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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 11 (sequence 2380)
Language
German
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Die Europäischen Juden von 1200 bis 1500 S([|SIII=IIISiii=iti=tM=iii=iit=iii=nt=iii=;iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=Mi=iii=iii=iii=iii=iii=riii=f1t=:iii=iii=iii=riii=iit=iii=iii=iii=iii=ni=iii=iii=iii=iii=iii Die Judenmassaker während der ersten Kreuzzüge haben ein für allemal das Thema des Liedchens gesetzt, das dann das ganze zweite Jahrtausend über, mit 127 Jahren Unterbrechung während der mitteleuropäischen Assimilationszeit, gesungen worden ist. Mit Variationen. Die Anschuldigungen wurden gewechselt, die Ausreden wurden gewechselt, und vor allem hat die Methode des Gemetzels gewechselt: am Anfang schlug man sie einfach tot, später verbrante man sie lebendig oder vierteilte sie, am Ende ging man zu Massenerschiessungen und Millionenvergiftungen über. Das zweite Jahrtausend christlicher Zeitrechnung ist für die Juden Europas ein Martyrium, eine irdische Hölle gewesen, immer mit Ausnahme der kurzen Assimilationszeit von 1806 bis 1933. Die europäischen Juden haben im ersten Jahrtausend vergleichsweise ruhig gelebt. Nun hatte während der Kreuzzüge die Erde unter ihren Füssen gebebt, und das Gefühl der leidlichen Sicherheit war geschwunden. Sie waren durch die Verfolgungen der ersten Kreuzzüge in grosse Abhängigkeit von den Herrschern geraten; denn es ist wahr und soll nicht verschwiegen werden, dass manche von den Grossen den Juden Schutz und Sicherheit in einer Burg oder einem anderen festen Platze verschafften. Aber dieser Schutz war niemals umsonst gewesen, sondern teuer, sehr teuer bezahlt worden. Das rächte sich jetzt auf beiden Seiten: die Juden wurden dadurch nicht wohlhabender, und die Grossen erkannten die Juden als ein vorzügliches Erpressungsgeschäft. Von jetzt ab waren die Juden Objekte der Ausnutzung, ob sie nun Kammerknechte hiessen oder nicht. Und weil es so war, riss'1 man sich um ihren Besitz. Sogar mit ihren Leichen machte man gelegentlich ein gutes, einbringliches Handelsgeschäft. In Frankreich wussten die Herrscher die Juden vortrefflich auszunutzen. Philipp August war ganz offiziell der Teilhaber an jedem von einem Juden abgeschlossenen Geschäft. Er bezog daraus ein riesiges Einkommen und stritt leidenschaftlich mit den kleinen Herrschern um den Besitz jüdischer Seelen. Doch übertrifft ihn bei weitem Philipp der Schöne. Er bekämpfte leidenschaftlich die Inquisition, nicht etwa aus Judenfreundlichkeit, sondern weil sie ihm bei der Ausplünderung der Juden unerwünschte Konkurrenz machte. Er trieb mit Juden den reinsten Schacher und liess jedes jüdische Geschäft genau überwachen. Schliesslich machte er sich zum Inhaber aller jüdischen Geschäfte. Dann ging er aufs Ganze: er liess die Gemeindevorsteher verhaften, allen jüdischen Besitz beschlagnahmen und befahl den Juden, von denen nicht mehr viel zu holen war, binnen einem Monat das Land zu verlassen. Alle bewegliche und unbewegliche Habe mussten sie zurücklassen, und alle Aussenstände zog der König für sich ein. Die Folge dieser Massnahmen war eine Verarmung des Landes. Noch unverblümter ging man in England gegen die Juden vor. Ihre Fähigkeit, Geld aufzuhäufen, machte auf die Könige den grössten Eindruck. Sie zögerten nicht, durch Raub und Erpressung diese Fähigkeit für sich nutzbar zu machen. Eduard I. lässt alle jüdische Geschäfte registrieren und ordnet an, dass jede Schuldverschreibung im Staatsarchiv hinterlegt wird. Johann ohne Land macht es sich einfacher: er verschafft sich die Geldsummen, die er braucht, durch Einkerkerung und Folterung. Heinrich III. trieb es noch ärger: er erhöhte die Judensteuer auf ein Drittel jedes Vermögens und gestattete den Juden nur ln solchen Städen zu leben, in denen sich Archive zur Hinterlegung der Schuldverschreibungen befanden. Die Juden, der ewigen Schindereien müde, bitten tun das Recht, auswandern zu dürfen. Das wird abgelehnt, aber ihre Abgaben werden ein wenig heruntergesetzt. Sie wiederholen den Antrag auf Auswanderung, statt dessen verpfändet man sie an italienische Bankiers. Eduard I. nimmt ihnen den Rest ihrer Habe. Durch Verhaftungen erpresst er eine grosse Abgabe. Am 18. Juli 1290 verfügt er dann ihre Ausweisung bis zum 1. November. Die Juden dürfen die bewegliche Habe mitnehmen. Die Juden warten diesen Termin nicht ab: es besteigen schon im Oktober 1290 16,000 Juden die Schiffe und wandern nach dem Kontinent aus: nach Frankreich, Flandern, Deutschland, Spanien. Dort in Spanien ist es den Juden anfänglich leidlich ergangen und gerade das erregte den Zorn der christlichen Kirche. Die Juden hatten mit den Arabern sicher und gleichberechtigt gelebt. Sie hatten eine eigene Kultur entwickeln können und Männer wie Maimonides und Jehuda Halevi hervorbringen können. Sie wurden in die Kämpfe gegen den Maurischen Süden hineingezogen. Sie haben die Nordstaaten nach dem Kriege durch ihre finanzielle Fähigkeit unterstützt. So waren die Könige ihnen wohlgeneigt und gaben ihnen Rechte und eine gewisse Selbständigkeit Ihre Gemeindekassen verwandeln sich allmählich in die Finanzinstitute der Könige. Da hielt der Klerus seinen Einzug in die beiden Länder Aragonien und Kastilien, und nirgends hat die Kirche mit ihrer Judenhetze solchen Erfolg gehabt wie gerade in Spanien, das sich unter ihrer Hetzpeitsche in das Land des Fanatismus kat exochen verwandelt. Ganz allgemein gesagt erreicht das Martyrium der Juden seinen Höhepunkt, als unter Friedrich II. und Innozenz HI. die beiden Universalmächte in Konflikt geraten. Zwar zeigte Innozenz noch eine Spur von Toleranz: er meinte, man müsse die Juden leben lassen, weil gerade durch sie die Wahrheit des Christentumes bewiesen werde. Doch hielt diese Müde nicht an, und die inneren Verhältnisse zwangen das Papsttum, zu einem energischen Vorgehen. Es bildeten sich Massen, die gegen die Kirche eingestellt waren: die Waldenser lehnten sich gegen die Verfassung der Kirche überhaupt auf, die Albigenser verneinten die bindende Kraft der priesterlichen Funktionen. Das alles rührte an den Grundlagen der christlichen Kirche, die nach tausendjähriger Herrschaft noch durchaus nicht so fest steht, wie es nach aussen hin den Anschein hat. Zudem geschieht das alles in der Nähe jüdischer Siedlungen und zielt auf eine Annährung an das alte Testament. So muss die Kirche kämpfen. Im inneren Kreuzzuge tobt ein entfesselter Klerus über zwanzig Jahre in der Provence und hinterlässt über 20,000 erschlagene Ketzer. Die Juden ahnten, was ihnen blühte. Den Beginn macht die berühmte vierte Lateransynode, die den Juden erneut den Krieg ansagt. Alle Kreditgeschäfte sollen von den Priestern überwacht werden, die Juden sollen ein bestimmtes Abzeichen am Kleide tragen, Das ist der Vorläufer des Hitlerschen Judensterns im 20. Jahrhundert. Es soll eine genaue Überwachung der zwangsgetauften Juden stattfinden und gegen sie notfalls der heilbringende Zwang angewendet werden, und das Blut floss erneut. Zur Erreichung dieser Ziele werden zwei Organisationen geschaffen: der Orden der Dominikaner und die heilige Inquisition. Die Dominikaner hatten ursprünglich die Aufgabe, Laien den katholischen Glauben zu predigen, ein Amt, das später der gleichzeitig gegründete Orden der Franziskaner übernimmt. Der Dominikaner beschäftigt sich hingegen in der Hauptsache mit der Verfolgung der Ketzer, also namentlich der Juden und der wankelmütigen Zwangsgetauften. Man nannte die Dominikaner domlni vanes laterantes, die bellenden Hunde Gottes. “Alles kommt einmal wieder, wie es am Anfang war.” Am Ende des zweiten Jahrtausends sagt Heinrich Himmler, der Hauptfeind der Juden unter Hitler, inbezug auf seine schwarze Armee der SS: "Wir sind die Dominikaner der Neuzeit”. Die Dominikaner hatten die Aufgabe, Juden oder Schlechtgetaufte vor das Tribunal der heiligen Inquisition zu ziehen. Am Ende des 20. Jahrhunderts sind das die Volksgerichte. Das Verfahren der Inquisition ist geheim und bedient sich der Folter, der Körperqualen, um Geständnisse zu erpressen. Es fanden sich immer Individuen, die unter ihrem Eide die schlimmsten Dinge gegen die Juden aussagten. Um die Körperqualen der Folter loszuwerden, gestanden dann die Ärmsten alles, was man von ihnen wollte. Die Inquisition fällte ihr Todesurteil und übergab dann die Verurteilten den weltlichen Behörden; denn “ecclesia abhorret sanguine, die Kirche verabscheut das Blutvergiessen”. Und so flössen Ströme von Blut. Die Dominikaner hatten noch ein weiteres Feld der Tätigkeit und das ist ein sehr merkwürdiges Kapitel der Judenhetze: die Disputationen. Es kann nicht geleugnet werden, dass es sich dabei tatsächlich um eine Art geistiger Auseinandersetzung mit dem Judentume gehandelt hat, wenn auch das Ergebnis im vorhinein feststand. Es war an sich eine unsinnige Sache: Dinge des Glaubens kann man nicht mit der ratio beweisen, der Glaube spottet der ratio und ist ihr gar nicht zugänglich. Es handelte sich dabei meist um die Messlanität Jeschus von Nazareth. Was hatte das Diskutieren, das Disputieren für einen Sinn? Für den Juden war die christliche Legende, ein Sohn Gottes sei in einer Jüdin gewachsen, habe irdisch gelebt, sei irdisch hingerichtet worden, sei wieder auferstanden und gen Himmel gefahren, das war für den Juden nach seiner Auffassung von G"tt vollständig unverständlich. Mit Recht machte Rabbi Moses Ben Nachman, der Ramhan, die Bemerkung, dass im Leben der Menschheit nicht das Geringste dafür spräche, dass der Messias bereits erschienen sei. "Tut nichts: der Jude wird verbrannt...” Da die Juden bei diesen Disputationen geistig die Überlegenen waren, so suchte man die Quelle ihres Verstandes abzuriegeln: man machte dem Talmud den Prozess, und es wurden Wagenladungen davon verbrannt. Nur Weniges konnte man durch Geld abwenden. In der Tat war dadurch das Studium der Juden erschwert. Die Beschuldigungen gegen die Juden bewegten sich meist in zwei Richtungen, die beide einen blödsinningen Eindruck machen, aber eine ungeheure Wirkung hatten: die Greuelmärchen der Hostienschändung und des Ritualmordes. Da wird also behauptet, die Juden ässen zum Pessachfest das Herz eines Christenkindes oder benutzten sein Blut zur Herstellung der Mazzes. "Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode...” Das Zweite war die Beschuldigung, die Juden durchstiessen die Hostien mit einer Nadel, um auf diese Weise symbolisch den Leib Jeschu zu treffen. Es ist kaum verständlich, dass ein gebildeter Kleriker diese Unsinningkeiten geglaubt habe, aber sie taten wenigstens so und die Kirche liess es geschehen, weil es ihr für ihre Judenhetze in den Kram passte. Diese Verrücktheiten haben zahllose Opfer gekostet; denn unter der Folter gab man alles zu. Am Ende des Jahrtausends hat man nicht mehr diskutiert, hat man nicht mehr disputiert, man hat einfach Millionen vergiftet, ohne viel Tribunal und ohne Auseinandersezung. Die Kirche muss also trotz ihrer äusserlichen Schwäche am (Fortsetzung auf Seite 12) 11

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