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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-04-01 · No. 43 (April 1978) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 43 (April 1978)
Date
1978-04-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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ER SCHLUG EINE BRÜCKE N&CH ISRAEL Rudolf Küstenmeier Ist tot: Er war ein grosser Wegbereiter, ein deutscher Journalist, der Geschichte gemacht hat, ein Mann, der Brücken über den Abgrund zwischen dem Konzentrationslager Bergen-Belsen und Israel geschlagen hat. Israel, das Land jüdischer Zuflucht und Wiedergeburt, war seit 1957 seine zweite Heimat geworden. Das Gewissen und seine grosse Liebe haben ihn, den deutsche Nichtjuden, zu dieser Entscheidung gezwungen. Sein Wirken für Israel ist für ihn zur Krönung seines beispiellos harten Lebens geworden. Doch ehe er sein Lebenswerk erfüllen konnte, hat er, der leidenschaftliche Humanist und soziale Demokrat, zwölf schlimme Jahre in den Kerkern und Lägern des „Dritten Reiches“ ertragen müssen. Diese Leidenszeit hat ihn für den Rest seines Lebens tief gezeichnet, aber sie konnte ihn nicht zerbrechen. Der gebürtige Bielefelder war Historiker, Volkswirt, Soziologe und Zeitungswissenschaftler und übernahm, kurz nach seiner Befreiung aus dem Lager, die Chefredaktion der “WELT“. Seine Losung hiess sofort: Nicht Reeducation, sondern Selbsterziehung zur Freiheit und zur vollen Verantwortung, auch gegenüber aller Last det eigenen deutschen Geschichte. Doch war und blieb Küstermeier auch als Erzieher einer neuen Generation deutscher Journalisten ein Lehrmeister der leisen Eindringlichkeit und des human fundierten Arguments. Aber er stellte unerbittliche Fragen an die Vergangenheit, deren Folgen keiner von uns entweichen kann. Er fragte nicht nur nach den Millionen Erschlagenen, deren Tod er tausendfältig miterlebt hatte, sondern stellte auch die Frage nach den Überlebenden, eine Frage, die nicht minder schwer gewesen ist. Denn selbst die Geretteten waren noch von einer schlimmen Isolierung bedroht. KUstermeier war dör erste, der sich mit der ganzen Macht seines Wortes 1951 hinter mich stellte, als ich vor einem Kreis Hamburger Journalisten die „Friedensbitte an Israel“ formulierte, adressiert an David Ben Gurion und Nahum Goldmann. Unser beider Aufrufe halfen, ein Vacuum der Betretenheit und Lähmung zu überwinden. Sie führten zur “Aktion Friede mit Israel“ und lösten zur inneren Erleichterung von Hunderttausenden ein weites Echo aus. Vier Wochen später trat Konrad Adenauer mit seiner berühmten Regierungserklärung vor den Bundestag. Der Weg zum Israel-Vertrag war geöffnet. Als Chronist der “WELT“ hatte Küstermeier als erster deutscher Journalist Erstaunliches über den Aufbau des jungen Staates der Juden berichtet. Ab 1957 wurd er zum Israel-Korrespondenten der Deutschen Presse-Agentur und des NDR. Nach der Herstellung diplomatischer Beziehungen, stand sein Name auf der Liste der zu einem Botschaftsamt in Israel Berufenen, das er in allen seinen harten Realitäten und Sorgen kannte. Er blieb, was er war: ein Botschafter des gedruckten Wortes und der durch Sachlichkeit und Noblesse mitreissenden Rede. Niemand konnte in Israel besser für ein neues Deutschland, niemand in Deutschland überzeugender für Israel sprechen als er, der den Frieden leidenschaftlich wollte. Vom ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann war Küstermeier als “militanter Verfechter der Menschenrechte und der selbstkritischen Wahrheit“ gewürdigt worden. Der Verstorbene war Träger des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse und der “Carl von Ossietzky Medaille“. Im Jahre 1962 wurde ihm der “Theodor Wolff Preis“ verliehen. Küstermeier wurde 74 Jahre alt. Erich Lüth, Hamburg Hochzeit auf dem Golan Von ERICH M. LEHMANN (Nahariya) Die Sonne ging langsam unter, als wir in der Gegend von Kapernaum in östlicher Richtung bergauf fuhren — mit einem herrlichen Blick auf den Kineret, der abendlich ruhig und friedlich dalag. Meine Gedanken schweifen ein Jahrzehnt zurück: im Juli 1967 war ich als Berichterstatter zum ersten Male auf diesen Höhen gewesen... Ein Kilometer ausserhalb von Kuneitra fand damals ein Aufmarsch und ein Appell der Truppen statt, die dieses weite Gebiet erobert hatten. Vor uns in feldmarschmässiger Ausrüstung — grau in grau — die Infanterieregimenter von Golani auf den Bergen von Golan — welche Assoziation der Namen und Begriffe... Ringsum die Berge schweigend und grandios — eine Szene wie aus einem Shakespeare-Drama, eindrucksvoll und unvergesslich... Und als die grosse Heerschau vorüber war, sagte Nahariyas Stadtrabbiner Dr. Keller: “Hier wollen wir Mincha beten, denn ich glaube nicht, dass auf diesem Feld jemals Mincha gebetet wurde.“ So kam es, dass ich an einem denkwürdigen Minjan teilnahm, der wie ein ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht — in einem hin und her flutenden Verkehr abfahrender Autos und marschierender Kolonnen standhielt... Ich bin sicher, dass diesem ersten Mincha- Gebet auf dem Golan, das Zivilisten beteten, im Laufe der Jahre zahlreiche Gebete folgten, denn das Randgebiet der Höhen ist besiedelt — und religiöse Kibbuzim und Dörfer sind über ein weites Gebiet verstreut. BEWEIS DER SESSHAFTIGKEIT Unser Ziel war diesmal ein solches Dorf — Moschaw Jonathan — zum eindeutigsten Beweis von Siedlung und Sesshaftigkeit: wir fuhren zu einer Hochzeit. Moschaw Jonathan ist auf einem Hügel gelegen. Weit im Westen sieht man die Lichter, die den Kineret umsäumen. Es ist eine landwirtschaftliche Siedlung mit abschüssigen, steinigen Wegen, einfach und bescheiden, so wie die Galilsiedlungen vor 30 bis 40 Jahren aussahen. Mit einem gravierenden Unterschied: die Wohnhäuser und Zweckbauten sind vorfabrizierte Einheiten, die innerhalb von Stunden an das Wasser- und Lichtnetz angeschlossen werden können. Geländegängige Wagen von Zahal stehen in der Gegend herum — und die Soldaten mischen sich unter die Hochzeitsgäste, froh über die erfreuliche Abwechslung im tagtäglichen Dienst. Es ist ein vertrauter Anblick: wie die “Bachurim“ tanzend und singend zuerst den Bräutigam und dann die Braut unter die “Chuppa“ holen... Wir kennen das Bild von Hochzeiten in unseren Städten und alten Siedlungen. Hier oben rollen die Steine vor den Tanzenden bergab, und das lange weisse Brautkleid wirkt in dieser Umgebung ein wenig anachronistisch. IM GERÄTESCHUPPEN Für die Gäste, die ausser mit einem Extra- Bus aus Tel Aviv auch mit zahlreichen Privatwagen in das Bergland gekommen waren, wurde grosszügig und gastfreundlich gesorgt. Ein grosser offener Schuppen, der wahrscheinlich am nächsten Tag wieder Traktoren oder Autos aufnahm, diente als Ersatz für die “Gil“-Säle. Dass Dani seine Nechama heiratet — die für ihr “nationales Dienstjahr“ in der Einsamkeit der Berge — mit einer Ketuba belohnt wurde, ist ein Grund zum Feiern für das ganze Dorf. Zum Tanzen angeführt und ermuntert werden die Bachurim von einem Rabbiner aus Tiberias, der für seine Dienste keinen irdischen Lohn und keine Geschenke will. Der Mann singt und tanzt mit einer Flasche auf dem Kopf — wie ausgeschnitten aus einem Chagall’schen Gemälde — ein Typ wie der singende Rabbi Carlebach. Die Bachurim tanzen für sich — und die Bachurot ebenso; und über ihnen schweben auf Stühlen Braut und Bräutigam — endlos, ruhelos, pausenlos. Die kühle Nachtluft, die vom Hermon — der alles überschattet — herunterweht, lässt die älteren Jahrgänge etwas frösteln. Immer wilder, immer ausgelassener wird das Tanzen und Singen. Vier Mann sitzen auf einer Empore und machen mit Trompeten, Schlagzeug und Gitarren einen fürchterlichen Krach, der jede Unterhaltung unmöglich macht. Man hat also Zeit zum Schauen, zum Staunen, zum Bewundern, zur Freude, dass es in unseren Tagen noch echte Pioniere gibt, die brachliegendes Land erschliessen, auf die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens in Tel Aviv oder Ramat Gan verzichten, bewusst verzichten, und die das Erbe der Gründer von Chanita, von Ein Gev, von Jotwata angetreten haben, die zu ihrer Zeit in abgelegene, gefahrvolle Gegenden zogen. Vor diesem Hintergrund gesehen wird aus der Hochzeit auf Golan kein Familienfest, sondern ein Erlebnis, zu dem das Minchagebet in Kuneitra eine geistige Brücke schlägt... BRAVO, KAETHE HABEL-REIMERS! Man könnte sie sich nicht als "Rautendelein" vorstellen oder als “Gretchen“, auch als “Kaethie“ in Alt-Heidelberg schon garnicht. Aber eher wäre sie eine alte “Gudula“ aus den “Fünf Frankfurtern”, eine “Esther” in Uriel Acosta”, eine “Margarete" in Egmont oder eine “Betty Sturhan“ in Flachsmann als Erzieher. In allen diesen Werken war sie aufgetreten. Sogar als die alte “Wittichen“ in der Versunkenen Glocke würde sie grossartig sein. Sie war hochtalentiert und konnte sehr amüsant sein, ihr fabelhaftes Temperament machte aus jeder Rolle ein Erlebnis. Denn in manchen Typen konnte sie auch tragisch kommen und festige damit ihren Ruf. Ihr Spiel griff an die Seele, nicht so theatralisch, aber faszinierend. Sie stellte eine Bühnenfigur plastisch hin, es war nicht mehr die Habel-Reimers, es war wirklich die alte Frau Rothschild aus den “Fünf Frankfurtern“, so wandlungsfähig war sie. Mit ihren lachenden Augen entzückte sie alle, sie überzeugte. Es war eine Sensation, wenn sie eine “komisch Alte” darstellte. Alt war sie garnicht, aber unsagbar komisch — ihr gelangen feinkomische, wie auch derbkomische Typen. Man sah sie auch in Tolstoi-Werken, in Gerhart Hauptmann, in Shaw und in andern, wo 6ie auf dem besten Wege zur Meisterschaft war. Sie war der “Ausdruck“ jener Jahre. Sie stand, kam herein, ging ab — geschickt, wie es die Scene erforderte. Theaterbesessen, wie sie war, half sie der avantgardistischen Breslauer Bühne des Paul Barnay zu unvergessenen Glanzleistungen. Der Applaus für sie versiegte nie. Der “Fetzen“ (so heisst unter Bühnenleuten der Vorhang) j ging ungezählte Male hoch. Sie, verehrter Leser waren doch dabei. Erinnern sie sich noch? JULIUS SACHS 14

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