Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Reise an den Anfang der Nacht (BRESLAUER ERINNERUNGEN DES HISTORIKERS WALTER LAQUEUR) Mächtig lebt in den Menschen die Sehnsucht nach den Städten ihrer Kindheit und Jugend. “Ich träum als Kind mich zurücke” beginnt eins der bekanntesten Gedichte Chamissos, der sein Schloss Boncour noch als Kind hatte verlassen müssen. Bei manchem exilierten Dichter war die Trennung von der Heimat endgültig: Die “Tristien” des Ovid und die “Göttliche Komödie “Dantes zeugen davon, dass ihre Autoren Rom und Florenz nie wiedergesehen haben. Bei manchen verbannten Dichtern der Neuzeit scheint grade das Wiedersehen mit dem Heimatboden auf ihre Schaffenskraft befruchtend gewirkt und sie in neue Bahnen gelenkt zu haben wie bei dem französischen Romantiker Chateaubriand und bei dem späten Freiligrath. Immer aber löst die Wiederbegegnung mit den Schauplätzen des früheren Lebens einen seelischen Schock aus, teils beglückkende, teil beklemmende Empfindung — und von diesen Gefühlswellen ist auch das autobiographische Erinnerungsstück, Heimkehr (homecoming) geheissen, durchflutet. Es ist im Rahmen eines grösseren Buches erschienen, das' bezeichnend genug, “Aus den Trümmern Europas” zum Titel hat und 1971 in London, Alcove Press herauskam. Walter Laqueur hatte Glück, Breslau 1938 verlassen zu können, sozusagen in letzter Minute, und er weiss es. Zu jener Zeit war das Glück des Verlassen- Könnens von dem Zwang des Verlassen-Müssens wohl noch stark überschattet. Aber er war jung, unbeschwert, rührig und energiegeladen. So gelang es ihm, nach langem Hin- und Her, dank Empfehlung eines nicht genannten Professors der Jerusalemer Universität — aber zweifellos war es Sukenik — ein Studentencertificat zu ergattern. . So kam er knapp nach dem Novemberpogrom doch noch ins Freie hinaus. Aber Jugend erlebt viel und schnell und intensiv. So erscheint das Schicksalsjahr 1938 in der Rückblende (in diesem und in einem anderen “1938” betitelten Kapitel) doch als ein bunter Film von Wanderfahrten im Taunus und im Riesengebirge, von sportlicher Aktivität, Laqueur war Schwimmer und passionierter Fussballspieler, von Gelegenheitsarbeiten — und auch allerdings von Tagen würgender Angst, als (Fortsetzung von Seite 18) Bild meiner Frau — eine Aufnahme von Edith, die ich selbst einmal gemacht habe — in den ersten Monaten unserer Bekanntschaft, irgendwo in der Umgebung von Berlin bei einem gemeinsamen Ausflug an einem Sonntag Morgen. Damals versuchte ich, von der eigentümlichen Schönheit dieses Ineinander mir Rechenschaft zu geben. In meinen Notizen heisst es: “Nirgends erfreut uns der warme Blick menschlichen Wohlwollens so sehr wie im Antlitz der Jugend: wenn die stille zarte Kraft wohlwollender Guete noch unbeholfen und des eigenen Daseins noch kaum bewusst, noch ungelenk mitten aus jugendlichem Ungestüm und jugendlicher Härte aufleuchtet — wie ein Geschenk, das gleichsam unerwartet zu uns kommt“... 1946 half mir die amerikanische Dichterin Sarah Cleghorn bei der Übersetzung meiner “Notizen zur Ethik“ ins Englische, da fand sie diesen Aphorismus vor allem bemerkenswert. Er ist, so schrieb sie mir damals in einem ihrer lieben kommentierenden Briefe, “einer der besten“ in den “Notizen”. Wie freute ich mich damals, dass gerade diese Sätze, die ich einem Bilde Ediths verdankte, ein so besonderes Lob gefunden hatten! im Herbst jenes Jahres, da er hilflos nach überstandener Mandeloperation im Jüdischen Krankenhaus Breslaus lag, der Krieg unausweichlich schien. Und nun ist er — ein Vierteljahrhundert ist inzwischen in die Ewigkeit eingegangen — wieder in Breslau, das jetzt Wroclaw heisst. Alles heisst nun anders: Aus dem Südpark ist Park Poludnia geworden, die Jahrhunderthalle ist in Hala Ludwa umgetauft (sie war errichtet worden zur hundertjährigen Wiederkehr des Datums der Freiheitskriege 1813) und das Haus, das die winzige Jüdische Gemeinde beherbergt, ist zwar in der gleichen Strasse geblieben, in denen einst die Räume der blühenden Jüdischen Gemeinde Breslaus waren, aber jetzt heisst sie nicht mehr Wallstrasse, sondern Ulica Wlodkowica. Hier findet er auch die einzige noch erhaltene deutsche Hausinschrift, sie konnte nicht entfernt werden, weil sie zu tief eingemeisselt war, — welch bittere Ironie, wie er dazu bemerkt. Alles ist nun anders — ganze Strassenzüge sind verschwunden, ganze Stadtteile sind nicht mehr, das Haus seiner Kindheitsjahre ist weg, d&s meiste ist zerstört, weggewischt, zermahlen von dem Zahn der Zeit, von Bomben und Granaten und von dem dröhnenden Schritt der alles zermalmenden geschichtlichen Veränderungen. “Ich war als Gespenst heimgekehrt” schrieb einmal ein baltischer Baron nach einer ähnlichen unheimlichen, unwirklichen Wiederbegegnung mit der verlorenen Zeit, dem verlorenen Raum. Und nun stürmen die Erinnerungen auf den Besucher ein. Hier auf dieser Bank hatte er “Reise an das Ende der Nacht” von Celine gelassen — ahnte er, dass zu jener Stunde die Nacht begann? Hier ganz nahe bei seinem jetzigen Hotel hatte er einmal eine Unterredung mit dem liberalen Breslauer Rabbiner Dr. V. (Vogelstein), ein Zitat aus den Epigrammen Friedrich von Logaus (Logau aus Brockut in Schlesien lebte in Liegnitz und Brieg (1604 bis 1655), nannte sich auch “Salomon v. Golau”). Einer der bedeutendsten Gestalten des schlesischen Barock — das ihm jener hochkultivierte Rabbiner an jenem Tag zum Abschied mitgab, haftet jetzt noch in seinen Ohren: ‘Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein. Ob aus Langmut er sich säumt, bringt mit Schärf er alles ein”... Aber Laqueur ist vor allem Historiker. So interessieren ihn nicht nur folkloristische Themen über einstige Breslauer Spezialitäten, wie “Breslauer Korn“ und “Schlesisches Himmelreich”, über ehemalige Cafes (wie Fahrig) oder noch bestehende Hotels (wie Monopol), nicht nur Kirchen, Friedhöfe und Warenhäuser, von den letzteren erwähnt er den Wertheim Bau, mit seinem typischen Schicksal: 1933 arisiert, 1945 polonisiert und als Dom Towarowy treu restauriert. Er ist moderner Historiker, und hat vor nicht langer Zeit eine lesenswerte und instruktive “Geschichte des Zionismus“ (W. Laqueur: A History of Zionism 1972) geschrieben. Als Kenner von Nah-Ost-Problemen liegen ihm Fragen des historischen Rechtstitels auf ein Land nicht allzufern. Wie er Buchhandlungen durchstöbert, stösst er auf Schriften historisch-politischen Inhalts, polnische, aber auch deutsche, die sich mit den konkurrierenden Ansprüchen der beiden Völker um die Priorität in Schlesien befassen. Beide haben ihre Argumente, die ihnen die Geschichte, Vorgeschichte und Archiologie bereitwillig in Fülle liefern. Inzwischen haben die eisernen Würfel für Polen entschieden. Gewiss, so meint Laqueur, (S. 20): “Das deutsche Breslau war grösser, ordentlicher und wohlhabender als seine polnische Nachfolgerin, es hatte seine eigene Kultur und Charakter“. Aber die neue Entwicklung schreitet unaufhaltsam vorwärts, und wenn auch zur Zeit seines Besuches die ehemalige Einwohnerziffer von 625,000 noch nicht erreicht war — er schreibt im Jahre 1963 — so dürfte lt. Planung schon in den 80er Jahren diese Ziffer gleichgezogen haben — und Polnisch-Schlesien ist ein demographisch junges Land. Laqueurs Antwort auf das historische Recht wird zweimal gegeben: Das eine Mal in einer “Oberstimme“, kühl, distanziert, bedächtig(— vernünftig: “Breslau - Wroclaw hat eine Vergangenheit, die sowohl deutsch ist, wie slawisch“. Das zweite Mal unterschwellig in einem verworrenen Traumbild. Er sitzt in einem Zug, der ihn aus Breslau entführt und ist gerade eingenickt. Da hört er, wie ein Orchester das Deutschlandlied spielt, und der altmodisch gekleidete Dirigent sieht plötzlich den Verfasster dieser Hymne Hoffmann v. Fallersleben (dieser Dichter lebte von 1823—1843 in Breslau als Bibliothekar und Universitätslehrer, täuschend ähnlich, dann aber erklingen die Takte des polnischen Nationallieds, und unter den Musikanten erblickt er Jankiel, den jüdischen Zimbel-Spjeler (aus dem Epos des polnischen Nationaldichters Mickiewicz) — und wie er aus dem wüsten Traum erwacht, ist er froh, die gemessene Stimme des B.B.C. Ansagers zu hören, die ihn aus dem Osteuropäischen Wirrwarr erlöst. “Gerade hat der Zug Oppeln — Opole, passiert. Ich hatte meine Helmatsstadt zum zweiten — und wie ich annehme — zum letzten Male verlassen“. A. TOBIAS, Nathania (Israel) VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER UND SCHLESIER IN ISRAEL, e. V, Tel-Aviv, Israel Betr.: A. Heppner (Ger. 1965) / O. Marcus. Sehr geehrte Herren, Aufgrund Ähnlichkeiten zwischen meinem Familiennamen und dem Namen einer Amerikanischen Kleinstadt, Heppner, im Bundesstaat Washington, fing ich vor ungefähr zwei Jahren an die Herkunft von diesem Ortsnamen nachzuforschen. Es hat sich herausgestellt das diese Stadt ihren Namen von einem jüdischen Einwanderer, Henry Heppner (ca. 1831—1905), der entweder in Pieschen oder in Zerkow, Posen geboren wurde, bekommen hat. Dieser Henry Heppner soll einer berühmten "Rabbiner-Familie” entstammen. Ich fand dann im Encyclopedia Judaica den Aufsatz über Aron Heppner (1865—1938) der in Pieschen geboren wurde. Ich bin nicht Jude; mein Vorfahre Jakob Höpner (1748—1826) ist in Westpreussen als Kind mennonitischer Eltern zur Welt gekommen. Im März 1788 wanderte er vom Dorf Bohnsack bei Danzig, als mennonitischer Deputierter nach Südrussland aus wo er auf der Dnjeprinsel Chortitsa sich ansiedelte. Von Südrussland kamen mein Ur-Urgrossvater und mein Urgrossvater nach Süd- Manitoba, Canada in Jahr 1876. Als Amateur Familienforscher interessieren mich alle Namensträger Höpner (Höppner) Heppner. Ich vermute eine Verwandschaft zwischen dem Henry Heppner und dem Rabbiner Aron Heppner. Ich wäre ihnen für jede Hilfe bzw. Rat dankbar. Ist es noch möglich ein Exemplar vom Buch des O. Marcus, A. Heppner (1965) zu erwerben? Wenn nicht, vielleicht ist es nicht zu dick um es abzulichten. Ich möchte einen Stammbaum der jüdischen Heppners aufstellen und suche entsprechende Herkunft, Geburts-, und andere Information aller Familienangehörigen (Photos usw.). Können Sie mir behilflich sein? Hochachtungsvoll, E. D. Hoeppner 19