte schwerer, als emanzipierte garnicht. Das ist auch das Schicksal, das den Juden in der freien Welt heute bevorsteht. Die einzige Lösung und Erlösung vom Übel der Emanzipation ist der Judenstaat, die Heimkehr zum Judentum und zum Judenland. Yehuda Ben Awner, Ramat Gan — Israel früher Markt aus Breslau * Nachbemerkung: Herr Yehuda Ben Awner (früher Markt — Breslau) hat im Rahmen eines Seminars am 24. Juli 1978 in Sonnenberg im Harz in der Bundesrepublik den vorstehenden Vortrag gehalten, der — wie wir erfahren, sehr gute Aufnahme gefunden hat. Wir freuen uns, dass er uns den Wortlaut des Vortrages zur Verfuegung gestellt hat und wir sind sicher, dass er auch bei unseren Lesern grosses Interesse hervorrufen wird. Wir danken ihm von dieser Stelle aus für seine ausgezeichnete Arbeit. Er ist unseren Lesern bekannt aus der No. 43 unseres Blattes, wo er den grossen Artikel: “Breslau — Wroclaw, die jüdische Geschichte einer Stadt” uns überliess, der eine besondere Resonanz in unseren Kreisen auslöste. Die Redaktion STATIONERY — BOOKSELLER JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Avhr, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTÄBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 Gedanken zu brennenden Fragen Es ist uns gelungen, aus dem Nachlass des bekannten Zahnarztes, Dr. Georg Levy, Breslau — Tel Aviv, der neben seinen ausgezeichneten Fachkenntnissen ein geistig hochstehender Mensch gewesen ist, philosophische Bemerkungen zu erhalten. Diese sind uns dankenswerter Weise von seiner Tochter Hanna Hahn geb. Levy, aus Tel-Adaschim, Israel, zur Veröffentlichung übergeben worden. Gegenüber den mehr oder weniger fantasiereichen Schriftdeutungen der Bibelkritik bemerkt Dr. S. Funk in seiner Schrift “Die Entstehung des Talmuds, Berlin 1919”: “Wir wissen jetzt aus den gefundenen altbabylonischen Dokumenten, dass die Verhältnisse, wie sie uns in der Bibel als Hintergrund der Patriarchengeschichte geschildert werden, mit dem Charakter und dem Milieu der geschichtlichen Entwicklung vollkommen übereinstimmen.” Zu den übernommenen altsemitischen Formen gehört offenbar auch die Chaliza. Wir wissen aus Ruth 4, 7, dass der Besitzwechsel eines Grundstückes durch eine symbolische Handlung vollzogen wurde, nämlich, dass der Verkäufer seinen Schuh auszog und ihn dem Käufer überreichte. Hierzu schreibt Funk weiter: "Ohne Zweifel hat das Ausziehen des Schuhes bei der Verweigerung der Schwagerehe eine ähnliche symbolische Bedeutung. Mit dem Ausziehen seines Schuhes begibt sich der Bruder des Verstorbenen seines Herrenrechtes, das ihn nach Recht und Sitte über die kinderlose Frau seines Bruders zustand. Ein ähnliches Gefühl verlangte auch die Schuhe abzulegen, ehe man eine geweihte Stätte betrat.” Schmoth 3, 5. Die krasse Art des im alten Orient allgemein üblichen Kaufes einer Frau erscheint in der Thora in wesentlich gemilderter Form. Sogar ein Mann wie Laban hielt es für nötig, erst die Einwilligung seiner Schwester einzuholen. Funk bemerkt: “Es scheint, dass die Väter den Frauenpreis den Töchtern zu geben pflegten. Rachel und Lea klagen, dass ihr Vater sie als Fremde geachtet, d.h. den Nutzen von Jakobs Dienstjahren für sich, verwendet habe.” Die ausser jedem Zweifel schon in ältester Zeit bestehende mündliche Überlieferung trug zur Hebung der Stellung der Frau wesentlich bei. ZUR BEACHTUNG: In Kürze haben wir die Absicht, in Tel Aviv, eine General-Versammlung unseres Verbandes abzuhalten. Es sollen an diesem Abend wichtige Beschlüsse gefasst werden. Wir machen bereits heute darauf aufmerksam und werden unsere Mitglieder rechtzeitig Einladungen mit der Tagesordnung erhalten. Wir bitten von dieser Veranstaltung Kenntnis zu nehmen und auch zu erscheinen. Verband ehemaliger Breslauer in Israel AHASVER Ich bin das Geschehen — ich bin das Verfliessen. Ich bin das Verwehen — ich bin das Erspriessen. Ich bin das Nachtbeginnen — ich bin das Lichterscheinen. Ich bin das Todentrinnen — ich bin das Seinbeweinen. Ich bin die Bewegung — die Botschaft aus dem All. So bin ich All-Erregung — das Schweigen und der Schall. Stella Rotenberg Aus: Stella Rotenberg: GEDICHTE”, Olamenu Verlag, Tel Aviv 10