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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 18 (sequence 2305)
Language
German
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Fa milie Joachimssohn i. Die Familie joachimssohn stammt aus Lissa (Leszno i.P.). Dort lebte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein sonst nicht weiter bekannter Isaak Itzig Sussmann, der der älteste feststellbare Vorfahre der Familie Joachimssohn in Breslau ist. Ihm wurde tun 1740 ein Sohn wohl in Lissa geboren, der den Namen Chajim erhielt und der erste Vertreter dieser Familie in Breslau wurde. Er hiess in Breslau Chajim Sussmans* 1 2 Lisser. Er muss vor 1772 geheiratet haben, denn um diese Zeit ist ihm und seiner Frau Breine Jacob, die um 1749 als Tochter eines sonst nicht näher bekannten Jacob geboren ist, das älteste Kind, die Tochter Malke geboren worden. Es folgten weitere Kinder. Das Kind, von dem wir mit Sicherheit wissen, dass es in Breslau geboren ist, ist der am 7. Schwat 1781in Breslau beschnittene Sohn Abraham. Seit dieser Zeit also wohnte die Familie bestimmt in Breslau. Chajim Sussmann gehörte in Breslau zu der Klasse der tolerierten Juden, d.h. er besass nur für seine Person de jure lebenslängliches Aufenthaltsrecht in Breslau. 1791 erhielt er die Toleriertennummer 385.3 Trotzdem nahm er eine angesehene Stellung in der Lissaer Gemeinde ein, die sich in Breslau um die dortige “Lissaer Schul“4 5 6 gebildet hatte. Um 1800 bekleidete Chajim Sussmann das Vorsteheramt in dieser Synagoge, zu der auch später Mitglieder dieser Familie gehörten. Im Jahre 1812 erhielt er unter dem Namen Joachim Isaak Sussmann das preussische Staatsbürgerrecht. Er starb am 14. November 1814 (30. Marcheschwan 5575) im Alter von 75 Jahren und hinterliess eine Witwe und Kinder, die in der Siebenradestr. Nr. 511 wohnhaft waren. II. Der 1781 ln Breslau geborene Abraham Chajim (oder Abraham Sohn des Joachim) liess in seinem späteren Leben den Familiennamen seines Vaters Sussmann fallen und nahm dafür den Familiennamen Joachimssohn an. Bis zu seiner Heirat behielt er den rechtlichen Stand seines Vaters bei, d.h. er war auch tolerierter Jude. Erst nach seiner Heirat wurde er Stammnumerant und zwar am 11. April 1810, als ihm die Stammnummer seines Schwiegervaters Nr. 140“ übertragen wurde. Abraham heiratete 4. Marcheschwan 5569 (28. Oktober 1808) Feigele (Vögele, auch Philippine genannt) geborene Hausmann, die gleichfalls, wie aus dem nächsten Abschnitt hervorgeht, eine gebürtige (Fortsetzung von Seite 17) der Beuthener Arzt und rechtsparteiliche Abgeordnete Dr. Beiersdorf in den 60er Jahren des vorigen Jhrh. gehalten hat: "In Oberschlesien rechts der Oder ist die eigentliche städtische Kultur das Werk der Juden. Als die Stein’sche Selbstverwaltung den Städten verliehen wurde, waren sie unter den Kleinbürgern die einzigen, die deutsch lesen und schreiben konnten. Gewöhnlich war es in diesem Orten ein Jude, der die erste Buchhandlung, die erste Druckerei, die erste Buchbinderei errichtete. Dann verschönerten sie als Bauhandwerker und Architekten die sehr unschönen Städte und schufen in Genossenschaften des Schultze-Delitzschen Systems die Grundlagen des Kreditverkehrs.“ Die furchtbare Not unserer Zeit hat Zahlreiche Juden Oberschlesiens zur völligen Verarmung, viele sogar ins grösste Elend gebracht. Dass solches Unglück sie nicht in ihrer Vaterlandstreue ~und in der staatsbürgerlichen Pflichterfüllung zum Wanken brinken konnte, wird jeder, der guten Willens ist, anerkennen müssen. Breslauerin war. Aus dieser Ehe entsprossen mehrere Kinder, von denen als die ältesten genannt seien: Hirsch0, geb. 9. Mai 1810 Itzig, geb. 10. Mai 1812 Lozi (Helene), geb. 13. August 1809 Abraham war von Beruf Schnittwarenhändler. Am 13. Dezember 1811 erhielt er das Breslauer Stadtbürgerrecht und am 7. April 1814 das preussische Staatsbürgerrecht.7 Er starb am 11. Juni 1838 und liegt ebenso wie seine Frau, die am 7. Juli 1832 gestorben ist, auf dem Breslauer jüdischen Friedhof Claassenstr. beerdigt. III. Auch die Familie Hausmann stammt aus Lissa. Der älteste bekannte Vorfahre Nathan war Ssofer, d.h. Thorarollenschreiber ln Märkisch-Friedland gewesen. Sein Sohn, der die beiden Vornamen Jehuda Joseph hatte, ist um 1740 geboren, lebte dann in Schlichtigheim und kam um 1760 nach Breslau, wo er 1791 den Namen Hausmann annahm und die Stammnummer 140 erhielt. Er war ein gelehrter Mann und bekleidete verschiedene religiöse Funktionen. Er war Mohel, d.h. Beschneider,8 9 und auch Vorbeter in der “Glogauer Schul“.“ 1800 trat er in die “Gesellschaft der Brüder“ ein. Jehuda Joseph war zweimal verheiratet.10 Aus seiner zweiten Ehe, die er im Jahre 1787 mit der um ca. 1767 geborenen Schöndel, Tochter des Hirsch Morgenstern, schloss, wurde eine Tochter Vögele am 1. Tamus 1790 geboren, die später Abraham Joachimsahn heiratete. Anmerkungen 1. Sussmann ist ein aus dem jüdischen Vornamen Sussmann entstandener Name. Die Familie führte auch noch den Namen Fleckeles. Vielleicht Ist sie mit der alten Prager Familie des gleichen Namens verwandt. In Prag taucht der Familienname Fl. schon 1602 auf. 2. Dieses Datum, das in den Mohelbüchern des Breslauer Gemeindearchivs verzeichnet ist, ist genauer als das Geburtsdatum des 24. Oktober 1781, das im Staatsbürgerregister 1812 (im Polizeipräsidium Breslau) angegeben ist. 3. s. Judenregister vom Jahre 1792 Band 2 S. 326 (Archiv der Synagogengemeinde Breslau). 4. s. die in den nächsten Nummern des Breslauer jüdischen Gemeindeblattes erscheinende Arbeit über die “Breslauer Synagogen“ von Dr. Heppner und B. Brilling. Vorläufig siehe B. Brilling “Geschichte der Lissaer Schul“ in : Jüd. Zeitung für Ostdeutschland, 1929, Nr. 46 und 52. 5. s. darüber A. Heppner im Bresl. jüd. Gemeindeblatt 1927 S. 190—191. 6. Hirsch Joachimssohn wird rühmend erwähnt in: Ludwig Geiger, Abraham Geiger Leben und Lebenswerk, Berlin, 1910, S. 138. 7. Diese Daten sind der Eintragung über die Familie Abraham Joachimsohn, wohnhaft Siebenrademühlenbezirk, Haus Nr. 519, Nr. 336 ff entnommen, die sich in der Staatsbürgerrolle der Breslauer Juden vom Jahre 1812 (im Breslauer Polizeipräsidium) befindet. 8. Er übte das Amt des Beschneiders (Mohel) von 1759—1813 aus. Sein Mohelbuch ist noch heute im Archiv der Synagogengemeinde erhalten. Es ist besonders wertvoll durch die schönen Handzeichnungen des Schreibers, Nathan Hausmann, die zwischen die geschriebenen Gebettexte eingestreut sind. 9. s. Bresl. jüd. Gemeindeblatt 1932, Nr. 7. S. 76. 10. Aus seiner ersten Ehe stammt ein noch heute erhaltenes 1784 gespendetes Decktuch für Bräute. Darüber s.A. Heppner im Bresl. Jüd. Gemeindeblatt 1927, S. 190—191.* Mein berühmter Freund Sammy Gronemann (21.3.1875—6.3.1952) Wenn mich meine Erinnerungen nicht trügen, so war es wohl in den vierziger Jahren, als man an den “Jours fixes“ der Frau Elfriede Bergei, die jeden Freitag Abend in Tel Aviv, Hamagidstrasse, später in der Sheinkinstrasse, stattfanden, auch deren Bruder Sammy Gronemann antraf. Und dort, in einem kultivierten Milieu eigenster Art, hörte man — in Abständen — seine Lebensgeschichte. Eine vergangene Epoche machte er gegenwärtig. Als Sohn des späteren Bezirksrabbiners von Hannover wurde Sammy in Strasburg, Westpreussen, geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums wandte er sich .dem Jura-Studium zu. Jedoch lag ihm sehr an profunden jüdischen traditionellen Kenntnissen, die er sich in Halberstadt während eines Jahres (Talmud-Studium) erwarb. Als Herzl auftrat, schloss er sich der “neuen Bewegung“ an, nachdem schon der Vater Gronemann sich nicht an dem Protest der deutschen Rabbiner gegen die Abhaltung des ersten Zionisten-Kongresses in Deutschland 1897 beteiligt hatte. Neben seinem Beruf als gesuchter Anwalt in Berlin fungierte Sammy, wie er berichtete, als Wanderredner kreuz und quer durch Deutschland, die Botschaft des Zionismus verständig verkündend. Er wurde später auch Vorsitzender des zionistischen Kongress-Gerichtes. Gronemann erzählte uns weiter von seine Tätigkeit im ersten Weltkrieg, wo er als Berater für die jüdischen (jiddischen) Angelegenheiten im deutschen Generalstab tätig war. Ein humorvoller Roman "Tohuwabohu“ lässt 1922 aufhorchen, und sein Werk “Hawdoloh und Zapfenstreich“ stellt eine Erinnerung an die Militärjahre 1916—18 dar, als er sozusagen als "Ombudsmann“ für die “lieben Jidden" in den besetzten Gebieten fungierte. Oft sprach Gronemann von seinen besten Freunden und Gesinnungsgenossen Heinrich Loewe, Hermann Struck, Leo Deutschländer, Artur Ruppin und anderen “Jeckes“. In einer Autobiographie nennt er sich selbst einen “Jecken“. Jecke ist in Israel ein bezeichnendes Wort für d. Einwanderer aus Deutschland. — Aber neben Juristerei und Zionismus beseelte diesen Mann noch eine ganz grosse Leidenschaft: das Theater. War er schon in Berlin Stammgast bei Premieren, und ein Freund jüdischer Autoren und Künstler gewesen, so trat er in Tel Aviv, wohin er 1936 einwanderte, als Autor von Bühnenwerken hervor. Sein erfolgreichstes Theaterstück ist “Der Weise und der Narr“. Es handelt sich um eine Komödie jüdischer Volksphantasie, in deren Mittelpunkt komplizierte juristische Fragen behandelt werden. Es ergab ein buntes Kaleidoskop solcher Angelegenheiten. Höchst amüsant gelang ferner “Der Prozess um des Esels Schatten“, und ein Höhepunkt war. die Komödie vom "König Salomo und dem Schuster Salmi“, die sich damals so ähnlich sahen wie die Kessler-Zwillinge heutzutage. Wir haben dieses köstliche Werk als Musical in der Übersetzung von Nathan Altermann gesehen und genossen. Es war das erste erfolgreiche Musical der hebräischen Bühne, und ein grosser Erfolg des Theatron Hakameri, Tel Aviv. — Man bezeichnete diesen humorvollen Mann oft als "Shalom Alechem der Jeckes“. Abgesehen von Zionismus, Juristerei, Verfassen von erfolgreichen Romanen und Theaterstücken war er auch ein glänzender Unterhalter, voller Witz und geistreicher Schlagfertigkeit. Und wir denken noch oft an diesen sprühenden Geist voller Temperament, der so reich an Sinn für komische Situationen war und der so amüsant und aufschlussreich die Gedankenwelt schilderte, der er angehörte, das Reich des geistvollen Humors, der abgeklärten Lebensweisheit und auch JUdischkeit. Julius Sachs 18

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