Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslau-Wrodaw, die jüdische Geschichte einer Stadl Wäre der Aufsatz vor 40 Jahren geschrieben, dann wäre der Name Wroclaw nicht genannt worden. Und es wäre die jüdische Geschichte einer deutschen Stadt gewesen. Nun hat sich aber in Breslau viel geändert. Es handelt sich um eine Stadt im Osteuropäischen Raum, deren Geschichte eine erhebliche Wendung erlebt hat und so auch ihr jüdisches Geschehen. I Zu Beginn war Wroclaw eine böhmische Stadt. Im 12. und 13. Jahrhundert gehörte sie zum Königreich Polen, hatte aber vorwiegend deutschen Charakter. Ihre Herrscher waren die Piastenherzöge. Vertreter dieser Familie sassen auch auf dem polnischen Königsthron. Schon zum Ende des 12. Jahrhunderts gab es in Wroclaw eine jüdische Gemeinde. Dafür zeugen Gräber aus den Jahren 1203-4, die dort gefunden wurden und es gab sogar einen jüdischen Friedhof. Schon 1226 (oder sogar 1219) gab es eine erste Judenvertreibung. (Dr. Landsberg in der Monatsschrift Band 1883, S. 543). Aber da ihr Geld gewünscht war, liess man sie sehr bald zurückkehren. Besonders wird über zwei reiche Juden gesprochen, Josef und Chazkel, und das noch vor der Vertreibung. Als 1241 die Mongolen des Batu-Chan bis Liegnitz (Wahlstadt) gelangten, wurde Wroclaw verbrannt und natürlich auch ihre jüdische Gemeinde zerstört. Aber schon nach 20 Jahren war die Stadt neu errichtet und wie in anderen polnischen Städten wurde dort durch jüdische und deutsche Ansiedler das Magdeburger Recht eingeführt. 1270 gab Herzog Heinrich der 4. den Wroclawer Juden ein Privileg und ihre Lage in der Stadt war eine gute. Das ist durch einen Brief des Bischofs Thomas bewiesen (1286), der mit dem Herzog im Streite lag. Die Juden der Stadt hatten einen eigenen geistigen Führer “Judenbischof“ genannt, der war auch Schächter. Ein späterer Herzog, auch Heinrich (1301 bis 1319) begrenzte die Rechte der Juden und verbot ihnen auch die Benutzung des Schlachthauses. Ein wichtiger Jude namens Schlomo wurde von öffentlichen Posten verstossen. Auf Forderung des Klerus wurde “Judenbekleidung“ eingeführt. Christlichen Frauen wurde verboten in jüdischen Häusern zu dienen. Die Juden beschäftigten sich vorwiegend mit Textil. Die Konkurrenz war wohl der Grund für die Spannung zwischen Stadt und Judengemeinde. Auch über den Friedhof gab es einen Konflikt und 1319 wurden die Juden von neuem vertrieben, kehrten aber schon nach einem Jahre zurück. Wieder wurde ein reicher Jude Jakow, bekannt. 1335 starb der letzte schlesische Piastenherzog und die Stadt ging an die boehmischen Könige als Erbschaft über. Der erste unter ihnen, der in Schlesien herrschte, Johannes, behandelte die Juden besser als seine Vorgänger, musste aber doch die Stellung der Stadt in Rechnung ziehen. Die Juden wurden von Königssteuern befreit, mussten aber Stadtsteuern zahlen. Jüdische Gräber wurden zerstört, um Stadtbefestigungen zu bauen. 1349 brach eine grosse Judenverfolgung in der Stadt aus, angeregt vom “Schwarzen Tod“ und einem grossen Brande in der Stadt. Damals war der böhmische König, Karl der 4. aus dem Hause Luxemburg, deutscher Kaiser. Er hasste die Juden. Der Besitz der Gemordeten wurde beschlagnahmt und die Schulden an Juden aufgehoben. Die Gemeinde wurde zerstört, aber danach bestraften König und Stadt die Pogromisten. Von 70 jüdischen Familien blieben nur 5 in der Stadt. Danach gestatte die Stadt den Juden den Handel mit Geld. Zwischen 1350 und 1360 siedelten sich wieder annähernd 140 jüdische Familien in Breslau an. Der damalige Judenbischof, Jitzchak, war auch Dajan und führte eine Jeschiwa. Als 1360 wieder eine Feuersbrunst ausbr.ach, erneuerten sich die Verfolgungen. Nur Täuflinge blieben am Leben. Eine einzige Familie blieb bis 1364. Am Jahrhundertsende begann die Stadt wieder mit reichen Juden zu verhandeln und ihnen Rechte in der Stadt zuzusichern. Daher kehrten 1395 jüdische Familien in die Stadt zurück und errichteten eine Gemeinde. Sie war von 4 Parnassim (Meister genannt) geleitet. Sie hatten einen Raw (Schlomo) und ihrethalben blühte der Tourismus von aussen. 1446 bis 1450 erhielten sie Schutzbriefe, aber ihre Sicherheit war umstritten. Sogar Kaiser Siegesmund selbst hat sie geplündert (1420). Die schlimmste Plage der Breslauer Juden war der Blutmönch Capistrano, jener Dominikaner, der auch die Geisel der italienischen und polnischen Juden war. Es wurde die Lüge einer entweihten Hostie erfunden und unter fürchterlicher Tortur wurde ein Jude, Jakow, zum Geständnis gezwungen. Auf hebräisch sagte er alles aus, was man von ihm verlangte. Er nannte die Namen zweier “Meister“ und des Raws (Meier, Abraham und Schlomo) als Beteiligte. So wurden am 4.7.1453 auf dem Salzring (Blücherplatz) 41 Juden verbrannt. Der Raw und noch einige konnten sich noch vorher erhängen. Die übrigen Juden wurden für ewige Zeiten aus der Stadt vertrieben und alle Kinder unter 7 Jahren wurden gewaltsam getauft. Der Friedhof und alle Schuldschreiben wurl den beschlagnahmt. Aber es war keine ewige Vertreibung. 1547 sandte Kaiser Ferdinand der I., wie alle Habsburgischen Kaiser auch König von Boehmen, einen jüdischen Münzenpräger nach Breslau. Unter Ferdinand dem II., zu Beginn des 30jährigen Krieges siedelten sich erst 5 und dann mehr jüdische Familien in den Vororten an. Die Zuenfte wünschten einige Juden aufzunehmen und dadurch das Handwerk zu heben. Es wurde ihnen erlaubt zu arbeiten. In den Vororten sassen auch Händler, Wagenfahrer, Bediente usw. auch Polen. Auch sie hatten ihre Synagogen und Gemeinden in der Stadt, wohin sie zur Messe kamen. Breslau, Thorn und Danzig waren den polnischen Juden wichtige Handelszentren. 1697 lebten in der Stadt wieder 130 jüdische Familien mit 3 Rabbanim. Bis 1722 stieg die Zahl der Juden in Breslau bis 775 und sie hatten auch einen Parnass. In den Messetagen gab es auch Rabbinatsgerichte vom 4 Länderausschuss ernannt. 1728 gründete Reuwen Gumpert eine Gemeinde in den Breslauer Vororten, 2 Jahre nachdem schon eine Chewra Kadischa bestand. Friedrich der II. von Preussen nahm den Habsburgern 1740 Schlesien weg. Langsam wurde Breslau eine Hochburg ultra preusischem Patriotismus. Friedrich erlaubte 12 jüdischen Familien in der Stadt zu wohnen unter der Bedingung, dass nur 1 Sohn jeder Familie eine Ehe gründen darf. Die anderen Familien hatten Stadt und Vorstadt zu räumen. Der König wollte vermeiden, dass Breslau "ein ganzes Jerusalem“ werde. Nur auf Tage und für Tagessteuer wurden Juden in die Stadt gelassen. Und dennoch wuchs die Zahl der Breslauer Juden. 1786, als Friedrich starb, waren in Breslau ungefähr 300 Familien und bald bis 3000 Seelen. Gumpertz war schlesischer Landesrabbiner. Nach ihm kam Raw Josef Jona Fränkel. 1790 wurde eine Breslauer “Judenverordnung“ erlassen. Die Stadt wurde ein Zentrum der Aufklärung. In Breslau stiessen Reformisten und ihre Widersacher zusammen und die Diskussion um die Emanzipation nahm lebhafte Formen an. Ein hebräischer Druck wurde errichtet. Die Gemeinde war ein Zentrum der “Wissenschaft des Judentums“. Der Reformprediger Abraham Geiger wirkte in Breslau. Ihm gegenüber stand Rabb. Tiktin und die Gemeinde war daran, gespalten zu werden. Aber schliesslich wurde die Einheit gewahrt mit 2 Gemeinderabbinern, orthodox und reformistisch. Das theologische Seminar und die “Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums“ erhoben Breslau zu einer der wichtigsten Judengemeinden Europas. Hier wirkten Secharja Frankel, Heinrich Grätz u.a. In unserem Jahrhundert waren bedeutende Personen im Seminar: Prof. Heinemann, Dr. Rabin, der verehrte Raw Dr. Simonsohn und unter den jungen Dozenten Efraim Urbach (Ad mea Weesrim jetziger Prof, für Talmud in Jerusalem). Aus Breslau kamen viele der geistigen Führer des jüdischen Europas. Neben dem Seminar gab es auch andere Erziehungsinstitutionen. So gründete Chaim Witt die jüdische Volksschule und später erstand das Jüdische Reform-Realgymnasium. In beiden Institutionen wirkte bis zu seinem letzten Tage Raw Dr. Simonsohn. Vor dem 2. Weltkriege wurde nocl) eine liberale Schule neben der liberalen Neuen Synagoge gegründet. Ein grosses jüdisches Krankenhaus mit besten medizinischen Kräften machte der Stadt Ehre. Das kulturelle Leben war reich und in Breslau hatte der jüdische Kulturbund viele eigene Kräfte. Es gab auch in Breslau eine bedeutende zionistische Organisation, an deren Spitze zuletzt R.A. Dt. Lux stand. 1925 lebten in Breslau um 31.000 Juden. Ihre beistigen Führer waren die Gemeinde-Rabbiner Dr. Hoffmann und Dr. Vogelstein. II In der Schoa wurde diese glänzende Gemeinde völlig vernichtet. Schon zu Beginn der Hitlerzeit verringerte sich die Zahl der Breslauer Juden wesentlich. Als die Juden polnischer Herkunft vertrieben wurden, war das in Breslau sehr bemerkbar, da ihre Zahl gross war. In der Kristallnacht wurde die grosse Neue Synagoge zerstört. Im gleichen Monat wurden die jüdischen Geschäfte in der Stadt geschlossen. Ende Dezember wurde die Arbeit von Juden in den freien Berufen unterbrochen. 1942—43 wurden die Breslauer Juden in die Läger deportiert. Zwei mal wurde die "Festung Breslau“ von der Roten Armee erobert. Dabei wurde die Stadt fast zerstört, mehr als alle anderen Städte, durch Kanonen. Mit ganz Schlesien (ausser Niederlausitz) und Pommern ging sie an Polen über. III Über die Juden in Wroclaw haben wir Information speziell durch einen Aufsatz eines kommunistischen Referenten in Wroclaw selbst. Er erschien auf hebräisch in “Bitfuzoth Hagola“ (Heft 1, 9. Jahrgang 1967). Er basiert auf einer Untersuchung durch Fragebogen, an der 20% der jüdischen Einwohner teilnahmen. Es ist natürlich fraglich, ob das ein richtiges Bild der Bevölkerung ermöglicht. Es gab zur selben Zeit 1200 Familien. 90% waren aus dem Vorkriegs-Polen, (Fortsetzung Seite 30 29