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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 19 (sequence 2306)
Language
German
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ERICH LEHMANN, Nahariya Drei Künstler jüdischer Graphik im Museum Nahariya Mit Stolz präsentiert das Museum Nahariya eine repräsentative Schau jüdischer Graphiker — von einer im Westgalü noch nie erreichten Güte: Werke von Jacob Steinhardt, Heinrich Tischler und Isidor Aschheim. Das ihnen Gemeinsame ist ihre tiefe Verbundenheit mit dem Judentum. Sie kannten sich: im Hause des Apothekers Julius Levy s.A. (Livius) in Breslau trafen sie sich, gegenseitig — mit kritischen Randbemerkungen über Mundhaltung und Ausdruck. JAKOB STEINHARDT (1887—1968) Jakob Steinhardt, der 1968 im Alter von 81 Jahren starb, war ein grosser jüdischer Künstler, besonders im Bereich des Holzschnittes. Noch vor dem erster Weltkrieg gehörte er zu den Gründern der expressionistischen Bewegung in Deutschland. Er war einer der wenigen seiner Zeit, der nicht nur Jude durch seine Herkunft oder Themenwahl, sondern auch in Bezug auf Stil und geistigen Inhalt seiner Werke, war. Jakob Steinhardt wurde im Städtchen Zerkov, Provinz Posen (heute Polen) geboren. Sein Grossvater, ein orthodoxer Jude von starker Persönlichkeit, hatte grossen Einfluss auf ihn. Sein Lebensweg führte ihn nach Berlin, Paris, wieder Berlin und nach Beginn des Naziregimes, im Jahre 1933, nach Jerusalem. Schon in seiner Jugend war er ein bekannter und wegweisender Maler. Zu seinen Lehrern zählten Korinth, Hermann Struck sowie auch Matisse und Steinlen. Als Soldat im ersten Weltkrieg lernte er die Lebensweise der osteuropäischen Juden kennen. Schon in seiner Jugend war Steinhardt ein ‘Jüdischer1 Künstler. Er malte, zeichnete und schnitzte meistens jüdische Gestalten. Die Bibel war die Quelle seiner Inspiration und die Treue zur Bibel blieb die Grundcharakteristik seiner Kunst bis zu seinem Tode. Bereits in Deutschland schuf er eine eindrucksvolle “Haggada" zu Pessach, welche jetzt wieder gedruckt werden soll. Steinhardt gehörte zu den Gründern der “Pathetiker“, einer Künstlergruppe, welche die Entwicklung der modernen Kunst nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt beeinflusste. Nach seiner Einwanderung nach Israel (Palästina) unterrichtete er an der Kunstschule “Bezalel“, die er auch einige Jahre leitete. Mit seiner hingebungsvollen Gattin wohnte und arbeitete er im Studio, das einstmals der Gründer der Bezalelschule, Prof. Boris Schatz gebaut hatte. Er war bescheiden, besonders fleissig, ein Künstler mit Blick für das künftige und vortrefflicher Fachmann, ein guter und sensibler Mensch, der das Leben liebte und somit die Leiden des Individuums und seines Volkes miterlebte. Jakob Steinhardt stellte seine Werke in der ganzen Welt und auch dn Israel aus und erhielt mehrere wichtige internationale Preise, wie z.B. den 1. Preis für Holzschnitte an der Biennale in Sao Paulo (1955) und den Preis sakraler Kunst an der Biennale in Venedig. Er hatte auch eine Ausstellung im Stadtmuseum von Amsterdam, der Hochburg der Modernistik, und in den letzten Jahren auch in Deutschland. Mehrere Alben seiner Werke erschienen in verschiedenen Ländern und es wurde auch eine Anzahl Bücher über ihn herausgegeben, u.a. von Dr. Haim Gamzu. Er illustrierte auch die Bücher “Jona” und “Ruth“ mit Holzschnitten. In Israel entwickelte sich Steinhardt’s Kunst in zwei Richtungen: eine ausgewogenere, beinahe klassische Linie und eine zwiete phantastisch-symbolische. Die Formen in seinen Werken werden runder und ausgeglichener und verlieren das Morbide und Eckige. Ein bedeutender Teil seiner Holzschnitte wurde in zarten Farben gedruckt. Steinhardt stellte eine Reihe biblischer Gestalten dar, besonders die Propheten: Jesaja, Jeremia, Jona und der “Unbekannte Prophet“. Sie alle sind sehr menschlich dargestellt, voll innerer Wahrheit. Vor einigen Jahren gab die Galerie Bint in Jerusalem ein Album mit biblischen Holzschnitten in schwarz-weiss heraus, in denen Steinhardt einen reifen, gemässigten Expressionismus mit einfacher Menschlichkeit und Prägnanz in Einklang bringt. Wir finden dort Noah, Abraham und Hagar, Ruth und Naomi, Moses, Jakob und Esau. Jerusalem ist in Steinhardt’s Werken von besonderer Bedeutung und er liebte es, die “Ewige Stadt“ in religiös-strengem Aspekt, bei Mondschein oder in der Mittagsglut darzustellen; die Mauern und Gässchen, Zypressen und Olivenbäume, die unvergänglichen Berge. Noch in seinen Achtzigerjahren malte der Künstler die vereinte Stadt in all ihrer Herrlichkeit, mit einfachen Strichen und grosser Konzentration. Auch andere Landesteile stellte er dar, wie verlassene Dörfer, Moscheen mit Minaretten und Meeresansichten. In Nahariya, wo seine Tochter mit ihrer Familie wohnt, baute er sich ein Häuschen und arbeitete dort von Zeit zu Zeit. Hier starb er auch, mitten im Schachspiel mit seinem Enkel. Seine Werke werden in vielen Museen Israels und in der ganzen Welt gehütet und ausgestellt, in Bibliotheken in der USA und in zahlreichen Sammlungen. Seine vielen Verehrer sehen die Landschaften Israel's und die biblischen Gestalten mit den liebevollen Augen Jakob Steinhardt’s. HEINRICH TISCHLER (1892—1938) Heinrich Tischler gehört zu der Gruppe von Jüdischen Künstlern Deutschlands, denen der Expressionismus in den Jahren vor und nach dem ersten Weltkrieg, seinen Stempel aufdrückte. Tischler wurde in Oberschlesien geboren, lernte dort malen und studierte später Architektur in Breslau und arbeitete dort als Architekt. Er kämpfte als Freiwilliger in der Armee des deutschen Kaisers, kehrte wieder nach Breslau zurück und ein grosser Teil seiner malerischen Tätigkeit, Holzschnitte, Gravüren und lithographische Werke, ist im Bereich des schwarz-weiss Elements konzentriert. In freundschaftlicher Verbindung mit Aschheim, gab er zusammen mit ihm gemeinsame graphische Serien heraus. In seinem graphischen Schöpfungen ist “der Mensch“ sein Leitmotiv, angefangen mit einer Serie von eindrucksvollen Porträts, die eine tiefe Einsicht, psychologisches Verständnis und Einfühlungsvermögen zeigen und bis zu Kompositionen von Gestalten, die der Idee der Prophezeiung gewidmet sind. Tischler’s Verbundenheit mit dem Judentum kommt in seiner Serie von Illustrationen für das "Buch Sohar“ (das Buch der Kabbalah) zum höchsten Ausdruck. Die Bewegung der Gestalten — teilweise aus der Welt der Chassidim — zeigt eine mystische Metamorphose. Das Martyrium der jüdischen Existenz verwandelt diese Gestalten, deren Schicksal am göttlichen Faden hängt, in ein tragisches Vorzeichen, das sich verwirklicht. Der Maler selbst, am Gipfel seiner Tätigkeit und Entwicklung fällt im Jahre 1938 den Nazi-Mördern zum Opfer. ISIDOR ASCHHEIM (1891—1968) Im deutschen Städtchen Margonin (heute Polen) geboren, studierte Aschheim an der Akademie in Breslau. Einer seiner Lehrer war der berühmte deutsche Expressionist Otto Müller, der auch sein persönlicher Freund war. Nach Beginn des Naziregimes wanderte er 1940 aus und kam auf einem illegalen Schiff nach Eretz Israel und wurde in Atlit festgenommen. Nach seiner Befreiung ging Aschheim nach Jerusalem und unterrichtete dort an der Kunstgewerbeschule “Bezalel”, deren Direktor er eine zeitlang war. Mit seiner Frau, der begabten Malerin Margot Lange-Aschheim, lebte er in Rehavia, in West Jerusalem. Schon in seiner Jugend zeichnete sich Aschheim mit seinen Stichen, Skizzen und Lithographien aus und war auch ein gefühlvoller Maler. Er war Expressionist, doch später entwickelte sich sein Stil zur gestalterischen Harmonie. Seine Hauptthemen waren: der Mensch, der Akt, Landschaften, besonders die judäischen Berge und die Stadt Akko hier im Lande, sowie auch Venedig und die Schweizer Alpen im Ausland. Er malte auch eine Anzahl guter Stilleben und eine Serie von Selbstbildnissen, die von herzergreifender bescheidener Aufrichtigkeit und Strichtfestigkeit sind. Aschheim liebte die Natur und die Menschen. Er selbst war ein gebildeter Intellektueller der mitteleuropäischen Kultur und auch ein guter Jude, verwurzelt mit seinem Land und der Kultur seines Volkes. Er stellte nicht viel aus, aber jede Ausstellung von ihm war ein Erlebnis. In Israel stellte er u.a. im Museum von Tel-Aviv und im Israelmuseum in Jerusalem aus. Er nahm an der Biennale in Venedig teil und seine schwarz-weiss- Werke wurden in der ganzen Welt, von Tokyo bis in die Schweiz, Italien und in Amerika ausgestellt. Er erhielt den Dizengoff-Preis und den Jerusalem- Preis. Aschheim verstand es, den Körper der Frau zu verherrlichen und seine Aktskizzen und Aktdrucke gehören zu den schönsten im Lande geschaffenen. Er stellte Landschaften mit Sensibilität und feinen Strichen dar. Er liebte Jerusalem sehr, aber es nimmt in seinen Werken keinen dominierenden Platz ein, obwohl er die Stadt in einigen vorzüglichen Lithographien wiedergab. Er liebte besonders Akko, deren orientalische Schönheit, ihre Minarette und Türme. In seiner Jugend malte er einige Porträte kritischen Ausdrucks. In allen seinen Werken vibriert seine Liebe zum Menschen und zur Schöpfung Gottes. 8 Gh. mrtJlz ii2fl Ob es Briss ist, oder Chuppe, Lieber Freund, das ist ganz schnuppe, Du musst dich an Tcheleth wenden, dort bist Du in besten Händen. Denn das Fest im Tcheleth - Saal ist erfreulich allzumal. „TCHELET” TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59. TEL. 22 05 45 I 8 I 19

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