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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 17 (sequence 2304)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 16) Doch war auch unter dieser freundlichen Strömung den Juden im östlicher Oberschlesien ungefähr bis zum Ende des 18. Jhrh. die Errichtung und das Halten eigener, als solcher sichtbarer Kulturstätten, verboten. Bis in das 17. Jhrh. hinein durften auch Juden nicht innerhalb der Städte wohnen und nicht in unmittelbarer Nähe derselben Begräbnisplätze haben. Erst der beuthener Standesherr Graf Karl Josef Erdmann Henckel durchbrach im Jahre 1732 diesen Zustand, indem er der Judenschaft einen Teil des südlichen Stadtwalls als Friedhof schenkte. Dieser Friedhof, seit über 60 Jahren geschlossen, besteht in Beuthen noch heute und liegt unmittelbar hinter den Hintermauern der Häuser der südlichen Seite des Kaiser-Franz-Josef-Platzes. Dann gelang es auch in Nikolau und Sohrau, ebenso in dem Städtchen Guttentag, mit Hilfe der Grundherrn dieser Orte, städtische Friedhöfe zu erhalten. Die übrigen Städte und das ganze flache Land waren auf einige wenige Friedhöfe angewiesen, die in sehr abgelegener Gegend und fernvon allem Verkehr an verlassenen Punkten Oberschlesiens errichtet sind. Hier sind besonders die bis auf die heutige Zeit erhalten geblieben Friedhöfe von Langendorf bei Tost und von Cissowa (Kreis Lublinitz) zu nennen. Der Beginn der preussischen Herrschaft in Oberschlesien unter Friedrich dem Grossen ist durch eine scharfe Reglementierung des Judenwesens gekennzeichnet. Abnorm hohe Steuern und Zwang zum Erwerb von Produkten der staatlichen Regie — man kennt das Judenporzellan aus der Berliner Manufaktur — waren neben der recht ungnädigen Behandlung eine sehr drückende Belastung der Juden. Gemildert wurde dieser Zustand einerseits durch die wirtschaftliche Einsicht Friedrichs, der zur Hebung der Binnenwirtschaft potente Juden mit Handelsprivilegien und Konzessionen ausstattete und andererseits durch die Humanität des schlesischen Provinzialministers Graf Hoym, der manche drakonische Note des Regierungssystems kurz entschlossen abschwächte. König Friedrich war eine Zeitlang der Meinung, dass die Juden als Bewohner des platten Landes, insbesondere in den Grenzstreifen, für die staatlichen Finanzen und für die Staatsautorität gegenüber den kleinen Bauern, die manchesmal gegen den Gutsherrn, manchesmal gegen die Staatsbehörden Rat und Schutz bei den Dorf juden suchten, schädlich wären. So mussten die Dorf- Juden das flache Land verlassen und in die Grenzstädte ziehen, deren jüdische Bevölkerung um ein vielfaches zunahm. Der König überzeugte sich bald, dass seine Anordnung auf ganz unzutreffenden Voraussetzungen beruhte, und war dann wieder bemüht, die Juden auf das Land zurückzubringen. Von dieser Erlaubnis zur Rückwanderung machte aber nur ein kleiner Teil Gebrauch, und so hatte der ursprüngliche Erlass zur Folge, dass die Grenzstädte Beuthen, Myslowitz, Pless, Rybnik, Loslau, Sohrau, Tost, Lublinitz und Rosenberg sich zu den stärksten Judengemeinden in Schlesien entwickelten. Gegen Ende der Regierungszeit Friedrich Wilhelm II. gelangte die Forderung der Gerechtigkeit auch gegenüber den Juden immer mehr zur Geltung. Auch der Humanität und Toleranz begünstigende Zeitgeist der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts war für die Lage der oberschlesischen Juden wohltätig. Dafür, dass bei der Stellungnahme Friedrichs des Grossen gegen die Juden religiöse Gründe nicht in Frage kamen, gibt Grünhagen “Schlesien unter Friedrich dem Grossen“, Bd. II. S. 412, folgende Tatsache als Beweis an: "Joseph Steblitzki, früher Rathmann in dem oberschlesischen Städtchen Nicolai hatte die Überzeugung gewonnen, die Beschneidung sei zur ewigen Seeligkeit notwendig und trat infolgedessen 1785 öffentlich von der katholischen Kirche zum Judentum über. Der Brieger Justizhof zeigte dies dem Könige an mit dem Bemerken, dass die noch nicht gesetzlich für Schlesien abgeschaffte Josephinische Hausordnung von 1709 auf einen solchen Abfall vom Christentume Leib- und Lebensstrafe setze. Der König aber verbot jede Untersuchung und befahl, den Steblitzki einfach als Schutzjuden einzutragen.“ Als der Minister Graf Reden am Ende des 18. Jhrh. den schon seit Jahrhunderten vernachlässigten Bergbau in Oberschlesien wieder erneuerte und die grossen Kohlenbergwerke “König“ und “Louise“ in Leben rief, war einer seiner bedeutendsten Mitarbeiter ein Jude namens Salomon. Dieser Salomon ist bei dem Besuche Oberschlesiens durch Goethe und dem Herzog von Weimer im Jahre 1790 hervorgetreten. Ein diesbezüglicher Bericht möge zur Ergänzung der zur Zeit stark gepflegten oberschlesischen Goetheerinnerungen in vollem Umfang wiedergegeben werden: Reden begleitete die hohen Gäst bis Tarnowitz, wo die Friedrichsgrube und die auf ihr für die Wasserhaltung gebaute neue “Feuermaschine“ die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Kontinent, in Augenschein genommen wurden. Reden, der von Tarnowitz aus nach Breslau zurückkehrte, betraute mit der weiteren Führung die sich auf zwei Gruben in der Nähe von Beuthen erstreckte, seinen treuen Gehilfen und Brater den Grubenbesitzer und “Bergsachverständigen“ Isak Salomon. Salomon ist derjenige, der sich für die bis dahin noch nicht sehr dringliche und darum nicht allzu wichtig genommene Auf Schliessung der Steinkohlenlager sehr tatkräftig einsetzte und so schliesslich einer der Schöpfer der oberschlesischen Montanindustrie geworden ist. Am Morgen des 5. September 1790 erwartete Salomon in Beuthen die von Tarnowitz ankommenden Besucher und ritt mit ihnen und einigen Herren des Gefolges nach dem nahen Ruda, wo man die erste oberschlesische Steinkohlengrube, die damals nach langem Brachliegen wieder in Betrieb gesetzte Brandenburggrube und den Davidschacht besichtigte, und Salomon, der an der Errichtung dieser Anlagen das Hauptverdienst hatte, den Führer machte. Von Beuthen aus fuhr im Aufträge Redens Salomon die hohen Gäste bis an die polnische Grenze, um, da er der polnischen Sprache mächtig war, ihnen die Formalitäten des Grenzübertrittes zu erleichtern. Herzog Karl August und Goethe luden ihn in den ihnen von dem Grafen Henckel auf Siemianowitz gestellten Reisewagen ein, und hierbei hatte er Gelegenheit, ihnen unterwegs von der Strasse aus sein ureigenes Werk, die im Bau begriffene Salomongrube zu zeigen. In Myslowitz verabschiedete er sich von den Herrschaften und nahm ihren Dank und ihre Anerkennung “für die vorzügliche Führung und Unterricht“ entgegen. Salomon erinnerte dabei noch den Dichterfürsten an sein Versprechen, für das Stammbuch der Knappschaft in Tarnowitz, in das er bei dem dortigen Besuche zunächst nur seinen Namen eingezeichnet hatte, später noch einige Verse zu spenden, und Goethe sagte ihm zu, die Stammbuchwidmung durch ihn nach Tarnowitz senden zu lassen. Verwandte Salomons waren bis in die siebziger Jahre des vorigen Jhrh. in Oberschlesien wohnhaft. Ein naher Verwandter war der Weinhändler Meyer Friedländer in Beuthen, der mancherlei von dem Zusammensein Salomons mit Goethe zu erzählen wusste. Er berichtete, dass Goethe mit Salomon auch über das damals beginnende deutsch-jüdische Geistesleben geplaudert und nicht nur Moses Mendelsohn, sondern auch den damals sehr bekannten Kantjünger Salomon Maimon, dessen Schriften Goethe kurz vorher gelesen, erwähnt hätte. In jener Zeit regte sich wieder zum ersten Male seit dem Mittelalter ein betriebsames bergbauliches Leben in Oberschlesien. Die ersten bürgerlichen Gewerkschaften, die sich bildeten, bestanden zum Teil aus jüdischen Kaufleuten und Landwirten, die an die Tradition der Jüdischen Bergleute in der Standesherrschaft Beuthen aus dem 12. und 17. Jhrh. anknüpfend, sich mit Hammer und Schlegel bewaffneten und selbst in die Schächte stiegen, um das Erz der Unterewlt hinaufzubringen. “Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, Gott schenke uns allen ein fröhlichen Herz“ — so lautete der Wahlspruch der Gewerkschaften. Die alttestamentarischen Vornamen jener Gewerkschaften und Gründer erhielten sich dann noch' in den Namen vieler Bergwerke und Hütten. Auch die Ehefrauen dieser jüdischen Pioniere wurden durch die Namen, die man den Gründungen gab, geehrt und verewigt. So wurden in den Bezeichnungen Samuelsglückgrube, Jenny-Ottogrube, Moritzgrube, Julienhütte und Herminenhütte usw. das Andenken jener Männer und Frauen (Reichmann, Friedländer, Mannheimer, Kern) usw., die in der Industriegeschichte Oberschlesiens eine so hohe Rolle spielen, festgehalten. Von der Einführung der Städteordnung nach dem unglücklichen Kriege von 1806/07 bis in die Verfassungskämpfe von 1848 reicht der Zeitraum, in dem der noch stark slavische Charakter des östlichen Oberschlesien gebannt und mit dem preussischen Staatsbewusstsein auch die deutsche Sprache und Kultur hier den Sieg errangen. Zum S’tamm dieses neuen deutschen Bürgertums in den östlichen Städten und Gemeinden gehörten die schon von alters her der deutschen Kultur gewonnenen Juden. Auf sie war man angewiesen, um die Reformen der Selbstverwaltung und Gewerbefreiheit in Gang zu bringen. Auch die Bildung der Bürgerwehren in Oberschlesien vor dem Befreiungskriege wurde durch die jüdische Mithilfe stark gefördert. In manchen Orten stellten die Juden für die Stäbe dieser Landesgruppe nicht nur Offiziere, sondern auch die Kommandanten. Waren auch bis tief in das neunzehnte Jhrh. noch manche staatsbürgerliche Rechte den Juden vorenthalten, so war doch schon sehr bald nach dem Befreiungskriege in wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Beziehung eine völliger Ausgleichung der Konfessionen in Oberschlesien erfolgt. Ebenso wie in den Stadtverordnetenversammlungen wirkten in den Innungen und sonstigen wirtschaftlichen Genossenschaften, aber auch in den Schützengilden, Feuerwehren und Geselligkeitsvereinen Christen und Juden Hand in Hand. Der jüdische, noch durchwegs private, Schulunterricht stand auf einer bedeutenden Höhe — es seien nur die von Dr. Wilhelm Freund und Dr. Ginsberg in Gleiwitz, bzw. Beuthen geleiteten Schulen erwähnt — und war nicht eines der geringsten Fördermittel des allgemeinen Deutschtums in Oberschlesien. Nach Erlangung der Staatsbürgerrechte 1811 waren die oberschlesischen Juden darauf bedacht, die der Bildung von Synagogengemeinden und der Errichtung von würdigen u. schönen Gotteshäusern oft entgegenstehenden, manchesmal nur bureaukratischen und kleinlichen Hindernisse, durch Aufklärung und Verhandlungen aus dem Wege zu räumen. Auf diesem Gebiet tat sich besonders der Plesser Bürger Abraham Muhr, dem Oberschlesien auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht viel verdankt, hervor. Wie er die grossen Jüdischen Aufgaben seiner Heimat mit festem Blick und hellem Verstand meisterte und deutschen Patriotismus und deutsche Bildung als die Grundlagen der Blüte des jüdischen Lebens in Oberschlesien ansah, so wirkten in derselben Richtung im kleinen unzählige Glaubensgenossen. Die oberschlesische Judenheit erwies sich auch in den Wirren der Zeiten um 1848 als ein Element der Ordnung und Vaterlandstreue. Dafür, welchen Anteil die Juden ander deutsche Entwicklung Oberschlesiens verzeichnen dürfen, sei ein Auszug aus einer Rede gebracht, die (Fortsetzung Seite 18) 17

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