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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 6 (sequence 2375)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 5) und modernisiert. Der Stolz Saul Bernhards war der grosse Speicher, den er schon 1844 baute. 1850 konnte er ln sein neugebautes Haus in der Hauptstrasse der Stadt ziehen (Langstr. 90, 1933 in Adolf Hitlerstrasse unbenannt, jetzt Nr. 52). Das Haus blieb bis 1888 im Bestiz der Familie. Dazu erwarb Saul B. Acker- und Weideland und unterhielt eine kleine Landwirschaft, so dass seine 8 Kinder als rechte Ackerbürger heranwuchsen. 1846 hatte er sich verheiratet mit Julie Levin aus dem nahen Städtchen Penzlin (1814—1870). Die Familie Levin ist dadurch ausgezeichnet, dass eines ihrer Mitglieder, Julies Onkel Löw Levin, an den Befreiungskriegen 1813—1815 als freiwilliger reitender Jäger teilgenommen und dabei, wie er später mit Stolz hervorheben durfte, für seine eigene Equipierung gesorgt hatte. Im Jahre 1876 konnte Saul B. seinen Söhnen Heinrich (1848—1925) und Adolf (1852—1912), die ein Zweiggeschäft der Firma in Berlin eröffneten, hierfür Kapitalien von je 30.000 Mark zur Verfügung stellen. Zwei andere Söhne konnten sich dem Studium widmen: Eduard (1854—1927) und Karl (1859—1937), die beide später als Königlich Preussische Bauräte den Doktorhut ehrenhalber erwarben. Saul B. hat ein Merkbüchlein hinterlassen, das in bunter Folge Aufzeichnungen über die Familienereignisse, über die Vorgänge auf dem Wollmarkt, Gewi’nn-und Verlustabschlüsse der Firma und allerhand Regeln goldener Lebensweisheit enthält. Aus jeder Seite dieses Büchleins blickt der sorgliche Hausvater, dessen Leben in Mühe und Arbeit für Geschäft und Familie aufging, auf strengste Solidität bedacht und stets auf der Hut vor faulen Kunden und vor Konjunkturrückschlägen, auch als wohlhabender Mann schlicht und anspruchslos, dabei immer nur bestrebt, die Zukunft seiner Kinder zu sichern. Er hat sich als Jude in seiner Vaterstadt Goldberg eine angesehene Stellung erworben und von 1852 bis zu seinem Tode (1888) der kleinen israelitischen Gemeinde des Ortes vorgestanden. Aber an den Formen der jüdischen Religion hat er nicht sehr festgehalten, und unter seinen sieben Söhnen hat dann die Abkehr vom Judentum begonnen. Der jüngste dieser Söhne, Karl Bernhard (1859—1937) ist mein lieber Schwiegervater und der prächtigste Grosspapa, den sich meine drei Kinder hätten wünschen können, geworden. Er hat sein inhalts- und erfolgreiches Leben selbst beschrieben, — in einer sachiich-schlichten und dadurch umso eindrucksvolleren Darstelung, in der die Enkel lesen können, wie aus dem Kinde des mecklenburgischen Kleinstadthauses der grosse Bau-Ingenieur, Ehrendoktor, der Erbauer vieler grossartigen Brücken und Industriegebäude in Deutschland und im Ausland geworden ist. Nach seiner Verheiratung mit Eisabeth Simon (Geb. 1868), aus einer Hamburger Familie, hat Karl Bernhard sich in den grünen Gärten des Berliner Villenvorortes Wannsee, oben auf den Havelbergen und am Rande der Potsdamer Kiefernforsten, sein Haus gebaut, in dem seine Tochter Gertrud geboren ist (23.2.1897), und das seit unserer Heirat (1924) auch die Heimat unser Familie geworden ist. Durch die Rassengesetze des „dritten Reiches“ (1933) wurde Karl Bernhard nicht nur von seiner reichen Arbeitspraxis ausgeschlossen, sondern auch von der wissenschaftlichen Forschung, der er die unverbrauchten Kräfte seines achten Lebensjahrzents widmete. Aber sein Geschick bewahrte ihn wenigstens davor, dass er die Austreibung seiner Familie aus Deutschland erleben musste. Er starb am 30.3.1937 in Wannsee, wo er auch auf dem Friedhof der Neuen Kirche seine Ruhestätte gefunden hat. DIE POLEN IN OBERSCHLESIEN Der unglückliche Ausgang des Weltkriges führte dazu, dass Deutschland, neben vielen anderen Gebietsabtretungen, auch einen Teil von Oberschlesien einbüsste. Der wiedererstehende polnische Staat forderte nicht nur die Landesteile zurück, die ihm Preussen in den Teilungen von 1722 und 1793 abgenommen hatte (Posen und Westpreussen), sondern auch einen grossen Teil von Oberschlesiep, das seit 1163 zum deutschen Reich gehört hatte. Die polnische Irridenta konnte sich allerdings darauf berufen, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung, vor allem des platten Landes, niemals aufgehört hatte, polnisch zu sprechen. Der Vertrag von Versailles (1919) betimmte, dass über die politische Zugehörigkeit von Oberschlesien eine Volksabstimmung entscheiden sollte, an der nur nicht die dort ansässigen, sondern alle dort Geborenen teilnehmen durften. So konnte ich im März 1921 mit meiner Mutter und Schwester Elfride unter vielen “heimattrauen Oberschlesiern’’ nach Gleiwitz fahren, um an unserem Geburtsort für Deutschland zu stimmen. Das tat selbstverständlich die gesamte jüdische Bevölkerung und sie beteiligte sich auch mit grösstem Eifer an den Abstimmungskämpfen, in denen die Deutschen einen schweren Stand hatten, weil die Polen sich, geschützt von den französischen Besatzungstruppen, vielfach gewaltsame Übergriffe erlaubten. Eine polnische Mehrheit ergab sich nur in den beiden Kreisen Rybnik und Pless. Trotzdem setzte Frankreich zu Gunsten seines Verbündeten eine Grenzziehung durch, bei der die wichtigsten Bergwerksgebiete der anderen Kreise an Polen fielen. So verlor Deutschland die Städte Kattowitz, Königshütte und Tarnowitz, und die in letzterem Orte wohnenden Schwestern meines Vaters, Amalie und Martha Böhm, mussten auf ihre alten Tage die deutsche mit der polnischen Staatsangehörigkeit vertauschen. Deutsch blieb die Stadt Gleiwitz und der ganse Kreis Tost-Gleiwitz, daher auch die Gemeinde Langendorf, aus der die Familie Nothmann stammte. Noch lange nach der Abstimmung tobte der Bürgerkrieg in Oberschlesien, da die Polen mit Waffengewalt zu nehmen versuchten, was sie mit dem Stimmzettel nicht hatten erlangen können. Die deutsche Regierung durfte nicht eingreifen und die französische Besatzung leistete den Polen Vorschub. Aber das Schlimmste wurde durch den Selbstschutzverband der oberschlesischen Bürger abgewendet, und bei diesen Kämpfen beteiligten sich zahlreiche Juden mit Auszeichnung und mit Blutopfern. Eine Auswirkung des Friedensvertrages bekamen die Juden in Oberschlesien noch nach der Errichtung des Dritten Reiches zu spüren. Für einen Zeitraum von 15 Jahren nach der Abstimmung, so sagte der Vertrag, sollten Deutschland und Polen jede Gesetzgebung unterlassen, die eine nationale Minderheit im Abstimmungsgebiet gegenüber der Mehrheit benachteiligte. Dieses Verbot wurde auch auf die deutsche Ariergesetzgebung angewandt. Zwar dachten die jüdischen Körperschaften in Oberschlesien nicht selbst daran, den Minderheitenschutz für sich in Anspruch zu nehmen. Denn die deutschen Juden haben seit der Emanzipation immer daran festgehalten, dass sie keine nationale Minderheit waren, sondern nationale Deutsche. Aber auf den Einspruch eines Einzelnen, des jüdischen Oberschlesiers Dernheim, entschied der für Minderheitenfragen zuständige Ausschuss des Völkerbunds, dass die Ariergesetzgebung bis zum Jahre 1936 in Oberschlesien nicht eingeführt werden dürfte, weil sie die (Rechte der) jüdischen Minderheit diskriminiere. Für ein paar Jahre blieben daher oberschlesische Juden in Ämtern und Stellungen, die ihnen im ganzen übrigen Deutschland entzogen wurden. Nach Ablauf der Frist wurde die “Entjudung” Oberschlesiens mit umso grösserer Schärfe durchgeführt. — Vermutlich hatten die Erfinder der Bestimmung sich gedacht, dass die Minderheiten innerhalb von 15 Jahren sich freiwillig entschliessen würden, auszuwandern, und dass sie auch bei ihrer “Nation” Aufnahme finden würden, auf die jüdische “Minderheit” passte das leider garnicht. * Zu den Veröffentlichungen “Geschichte der Familie Nothmann” möchte ich Folgendes bemerken: Nicht nur dass meine Frau eine geborene Nothmann (second cousin) zum Schreiber der Ausführungen (leider nicht mehr am Leben) war und auch mit allen anderen genannten Nothmanns eng verbunden war, sind die Ausführungen für mich besonders interessant. Die Orte, die Friedrich Nothmann als Heimatsorte erwähnt, haben auch für mich besonderes Interesse. In Städtle bei Oppeln lebte mein Grossvater Elieser Tranalsteur gewesener Kantor; In Langendorf, in Lublinitz, und Carlsruhe O/S drei Brüder Translateur, alle drei Kantoren, mein Vater in Lublinitz meiner Geburtstadt, also eine Traditionen der Familie, der auch in der folgenden Generation einige treu geblieben sind. Mein Vater war besonders als “MOHEL” in Lublinitz und den umliegenden Kreisen sehr bekannt und wurde sogar bis nach der Breslauer Gegend gerufen um die Operation vorzunehmen. Die ärztlichen Anerkennungen die er bekam sind mir noch sehr in Erinnerung. Sein Register, das über Hunderte Namen mit Geburtsdatum der einzelnen Jungen aufwies, ist noch im Besitz meines Neffen, dem ich es überlies. Salo Translateur Miami Beach, U.S.A. j Z' rxiür i Lnbp \ | Ob es Briss ist, oder Chuppe, | Lieber Freund, das ist ganz schnuppe, | Du musst dich an Tcheleth wenden, u dort bist Du in besten Händen. § | Denn das Fest im Tcheleth - Saal | ist erfreulich allzumal. * „ICHELET"! TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59, { TEL. 22 05 45 \ (sr jsae —r jf emtf Mm mk» ssta gcsm tsaar mosr 1 I 1 I I l 1 I I * I I 8 I ALLE NEUERSCHEINUNGEN LIEFERT LANDSBERGER TEL-AVIV, BEN JEHUDASTR. 9. TEL. 5 63 30 SPEZIALABTEILUNG FÜR DEUTSCHES ANTIQUARIAT AN- UND VERKAUF ZU GÜNSTIGEN PREISEN 6

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