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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-04-01 · No. 43 (April 1978) · p. Seite 16

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 43 (April 1978)
Date
1978-04-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Dr. Ludwig Nelken 80 Jahre Acht Jahre war ich alt, als eine im Jahre 1920 von Skandinavien her eingebrochene Epidemie einer schweren, damals noch ungenügend erforschten, Krankheit, die medizinische Kapazität an der Universität Breslau, Professor Förster, veranlasste einen seiner besten Studenten, mit einer wochenlangen Behandlung an meinem Krankenbett zu beauftragen. Wohl selten hat ein Student eine so verantwortungsvolle Aufgabe mit einer solchen Aufopferung erfolgreich durchgeführt, wie es Ludwig Nelken damals tat. Allerdings war der bedächtige und gewissenhafte Student kein Anfänger mehr, denn er hatte seine ersten praktischen Erfahrungen noch vor Abschluss seines Studiums im 1. Weltkrieg gewonnen, nachdem er im Jahre 1917 nach abgelegtem Physikum eingezogen und zunächst der Reitenden Feldartillerie zugeteilt wurde, jedoch alsbald als Sanitätssoldat und später als Unterarzt diente. Am 8.' Juni wird Dr. Ludwig Elasar Nelken 80 Jahre. Er wurde im Jahre 1898 als Sohn von Adolf Abraham und Therese Nelken geb. Monasch in Breslau geboren. Auch seine Familie war eines der vielen Beispiele der tragischen Gespaltenheit des jüdischen Volkes. Der junge Ludwig half in einem Lazarett des deutschen Heeres, während auf der Gegenseite ein einige Jahre älterer Verwandter seitens seiner Mutter, der in Australien geborene Enkel des bekannten Gebetbuchherausgebers und Druckereibesitzers Monasch aus Krotoschin, im Lager der Alliierten eine hervorragende Rolle als Ingenieur und Initiator logistischer Neuerungen spielte und im Laufe des Krieges als General John Monasch bis zum Rang des Oberkommandanten des australischen Corps in Europa aufstieg. Nach dem Kriege wurde er Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation in Australien, und zum Gedenken an ihn wurde eine Siedlung im Lande Kfar Monasch genannt. Der Geist der Krotoschiner Tradition war auch im Elternhaus von Ludwig Nelken herrschend, doch war es ebenso aufgeschlossen und aufnahmebereit für moderne Bildung und Wissenschaft. So bekam auch Ludwig Nelken eine entsprechende Erziehung, besuchte und absolvierte das humanistische König-Wilhelms-Gymnasium, wo er auch Latein und Griechisch lernte. An der Universität Breslau studierte er nicht nur bei den Professoren Minkowski, Jadassohn, Frank und Prausnitz die medizinischen Fächer, sondern er liess es sich auch nicht nehmen in die Philosophie eingeführt zu werden. In dieser Epoche seines Lebens hatte für ihn das Studium aber noch eine andere Seite. Schon damals erfüllte ihn das Palästina-Ideal. Er fungierte als aktives Mitglied der zionistischen Stutentenorganisation V.J.St. Zephira, in der er auch ein Jahr als Chargierter verantwortlich war. In der Zionistischen Ortsgruppe arbeitete er zusammen insbesondere mit Benno Cohn, Max Jacobsohn und Franz Meyer. Letzterer beauftragte den tatenfrohen Medizinstudenten, hebräische Sprachkurse in Breslau einzurichten, die in den Räumen des Jüdisch-Theologischen Seminars auf der Wallstr. abgehalten wurden. Und wer von uns hat nicht bei den Lehrern Klotz, Rabin oder Reznicov seine ersten Schritte in der Altneusprache gemacht? Vertiefung seines jüdischen Wissens fand der Student Nelken in Kursen, Vorträgen und Diskussionen im Kreise von Rabbiner Simonsohn und den Dozenten des Rabbinerseminars in enger Zusammenarbeit mit seinem Freund, Willy Horowitz, dem Sohn des Rabbiners Professor Schaul Horowitz. Nach dem Kriege schloss Ludwig Nelken sein Studium ab und wurde an der Universität Breslau im Jahre 1922 promoviert. Noch heute blickt er dankbar auf diesen Lebensabschnitt zurück. “Von meinen Lehrern bekam ich die Grundlagen und die Wegweiser in die Zukunft“, bekennt er. Besonders richtunggebend hatte auf ihn Professor Minkowski gewirkt, dessen Arbeiten die Voraussetzungen für die Entdeckung des Insulin geschaffen haben. So war schon damals in Breslau Dr. Nelkens Weg als Spezialist für die Zuckerkrankheit vorgezeichnet. Nach Beendigung seines Studiums zog der junge Doktor nach Berlin. Seine klinische Arbeit begann er bei Professor Herrmann Strauss, unter dessen Leitung er, zunächst als Volontär und später als Hauptassistenzarzt, zu der Zeit, zu der die Insulinbehandlung eingeführt wurde, tätig war. Die schwere Wirtschaftslage in der Inflationszeit nötigte ihn, sich einen Nebenverdienst zu verschaffen, und so füllte er das Fehlende mit Nachtdienst und der Erteilung von Privatstunden aus. Eine seiner Schülerinnen war die Tochter des Weinhändlers, Max Bernhard, die er zu seiner Gattin erkor. Im Jahre 1925 eröffnete Dr. Nelken eine Privatpraxis und praktizierte auch in Berlin im Aufträge der Allgemeinen Ortskrankenkasse als Vertrauensarzt für die Berliner Gewerkschaft der Druckerei-Arbeiter und leitete auch ihr Laboratorium. Im gleichen Jahre erschien bei ihm die ihm aus seiner Studienzeit her bekannte Dora Diamant, die damals Pflegerin von Franz Kafka war, und bat ihn um seinem ärztlichen Beistand. Erinnert sich Dr. Nelken: “Ich fand Franz Kafka in einem schweren Zustand. Er stand am Fenster und ein herzliches, trauriger Lächeln spielte in seinem Gesicht. Ich half ihm, so weit ich konnte“. (Bekanntlich starb Kafka an Schwindsucht). In seiner Berliner Zeit gebar ihm seine Gattin zwei Jungen, doch diese Epoche ging mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft zu Ende. Vor seiner Alijah beriet er sich im Palästina- Amt auf der Meineckestr. über seine Einordnungsmöglichkeiten Im Lande. Zwei Palästinenser, die für die Einwanderung dort arbeiteten, rieten ihm, im Kuhstall von Ataroth, nördlich von Jerusalem, zu arbeiten. Im September 1933 kam er mit seiner Familie ins Land. Bald fuhr er nach Ataroth, jedoch musste er dort feststellen, dass eine Einordnung in diese Siedlung nicht in Frage kam. So gründete er sein Heim in einer bescheidenen Wohnung in Beth Hakerem. Er begann seine Arbeit in der Kupath-Cholim- Klinik in Sichron-Mosche, machte Hausbesuche in Beth-Hakerem und Umgebung und behandelte in seiner Wohnung und im Zentrum der Stadt in der Neviim-Strasse, auch häufig Araber. In derselben Sch’chunah hatte in diesen Jahren eine Verwandte seiner Gattin, die Krankenschwester Irene Gaster, eine Tochter des Absolventen des Breslauer Rabbiner-Seminars und späteren Oberrabbiner der sphardischen Gemeinden, erst in Bukarest und dann in London, Rabbiner Moses Gaster, ihre hilfreiche Tätigkeit im Lande begonnen, indem sie dort ein Heim für zurückgebliebene Kinder gründete und leitete. (Vor kurzem leider verstorben). Auch diesem Heim liess Dr. Nelken seine ärztliche Betreung zukommen, ohne dabei an Honorare zu denken. Seine feste Anstellung als Arzt in der im Zentrum der Stadt gelegenen Jerusalemer Hauptklinik der Kupath-Cholim bekam Dr. Nelken vor mehr als 40 Jahren, im Jahre 1937. Aber noch vor Beginn seiner Kassensprechstunden begann sein Arbeitstag, und bereits um 7 Uhr morgens begann er, Patienten ln seiner Wohnung zu empfangen. Schon vor dem Unabhängigkeitskrieg und vor allem während des Krieges war Dr. Nelken als Arzt der Haganah für den westlichen Bezirk Jerusalems verantwortlich. Sein Tätigkeitsfeld erweiterte sich noch mehr mit der Errichtung des Staates Israel. Damals wurde die medizinische Fakultät der Universität gegründet, die mehr und mehr einen weitgehendst selbständigen Charakter annahm. Im Jahre 1950 wurde Dr. Ludwig Nelken zu ihrem Sekretär für ärztliche Fortbildung ernannt. Zu seiner Arbeit in der Kupath-Cholim kam nun auch die Organisation von Kursen und Vorträgen, eine Tätigkeit die er bis 1970 erfolgreich ausübte. Ebenso fand er noch Zeit, seine Arbeitskraft der Israelischen Ärzte Organisation und dem medizinisch-wissenschaftlichen Rat in Jerusalem zur Verfügung zu stellen. Dr. Nelken gehörte aber auch zu den Vorkämpfern für die Errichtung einer separaten medizinischen Bibliothek, ein Ringen, das erst nach Überwindung vieler Widerstände von Erfolg gekrönt war. Bei all dem bereicherte Dt. Nelken aber auch aktiv die medizinische Literatur, und in hiesigen und internationalen Fachzeitschriften erschienen eine Reihe von Artikel aus seiner Feder, von denen mancher eine wichitige Förderung der medizinischen Wissenschaft darstellt. Auch seine Mitwirkung bei der Gründung der Israelischen Gesellschaft zur Bekämpfung der Zuckerkrankheit kennzeichnet ihn als Mann der Initiative. In diesem Rahmen nahm er sich besonders der Sommerläger (Kaitanoth) für diabetische Kinder und der Vierteljahreszeitschrift “Sukkereth“ an. So konnte es denn auch nicht ausbleiben, dass die israelische Medizin in Dr. Nelken einen ihrer Repräsentanten auf internationalem Gebiete sah. Er beteiligte sich an den med. intern. Kongressen in Stockholm, und last not least am Welt-Kongress anlässlich der 50. Jahresfeier zur Entdeckung des Insulin in Jerusalem, der ein Höhepunkt von Begegnungen mit Diabetiker-Forschern aus aller Welt war. So wirkte er auch als Vertreter Israels im Jahre 1963 als Mitglied des “Expert Committee on General Practice”, das in Genf im Rahmen der “Weltorganisation für Gesundheit” zusammentrat. Der Kampf gegen die Zuckerkrankheit ist jedoch nicht Dr. Nelkens einziges Wirken. Seine Erfahrung lehrte ihn, die seelischen Einflüsse auf Krankheiten entsprechend einzuschätzen. Als Mann der Tat, dem Erkenntnis und Verwirklichung gleichbedeutend sind, war es von da nur ein Schritt, mit zu den Gründern des Verbandes für psychomatische Medizin in Jerusalem zu zählen. Im Jahre 1970 wurde Dr. Nelken von seinem Universitätsposten pensioniert, doch es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass der Ruhestand mit einer solchen Persönlichkeit unvereinbar ist. So setzte er von da an seine ärztliche Fähigkeit in der Kupath-Cholim in seinen 70iger Jahren bis heute halbtätig fort. In Anerkennung seiner un- (Fortsetzung Seite 17) 16

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