Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 42 (September 1977)
- Date
- 1977-09-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2308)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Rabbi Schmuel L Nie bin ich über einen meiner Artikel so froh gewesen, wie über den, den ich vor zweieinhalb Jahren in diesen Blättern über d. Vetter Fritz s.A. veröffentlicht habe. Das war anlässlich seines sechzigsten Geburtstag, und wir waren sehr glücklich, ihn mit ihm feiern zu können. Denn zwischen den Zeilen dieses Artikels lugte die schwere Sorge um seine Gesundheit: er war sehr ernsthaft krank, und er war sich dessen auch bewusst. Nicht voll bewusst scheint er sich der Tatsache gewesen zu sein, dass das vortreffliche Mittel, durch das die Ärzte sein Leiden an den Rand des Lebens drückten, ihm eines Tages zum Verderben werden könne. Er hatte mit dem Herzen niemals Schwierigkeiten gehabt, aber das Herz ist unter den Organen des Menschen der Narr, und man weiss nie, was der Narr im Sinn hat. Fast zu sehr hatten die Ärzte sein Leiden beseitigt, so dass es der Fritz, wie wir ihn nun einmal nannten, dissimulieren konnte. Er ging ins Ministerium für Touristik, wie seit der Gründung im Jahre 1948, er vollzog Trauungen und machte so manches Fest in einem grossen Hotel mit. Unseligerweise liess er sich auch den wichtigsten und ihm liebsten Teil seiner Arbeit nicht nehmen: die Propagandareisen für den Tourismus des Staates Israel in alle Welt. Seltsam genug war das für den ehemaligen Senior Jewish Chaplain der Air Force des Mittleren Ostens eine Art Herzenssache geworden, die ihm nicht nur viel Arbeit, sondern ebensoviel Freude machte. So hatte er im Winter 1976/77 eine grosse Reise durch Amerika gemacht und war infolge der furchtbaren Kälte mit einer gefährlichen Grippe nachhause gekommen. Wir, die wir ihm verwandschaftlich nahe standen, waren wenig glücklich darüber: bei seinem schweren Leiden hiess das G“tt versuchen. Als er uns darum am 19. Mai am Kaffeetisch von seinem neuen Reiseplan erzählte, war ich sehr konsterniert; denn das war alles viel zu viel. Aber was war schon Spanien für ihn! Bei einer seiner Reisen nach Madrid war er seinerzeit zum torero d’honore, zum Ehrentorero, ernannt worden, was in d. Stadt auf grossen Plakaten bekannt gegeben worden war. Hatte er die weite Reise im tiefen Winter nach Amerika geschafft, so würde das bisschen Torremolinos, das spanischer Nizza, an der Südküste ganz nahe von Malaga noch dazu im Sommer ihm gewiss nichts anhaben. Es hätte keinen Sinn gehabt, ihn ängstlich zu machen, er hätte doch nicht auf mich gehört. Er hat mir einmal halb im Scherz gesagt: “Die Erde ist für mich zu klein“. Und in der Tat: von Tokio bis Indianapolis war “der Nessen“, wie man ihn englisch nannte, bekannt und bei den Arabern wegen seiner grossen Redegewandheit in vielen Sprachen einigermassen gefürchtet. 2. Viele Bilder steigen aus der Erinnerung auf. Ich lernte ihn als Barmizwahjungen kennen, als ich 1928 in die Verwandschaft meiner Frau kam. Er war damals ein Musterschüler des Elisabeth- Gymnasiums in Breslau. Ich weiss, wie ich seine Mutter beschworen habe, ihn hier ins Land zu bringen, als sie uns 1938 in Kiriat Bialik besuchte. Sie konnte nicht genug von dem guten Leben der Breslauer Juden erzählen, und ich kam mir genau so verrückt vor, wie man mich vor der Alijah 1934 in Breslau betrachtet hatte. Bald nach ihrer Heimkehr schrieb sie, es habe sich seit ihrer Abfahrt vieles verändert. — 1939 kam er wirklich an. Direkt vom Hafen mit einem Auto, für das er natürlich kein Geld hatte. Wir halfen ihm, so gut wir konnten, zwei Jahre später half er uns. — 1940 besuchte er uns in Afulah, wo wir ein Kriegsjahr lang lebten und holte sich in einem arabischen Nathan s.A. Auto einen schweren Typhus. — Unvergesslich bleibt mir die Hilfe, die er mir 1941 nach unserer Ankunft in Jerusalem leistete. Der zweite Weltkrieg war auf der Höhe, und es ging mir finanziell schlecht. Er hat mir die Stellung beim Regimental Paymaster vorbereitet und mir einen Herrn der C.I.D. ans Krankenbett gebracht .— Dann gingen unsere Wege weit auseinander: ich verkaufte meine besten Kräfte sechs Jahre lang für wenig Geld an Palestine Potash LTD; er stieg vom einfachen Air Force-Mann zum Senior Jewish Chaplain der Air Force im Mittleren Osten und zum Squadron Leader auf. — Und dann sehe ich ein merkwürdiges Bild: wir hatten die Belagerung, Beschiessung und Aushungerung von Jerusalem 1948 überstanden, und ich hatte eine Stellung bei der I.R.O. gefunden, die in dem neuen Hause schräg gegenüber dem Bezallelmuseum ihre Räume hatte. Ich stand dort am offenen Fenster und der Fritz stand gegenüber auf dem Balkon seiner Wohnung. Ich wusste, dass er in Tel Aviv wegen einer neuen Tätigkeit gewesen war und fragte nach dem Ergebnis. Da rief er mir ein Wort herüber, das ich zunächst nicht verstand und dann nicht begreifen konnte; denn was in aller Welt hatte ein Senior Jewish Chapain der Air Force mit Tourismus zu tun? Später erzählte er mir, man habe für die Stellung einen Rabbi gesucht, “der nicht so aussah“. Diese Bedingung erfüllte Fritz mit seiner guten Figur und seinem weltmännischen Benehmen als englischer Offizier vollkommen. Das Ministerium für Tourismus hat die Wahl nicht zu bereuen gehabt. 1977 ist bei der schönsten der vier Trauerfeiern für den Rabbi Schmuel Nathan der Sitzungssaal des Ministeriums für Tourismus nach ihm benannt und dort ein grosses Bild von ihm aufgehängt worden. .. Er war wohlbehalten von Jerusalem über Zürich und Malaga nach Torremolinos gekommen und dort auf dem Wege zur ersten Sitzung der Seit seiner Emeritierung als Professor für Physiologie an der Universität in Lexington (Kentucky) ist Dr. Ernst Jokl fast ständig “en route“. Er hat ein Zuhause in Lexington und eine, gute Bleibe in Berlin. An der Freien Universität (wie auch an der in Frankfurt/M) ist er Honorarprofessor. Das hängt auch damit zusammen, dass er durch Schicksal und Spezialberuf — er ist Fachmann für Sport und Sportmedizin — Im Laufe der Zeit zahllose persönliche und wissenschaftliche Beziehungen und Verbindungen in der Welt hergestellt hat. Wer wie er, junger Arzt damals und vielseitiger Leichtathlet, 1933 aus seiner Heimatstadt Breslau vertrieben, seine ersten zwanzig Emigrationsjahre in Südafrika verbrachte, dort weiter studierte, lehrte und forschte, sowie, während des Krieges, Militärdienst in der Air Force ableistete und dann, 1953, in die U.S.A. weiterwanderte, der ist “bekannt wie ein bunter Muni“. Hinzukomt, dass Ernst Jokl auch künstlerische, literarische und historische Interessen hat und pflegt. Am Beginn seines 70. Lebensjahres, den er am 3. August mit seiner Frau und seinen beiden (Fachkollegen gewordenen) Kindern vermutlich in Amerika beging, ist er so mobü und aktiv geblieben, dass er heute auf einem Fachkongress In Honolulu referiert, kurz danach mit einer wohl überlegten Laudatio einen verehrten Kollegen oder alten Freund in Afrika würdigt und von da nach — Konferenz für Tourismus traf ihn ein Herzinfarkt. Arabische Kollegen haben ihn in ein Privatkrankenhaus nach Malaga gebracht, wo er isoliert und in intensive care genommen wurde, sodass seine Frau, die sogleich zu ihm geflogen war, ihn zunächst nicht sprechen konnte. Doch das Bild änderte sich sehr schnell: die Isolierung hörte auf, und die Gatten haben ganz vergnügte Tage miteinander verbracht, denn Fritz fühlte sich durchaus wohl und sagte, er könne es nirgends besser haben. Am 2. Juni bekam sein Sohn bei einem Gespräch mit dem Hospital die Antwort, es gehe dem Vater ausgezeichnet. Eine Stunde später erhielt er die Todesnachricht. Auf einer Dienstreise für Israel in bester Stimmung ist er den Tod der Propheten gestorben: G”tt nahm ihn und er war nicht mehr. Für ihn war es ein gnadenvoller Tod, für die Angehörigen entsetzlich. Vier Trauerfeiern sind für ihn abgehalten worden. Die erste fand bei der Beerdigung im Hofe der Jeschurunsynagoge statt, deren Präsident er jahrelang gewesen war. Da sprach auch sein Minister Mosche Kol lange und schön von ihm: “wo er hinkam, dort war Israel“. — Die drei anderen Feiern fanden um den dreissigsten Tag nach der Beerdigung statt. Die erste, lange in der Jeschurun-Synagoge am Vorabend des dreissigsten Tages. Hier sprach unter anderen der Oberrabbiner Schlomo Goren. Die zweite Feier war die übliche am Grabe gelegentlich der Enthüllung des Steines. Die dritte und wie gesagt schönste, war die im Ministerium für Tourismus im Rabbi Schmuel Nathan-Saal. Ich habe diesen glänzenden Extrovert immer bewundert. Er verdankte alles im Leben sich selbst und seiner grossen Begabung. Er sprach, viele Sprachen, jiddisch hörte ich am liebsten von ihm. Noch fünf Tage vor dem Herzanfall erzählte er neben mir am Kaffeetisch humorvolle Geschichten von seiner Amerikafahrt. Ich kannte so manchen junger Rabbiner vom Rabbinerseminar der Fränkelschen Stiftung auf der Wallstrasse in Breslau. Er hat sie alle überflügelt. “Man hat es oder hat es nicht". WALTER B, GOLDSTEIN Berlin kommt, um am Leistungszentrum (Sportmedizin) zu dozieren, in der Jüdischen Volkshochschule Vorträge, z.B., über “Sport in Israel“ oder über jüdische Nobelpreisträger zu halten oder bei seinen Rotariern zu sein. Durch den Sport ist Jokl auch mit dem UNESCO-Weltrat für Sport und mehreren Akademien verbunden; er ist von Fachinstituten gesucht und begehrt. So ist er ein Sportmediziner “von Welt“ geworden. In Anerkennung seiner Verdienste auf diesem Gebiet wurde er 1972 mit dem Grossen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet; andere Ehrungen gingen voraus, in England, Südafrika und Amerika, auch in Deutschland, wo er 1969 die Ruhemann-Medaille des Deutschen Sportärztebundes erhielt. Aber bei aller Internationalität, die Jokl erlangt hat, ist er d. Makkabi-Sportbewegung, zu deren Mitgliedern in Deutschland er schon als Breslauer stud. med. gehörte, im Herzen treu geblieben. Dr. E. G. Lowenthal, Berlin ZUM 2. MAI 1930 Von dieser Stelle aus wollen wir unserem Mitglied, Seew Epstein, Aschkalon, Rechow Hawradim 41, Israel, danken, für die in Nr. 41 übermittelte Ansprache in Gedichtform von RA Dr. Tamowski. Herr Epstein versorgt uns von Zeit zu Zeit mit gutem historischem Material, das er als Sammler durch Jahrzehnte geordnet hat. Mann vieler Länder Professor Dr. ERNST JOKL wurde 70 21