Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 42 (September 1977)
- Date
- 1977-09-01
- Page
- Seite 23 (sequence 2310)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7411685-7412524-7412561--0699-7412584- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Wrocław 2× ep/1002369
- Alfred Kerr 1× ep/1025227
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- David Kalisch 1× ep/1023046
- Ezechiel Zivier 1× ep/1015068
- Franz Landsberger 1× ep/1023623
- Georg Zivier 1× ep/1023914
- Gerhart Hauptmann 1× ep/1025102
- Jochen Klepper 1× ep/1025246
- Ludwig Meidner 1× ep/1026235
- Max Tau 1× ep/1025681
- Paul Mühsam 1× ep/1009281
- Walter Benjamin 1× ep/1024785
OCR text
Besuch im Heimatort (Im Haus aus dem man sie zum sterben holte) I. Mutter höre mich! Ich habe überlebt; dein Kind hat Satan überlebt. Sieh mich heute wie ich die lange Treppe hinunterschreite — deinen letzten Gang . Ich setze meinen Fuss auf die Fliesen im Flur, in die Fährte deines Fusses, ich suche, suche deine Spur... Das Tor steht offen so wie es offen stand zu deinem Tod. O Zeit die nichts vermag, o Not! Wir müssen ewig trauern. n. Die Steine stehen. Die Steine stehen und sie fallen, sie fallen nicht unter dem Gericht der Schreie, der Schreie. Es stehen die Mauern die die Schreie überdauern, die Wände stehen und sie zeigen keine Zeichen... Die Häuser stehen und sie brechen sie brechen nicht auf beim Aufstieg der Schreie, sie brechen nicht auf! Sie stehen als sei nichts geschehen. STELLA BOTENBERG, 8, Kingswood Gardens Leeds LS8 2BT, England. Arie Gradenwifz - Träger des Chazani-Preises Arie Gradenwltz, geboren in Breslau im Jahre 1917, ist seit 35 Jahren in vorbildlicher Weise auf dem Gebiete der Jugendfürsorge in Israel tätig. Während der Mandatszeit war er Bewährungshelfer und seit der Staatsggründung wirkt er auf seinem Gebiet im Rahmen des Ministeriums für Sozialfürsorge. Insbesondere ist ihm die Heranziehung freiwilliger jugendlicher Kräfte bei der Betreuung unterprivilligierter Jugendlicher zu danken. Die Preisrichter, deren Aufgabe es war, ln diesem Jahre die Verteilung des zum Andenken an den verstorbenen Sozialminister Michael Chazani s.A., gestifteten Preises vorzunehmen, hoben die wertvollen Beiträge von Arieh Gradenwitz zum Sozialwesen in Israel hervor, und betonten besonders seine vorbildliche Hingabe an die von ihm gesteckten Ziele und seine grosse Bescheidenheit. Der Preisträger ist der Schwiegersohn von Dr. Wilhelm Seew Freyhan, des Gründers unseres Verbandes, der den Grundstein für die heute so angesehene Vereinigung gelegt hat. M. N. WIR GRATULIEREN Frau Hertha Bloch, Kfar Schmarjahu, Newe Aviv Club zur Geburt der 8. Urenkelin, Tochter von Hillel u. Siwa Reter, Jerusalem. Edwin Landau, 1890-1975 Der hier Genannte ist zwar nicht aus Breslau, aber er ist ein Mensch gewesen, der weit über dem mRahmen des Gewöhnlichen sich betätigt hat. Hier in kurzem seine Lebensgeschichte: Geboren 1890 in Deutsch Krone Schneidemuehl (Grenzmark), hat er den Geist des Humanismus in sich aufgenommen. In diesem Ort haben seine Eltern und Grosseltern bereits 1795 einen Familienbesitz gehabt. Sein Grossvater war Klempnermeister, aber künstlerisch begabt, was Edwin, der Enkel geerbt hat. Der Grossvater ist per Achse zur Leipziger Messe gefahren und hat in dieser Gegend das Petrolium eingeführt. Der Kaiser von Russland hat auf dem Wege nach Koenigsberg bei den Landaus übernachtete und im Jahre 1882 hat er dem Kronprinzen Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich dem 3. der bekanntlich nur 99 Tage regiert hat, ein Waschgeschirr verfertigt, als er zum Kaiser-Manöver in der Gegend war. Edwin Landau hat eine strenge Jugend gehabt. Auch er lernte Installation und Klempnerei und hat nach schweren Arbeitstagen halbe Nächte gelesen und sich fortgebildet. Seine Mutter war geistig hochstehend, spielte Klavier und war von hohem Seelenadel. Als Edwin in ein Eisengeschäft in Briesen in Westpreussen eintrat und später nach Schroda, Prov. Posen kam, las er die deutschen Dichter u. verschlang sie. Nach Meiningen in Thueringen verschlagen, widmete er sich dem Schach und der Musik. Den 1. Weltkrieg in Russland mitgemacht, lag er in der vordersten Front im Granathagel. Von 280 Mann kamen 28 zurück. Seine Artikel, seine Gedichte, seine Theaterstücke zeugen von hohem Niveau. In Deutsch-Krone ln der Grenzmarkt war er nicht nur der bekannte Klempnermeister, sondern angesehen in allen Teilen der Bevölkerung. Er richtete den Synagogenchor ein, er verfasste Theaterstücke, er trat als Diskussionsredner in grossen Versammlungen auf und sprach vor hunderten von Leuten als Gegenredner gegen den bekannten Antisemiten Knüpääiiü£äk£l pel-Kuntze, der die Einleitung zu dem späteren з. Reich war. Seine Broschüre: Mein Leben vor и. nach Hitler, ist von der Havard Universität im Jahre 1940 mit einem Preis bedacht worden. Als man ihn als junger Mann fragte, was er von Herzl und dem Zionismus halte, konnte er seinerzeit eine richtige Antwort nicht geben. Das Leben hat es gewollt, dass er nach Palästina auswanderte und ein begeisterter Bürger des Staates Israel wurde. Wir, die ihn kannten und mit ihm bis zur letzten Minute seines Lebens Kontakt hatten, haben ihn verehrt, weil er handwerkliche Tätigkeit hervorragend leistete, die gepaart war mit hohem geistigem Niveau. Edwin Landau ist stellvertertend für viele Juden, die seinerzeit Deutschland und G.S.D. jetzt Israel "zu bestem Ansehen verhelfen. Alfred Cohn s.A. Es ist an der Zeit, nach einem Jahr meiner Freunde Fred u. Lore Cohn, zu gedenken, die wenige Tage nacheinander in Tivon (Israel) verschieden. Stud. Rat Alfred Cohn war in Breslau bereits ein Begriff. Ich möchte hier persönliche Erinnerungen einflechten, da beide nach dem Tode meiner ersten Frau sich wie Geschwister mir gegenüber benommen haben. Diese Zeilen schreibe ich aus tiefer Dankbarkeit ihnen gegenüber. Nach dem 1. Weltkrieg hat Alfred Cohn in Breslau in der Opitzstrasse im Hause Berschak philosophische Vorträge u. Ausspracheabende geleitet. An ihnen nahmen u.a. Franz Meyer, Richard Ginsberg, Rudi Danziger u. viele andere spätere Persönlichkeiten, teil. 1918 waren wir zusammen im KJV. Alfred Cohn studierte Altphilologische, sowie Psychologie und war ein Verehrer von Prof. Hönigswald. Diese Kurse setzte er 1933 fort. Er ging an die Goldschmidtschule nach London u. kam dann nach Palästina. Als Philologe hat er keinerlei Aussicht einen Posten zu bekommen u. hatte schwere Einwanderungsjahre. Langsam bekam er Beziehungen zum Kibbutzseminar, lehrte an verschiedenen Stellen u. kam dann an das Seminar Oranim nach Tivon, das auch der Kibbützbewegung untersteht. Dort hat man seine Fähigkeiten erkannt und er wurde dementsprechend eingestuft und verehrt. Bis zu seinem Heimgang war er beliebt bei Kollegen und Schülern und unsere Freundschaft hat sich bis zum letzten Atemzug erhalten. Das schreibt ihnen Beiden In wehmutsvoller Erinnerung Dr. Rudolf Spitzer, Ramat Chen (Israel) Aulf David 185. EINE LITERARISCHE INFORMATION Im Bergstadtverlag Willi. Gottl. Korn, einst Breslau (jetzt: 8000 München 60) erschien eine vollständige "Geschichte der Literatur Schlesiens" in drei Bänden. (Bd. I 442 Seiten, DM 28.— Bd. II 570 Seiten, DM 56.— Bd. III 740 Seiten, DM 82.—). Die Bände enthalten insgesamt 177 Abbildungen, 3 Falttafeln und eine Karte Schlesiens. Dargestellt sind auch Leben und Werk zahlreicher jüdischer Schriftsteller. Etwa folgende Namen sind (in Auswahl) zu nennen: In Bd. I Ferdinand Lassalle, Hermann Walden-Meckaucr, Max Ring, David Kalisch, Rudolf Löwenstein. In Bd. □ Max Pinkus (mit Gerhart Hauptmann befreundeter Fabrikant in Neustadt/Oberschi.), Johanna Stein (Frau von Jochen Klepper), Max Tau, Georg Zivier, Arnold Zweig. In Bd. III Karl Eska (Kurt Stein), Kurt Walter Goldschmidt, Walter Benjamin Goldstein, Felix Hollaender, Richard Huldschiner, Alfred Kerr, Franz Landsberger, Max Lippman, Walter Mcckauer, Ludwig Meidner (auch bekannter Maier), Werner Milch, Paul Mühsam, Kurt Münzer, Arthur Silbcrgleit und Ezechiel Zivier. Arno Lubos, 8630 Coburg, Untere Klinge 16. ERGÄNZUNG Ich bite zu vermerken, dass bei der Gründung der zionistischen Ortsgruppe in Breslau einige wichtige Personen unerwähnt geblieben sind. So vermisse ich Dr. Hugo Schachtel, Gruenthal u. meine Schwester Berta Dawidoff, die alle bei der Gründung der Ortsgruppe anwesend waren u. wertwolle Vorstandsmitglieder, bzw. Mitarbeiter gewesen snd. Leo Dawidoff, Kfar Jedidja 23