Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Df. Max Elk - Rabbiner und Erzieher Unter die Lupe genommen SCHNEEWITTCHEN UND DIE PALÄSTINENSER Leider waren es nur wenige der Rabbiner des deutschen Judentums, die nach dem Umbruch 1933 sich entschlossen, in das damalige Palästina einzuwandern, und nur einzelnen von denen war es vergönnt, sich hier eine Gemeinde und ein Lebenswerk aufzubauen. Der kleine Jischuw in jenen Tagen hatte kaum Kontakte mit der geistig-religiösen Welt des Judentums. Der ‘alte Jischuw“ lebte abgeschlossen in einer Art Igelstellung und stand dem Aufbauwerk, in das die Menschen der Fünften Alija kamen, ablehnend — um nicht zu sagen, feindlich — gegenüber. In dieser Welt der Gegensätze, die die Einwanderer aus Mitteleuropa nicht kannten, war einfach kein Platz für deutsche Rabbiner. Man gab ihnen keine ‘Erlaubnis* religiöse Zeremonien durchzuführen. Einige, aber wirklich nur Ausnahmen, waren kühn genug, sich die Bestätigung direkt von den britischen Mandatsbehörden geben zu lassen. Andererseits waren die Einwanderer zu jung, um den Begriff einer Gemeindearbeit ernst zu nehmen, und zu sehr mit ihren persönlichen Sorgen um den Tag Arbeit belastet, dass sie nicht für ‘Ihre Rabbiner' kämpften. Bis auf die grossen Städte, wo sich verhältnismässig kleine Gemeinden zusammenfanden, und einigen aus diesem Kreis gegründeten Siedlungen, fand man nicht den Gottesdienst, der die Menschen unseres Kreises angesprochen hat und ihnen Zugehörigkeitsbewusstsein geben konnte. Als Dr. Max Elk, der im März dieses Jahres seinen achtzigstes Lebensjahr vollenden konnte, dem Jubiliar, dem zu Ehren diese Zeilen geschrieben werden, sich im Jahre 1935 entschloss, sich in Haifa niederzulassen, sah er die Gegebenheiten, und er nahm es auf sich, sich hier ein Lebenswerk aufzubauen, wie er es mit Dr. Baeck, seinem Lehrer, besprochen hat: Synagoge und Schule, wobei das Bet Haknesset nicht mehr in der von ihm geschaffenen Form besteht, aber das Schulwerk ihn nicht nur in Haifa bekannt gemacht hat, und ihm im Jahre 1976, die Ehrenbürgerschaft seiner Stadt verliehen wurde, sondern auch in der jüdischen Welt. * Max Elk wurde am 11. März 1898 in Frankfurt/ Main geboren, wo er als Schüler des Philantropin in die Welt des Judentums, wie die der Geisteswissenschaften eingeführt wurde. Es sind die Kanzelredner, Rabb. Nobel, aber auch der damalige Führer des liberalen Judentums, Rabb. Seligmann, die ihn beeinflussen und formen. Seine Ausbildung begann am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, unter Prof. Heinemann, später an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, unter dem Religionsphilosophen Dr. Ellbogen, wie Rabbiner Leo Baeck, den er sich zum Führer und Vorbild erwählt. Nach kurzem Aufenthalt in München wird er 1926 Rabbiner in Stettin, der Hauptstadt Pommerns, deren Judenheit so ganz anders als die seiner Helmatgemeinde Frankfurt war, aber auch die Breslaus, wirtschaftlich bescheidener und weniger traditionsbewusst. Vielleicht wa- , ren es deshalb verhältnismässig wenige Menschen, die rechtzeitig auswanderten. Aus den Landgemeinden Pommerns, die zu soinem Amtsbereich gehörten, aber auch die aus der nahen Neumark, sind sie nach Berlin übersiedelt, wo man bis Ende 1938 noch recht gut leben konnte, und so haben sie leider den Anschluss zur rechtzeitigen Auswanderung verpasst. Es war nicht leicht, in Haifa 1935 einige Dutzend Familien zusammenzubekommen, um Chanukka, Dezember 1935, den ersten Gottesdienst abhalten zu können, in den Kellerräumen eines Geschäftshauses. Die Gemeinde Bet Israel konnte sich einige Jahre recht gut entwickeln, ein zweiter Gottesdienst wurde auf dem Carmel errichtet, unter tätiger Mithilfe der leider früh verstorbenen Rabbiner Lazarus und Porath. Nach vier Jahrzehnten ist wenig von der Gemeinde geblieben, aber sie stellte einmal den Ausgangspunkt dar, die Basis, von der aus sich Dr. Elk das Schulwerk aufbauen konnte. Die Leo-Baeck-Schule konnte zu einem Begriff in Haifa werden, und die Stadt hat seine Leistungen anerkannt und honoriert und ihn im Jahre 1976 zum Ehrenbürger ernannt. Im Jahre 1938 erschien es eine kaum durchführbare Idee, ein Dutzend Eltern zu überzeugen, ihre fünfjährigen Kinder, Jahrgang 1933, in einen privaten Kindergarten einzuschreiben, der keine Erfahrungen hatte. Es waren die Mitglieder der Bet Israel Gemeinde, die ihre Sprösslinge brachten und fleissig den Kindergarten propagierten. Ein Jahr später wird die erste Klasse der ‘Hillel- Schule“ eröffnet, nach der Strasse genannt, in der man ein altes einstöckiges Haus mieten konnte, in dem die Schule, der Kindergarten und der Raum für die Gottesdienste untergebracht waren. Acht Jahre danach, 1947, wird aus der ersten Gruppe die erste Klasse einer Mittelschule. Die Schule wurde von Max Elk in den Jahren, in denen er ihr Vorstand, ausserhalb der ‘Strömungen“, der Parteirichtungen gehalten, sie sollte, so wie er es im Philantropin erlebt hatte, Judentumslehre mit allgemeinen Wissenschaften verbinden. Während einiger Jahren wurde diese Aufgabe erfüllt, es gab Vorbereitungskurse zur Bar Mizwa und für die Mädels wurden Bat Mizwa Feiern, angeschlossen an den Freitag Abend G“ttesdienst abgehalten. Leider haben die fähigen Lehrer die Grund-Schule verlassen, und Rabb. Porath ist verschieden, und die meisten der heutigen Lehrerinnen haben nicht das Wissen und die Ausbildung jüdischer Geschichte und Tradition, wie es gelehrt werden sollte, mit Ausnahme derer, die in dem engen Rahmen der orthodoxen Schulen unterrichten. Als Dr. Leo Baeck bald nach seiner Befreiung aus Theresienstadt das Land besucht hat, willigte erein, der Schule seinen Namen zu geben. Die Grundschulklassen der Leo-Baeck-Schule, wie sie Jetzt heisst, wurden im Jahre 1950 in das Netz der öffentlichen Schulen übernommen, und von der Stadt verwaltet, aber erst 1953 wurde ein passendes Schulgebäude errichtet. Die Oberklassen waren bis 1970 in umgebauten Wohnräumen untergebracht. Heute besteht die Mittelschule nicht nur aus dem grossen, eigenen Gebäude auf dem Carmel, dass sie durch grosszügige Spenden aus Amerika errichten konnte, ihr angeschlossen ist ein in der Nähe liegendes Schulgebäude. In weiser Voraussicht hat Dr. Elk schnell auf das im Lande neueingeführte Erziehungssystem, die ‘Reform’ lungeschaltet, nach der die Grundschulklassen auf sechs Jahre beschränkt werden, dann drei Mittelschulklassen folgen, für die die Schulpflicht besteht, und anschliessend drei Oberklassen, so, dass das Schulwerk heute fast Tausend Schüler unter sich hat. Vor einigen Jahren hat sich Dr. Elk schrittweise von der aktiven Arbeit als Schulmann zurückgezogen, aber er ist noch immer mit seiner Schule verbunden, in der heute oft die zweite Generation lernt. In einer Stadt mit der Grössenordnung Haifas, in der seit 1913 di« Realschule, die ‘Biramschule* toangebend war, will es etwas heissen, wenn sich die ‘Elk-Schule‘, wie sie im Volksmund genannt wird, durchsetzen konnte. Es stellt die persönliche Leistung Dr. Elks dar, seine damals gesetzte Lebensaufgabe, ein verwirklichter Traum. Wir wünschen und hoffen, dass es Dr. Max Elk noch lange Jahre vergönnt sein möge, in geistiger Frische an der Entwicklung ‘seiner1 Schule Anteil nehmen zu können, dass sie in dem Geist Es war ein Apfel, an dem Schneewittchen beinahe gestorben wäre. Die böse Stiefmutter hatte ihn heimlich mit Gift präpariert und zwar so raffiniert, dass die rote Seite gefährlich, die weisse aber harmlos war. Die als Bauersfrau verkleidete Stiefmutter konnte das durch vorangegangene Giftanschläge misstrauisch gewordene Schneewittchen von der Harmlosigkeit des Apfels überzeugen, indem sie in den ungefährlichen Teil biss, so dass Schneewittchen gutgläubig das andere Stück verzehrte. Wie es ausging, weiss man. Leider kamen solche Anschläge nicht nur im Märchen vor, Gift war zu allen Zeiten das heimtückische Mittel, einen andern, gleich aus welchem Grunde, zu beseitigen. Und jetzt ist der Apfel aus China, bei uns Apfelsine genannt, zum Träger heimtückischer Methoden geworden. Vergiftete Früchte für harmlose Menschen — und eben auch Kinder darunter — kommen in den Handel, werden gegessen und sollen — Ja was sollen sie denn? Sie bezwecken, den Orangenexport aus Israel zu treffen. Angst soll erzeugt werden, wie mit jener Drohung, Flugzeuge der Lufthansa zu zerstören. Hingewiesen werden soll auf die politische Lage der Palästinenser, die um einen eigenen Staat ringen, genau so, wie einst ihre heutigen Gegner, die Juden, jahrhundertelang ein eigenes Land erstrebten. Auch sollen die Friedensbemühungen Sadats torpediert werden, denn jene wollen den ganzen Apfel. Und ist man nicht willig, so gibt es Gewalt. Da scheint jedes, aber auch jedes Mittel recht zu sein, sogar vergiftete Apfelsinen. Nun ist es durchaus Zweck der Nahostpolitik, den Palästinensern zu einem eigenen Staat zu verhelfen. Mit Kriegen ging es nicht, vielleicht gelingt es mit Verhandlungen. Mit vergifteten Apfelsinen geht es auf keinen Fall. Denn auf den Schützen fliegt der, in diesem Fall vergiftete, Pfeil zurück. Schon distanzieren sich einige Palästinensergruppen von solchen Mitteln. Sie merken deutlich: Das nützt nicht, im Gegenteil, das schadet gewaltig. Auch wenn Schneewittchen, bis Jetzt wenigstens, am vergifteten Happen nicht gestorben ist, die Methode, unschuldiger Kinder, helmfliegende Urlauber, diensttuende Beamte leiden und töten zu lassen, ist unmenschlicher, ja teuflischer Terror. Wir wollen den Apfel sine, was lateinisch ist und ohne heisst — ohne Gift, auch in der Politik und im menschlichen Zusammenleben. Hzl Unser Freund, Herr Pastor Paul Achenbach, Bad Krozingen, übersandte uns den nachstehenden Auszug: “Unter die Lupe genommen“ aus der evangelischen Kirchenzeitung für Baden, Aufbruch, zur Veröffentlichung. In Anbetracht der Aktualität des Problems haben wir diesen Artikel in unser Blatt aufgenommen und danken ihm für die Überlassung des Aufsatzes. Wir erwarten ihn und seine Gattin zum 20. mal in Israel, zu der Landestagung der CENTRA, die s.G.w. am Donnerstag, den 25. Mai 1978 in Schoresch bei Jerusalem stattfinden wird. Wir freuen uns heute schon auf das Kommen Beider. fortgeführt wird, in dem sie geschaffen wurde. Er selbst beschäftigt sich während der letzten Jahre mit wissenschaftlicher Arbeiten, so konnte er vor einem Jahr interessante und wenig beachtete Fakten über den ‘Prozess Jesu“ vortragen. Ihm, den ständig aktiven Menschen, dessen Lebensweg und dessen Arbeit wir mehr als vier Jahrzehnte beobachten können, wünschen wir alles Gute für die kommenden Jahrzehnte, Heinzwerner Goldstein 15