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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 22

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 22 (sequence 2309)
Language
German
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Irma Freund s.A. FRIEDEL SCHWARZ - ENGELBERT „100 Lieder mit 100.000 Gedanken” Gedichte von ERNI GOLDSCHMIDT-STERN Ich kannte Erni Goldschmidt-Stern schon vom Schulhof unseres Kasseler-Lyzeums; hatte nie ein Wort mit ihr gesprochen — es war eine “Totsünde ” sich mit anderen, als den eigenen Klassenkameraden zu beschäftigen. Aber sie interessierte mich schon damals, da man wusste, dass sie Gedichte verfassen konnte, ja gerade aus dem Ärmel schüttelte und sie bei Schul- und Klassen- und Familienfeiern vortrug. Später im Pensionat Heine Kassel, in dem junge Mädchen in Literatur, Kunstgeschichte, Sprachen und Musik weiter gebildet wurden — entstanden Erni Goldschmidts erste Sketsche, die dort aufgeführt wurden. Sie heiratete dann einen Kasseler Arzt, Dr S. Goldschmidt, bekam einen Sohn und 1938 unter dem Druck der Verhältnisse wanderte die junge Familie nach Palästina aus. In Tel-Aviv, als Assistentin ihres Mannes und mit einem lebhaften, um nicht zu sagen unruhigen Haushalt belastet, waren ihre Gedanken auf mehr prosaische Dinge ausgerichtet. Ich traf sie erst jetzt, vor ein paar Jahren wieder, als sie bei Veranstaltungen deutschsprachiger Organisationen (ihre eignen Gedichte vortrug. In dem mir vorliegenden Gedichtsband “100 Lieder mit 100.000 Gedanken“ im Sommer 1977 vom Verlag J. G. Blaeschke, Darmstadt herausgegeben, zeigt uns die Dichterin, dass sie die Welt mit den Menschen, ihren kleinen Schwächen und ihren Gefühlen. Sie erfasst die Atmosphäre der Städte wie in “Jerusalem“, “Jaffa", “Tel-Aviv“ als mit etwas Wehmut der Heimatstadt Kassel. Ihre Liebesgedichte zeigen ihr tiefes Verständnis für die Wechselbeziehung Mann-Frau, wie auch ihre grosse Liebe zur Natur immer wieder zum Ausdruck kommt. Doch sie greift alle Themen mit einer gewissen Realistik und mit viel Humor an. Ich würde sie als eine romantische Realistin bezeichnen. In dem Gedicht “Breitsein“ gibt es einige Zeilen, die mich aufhorchen liessen: "Schliesse Du auf eine kleine Weile Deine Augen zu — Dann weisst Du allein — was es heisst — blind zu sein“ und ich erfuhr, dass Erni Goldschmidt seit 17 Jahren für die Blinden, die Ärmsten der Armen wohltätig arbeitet. In einem Club in Jaffa hilft sie diese Menschen betreuen, die dort einige Stunden Erholung suchen und finden. Man bewirtet sie, bespricht mit ihnen, bei einem Glas Tee und Kuchen ihre Probleme, spielt mit ihnen Domino, schreibt sogar Liebesbriefe für sie und gibt ihnen Möglichkeit, Handfertigkeiten, wie z.B. Keramik zu erlernen. Mit grosser Geduld und Feinfühligkeit, die aus ihren Gedichten sprechen, hat Erni Goldschmidt sich die Liebe dieser, oft sehr scheuen Menschen, erworben. Zwar hatten wir alle das Gefühl, dass es nicht ganz im Sinne unserer teuren Irma ist zu erzählen, warum wir sie alle so geliebt haben. Wir — das sind die Chaweroth aus der Mädelsgruppe im Breslauer Esra vor ca. 50 Jahren und die Chawerim —, die wir gemeinsam unsere schönsten und entscheidensten Jugendjahre verbracht haben. Irma war von einer Bescheidenheit und Zurückhaltung, die weitaus zu gross war, von tiefst innerlicher Frömmigkeit. Die Reinheit ihres Herzens leuchtete ihr aus ihren Augen. Als sie den Gefährten ihres Lebens fand, im Leo s.A., dessen Wesensart so herrlich zu ihr passte, bauten sie ein jüdisches Haus, in dessen Wärme sich alle hingezogen fühlten, und ich weiss, dass schon in das kleine Geschäft in der Jaffastrasse so mancher, mit Sorgen beladener Chawer kam, um sein Herz dort auszuschütten und klugen Rat einzuholen, der aus der Wärme und Hilfsbereitschaft von Irma und Leo kam. Es war für jeden bei ihnen dort immer wie ein Stück Zuhause. Das Schicksal hat sie beide schwer getroffen, aber aus ihrem tiefen Glauben zogen sie die Kraft, sich gegenseitig helfen zu können. Auch als Irma ihren Bruder Richard verlor, des überaus Feinen und Vornehmen. Heute verbinden wir uns mit unserem Erich Lewin, dem noch viele Jahre in Gesundheit vergönnt sein mögen, im Gedenken an seine Schwester in Dankbarkeit und viel, viel Sehnsucht. Diese Zeilen gelten auch der Tochter Schulamih Freund, der wir in ihrer grossen Arbeit weiter viel Erfolg wünschen. Hanna Hahn, geb. Lewy, Tel Adaschim (Israel) teils mit romantischen, teils mit kritischen Augen betrachtet. Und wie sie in ihrem Gedicht als Vorwort sagt: “Alle Sachen — werden Ihnen Freude machen teils mit einem Schmunzeln — teils mit einem Stirnerunzeln" Und so ist es auch. Ihre Gedichte romantischer Lyrik befassen sich mit der neuen — bereits alten Heimat Palästina/Israel — als auch mit der Vaterstadt Kassel — mit der Natur und nicht zuletzt 1O0 LIEDER. JWIT *00.000, ERNI GOLDSCHMIDT Tel-Aviv, 80 Ben Jehudastr. An der Klagemauer Die Zeit — dort blieb sie stehn ein Wunder aus ehemaligen Zeiten geblieben nur Winde haben sie von einst — bis jetzt verschrieben im Zeichen von Glut der Morgenröte und Sonnenuntergang bis zur nächtigen Öde von erster Erschaffung, von Gottes Segnung vom Tempel einstiger fröhlicher Bewegung die Steine, sie schweigen über Worte geliert aus der Betenden Reigen eß hören die Spalten es nur und sie werden erhört auch in freier Natur es singen die Winkel, es brummen die Nischen Lieder von Jammer im Himmel sich mischen, auch ich steh’ verwundert vor dem ewigen Stein mit welcher Liebe leuchtet er in meine Augen hinein ich schwimme mit dem Licht wie auf Wogen auf einem farbigen Bogen und die Stimmen, die mich riefen nehmen mich herein in seine faltigen Tiefen doch über den Kopf ziehen Wolken wie leuchtende Schiffe sie mahnen zurück die weltlichen Begriffe führen zurück wieder zur bestehenden Zeit entflammen die Wirklichkeit zu der die Gedanken bereit es säuseln die Winde in die Spalten von Stein es wird das Herz mir frei und rein doch zwischen den Spalten sind geblieben Geheimnisse von Generationen hineingelegt — geschrieben der Wind trägt sie wie Gesang lebenslang ein Gesang wie ein Feuer ruft den Mensch er zu: lebe auf; sei ein neuer so steh’ auch ich unter dem Volk — und doch allein mein Schweigen ist stilles Gebet zu dem ewigen Stein! 22

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