Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Thorarollen kamen nach Israel ZUR GESCHICHTE DER SYNAGOGEN IN BRESLAU / Von ADOLF DIAMANT Die Hauptstadt der ehemaligen preussischen Provinz Schlesien, Breslau, nach dem Kriegsende 1945 zu Polen zugehörig und Wroclaw genannt, gehörte bis Ins 12. Jahrhundert zu Polen. Die nachweisbare Anwesenheit von Juden dort beweist ein Grabstein aus dem Jahre 1203. Die mittelalterlichen Judenverfolgungen dezimierten die Judenschaft dort verheerend. Ab 1630 gestattete man einigen wenigen privilegierten. Handelsjuden wieder den Aufenthalt in der Stadt, aber erst nach dem Toleranzedikt vom 10. Januar 1713 wurde ihre Lage verbessert. Die Gemeinde zählte 1722 wieder 775 Juden. Dem einstigen Archivar der Synagogengemeinde Breslau, Rabbiner Dr. Bernhard Brilling, ist es zu verdanken, dass er mit einer Abhandlung über die Breslauer Synagogen, die vor Jahren erschien, eine erste Darstellung gab, die nun, durch viele Details erweitert und mit den Ereignissen des Novembers 1938 versehen, publiziert werden kann. Erich Lewin aus Ramat-Gan hat ebenso mit vielen Berichten, die in den “Mitteilungen“ (Nachrichtenblatt für ehemalige Breslauer und Schlesier in Israel) veröffentlicht wurden, dazu beigetragen, dass das BUd der vergangenen Gotteshäuser in Breslau abgerundet werden kann. Vom Jahre 1817 stammt ein Verzeichnis, in der als älteste Synagoge, die “Landschul“ in Breslau bezeichnet wird, die vor 1700 eingerichtet wurde. Über diese Synagoge kann man sich ein gutes Bild machen, denn sie gehört zum architektonischen Stil der polnischen Holzsynagogen (dazu gibt es eine ausgezeichnete Abhandlung von Maria und Kazimierz Piechota: Wooden Synagogues, Warschau 1959). Man nimmt an, dass der Baumeister der “Landschul“ ein polnischer Jude war, dem der Typus der polnischen Holzsynagogen bekannt war. Die eigentliche Betstube hatte zwei Aufgänge mit Holztreppen, die zur Männer- bzw. Frauenabteilung führten. Auf den polnischen Stü weist auch das pagodenartig geformte Dach. Erwähnenswert sind auch die silbernen Kultgegenstände romanischen Stils, die Erzeugnisse des 18. Jahrhunderts sind und in Polen immer wieder verwendet wurden. Eine der ältesten Synagogen, 1746 errichtet, war die des Bendix Rüben Gompertz, der von Friedrich dem Grossen 1744 zum “Landrabbiner“ von Schlesien ernannt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch mehrere Synagogen, die sowohl von begüterten Juden, als auch von kleineren Betgemeinschaften gegründet wurden. Es waren offensichtlich Betstuben, die als Synagogen bezeichnet wurden. Man entnimmt es der Bezeichnung “Schul”. Im Jahre 1767 wurden die “Lemberger Schul” und 1777 die “Sklower Schul“ amtlich anerkannt. Beide Betstätten wurden wahrscheinlich nur von “polnischen” Juden frequentiert. Aus der Zeit der österreichischen Monarchie (um 1710) stammen die “Glogauer”, “Krotoschiner“, “Lissaer” und “Zülzer” Schulen. Die Gesellschaft der Brüder, die 1780 in Breslau gegründet wurde, hielt ihre Gottesdienste zuerst im Seilerhof (Reuschestrasse) ab, bis sie 1796 die Erlaubnis zum Bau einer Gemeindesynagoge erhielt. Es war die erste Synagoge, die für einen grösseren Besucherkreis bestimmt war und “Synagoge zum Tempel“ genannt wurde. Dieselbe Gesellschaft suchte 1816 andere Räumlichkeiten für den “Tempel“, da dieser nicht mehr ausreichte und stellte bei der Obrigkeit einen Antrag, auf dem Grundstück, auf dem im Jahre 1829 die Synagoge “Zum Storchen“ gegründet wurde, ein Gotteshaus zu bauen. (Es ist bemerkenswert zu erwähnen, dass in der “Storchen-Synagoge“ der Thoraschrein einen an ägyptische Formen angelehnten Stil hatte). Damals liess die Polizei in Breslau eine Aufstellung aller in Breslau befindlichen Synagogen anfertigen. Demzufolge gab es 22 Betstuben, von denen zwölf als öffentliche Synagogen bezeichnet wurden, während zehn als Betstuben galten, darunter auch die Haussynagogen des Oberlandrabbiners Josef Jonas Fränkel (Betsaal Fränkelsche Stiftung), des Aron Karfunkel, des Oberlandrabbiners Abraham Titkin, des “Dajan“ Löbel Falk und des "Dyhernfurther Raws”. Die “Fuchssche Synagoge” spielte um 1850 eine bedeutende Rolle, denn sie war durch ihre Repräsentanten Elieser Pinczower, Leopold Silberberg und Rabbiner Krakauer bekannt. Ursprünglich stand dort auf demselben Grundstück im Hofe Sonnenstrasse 25 die “Neustadtsche Synagoge”, gegründet' von Rabbiner Pinchas, Neustadt, die 1926 als “Pinchas-Synagoge“ bezeichnet wurde. Vermutlich stammt aus der “Fuchsschen Synagoge“ eine Thorarolle, um die sich folgende Begebenheit rankt: Der Religionslehrer Elieser Pinczower heiratete im Jahre 1869, und zu seinen Hochzeitsgeschenken gehörte wahrscheinlich auch eine Thorarolle, die er 1889 mit nach Breslau brachte. Es verstarb i.912 und bestimmte in seinem Testament, dass sein ältester Sohn in Berlin die Rolle erhalten solle. So geschah es auch. Dort stellte man fest, dass das Sefer (Thorarolle) pasul (nicht gebrauchsfähig) sei. Da man keinen Sofer (Thoraschreiber und Restaurateur) finden konnte, wurde die Rolle leihweise der Betstube “Lew Yehuda“, im Norden Berlins gelegen, überlassen. Dort konnte man sie nur einmal im Jahr benutzen und zwar am Simchat Thora, um damit die Hakafot zu machen. In der Pogromnacht 1938 hatten die Nationalsozialisten offensichtlich vergessen, diese Betstube zu zerstören, aber die Gestapo befahl im Januar 1939 die Schliessung derselben. Alle Beter, die dort eine Thorarolle hatten, nahmen diese mit nach Hause. Bei seiner Auswanderung am 1. März 1939, nahm der Enkel Elieser Pinczowers, Felix Daniel Pinczower, die Thorarolle mit nach Palästina. Jahrelang lag sie unbenutzt da. Obwohl viele Thoraschreiber die Restaurierung wegen der hohen Kosten ablehnten, fand sich ein Sofer, der in achtmonatlicher Arbeit die Rolle wieder herstellte. Sie wurde in Jerusalem in die Synagoge des Rabbi Esriel Hildesheimer gebracht — und schätzungsweise 150 Jahre nach ihrem Entstehen konnte ein Nachkomme der Familie Pinczower aus dieser altehrwürdigen Thorarolle zu seiner Barmizwa daraus die gesamte Sidra vorlesen. Die “Pinchas-Synagoge“ wurde 1876 als erste Jugendsynagoge eingerichtet und wechselte mehrmals ihren Platz, bis sie 1926 in die Passage des Hauses Höfchenstrasse 84 verlegt wurde. Dort waren mehr als 150 Männer- und Frauenbetplätze eingerichtet worden. Jahrelang ist dort die Jugend von Rabbiner Dr. Binetter betreut worden. Als verdienstvoll für diese Synagoge sind der Vorsitzende Dr. Seev Freyhan zu erwähnen, daneben der einstige Bibliothekar der National-Bibliothek in Jerusalem, Dr. Daniel Goldschmidt, und als einer der letzten Beter der bekannte Arzt Dr. Erich Sgaller, der mit seiner Familie in Auschwitz umkam. Nach der Pogrommnacht des 9./10. Novembers 1938 gelang es den noch jugendlichen Söhnen der Familien Kurt Schneller und Martin Friedländer unter Lebensgefahr, die Thorarollen aus dem völlig demolierten Bethaus zu retten und später nach Israel zu bringen. Zu dem in den grossen Hinterhöfen gelegenen “Schulen“ gehörten die “Schul zum goldenen Rad” — in einem Haus, das von der Antonienstrasse zur Goldenen Radegasse führte — und die “Schul zum goldenen Hirsch”, gelegen an dem Durchgangshause vom Exerzierplatz zur Karlsstrasse. Weiter sind zu benennen die “Lemberger Schul” in der Graupenstrasse, dicht neben Wislitzkis Hotel, und die “Schul am Rhediger Platz“ von Abraham Mugdan. Privatgottesdienste wurden sowohl in der Metallhandlung von Joseph Kober wie auch bei Prof. Badt in der Paradiesstrasse 1 abgehalten. Die ausgezeichnete finanzielle Lage der Breslauer Gemeinde gestattete es, sich mit dem Bau einer repräsentativen Synagoge zu befassen. Die Gemeinde gehörte um 1870 zu den drei grössten nach Berlin und Hamburg. Nachdem eine Baukommission Bauentwürfe von verschiedenen Architekten anforderte, entschied sie sich 1865 für die Pläne des bekannten Architekten Edwin Oppler. (Er baute die Synagogen in Bleicherode, Hannover, Schweidnitz und Hameln und machte auch Entwürfe anderer Synagogen). Im Dezember des selben Jahres wurde der Grundstein gelegt. Der Bau des monumentalen Gotteshauses — es war nach der Berliner Synagoge ln der Oranienburger Strasse der zweitgrösste Kultbau der Juden in Deutschland — war als romanischer Zentralbau ausgeführt, fasste 1050 Männer- und 800 Frauen Plätze. Nach Hammer-Schenk bestand der Bau aus einem rechteckigen Langhaus, dem genau in der Mitte an Nord- und Südseite halbe Oktogon angefügt waren, so dass der Eindruck eines Querhauses enstand. An der Nordseite war das “Querhaus” von einer einschossigen, polygonalen Vorhalle umgeben, die den Eingang für die Hohen Feiertage enthielt. Vier gedrungene achteckige Türme flankierten das Kegeldach. Über der Vierung erhob sich die hohe Kuppel aus einem achteckigen, von grossen Rundfenstern durchbrochenen Tambour. Der Haupteingang wurde als romanisches Gewändeportal gebildet. In den Türmen lagen die Eingänge zu den Frauenemporen, die das Gebäude im Inneren an drei Seiten umgaben, im Westen wurde die Empore doppelgeschossig ausgeführt. Wie üblich war der Almemor im Osten angebracht und, über einige Stufen erhöht, stand in einer rechteckigen Apsis der Heilige Schrein, der mit einem halben Sechspass und einem Rundbogen den Abschluss bildete. Ein reich verzierter Giebel mit den beiden Gesetzestafeln in der Mitte krönte den Schrein. Darunter befand sich die Sängerempore für den Chor und die Orgel. Dahinter öffnete sich ein buntverglastes Rundfenster. In der Südwestecke war in einem niedrigem Anbau eine kleine Wochentagssynagoge, als deren Apsis das Rund des Turmes diente. Die Bauausführung dauerte sechs Jahre, und die Kosten beliefen sich auf 800.000 Mark. Über die Einweihung der Synagoge am 29. September 1872 schrieb damals die “Allgemeine (Fortsetzung Seite 24) 23