Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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„Was du ererb! von deinen Vätern hast' Ein weltlicher Titel — wir wissen alle, dass Goethe diese Worte seinen Faust sagen lässt und wissen ausserdem, dass gerade der grosse Goethe so manches jüdische Geistesgut in seinen Werken verarbeitete — ein Titel, der in Wirklichkeit einem uralten jüdischen Sinn entspricht. In einem der Midraschim (Tanchuma) wird anschaulich geschildert, wie es dazu kam, dass gerade die Israeliten im Altertum erwählt wurden, die Tora als heiliges Gut zu übernehmen. Doch verlangte der Weltenschöpfer von seinen Auserwählten eine Bürgschaft für den behüteten Fortbestand seiner heiligen Lehre und war nicht damit einverstanden, die Väter der Kinder Israel hier als Bürgen anzuerkennen. Erst als die Israeliten anstelle der Väter ihre eigene Jugend anboten, die zukünftigen Generationen auf den Besitz der Tora in würdiger Weise vorzubereiten versprachen, war der Herr der Welt bereit, seine Tora dem Volk Israel zu überlassen. Diese inhaltsschwere Erzählung scheint uns heute und hier so zeitnahe, so aktuell wie eh und je. Gerade heute, zum “Fest der Überschreitung“ sollen wir ja wieder einmal der Jugend vom Auszug aus Ägypten berichten, so, “als ob er selbst mit dabei gewesen wäre“, der Sohn nämlich als einer jener Söhne, denen die Tora anvertraut wurde. Ja, heute, hier bei uns in Israel, fragen wir alternden Menschen uns gar oft mit gewisser Bangigkeit, ob es uns wirklich gelang, diese unsere heutige israelische (und nicht mehr israelitische!) Jugend auf eine so ungeheuer hohe Verantwortung aufmerksam gemacht zu haben, die ein solcher, von Geschlecht zu Geschlecht überkommener Besitz von jedem Einzelnen des Volkes erheischt — — Wie unbeschreiblich gerne würden wir das Vorhandensein dieser Verantwortung begrüssen, wenn wir dies aus aufrichtigem Herzen tun könnten. Können oder dürfen wir es? War er wirklich möglich, auf einer breiten Basis für grosse Schichten unseres Israel-Volkes die Gegebenheiten für die Fortführung jüdischen Tradition innerhalb unserer heutigen Jugend inklusive ihres “elterlichen Mittelalters“ wie aber auch für die Kommenden zu gewährleisten? So fragen wir uns, haben uns zu fragen, und dies nicht nur zu diesem Pessachfest. Deduktive und induktive Fragen, die uns bewegen. Es mangelt nicht an Antworten: “Israel ist ein Land wie jedes andere, das jüdische Volk ein Volk wie alle Völker“, so etwa lautet das Hauptargument, das uns auf solche Vorstellungen als erstes entgegengehalten wird. Oder, “unsere Jugend ist wie jede andere allüberall in der Welt“ — ja, auf den ersten Blick sind das einleuchtende Tatsachen. Aber, war und ist es wirklich so, sollte STATIONERY — BOOKSELLER JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel ' NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTÄBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 es so verstanden werden, als man diese altneue jüdische Heimat, die einzigste auf dieser Erde, endlich wieder von neuem aufbaute? Ist das "Erez hakodesch“ wirklich ein Land wie jedes andere, war unser Volk nicht einmal und für immer das “Ausserwählte”? Ist jüdische Jugend jeder anderen gleichzusetzen? Unsere Vorstellungen und vermutlich auch die der jüdischen Menschen in der westlichen Diaspora (Europa gleichermassen wie Amerika), waren andere, wir hielten uns ans Überlieferte und Überkommene, an die Lehre schlechthin. Diese Lehre also, die wir von alters her gehalten sind, sie unversehrt, zur Bewahrung, Behütung und späteren Weitergabe in die Hände unserer doch in Wahrheit von uns so sehr geliebten Jugend zu legen. Wie sehr wir dies wollen, ist überflüssig, zu betonen, wie sehr wir auch willens sind, uns jeder Spur von nicht gut gemeinter Kritik zu enthalten, ist mehr als bekannt. Wer aber wäre in der Lage, angesichts der heutigen Zu- und Misstände in unserem Land die Skrupel in der eigenen Brust zu beschwichtigen oder zu überwinden? Wird eine objektive, durchaus wohlwollende Kritik, in diesen Kreisen eine diskussionsbereite Aufnahme finden, falls wir den Mut hätten, kritische Bemerkungen — wenn auch in der besten Absicht — zu äussern? Eine solche Aufnahme können wir nur erhoffen und hoffen weiter, dass man in Zukunft in Israel vielleicht besser verstehen wird, was es bedeutet, das hochzuhalten, “was du ererbt von deinen Vätern hast” — — Weit entfernt davon, etwa politischen Fanatikern des sogen. “Gusch Emunim” oder auch solchen der Gegenseite Ermutigung oder Ermunterung angedeihen zu lassen, glauben wir Älteren unentwegt daran, dass es unserer in vieler Beziehung doch so prachtvollen Jugend gelingen wird, mit offenen Augen selbst zu rügen, was rügenswert ist, und dass sie, diese Jugend, im Grunde doch nicht abweichen wird von den hohen Idealen der Lehre, sondern sie umsetzen wird in gelebte Wirklichkeit des israelischen Alltags. — Es darf eben nicht sein, dass, wie es leider mehr und mehr geschieht, die Menschen im Ausland urteilen, “ja, diese Israelis sind ja nicht das, was wir unter Juden verstanden” oder “es besteht ein Unterschied zwischen den uns bekannten Juden und den neuen Israelis!“ — Wir Juden selbst wissen doch genau, dass hier ein Trugschluss vorliegt — Israel und die Israelis konnten nur erstehen, weil eine jüdische Basis für diese Wiedererstehung seit Jahrtausenden vorhanden war! Dass aber letzten Endes zum Wohle aller diese ewige Basis weiter existieren möge, dazu können wir selbst wohl noch beitragen, sind aufgerufen, es zu tun — an jedem Schabbath, an jedem Fest- oder Gedenktag wie auch an jedem gewöhnlichen Lebenstag, der uns noch vergönnt sein wird. Auch wir alle waren Ja jung, lernten verstehen was das Goethewort und was auch sein zweiter Teil, dieses “Erwirb es, um es zu besitzen” bedeutet. Wir bemühten uns, es zu erwerben, waren glücklich, es zu besitzen. Was könnten wir unseren Kindern und Enkeln Besseres wünschen, als auch bei ihnen diesen kostbaren Besitz sichergestellt und zur Fortführung bestimmt zu sehen?! — — FRIEDA HEBEL Julius Sachs 85 Jahre Von dieser Stelle aus wollen wir einem Manne, der sich trotz schwerster Behinderung von seiner Wohnung aus der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, die herzlichsten Glückwünsche zu seinem 85ten übermitteln. Wer kennt unseren lieben Julius Sachs nicht? Er ist durch seine ausserordentlich lebensnahen Artikel in diesem Blatt, sowie in der deutschsprachigen Presse des Auslandes gut bekannt. Sein Arbeitstag beginnt sehr früh und lässt ihm keine Zeit zum Ausruhen. Leider ans Haus gefesselt, lebt er mit Allem, was in der Welt geschieht, mit. Von seinen Eltern, insbesondere von seinem Vater, des San. Rats Dr. Albert Sachs, dem bekannten Theaterarzt in Breslau, hat er das Künstlerische und die Musik von frühester Jugend eingesogen. Aber auch seitens seiner Mutter Klara, geb. Goldstein, ist ihm viel an Feinheit und Lebensklugheit zuteil geworden. Leider hat er im vergangenen Jahre seine Gattin Hertha Sachs, geb. Lubinski, verloren. In ihrem Geiste wird das Haus weitergeführt. Sein Sohn Hans steht ihm in hingebungsvollster Weise zur Verfügung. Künstler, nahmhafte Persönlichkeiten und viele Freunde gemessen die ausserordentlch intime Atmosphäre, die dieser kluge Jubilar zu verbreiten versteht. Was heute von Ichud Schiwat Zion und von den verschiedenen Logen als Golden Ageklub geboten wird, hat Julius Sachs vor fast 40 Jahren aus eigener Kraft durch die damals von ihm ins Leben gerufene “Toynbee Halle“ jede Woche der älteren Generation für ein lächerliches Eintrittsgeld mit hervorragenden Künstlern, und einfacher Bewirtung geboten. Sowie Julius Sachs auf die Bühne getreten ist und den Nachmittag, oder Abend leitete, war das Programm gesichert. Er hat es verstanden, aus dem Stegreif die Leute durch seinen feinen Humor und seine besonderen Pointen positiv zu beeinflussen und hat sie für einige Stunden die Schwere der Zeit, vergessen lassen. Seine Artikel, die er immer aus seinem phänomenalen Gedächtnis zu Papier bringt, zeugen von tiefer Einfühlung für die Stadt, in der er lebte, für die verschiedenen Sparten der Musik und des Ballets, sowie für die Gegenwart. Wir Breslauer haben ihm besonders zu danken, da wir von unseren Lesern aus aller Welt immer wieder positive Ressonanzen durch seine Aufsätze erhalten. Er bereichert unser Blatt, aber auch die Chadaschoth Israel, durch plastische Darstellung seiner Themen. Wir können unserem guten Freund, dem Vorstandsmitglied unseres Verbandes, nur wünschen, dass es ihm vergönnt sein möge, in derselben Aktivität, noch viele, viele Jahre zum Besten Aller, die ihn verehren und lieben, zu wirken. Verband ehemaliger Breslauer in Israel PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 5