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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-04-01 · No. 43 (April 1978) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 43 (April 1978)
Date
1978-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Festpredigt... (Fortsetzung von Seite 1) Btigen Umstande, der ihn in dem einen Meister zumal, zu dessen hervorragendsten Schülern er zählt, die harmonische Vereinigung jüdischen und modernen Geistes finden liess und ihm so ein herrliches Vorbild bot, dem er nur nachzustreben brauchte. Allein, wer die Wahrheit des Wortes erfahren ■piyH oval' ar> varyn bk "Wenn Du mich, die Thora, einen Tag preis gibst, so werde ich dich zwei Tagereisen weiter hinter mir lassen,“ — wer die Schwierigkeit, unter denen der Rabbiner einer Grossgemeinde, und nun gar ein so Vielumworbener wie unser Rabbi dem Thorastudium obliegt, der wird ihm seine Bewunderung nicht versagen wollen; freilich kann nur, wer so wohl augerüstet ins Amt getreten, rastlos weiterbauen, vervollkommenen und sichern, und dass er, wie einst Aharon davor zurückschrak, ohne Moses Begleitung ins Heiligtum zu treten, dass so unser Meister erst, nachdem er die Lehre Moses ganz sich zueigen gemacht, trotzdem er gewiss in jüngeren Jahren schon die Meisten der Mitstrebenden überragte, die priesterliche Wirksamkeit auf seine Schultern lud, es muss ihm gleichfalls als hohes Verdienst angerechnet werden. Dafür hat dann auch der Stab Aharons, den er trug, Blüten und Früchte reifen lassen, hat unser Lehrer eine echt priesterliche Wirksamkeit entfaltet. Um die grossen Erfolge zu begreifen, die der verehrte Mann als Seelsorger, als Berater seiner Gemeinde, als Vater der Armen und Bedrängten, als Stütze der Schwankenden und als Lehrer der nach Wahrheit Suchenden erzielt, dazu genügt es nicht, seine Gelehrsamkeit zu würdigen, dazu müssen wir tiefer in seines Wesens Eigenart eindringen, die vom Wissen wohl gebildet, aber nicht bestimmt wurde. Mose, so sagt der Midrasch, hat während der ganzen Wüstenzeit die hohen Priesterlichen Handlungen ausgeübt, die g“ttliche Herrlichkeit aber senkte sich erst herab, als Aharon seine Aufgabe übernahm. Nicht des Wissens Fülle und Tiefe ist als der höchste, wertvollste Schatz, als wahrhaft g"ttlicher Besitz des Menschen zu betrachten. Der Charakter des echten Weisen wird in höherem Grade von des Gemütes und des Willens Kräften bestimmt. Erst die Vereinigung von Gemüts und Willensanlagen schaffen das, was auch der grosse Dichter des Menschen höchstes Gut nennt, die Persönlichkeit. Und eine seltene, eine wahrhaft aharonische Persönlichkeit sehen wir in dem verehrten Rabbi vor uns, ein lebendiges Beispiel der versittlichenden Kräfte des Judentums. Das talmudische Wort, das er selbst angewandt hat, als er von der Aufgabe des Rabbiners in Vergangenheit und Gegenwart sprach, dass wertvoller noch als Amt und Stellung die Persönlichkeit sei, findet auf ihn, den Träger eines der wichtigsten rabbinischen Ämter der Judenheit Deutschlands buchstäbliche Anwendung. Dem Beobachter erscheint als die merkwürdigste Seite seines Wesens, die sich stets gleichbleibende Milde und Freundlichkeit, die ihm alle Herzen im Sturm gewinnt, die liebenswürdige, teilnahmsvolle Art, auf der Menschen Sorgen und Bedürfnisse einzugehen. Diese äussere Liebenswürdigkeit aber ist nur ein Abglanz der inneren, sie entspringt nicht äusserlicher Schulung und Selbstbeherrschung, ist vielmehr geboren aus der in den Tiefen seines echt jüdischen Gemütes wurzelnden Liebe zu den Menschen, aus der Nachsicht und Milde, die ihn ganz erfüllt, aus wahrer Herzensgute, aus echter Demut, die in der eigenen Person nichts besonders sieht, nichts, was ihn zur Überhebung über andere berechtigte. Diese Bescheidenheit seines Wesens hat sich ja auch gegen die Huldigung gesträubt, die ihm so sehr gebührte. Wir aber rufen ihm zu, was Mose dem bescheidenen Bruder erwiderte: mnsj "p1? Gerade darum bist Du ja auserkoren, darum stehst Du uns so nah, darum feiern und rühmen wir Dich ja. Ja, wir feiern unseren Seelenhirten ob der Liebe, mit der er jedem einzelnen von uns sich zuwendet, ob der gewinnenden Herzlichkeit, mit der er Arme und Reiche, Junge und Alte sich näherbringt, ob der unedlichen Güte, die ihn rastlos für das Wohl aller Gefährdeten sorgen lässt. Wie viele wohltätgie Anstalten hat er mitgegründet, wieviele fördert er mit Rat und Tat, wie weiss er anzuregen, heilsame Kräfte in der Menschenbrust zu wecken und dem Wohle der Hilfesuchenden, nicht nur dem der Kinder unserer Gemeinde, auch dem, der bedrängten Brüder in fernen Ländern, dienstbar zu machen? Und so vereinen sich heute die Scharen der Armen und Kranken, der elternlosen hilfsbedürftigen Kinder, der Gefangenen und der Taubstummen, die er aufgerichtet, denen er das Dasein verschönt, oder ein neues Dasein begründet hat, um den g“ttlichen Segen auf sein Haupt herabzuflehen. Und wir sehen den Jünger Aharons, den ap>>r?rn in seinem Verhältnis zu den weltlichen Führern der Gemeinde, zu den Vertretern der einzelnen Richtungen in ihrer Mitte, zu den Angehörigen anderer Konfessionen, zu den Räten unserer Stadt und den Behörden des Staates, zu seinen im “Rabbinerverbande“ geeinten Amtsgenossen, stets bedacht, die Gegensätze zu überbrücken, jeden Zwiespalt zu vermeiden, das hohe Gut des Friedens zu erhalten — ohne die Wahrheit preiszugeben. Denn sie hat er von seiner Jugend Tagen an bis auf den heutigen Tag nicht verlassen, trotzdem die Zeit schon vor 50 Jahren, und damals vielleicht in besonderem Masse, ihr nicht günstig gerichtet schienen. Er hat es damals gewagt gegen den Strom zu schwimmen, und er ist sich treu geblieben in der Vertretung der Anschauungen, die er sich in jungen Jahren erworben, und so sehr er zwischen Wichtigem und Unwesentlichem, zwischen grundlegender Wahrheit und zufälligem Beiwerk scheidet, so kraftvoll erhielt er seine Stimme, wenn es gilt die Grundlagen zu verteidigen. Ich höre noch die feurigen Worte, die er im Kampf gegen Neuerungsversuche gefunden, welche vor einigen Jahren die deutsche Judenheit erregten, und gerade weil Worte des Kampfes aus seinem Munde so selten vernommen werden, weil jeder ihn als einen Priester des Friedens kennt, dem alle Freude am Streit wesensfremd, gerade darum ergreift und überwätltigt er In solchen Augenblicken Gemüt und Geist der Hörenden. Und so sind wir unversehens von Mose und Aharon zu Samuel, von dem Träger der Lehre, der Weisheit des Judentums, über den Priester und Seelsorger zum Prediger gedrungen. Und wir erinnern uns wieder unseres Psalmenwortes laa, ijKiaiM vssna TfflKI nti’W Da Moses und Aharons Geist, Moses Liebe und Aharons Menschenliebe, ihn weihten, konnte er gleich Samuel den Namen und die Lehre G“ttes verkündigen. Unser verehrter Meister wirkt weniger durch äussere Mittel, er huldigt dem Grundsatz “Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor” — obgleich zweifellos auch heute noch der Klang, die Weichheit und Biegsamkeit des Organs und die Kunst der Gesten den Eindruck seiner Rede steigern. Die eigentliche Wirkung aber erzielt nicht die Form, sondern der Inhalt, als dessen Schöpfer und Gestalter man in jedem Augenblicke einen Mann fühlt, der erlebt und gelebt, empfunden und erfahren hat, was er spricht, dessen Mund keine leere Redensart entschlüpft, der tt'il”! “KJ dessen Worte zu Herzen gehen, weil er sie selbst uns vorlebt, dessen priesterliche Lippen die Erkenntnis bewahren und von dem ein jeder darum gern Lehre annimmt, der auch in schicksalsschweren Zeiten gleich der jetzigen, deren er so manche durchkostet, in Stunden der Herzensnot und banger Sorge den wunderbaren Gleichmut der Seele, der ihn in den Prüfungen des Daseins niemals verlässt, in unser Inneres hinüber zu leiten weiss, im Spiegel des fremden und eigenen Lebens uns die verborgensten Winkel unserer Seele aufdeckt, der aus den religiösen Welten, welche die Väter in die Srache ihrer Zeit kleideten uns neue Gesichtspunkte für die suchende und ringende Gegenwart bietet und so in uns allmählich die seelenkräftigende, willensbildende jüdische Lebensanschauung aufbaut. Denn mit dem Bewusstsein, dass hier ein inneres Erlebnis zu uns spricht, eint sich das andere, dass ein Herrscher des Wissens und des Gedankens aus der Fülle seines Besitzes schöpft, ein Geistesfürst, der eher Mühe hat zu wählen und zu sichten, der jedenfalls nie alles darbietet, was er über den Gegenstand zu sagen wusste, sondern stets nsis H';n rnriK noch genug des Segens sich zurückbehält. Wer hätte nicht schon den Reichtum der Gedanken bewundert, die in den Predigten unseres Meisters sich förmlich jagen, die die homiletische Form oft zu sprengen drohen, sodass der jüngere Fachgenosse zumal sich des Gefühls nicht erwehren kann; Aus dieser Geistesmahlzeit hätte ein sparsamer Wirt gut und gern deren fünf bereiten mögen. Hier erkennt man, wie irrtümlich die heute verbreitete Ansicht ist, dass für den deutschen Rabbiner der Umfang und die Tiefe des talmudischen Wissens gleichgültig ist, höchstens einen Schmuck bedeutet, aber des praktischen Wertes entrate, für unsere Gemeinde in der selbst rnty*H alten Schlages Freunde und zwar in grosser, wachsender Zahl finden, trifft diese Meinung schon gewiss nicht zu, aber auch sonst — heil dem Rabbiner, der gleich dem unsrigen die Lehre Moses so in sich aufgenommen, so zum Teil seiner selbst erworben, der darum gleich Samuel die Gemeinde Israels belehren, auf den Weg des Guten führen darf, heil der Gemeinde, heil der Gesamtheit, die solchen Führer ihr eigen nennt. Möchte dieses Glück, dessen wir uns alle in vollstem Masse bewusst sind, unserer Kehilla recht lange Jahre noch erhalten bleiben, möge der verehrte Mann, der Gelehrte, der Priester, der Prediger, dem die heutige Jubelfeier gilt, umgeben von seiner engeren und weiteren Familie, zu der wir alle uns rechnen, die Saat des Segens, die er ausgestreut, weiter wachsen und reifen sehen, möge er noch viele Tage und Jahre zählen, deren jedes einzelne wert sei, gezählt und gewogen zu werden, möge er weiter wirken unter den /» ijsta den Eoten des Ewigen. In den trübsten Tagen, wenn die Sonne der Liebe und Gerechtigkeit erloschen scheint, wenn die Fluten des Hasses uns umwogen, kündest Du Dein Wort durch erleuchtete Männer seines Vertrauens, die erfüllt mit Deinem Geiste, ausgerüstet mit Deinem Segen, die Gebeugten aufrichten, die Leidenden trösten, die Lehre des Friedens und der Wahrheit der Gemeinschaft Israels verkündigen. Mit einem solchen auserlesenen Führer hast Du unsere Gemeinde begnadet, bewahre und erhalte ihn uns, oh G“tt, lass ihn weilen im Schatten Deiner Fittiche, stärke ihn mit der Fülle Deiner Kraft, verjünge ihn mit dem Hauche Deines Mundes, dass er Deinen Ruf noch lange Zeit verkündige, Deinem Namen zur Ehre und uns zur Weihe und Erhebung. Segne die Gemeinde, die treu an ihrem greisen Führer hängt, festige das Band, das uns alle verknüpft, schenke glückliche Heimkehr denen unter uns, die in dieser Stunde nur im Geiste bei uns weilen, damit sie bald wieder, auch körperlich mit uns vereint, Werke der Liebe und Gerechtigkeit üben können ja, spende dem teuren Vaterlande, uns und der Menschheit wieder den Segen des Friedens, Amen. Nachbemerkung der Redaktion. Vorstehende Festpredigt verdanken wir der Aufmerksamkeit von Frau Fraenze Zimmels, geb. Wislicki, aus London, die nach so vielen Jahrzehnten die gedruckte Predigt sorgfältig aufbewahrte und uns zum Abdruck zur Verfügung stellte. 2

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