Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 15 (sequence 2302)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/7411685-7412524-7412561--0691-7412576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

11 entity mentions

Das Dilemma jüdischer Hugh Nissenson: My own ground. Cynthia Ozik: Bloodshed and Three Novellas. Beide Bücher sind bei Secker und Warburg, London, erschienen. Preis je P. St. 3.50. Die Juden in den Vereinigten Staaten nehmen heute eine ähnliche Stellung in Literatur und Wissenschaft ein, wie einst in Deutschland im 19. und am Anfang unseres Jahrhunderts. Der Nobelpreisträger Saul Bellow ist nur die Spitze einer glanzvollen Reihe jüdischer Intellektueller. Man kann wohl von einer jüdisch-amerikanischen Symbiose nicht minder sprechen, wie auch das vergangene geistige jüdisch-deutsche Mit- und Nebeneinander nachträglich als jüdisch-deutsche Symbiose gerne bezeichnet wird. Aber wenn dieses Wort erlaubt ist, so hat es in Amerika eine andere Bedeutung, als es in Deutschland hatte. Anders als das frühere Deutschland ist das Einwandrerland ethnisch und kulturell pluralistisch. Der sogenannte Schmelztiegel hat nicht gehindert, dass Amerikaner auch in späteren Generationen sich ihrer irischen oder jüdischen Vergangenheit bewusst bleiben und es bleiben wollen. Es ist nicht zufällig, dass in Deutschland jüdische Schriftsteller auch diejenigen, welche ihr Judentum nicht verleugneten, nur selten jüdische Figuren darstellen, während die Helden oder “Antihelden“ in den amerikanischen Romanen überwiegend Juden sind, so auch in den vorliegenden Büchern Der Roman “My Own Ground” von Hugh Nissenson spielt unter armen Juden, die vor dem 1. Weltkrieg in der Lower East Side von New York City lebten. Er erzählt rücksichtslos die Geschichte eines Waisenknaben, einer Rabbinerstochter, die in die Hände eines Zuhälters fällt, einiger Revolutionäre und anderer zweifelhafter Typen. Freunde aus New York bestätigten mir, dass diese Randgestalten der jüdischen Gesellschaft treffend erfasst seien. Allerdings mag die Sprache auf empfindsame Gemüter schockierend wirken. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, dass derselbe Dichter auch das Buch “Notes from the Frontier” geschrieben hat, in dem er seine Erfahrungen in einem israelischen Grenzkibbuz erzählt, so dürfte der permissive Ton nicht oder nicht nur eine Konzession an die Mode sein, sondern das angemessene künstlerische Mittel, um die Atmosphäre wieder- Prof. Richard In der diesjährigen Pessach-Nummer der “Mitteilungen“ (No. 41) berichtete Anni Löwenstein- Prietbatsch über das neue in Jerusalem errichtete Museum für islamische Kunst — in der Tat ein “Muss“ für jeden Jerusalem-Besucher. Sie erwähnt in ihrem Artikel Professor Richard Ettinghausen aus New York, der die Ausstellungsobjekte in jahrelanger Arbeit zusammengetragen hat und auch weiterhin Berater des Museums ist. Prof. Ettinghausen, 1906 in Frankfurt am Main geboren, ist einer meiner Jugendfreunde. Seine Grossmutter väterlicherseits war eine Tochter der bekannten Frankfurter Familie Schwarzschild, sein Vater Numismatiker und dessen Bruder Kunsthistoriker. Ettinghausen besuchte die s.Zt. von Rabbiner Hirsch begründete jüdische Realschule, und später das Realgymnasium Musterschule. Sein grosses Interesse war von Jugend auf Kunst und Kunstgeschichte, die er zu seinem Studium machte, dazu aber auch orientalische Sprachen. Hebräisch als lebende Sprache lernten wir Ende der 20-er Jahre bei Prof. Josef Rivlin s.A., später Professor für Arabisch an der Jerusalemer Universität, der Schriftsteller in Amerika zugeben, in der sich ein Teil jener Juden der Lower East Side bewegen. Die Novellesammlung “Bloodshed and Three Novellas” von Cynthia Ozik ist kultivierter, aber auch manirierter. Im Höhepunkt der Hauptnovelle “Usurpation“ (Other People’s Stories) stegt der Geist des hebräischen Dichters Tschernichowsky zum Himmel hinauf. Er, der Dichter des bekannten Gedichts “Vor der Statue des Apollo“ (in dem ein Jude vor der Statue des griechischen Gottes anbetend niederkniet), sitzt nackt am Tisch zusammen mit nackten kanaanitischen und griechischen Göttern., Das Göttermahl schliesst damit, dass ihm ein kanaanitischer Götze “Dreckjud“ (im englischen Text “Kike”) zuruft. Die Moral von der Geschichte ist ja klar. Die Frage ist aber, ob Cynthia Ozik recht tut, ihre Waffe gegen Tschernichowsky zu richten. In einem Vorwort zu ihrem Buch schreibt sie: Obwohl die englische Sprache und Poesie ihre Leidenschaft und ihr Leben seien, fühle sie sich durch sie eingeengt. Denn in ihnen könne die jüdische Idee, die in den Jahrtausenden seit dem Auszug aus Ägypten ihre Vorfahren bis zu ihren Eltern hin in hebräischer oder jiddischer Sprache überlieferten, nicht adäquat ausgedrückt werden. “Es gibt den Einen Gott und die Musen sind nicht jüdisch, sondern griechisch“. Deshalb habe es schon den Dichter Ibn Gabirol in der spanischen Glanzzeit beunruhigt, ob nicht die dichterische Phantasie das Gebot “Du sollst Dir kein Bildnis machen“ verletzt. Auch Nissenson steht vor dem Dilemma des Diaspora-Juden, der nicht in einer jüdischen Sprache schreibt. Jedoch im Gegensatz zu ihm bewältigt sie das Problem nicht, sondern reflektiert sie nur darüber. Entwaffnend ehrlich gibt sie im Vorwort zu, ein Genie wie Kafka brauche nicht sein “Schloss“ erklären. “Aber wir übrigen sind nicht Genies und sind verpflichtet, unsre Waffen zu erklären“. Eben deshalb hat sie nicht die Sicherheit, ihre Waffe zu benützen und trifft den Falschen. Denn Tschernichowsky ist trotz seiner Verehrung des griechischen Gottes tiefer in der jüdischen Vergangenheit verwurzelt als Cynthia Ozik, die sich verpflichtet fühlt, ihn anzugreifen. Ihre Novellen sind nicht wirklich kafkaesk, sondern modisch pseudo -kafkaesk. Anni Loewenstein Ettinghausen damals in Frankfurt bei dem berühmten Orientalisten Josef Horovitz, Sohn des Rabbiners der jüdischen Gemeinde, Marcus Horovitz s.A., seine Studien vollendete. Ettinghausen arbeitete wissenschaftlich am Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin, sowie im British Museum in London und dann lange Zeit als Professor der Islamischen Kunst an der amerikanischen Universität Ann Arbour. Sodann bekleidete er das Amt des Kurators der orientalischen Sammlung der Freer Gallery in Washington, später wurde er Professor an der New York University. Zur gleichen Zeit wirkt er als beratender Vorsitzender der Islamischen Abteilung des bedeutenden Metropolitan Museum of Art. Ettinghausen gilt heute aufgrund seiner Lehrtätigkeit und Museumserfahrung sowie seiner zahlreichen Veröffentlichungen über Persische, Türkische, Indische und Arabische Kunst als einer der bedeutendsten Fachleute auf diesen Gebieten. Die Encyclopaedia Judaica widmete Prof. Richard Ettinghausen einen Aufsatz im Jahrbuch 1974. Mordechai Noy, Ramath Chen. KURZE INFORMATION ÜBER DAS DIESJÄHRIGE DEUTSCH-ISRAELISCHE SEMINAR MERKAS HAMORIM — G.E.W. Der diesjährige Kongress mit der G.E.W. (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft in der Deutschen Bundes Republik) fand in Maaleh Hachamischa, statt, in der Woche vor Purim. Das Seminar war diesmal wieder im Wesentlichen dem Problem der Schoah nxnp gewidmet, und den sich daraus ergebenden Themen der kulturellen Beziehungen zwischen deutscher und jüdischer Kultur, kritischer Untersuchung der neuen Schulbücher in der BRD, und der objektiven Erörterung der Judenfrage im deutschen Unterricht der Nachkriegszeit. U.a. wurden Referate gehalten über Martin Buber, neue sozialistische Strömungen ln West Deutschland, die jüd./arab. Beziehungen in der deutschen Aussenpolitik, Schulbuchanalyse und Schulbuchrevision, der Kibbutz als “Versuch eines Lebens von Ideal und Brot”, das jüdische Volk in der Gegenwart von — Katastrophe risuy zum Wiederaufbau in Israel. Es fanden ausserdem Gespräche statt über die sich ergebenden pädagogischen Probleme aus den Möglichkeiten einer kulturellen Zusammenarbeit zwischen den Lehrerorganisationen der beiden Staaten. Sachliche Meinungsverschiedenheiten gab es bei der ausführlichen längeren Aussprache über die Verpflichtung des deutschen Erziehers, seinen Schülern ein möglichst wahrheitsgetreues Bild der traurigen Ereignisse vom Untergang des deutschen und eruropäischen Judentums in der Nazizeit zu vermitteln. Hier wurden uns verschiedene dokumentarische Filme vorgeführt, in denen der Beschauer einen tief erschütternden Eindruck von den furchtbaren Greueltaten der Nazis in allen ihren Phasen erhielt. In der auf hohem Niveau stehenden Diskussion kamen u.a. die verschiedenen Aspekte der Kontrahenten zum Ausdruck, wie weit diese Art von Dokumentär-Filmen geeignet ist, dem Schüler eine klare Information über die nie wieder gutzumachenden Verbrechen des deutschen Volkes zu geben (Alter und Reife, Verhältnis zwischen starkem seelischen Eindruck und der Fähigkeit zu intelektueller Arbeit, u.a. Fragen). Die deutschen Teilnehmer des Seminares unternahmen auch eine Studienreise in Israel, in deren Rahmen ein ausführlicher Besuch von "Jad Waschern” stattfand, wobei sie von unserem bekannten Historiker Jehuda ben Awner, (Markt) früher Breslau, die notwendigen sachlichen, historischen und politischen Erläuterungen erhielten. Auch ausserhalb des offiziellen Programmes hatten wir Gelegenheit, uns mit den Kollegen aus der BRD über Themen von gemeinsamen Interesse persönlich auszusprechen, und ihnen den israelischen Standpunkt in der Middle East und Weltpolitik zu erklären. Unter den Deutschen befanden sich Studien- und Schulräte, Univertäts-Professoren, Funktionäre der Gewerkschaft, Direktoren und Stadtverordnete, die an allen die Situation Israels betreffenden Problemen grossen Anteil nahmen. Bei dem in bescheidenem Rahmen abgehaltenen Abschiedsabend bei einer Kollegin in Tel- Aviv, an dem deutsche und israelische Volkslieder gesungen wurden, war auch der Generalsekretär unserer Lehrer-Organisation Dr. Schalom Lewin anwesend, und erläuterte den Gästen in kurzen, aber treffenden Worten, deren Verpflichtung, ihren Teil an der Lösung der bestehenden Probleme beizutragen, und unserem Standpunkt auch in der Bundes Republik, zu möglichst weiter Verbreitung zu verhelfen. DAVID PRI-CHEN, (TheodorFreyhan) Kfar Maimon, Israel 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.