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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-04-01 · No. 43 (April 1978) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 43 (April 1978)
Date
1978-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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PIONIERE DER INDUSTRIE IN NAHARIA Von ERICH M. LEHMANN Die Einwanderung der 5. Alija nach Erez Isrel war durch die besonders problematischen Verhältnisse der Auswanderung und der wirtschaftlichen Gegebenheiten im Lande vorwiegend eine Einwanderung in engstem Familienkreis. (Die Vettern und Kusinen — soweit sie sich retten konnten — sind heute von Australien bis San Francisco über den ganzen Erdteil unter alle Völker zerstreut). Im Laufe der 40jährigen Geschichte Naharias konnten wir aber die Beobachtung machen, dass diejenigen Familien, die das Glück hatten als wirtschaftlich-gesellschaftliche Einheit beieinander zu bleiben — erfolgreicher waren als benachbarte Einzelgänger. Kamen dann noch Fleiss, Ausdauer und eine bescheidene Lebenshaltung dazu, so waren die Grundlagen für einen wirtschaftlichen Aufstieg gegeben. Muster für Fleischverarbeitung die Familie Soglowek-Kwilecki, die aus Schlesien stammt, ist dafür ein hervorragendes Beispiel: aus einem einfachen Metzgerei — Handwerksbetrieb, hat sich im Laufe einer Generation Israels bedeutendste Fleischverarbeitungsindustrie entwickelt. Im Empfangsraum der Naknik Naharia Soglowek in Naharias Gaaton Ave. hängen noch die deutschen Meisterbriefe der Firmengründer Samuel Kwilecki und Reinhold Soglowek, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Die Führung des Betriebes, der 260 Mitarbeiter hat, liegt’in den Händen der zweiten Generation. Die Stärke und Bedeutung der Firma Wird nicht nur durch die für einen solchen Betrieb relativ grosse Zahl der Mitarbeiter bestimmt, sondern auch durch die Tatsache, dass sich die Gesellschaftsanteile nur in den Händen der Familie befinden und dass alle wichtigen Positionen und Schlüsselstellungen von Familienmitgliedern eingenommen werden. Eine Aufsichtsratsitzung ist eine Familiensitzung nach uraltem jüdischen Vorbild. — Die Ideen und Vorstellungen der Familien Schiff — Kuhn — Loeb und Warburg haben nichts von ihrer Bedeutung verloren. Der Berichterstatter ist in einem Gespräch mit Frau Rachel Maskit geb. Soglowek — die für Public Relation zuständig ist — der Erfolgsstary des Hauses nachgegangen. DREI PRINZIPIEN An 3 Prinzipien wurde im Laufe der Jahre eisern festgehalten: Die gelieferte Qualität musste kontinuierlich den übersandten Mustern und Proben entsprechen. Die Lieferzeit musste streng eingehalten werden. Wenn ein Krankenhaus in Beer Schewa oder ein Hotel in Eilath eine Bestellung aufgibt, so kann es mit Sicherheit damit rechnen, dass der Kühlwagen aus Naharia mit jekkischer Pünktlichkeit eintrifft. Unter diesen beiden Voraussetzungen spielt der Preis (die Rechnung wird von der betriebseigenen Datenverarbeitung ausgeworfen) beim Vertragsabschluss im allgemeinen keine entscheidende Rolle. Dazu kommt dass die Naknik (Wurst) Naharia Soglowek, die in den grossen Städten über eigene Niederlassungen verfügt, sich immer mehr auf Absatz von Putenfleisch konzentriert. Naharia Truthahn, oder auf englisch: Naharia Turkey ist bereits eine Marke und ein Qualitätszeichen geworden. Diese Beschränkung auf ein Spezialgebiet war auch die Voraussetzung für eine Exporttätigkeit, die allem Anschein nach mit einer Million Dollarumsatz im Jahre 1974 noch in den Kinderschuhen steckt. Für das laufende Geschäftsjahr wird mit einer beträchtlichen Steigerung gerechnet. Wer exportiert — und sich im scharfen Wind des Weltmarkts behaupten will (gerade auf dem Gebiet von Fleisch und Wurstwaren gibt es traditionsreiche Länder mit jahrhundert alten Erfahrungen) — muss technisch vollkommen auf der Höhe sein. Nicht nur Qualität und Lieferzeit sind entscheidende Faktoren. Der Preis wird mitbestimmt von der Geschwindigkeit und den technischen Voraussetzungen des Arbeitsablaufs. ÜBERALL SAUBERKEIT: Die mustergültige Sauberkeit des Betriebes, der moderne Maschinenpark, der die Berührung durch die (behandschuhte) Hand auf ein Minimum beschränkt, die riesigen Kühlanlagen, die automatischen VerpackungsVorrichtungen — all das macht es auch dem Laien verständlich, dass hier für einen Nahrungsmittelbetrieb vorbildliche Einrichtungen bestehen. Dass eine ständige Überwachung der Produktion durch ein Laboratorium und einem Veterinaer vorhanden ist, ist sozusagen selbstverständlich. Aber es macht auf den Besucher Eindruck, wenn er beobachtet, dass jeder Arbeiter jeden Tag frischgewaschene Arbeitskleidung erhält und dass Zu dem Artikel, den unser Heber Mitarbeiter Julius Sachs in Nr. 42 frei aus dem Gedächtnis geschrieben hat, erlauben wir uns einige Ergänzungen heute hinzuzufügen die wir als Reaktion auf seinen so ausgezeichneten Aufsatz erhalten haben, hinzuzufügen. Frau Lotte Lewin aus London und ihre Schwester, Suse Hammerschlag, schreiben uns: Am Sonnenplatz bestand viele Jahrzehnte die bekannte Drogerie ihres Onkels Isidor Mathias, später fortgeführt von seinem Sohn, (Bruder des Dresdner Bankdirektor Paul Mathias). Diese Drogerie war durch ihre grosse Auswahl, dem besonderen Kundendienst und der Vielseitigkeit der Präparate, ausserordentlich bekannt und beliebt. Da gerade in dieser Gegend sehr viele Juden wohnten, war die Hauptkundschaft jüdisch. Der Redakteur dieses Blattes, der vor 15 Jahren in Wroclaw war, sass mit seiner Gattin in demselben Raume, wo sich heute eine schlichte Konditorei befindet. Auch er war jahrzehntelang Kunde bei der Drogerie Mathias. Ferner schreibt uns zu diesem Aufsatz Herr Walter Gluckmann und seine Frau Alice geb. Barber aus San Francisco: Auf der Gartenstr. oder leicht dahinter gelegen war auch die bekannte Markthalle, wo wir schon mit “Grossmuttern“ einkaufen gingen. — Vis a vis von Liebich war die recht bekannte Barber’sche Handels-Schule des Grossvaters meiner Frau, Heinrich Barber, wo viele Breslauer ihre ersten kaufmännischen Erfahrungen, bezw. Kenntnisse lernten und aufnahmen. — Und wenn in dem Artikel die Gartenstrasse schon mit Ecke Sonnen- und Gräbschner Strasse beginnt, möchte ich auch gern erwähnen, dass direkt neben C. Lewin, später AWB. auch die wohlbekannten Schlesischen Fumierwerke A.G., vormals Simon Bernhard Levi ihren jahrzehnte langen Sitz hatten mit ihren 4 und späterhin sogar 5 jüdischen Inhabern. Diese waren: John Levi und Arthur Schiff, die Söhne der beiden Gründer der Firma, Albert Moses und mein Vater Emil Glücksmann, und in späteren Jahren Jacques Heimann, der Chef der Niederlassung in Hamburg. Auch ich selbst habe für die Firma 15 Jahre lang gearbeidie persönliche Hygiene ständig überwacht wird. Fährt dann ein Kühlcontainer in den geräumigen Hof ein, um mit Exportware für West-Europa beladen zu werden, so ist in Naharia alles geschehen, um dem Namen Naharia Truthahn neue Freunde zu gewinnen. EMPIRISCHES WACHSTUM Man sieht es dem Betrieb allerdings an, dass er empirisch gewachsenen ist und im Laufe der Jahre immer neue Bauten, neue Schlachtanlagen (mit hiesigen Kesseln für heisses Wasser) hinzukamen. Die Kapazität liegt hier bei 1.700 Puten pro Tag. Eine weitere Expansion ist schon aus räumlichen Gründen nicht möglich. Der Meisterplan sieht daher einen neuen Betrieb in Schiomi, einem Ort nahe der libanesischen Grenze vor. Auf einem Gelände von 30 Dunam entstehen dort z.Zt. Hallen (insgesamt 5.500 qm.) in denen sogar bequem Korbballspiele ausgetragen werden könnten. Nach einer Anlaufsfrist würde dann die Schlachtkapazität bei 5.000 Puten pro Tag liegen. Die ganze Anlage wurde errichtet nach dem Vorbild änhlicher amerikanischer Betriebe und nach den strengen Normen, welche in den USA für fleischverarbeitende Werke gelten. Israel hat bis jetzt nichts aufzuweisen, was als Richtschnur hätte dienen können. Und das ganze begann 1937 mit einem Metzgerladen — wie es Hunderte und Tausende in Israel gibt. tet, u.z. in Breslau, wie in der Fabrik in Kunzendorf a/Oder, wie in den Niederlassungen in Hamburg, Berlin und Stuttgart, bis die Firma im Jahre 1939 zur Arisierung und mein Vater und ich selbst zur Aufgabe unserer Tätigkeiten gezwungen wurden. EIN SCHLESISCH-KÖLNISCHER EMPFANG ROMAN OSTEN WURDE 60 JAHRE ALT (Ro) Aus Anlass des 60. Geburtstages ihres langjährigen Vorstandsmitgliedes Roman Osten gab die Bundesvereinigung der Breslauer in den Räumen der “Breslauer Sammlung“ im Patenschaftswerk Köln-Breslau einen schlesisch-kölnischen Empfang. Bundesvorsitzender Robert Müler-Kox konnte zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens begrüssen, darunter Landtagspräsident Dr. Wilhelm Lenz, Oberbürgermeister a.D. Dr. Theo Burauen und Bürgermeister Dr. Blens. Die Laudatio auf den vielfältig engagierten Kunstliebhaber-und-förderer hielt der Betreuerder kulturhistorischen Breslau-Sammlung, der Historiker Gerhard Wilczek. Dabei ging er auch auf die Wesensverwandtschaft zwischen Köln und Breslau ein sowie auf die uralten historischen Beziehungen der Metropolen an Rhein und Oder. Der 1918 in Breslau geborene Referent bei der nordrheinwestfälischen Landesregierung, Roman Osten, hat sich als Mitbegründer der Breslauer Bundesorganisation, insbesondere als Sammler und Bewahrer schlesischer Kunst- und Kulturdokumente, einen guten Namen gemacht. Hervorgehoben wurde auch sein mutiger Einsatz in Breslau im Dritten Reich, seine Hilfe für viele jüdische Ärzte und Apotheker. Osten ist unter anderem Sammler religiöser Volkskunst. Daneben widmet er sich der Heimatforschung. Er ist Autor zahlreicher volks- und heimatkundlicher Schriften. Ausserordentliche Verdienste hat er sich um den Aufbau der “Breslauer Sammlung Köln“ erworben, die er selber mitbetreut. Es gelang ihm, wertvolle Dokumente herüberzuretten, die im historischen Stapelhaus am Rhein auf dem Boden uralter kölnischer Kultur aufbewahrt werden. Kölner Wochenspiegel Auf der Gartenstrasse - Breslau 13

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