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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 4 (sequence 2373)
Language
German
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Rabb. Dr. David Neilhaus Praelereufes (Lateinisch: Die Vorübergehenden) Zu den Persönlichkeiten, die das Breslauer Judentum hervorgebracht hat, und die im Laufe Ihres Lebens Vieles geleistet haben, gehört unser verehrter Rabb. Dr. David Nellhaus, wohnhaft: 1200, Centre Str. Roslindalc, Mass. 02131, USA der Jetzt unberufen 87 Jahre alt, in voller geistiger und körperlicher Frische in einem Elternheim lebt und dort die Bibliothek des Heimes verwaltet. Wir freuen uns, von dieser Stelle aus, ihm zu Ehren, einen kurzen Lebenslauf unseren Lesern zu vermitteln. David Nellhaus ist am 2. Januar 1891 in Breslau geboren, besuchte das königl. Friedrichs- Gymnasium, bekam 1910 das Reifezeugnis und hat sich in Sonderkursen in Judaistik weitergebildet. Bereits 1910 trat er als Hörer in das Jüd. theol. Seminar in Breslau ein, wo er jüd. Geschichte, Literatur, hebräische Grammatik, Kalenderkunde, sowie Talmud u.a. rabb. Fächer studierte. 1914 wurde er im 1. Weltkrieg eingezogen, sodass er nach Absolvierung seiner Militärzeit im Kriege erst im Januar 1919 seine Studien fortsetzen konnte. Seine Lehrer waren: Prof. Michael Guttmann, Dr, Saul Horowitz, Prof. Israel Levy, Prof, Marcus Brann, Dr. Julius Guttmann u. Prof. Dr. Isaak Heinemann. Sein Rabb. Diplom erhielt er vom Breslauer Seminar u. seinen Doktortitel an der Universität Erlangen. Bereits im Jahre 1911 und 1912 etc. hat der Student Nellhaus ln den Gemeinden Löwenberg, Hainau, Jauer und Bunzlau in Schlesien, gepredigt, später in den Filial-Gottesdiensten der Gemeinden Berlin u. Breslau. 1918 wurde er zum Assistenten des Feld-Rabb. Dr. Georg Wilde zugeteilt. Seine 1. Stelle war in Rybnick, bzw. Loslau in O/'S. Er heiratete Minna Scheyer und wurde in Myslowitz von Rabb. Dr. Bassfreund s.A. getraut. Nach Besetzung Ober- Schlesiens durch die Polen verliess er seine Gemeinde, die sich ständig verkleinerte u. ging dann nach kurzer Tätigkeit als Religionslehrer in Stettin, als Rabbiner nach Hirschberg in Schlesien. Dann berief die Gemeinde Pirmasenz-Zweibrücken in der Pfalz den jungen Rabbiner zu ihrem Seelsorger. Dort entwickelte Dr. Nellhaus eine ausserordentlich erspriessliche Tätigkeit, die sich leider durch den 9. November 1938 auflöste, da er ins KZ Dachau mit vielen Tausenden seiner Brüder eingeliefert wurde. Erst im August 1939 gelang es der Familie durch Intervention ihres Sohnes, der bereits 1936 nach USA auswanderte, und durch die Sicherstellung des Aflidavits einer Familie Blumberg, die Rabbinerfamilie mit ihren 3 Kindern hinüberzunehmen. Die ersten Einwanderungsjahre waren sehr schwer. Sprache u. neue Umgebung verhinderten die Einordnung. Trotzdem hat sich allmählich Dt. David Nellhaus durchgesetzt. Sein Freund, Rabb. Dr. Aber, früher Bremen, der leider in Amerika verschieden ist, ein Zögling des Breslauer Seminars, und der Schwiegersohn des bekannten Rabb. Dr. Weltgeschehen streift Schlesien. In manchen kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte war Schlesien ein wichtiger, mitunter sogar entscheidener Schauplatz. Dazu gehören der Mongolensturm des 13. Jahrhunderts, der Siebenjährige Krieg im 18. und schliesslich auch der Zweite Weltkrieg unseres Jahrhunderts. Andere welthistorische Konflikte haben diese Provinz nur von fern gestreift und ihrer apokatlyptischen Reiter Stampfen war in ihr wie “ferne, begrabene Hufschläge” vernehmbar. Dazu gehören die gleichfalls weltbewegenden Zusammenstösse, die unter dem Namen “Nordischer Krieg” in die Geschichte eingegangen sind. Zunächst bildeten die Länder des Baltikums und Polen die Arena dieses Kampfes, um die Hegemonie in Ost-Europa, dessen Teilnehmer Schweden u. Russland waren. Im Laufe von fünf Jahren hatte Karl der XII., der letzte grosse Eroberer, — König Schwedens, die gegen ihn gerichtete Koalition gesprengt: Dänemark war zum Frieden gezwungen worden, die russische Armee geschlagen, der polnische König abgesetzt. Nun hatten die Schweden ihr Haupt- Quartier in Rawitsch aufgeschlagen, nahe der schlesischen Grenze und schickten sich an, Sachsen zu besetzen, denn der abgesetzte polnische König August der Starke war auch gleichzeitig König von Sachsen. Nun war aber der Durchmarsch durch Schle- I sien eine heikle Angelegenheit. Schlesien war österreichisches Hoheitsgebiet und Wien fürchtete damals sehr eine schwedische Intervention zugunsten Frankreichs, mit dem es damals im Kriege lag (im sogen. "Spanischen Erbfolgekrieg”). So bemühte sich Karl, diese Aktion schnell und ohne viel Aufsehens hinter sich zu bringen. Am 21. August 1706 gingen die Schweden über die schlesische Grenze. Bei der Stadt Steinau — auf halbem Wege zwischen Glogau u. Breslau ging es über die Oder, die der König an der Spitze der Kavallerie durchschwamm, und an dem jenseitigen Ufer wurden die Schweden mit Willkommensrufen und Segenswünschen begrüsst. Ferner berichtet der schwedische Historiker Bengtsson, das ein graubärtiger Schuhmacher sich an die Zügel des Königs hängte und ihn bat, sich der protestantischen Kirche anzunehmen, die der Kaiser widerrechtlich unterdrücke. Nur 6 Tage dauerte der Durchmarsch der Schweden. Schon am 27. August betraten sie unweit von Goerlitz sächsisches Gebiet. Genau hundert Jahre später 1806 wurde Schlesien wieder in den Kriegsstrudel hineingerissen, als der preussisch-französische Krieg ausbrach. Auch diesmal blieb er Nebenschauplatz. Seine Hauptschläge führte Napoleon bekanntlich in Thueringen und Ost-Preussen, wo er bei Jena u.Friedland siegreich blieb. Aber immerhin dirigierte er einen seiner Marschälle, Van Damme, nach Schlesien. Breslau wurde einen Monat belagert, und am 7. Januar 1807 ergab sich die Stadt den Franzosen. Rosenack, gab sich redliche Mühe, seinen Kollegen einzuordnen. Nach dem Hinscheiden seiner Gattin, mit der er in ausserordentlich guter Ehe lebte, wohnt er im Elternheim lt. angegebener Adresse und bemüht sich, trotz seines hohen Alters, seiner Lieblingsbeschäftigung als Bibliothekar, nachzukommen. Wir wünschen ihm von dieser Stelle aus noch viele zufriedene Jahre. Möge er an seinen Kindern, so wie an seinen Büchern und den vielen Verehrern nur Freude erleben. Ad mea weesrim. Verband ehemaliger Breslauer in Israel. In seinen Lebenserinnerungen ("Geschenke des Lebens”) berichtet der in Breslau 1881 geborene Schriftsteller Emil Ludwig über seine Vorfahren: Über seinen Vater, den grossen Pionier der Augenheilkunde Hermann Ludwig Cohn und dessen Vater, der als Sohn einer armen Witwe aufwuchs. Dieser Grossvater war vierzehnjährig als blinder Passagier nach Leipzig gefahren, hallte dort mit geborgtem Geld Federmesser eingekauft und dann ein Vermögen erworben und schliesslich ein schönes Haus am Ring bezogen. Dieser Grossvater — so erzählt Ludwig — hatte als Kind Anno 1807 den Kaiser Napoleon in Breslau einreiten sehen, wobei ihn die Mutter zum Fenster hinaushielt und sagte: “Siehst du, der Kleine mit dem Dreispitz, das ist er”. Wieder 100 Jahre später — fast auf den Tag — im September 1906, war ein Junger britischer Politiker Gast des deutschen Kaisers, Wilhelm H, der ihn zu den grossen Herbstmanövern in Schlesien eingeladen hatte. Der junge Engländer, der damals gerade seine politische Karriere begonnen hatte, war Unterstaats-Sekreär für die Kolonien. Er war von der Entfaltung der deutschen militärischen Kraft tief beeindruckt. “Das Schauspiel der kaiserlichen Pracht, das mit so viel Pomp geboten wurde, war grossartig”. Untergebracht waren die Gäste im Hotel “Zur Goldenen Gans”. Der junge Besucher sah eindrucksvolle Paraden und Kavalkaden, nahm an Dinners und Empfängen teil, hörte Reden voll geschwellten Bewusstseins, die der Kaiser an seine Gäste hielt, und die von einem Stabsoffizier in ausgezeichnetes Englisch übertragen wurden, lebte in einer Welt der strengen Etikette und eines ihm fremden Zeremoniells. Er machte sich Gedanken darüber, dass ein einziges Jahrhudert genügt hatte, dies mächtige Gebäude, das von Energie und Organisation strotzte, zu errichten. Es konnte nicht umhin, diesen jähen Aufstieg mit der langsam wachsenden Kontinutät des nationalen Lebens in Grossbritannien zu vergleichen. Der junge- Besucher hiess Winston Churchill und hat diese Episode wert gefunden, in sein Buch “Thoughts and Adventures” — Gedanken und Abenteuer — später aufzunhmen. A. Tobias, Natania. Unserer lb. Oma ELSA SOBERSKI die herzlichsten Glückwünsche zum 85ten, bis 120 Die Kinder, Enkel u. Ur-Enkel PAPIERWAREN ROTKOWITZ BUROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 TcL 625420 4

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