Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslau-Wroclaw... (Fortsetzung von Seite 29) 70% davon aus den grossen Städten, 88% waren während des Krieges in der Sowjetunion. 43% der Befragten waren unter 20 Jahren. Mischehen stiegen von 3.5% auf 42.6. Die Familien sind klein, 67% Familien mit 1 bis 2 Kindern. Die Mehrheit sind einfache Leute auf niedriger Bildungsstufe, 20% ungefähr haben keine Volksbildung abgeschlossen. Die meisten von ihnen sind über 40 Jahre. Nur wenig mehr als 13% haben Hochschulbildung. Diese sind vorwiegend Aerzte, Juristen und ökonomiker. Die Hälfte der Berufsschulabschliessenden haben technische Fächer gelernt. Abschliessende Technischer Hochschulen sind 12%. Gross ist die Zahl der Renten und Wohlfahrtsempfänger. r In der Gemeinde sind Bewohner Polens und Repatrianten aus der Sowjetunion. Letztere sind im allgemeinen jünger. Sie sind meistens verheiratet und haben Kinder. Unter den Altansässigen sind meistens weisse Kragen und unter den Repatrianten, Arbeiter. 60% beschäftigen sich mit Industrie und Bau, 30% in den Textil und Lederzweigen. 67% verdienen zwischen 400—1000 Zloti, sehr wenige mehr und 15% weniger. Der Durchschnitt sind 663 Zloti. Viele sind in jüdischen Kooperativen organisiert. Auf Anfrage sagen sie, dass 863 Zloti das zum Leben Notwendige sind. Und doch sagen über 60%, dass hier ihre Bedingungen besser sind, als an früheren Plätzen. Das gleiche sagen sie auch über Wohnbedingungen. Wir bekommen auch einen Begriff von kulturellen Bedingungen. Die Mehrheit liest die jiddische “Volksstimme“. Aber es gibt auch solche, die polnische Zeitung, oder russische “Prawda” lesen. Es gibt ein Stadttheater, aber die Besuche der Vorstellungen sind sehr unregelmässig und natürlich geht man viel mehr ins Kino. Der Autor ist der Ansicht, dass sich in Wroclaw ein Lokalpatriotismus entwickelt hat. (So war es ja auch im deutschen Breslau). Die Gründe dafür sind: ökonomische, familiäre, und kulturell gesellschaftliche. Auch nach Meinung des kommunistischen Wissenschaftlers blieb die Spannung zwischen Polen und Juden bestehen. Ein fünftel der Juden in Wroclaw haben keinerlei Beziehungen zu Nichtjuden. 30% haben mehr als die Hälfte ihrer •‘(Bekannten Nichtjuden. Alle anderen haben in ihrer Gesellschaft meistens Juden. 25% sind Parteiangehörige und 87% sind mit ihrem Leben in der Stadt zufrieden. Der Verfasser sagt, dass nur ein ausgesprochener Feind des Regimes sich weigern wird, die positive Aenderung anzuerkennen. Er will in der Verbindung der Juden im Gesellschaftsleben einen Sieg des Marxismus-Leninismus sehen. Verbindung mit der Aussenwelt würde die Stabilität der Juden stören. Dem Erklärten gemäss sieht es so aus, als ob die Gesellschaft der Wroclawer Juden nicht sehr von der verschieden ist, die einst in Polens Städten lebten. Einfache Leute, nicht von denen, die sich durch ihre Wirtschaftskraft in anderen polnischen Städten haltet» konnten. Der kommunistische Einfluss ist gestiegen. Das besonders unter den jungen Leuten, zweite Generation der Juden im Nachkriegs-Polen. Das dürfte den hohen Prozentsatz der Mischehen und die wachsende Entfernung von jüdischer Gesellschaft erklären. Trotzdem blieben die Mehrheit der Juden der eigenen Sprache treu. Soweit es im Aufsatz geschildert ist, wurden die Befragten nicht auf Verbundenheit zu jüdischer Organisierung gefragt. Aber der Verfasser deutet an, dass Verbindung mit der Aussenwelt stört, also gibt es wohl eine solche. Sollte man annehmen, dass 1200 Familien, also 4000 Juden ungefähr, (heute sind es sicher weniger), die vorwiegend jiddisch lesen und wohl auch sprechen, die von der polnischen Umwelt nicht mit Sympathie behandelt werden, die zur Hälfte in jüdischer Gesellschaft leben und 20% überhaupt keine Beziehung zu Polen haben, keine eigenen jüdischen Institutionen haben? Die Untersuchung wurde 1948 gemacht. Wir wissen nicht, ob es seither keine erhebliche demographische Aenderung gab. Gab es zionistische Neigungen, oder in der Auswanderung aus Polen, 1973, auch Immigranten aus Breslau in die Westländer? Auch wissen wir nichts über religiöse Bindung, oder Organisierung. Gibt es Synagogen, jüdische Wohlfahrtsorganisationen? Der Bericht Bronsteins ist wohl ziemlich tendenziös. Über die Juden Wroclaws gibt es keinen anderen Bericht. Von denen, die östlich der Oder-Neisse-Linie lebten, ist keiner zurückgekehrt. So wurde die grosse und stolze jüdische Gemeinde Breslau ein Städtchen vom jüdischen Gesichtspunkt aus. In Breslau wurde jüdische Geschichte erforscht und geschrieben. Das Bild ist tendenziös und unvollkommen. Aber die Geschichte des jüdischen Breslaus-Wroclaws ist das typische Bild jüdischen Schicksals. JEHUDA BEN AWNER (früher Markt aus Breslau) Ramat-Gan, Israel. Nachbemerkung der Redaktion: Wir danken von dieser Stelle aus unserem Freunde und Mitglied Jehuda ben Awner für seine überaus interessanten, manchmal auch schauerlichen Ausführungen, die von hohem historischen Wert sind. Er hat diese Arbeit im Aufträge der Universität in Israel in hebräisch verfasst und uns, trot starker Arbeitsüberlastung, übersetzt. — Der Sekretär des Verbandes ehemaliger Breslauer, Erich Lewin, war mit seiner Gattin im Jahre 1964 in Wroclaw und hielt sich dort 12 Tage auf. Damals waren nach Schätzung etwa 4000 Juden ansässig. Das Ehepaar Lewin hat im Hotel Monopol gewohnt und sich von Rohkost etc. ernährt, da die einzige jüdische Volksküche wegen Ferien geschlossen war. Der Vorgenannte hat am Freitag Abend in der Wochentags-Synagoge im Storch in Anwesenheit von 12 Menschen vorgebetet. Auf die Frage, warum nicht mehr erschienen sind, wurde ihm geantwortet, an diesem Abend ist “Jiddisches Theater”. Am Schabbat Vormittag waren in der grossen Storch Synagoge, die schon damals völlig vernachlässigt war, ca. 40 Menschen anwesend. Der Baal Kore (Thora-Vorleser) kam von der Mathiasstrasse aus einem Stibl, wo noch einige chassidische Beter sich zusammenfanden. Nach dem G "ttesdienst, den auch Lewin in der Aussprache wie in Israel vortrug, war ein Kiddusch, an dem auch einige junge Leute teilnahmen, die gut iwrith sprachen und viele hebräische und chassidische Lieder sangen. Indessen soll nach Berichten amerikanischer Besucher, die Zahl der Juden in Breslau auf etwa 1000 zu schätzen sein, fast alles alte Leute und Wohlfahrtsempfänger. Indessen haben wir gehört, dass die Storch-Synagoge im ganzen geschlossen worden ist. Das ist die traurige Hinzufügung zu diesem kulturhistorischen, grossen Aufsatz, den wir mit Rührung lesen. Max Tau - der Unvergessbare Vielgeliebte,.. Da ist zum Gedenken an ihn ein Buch erschienen, ein ganz herrliches, wundersames Buch: “MAX TAU — Der Freund der Freunde“ herausgegeben von Egon H. Rakette im Verlag Werner Jerratsch, Heidenheim, 175 Seiten umfassend. Der Freund Cer Freunde, das bedeutet, dass eine Steigerung des Aussmasses des jemanden “Freund-sein“ hier nicht denkbar sei, und das war und bleibt es genau: Für Max Tau war ein Leben lang die Freundschaft zu Menschen sein tiefes Anliegen, ein ihm selbstverständliches inneres Gesetz. — Im vorliegenden Band ist dies der gemeinsame Nenner, der aus den zahlreichen Beiträgen (u.a. auch von Willy Brandt und Egon Bahr) immer von neuem hervorgeht, in einzelnen Sätzen aufleuchtet wie etwa im Schlussatz der Lore Breuer, die in ihrem Aufsatz “Das Gute Wollen“ schlicht sagt: “Es gibt das Gute in vielerlei Gestalt, aber nur, wenn man es tut. Wie Max Tau“. — Er war in Beuthen/Oberschlesien um die Jahrhundertwende als Sohn einer jüdisch-religiösen Familie geboren; als er sein Elternhaus verliess, wie jeder andere junge Mensch, der sich in der grossen Welt umsehen will, verliess er es nicht wirklich: Das Fundamentale dieser spezifischen Erziehung und deren Beeinflussung in puncto menschlicher Fairness, Moral, Ethik — heute lei-, der fast alles überlebte Begriffe für die jungen Menschen unserer Zeit! — ist ihm und in ihm geblieben, erhob ihn weit über jeglichen Durchschnitt, machte ihn eben zum “Freund der Freunde“. Man könnte oder müsste hier aus vielen der Beiträge oder der Gedichte zitieren, die neben allem anderen auch insbesondere das reiche literarische Schaffen dieses Seltenen umreissen. Wer aber von den vielen Freunden sollte da nicht mitangeführt werden? Raummässig leider hier unmöglich, alle zu nennen. Aber stattdessen sollte aus einem anderen Buch, zufällig gleichzeitig in Israel eingetroffen (“Jahresring 74—75“) erwähnt werden — man entschuldige bitte die Abschweifung —, was Wolfgang Koepen in seiner Arbeit “Eine schöne Zeit der Not“ wiederholt von Max Tau sagt, wie etwa "...erwarb ich einen Freund Max Tau. Tau war Lektor im Verlag von Bruno Cassirer“ und später, ‘Max Tau, ein Deutscher und Jude aus Beuthen, war wie eine Gestalt d. Novalis, ein schlesischer Romantiker, der letzte, der die blaue Blume über den Kurfürstendamm trug“ usf. und schliesslich, “aber Magino, wie Tau von seinen Freunden genannt wurde, war ein Held neuen Stils, leidend, voll Sorge, doch unverzagt, bis er, beinahe zu spät, im Herbst 1938, als die Synagogen schon gebrannt hatten, in seine neue Heimat floh, nach Norwegen“. Ja, Magino, der Zauberer, so nannten sie ihn, ausser Max Tau war es nur Thomas Mann, den seine Familie so bezeichnete. Beide wurden sie zu Emigranten, diese treuen Diener jener untergegangenen deutschen Kultur und Literatur. — Die hier lebenden Geschwister Max Taus, seine in der Ferne weilende Ehekameradin — sie alle haben Anteil am Werk dieses Einzigartigen! Insbesondere gilt dies für den Bruder Fritz Tau, Beth-Jizchak, und für seinen ergreifend schönen und informativen Beitrag in diesem Buch!. (Auch die Unterzeichnete wurde von ihm in den Freundeskreis miteinbezogen, kostbare Erinnerungen). FRIEDA HEBEL 30