Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 42 (September 1977)
- Date
- 1977-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 2294)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I. E. lioewenstein, Jerusalem Von Rosch Haschana bis Sukkot Gewidmet Erich Lewin zu seinem 75. Geburtstag In Jerusalem strahlt noch die herrliche Sonne des Sommers, während ich diese Zeilen schreibe. Nur wenige Wochen noch und es wird wieder Herbst. Dann feiern wir wieder Rosch Haschana. Das Jahr 5738 beginnt. Es ist nicht leicht sich Jetzt schon auf die “ehrfurchtsgebietenden Tage“ zu konzentrieren, um einen Gruss aus Jerusalem in die Welt zu senden. In diesen Tagen erleben wir als Abschluss des Jahres 5737 den alle vier Jahre in Jerusalem stattfindenden Weltkongress der “Wissenschaft des Judentums“. Ein unvergessliches Erlebnis. Aus der ganzen Welt treffen sich Wissenschaftler aller Religionen, Sprachen und Rassen zu einem geistigen Ringen um die “Wissenschaft des Judentums“. Alle Themen, die zum jüdischen Volk eine Beziehung haben, werden in dieser Woche behandelt. Von besonderer Symbolik ist der Ort des Kongresses: Har Hazofim oder der Scopus. Von hier aus soll vor mehr als 1900 Jahren ein römischer Legionär der 10. Armee die brennende Fackel in Richtung zmn Har Habajit — Tempelberg — ge- (Fartsetzung von Seite 6) denke, denke ich auch an ein Reklamesprüchlein für einen deutschen Feuerlöscher: “Feuer breitet sich nicht aus, Hast du Minimax im Haus". Der Volksmund hat hierzu zwei weitere Zeilen gedichtet: “Doch auch Minimax ist Mist, Wenn du nicht zuhause bist“. Wir Juden sind bei drohenden Feuersbrünsten sehr oft “nicht zuhause“, und das erklärt zum Teil unsere unselige Geschichte. Sie sagen: "'s soll sein git“ und warten bis das Feuer sie frisst. Freilich gibt es auch das System der Sprenklerröhren, aber es ist nicht dasselbe wie ein Wasserstrahl der Feuerwehr. Dieses System scheint im Jom Kippur- Kriege im Norden so ungefähr angewendet worden zu sein und hat sich bewährt. Gebe der Himmel, dass nie wieder ein Jom Kippur-Krieg ausbricht. Der Pessimismus ist keine angenehme Eigenschaft: er macht bei den Menschen nicht beliebt: denn er stört ihnen die optimistische Ruhe. Aber schliesslich schreibe ich lieber als Pessimist im Jahre 1977 diese Zeilen, als dass ich als Optimist im Jahre 1941 “umgesiedelt“ worden wäre. Der jüdische Optimismus ist oft geradezu lebensgefährlich. “Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“. “Vorgesorgt ist besser als nachgedacht“. “Der kluge Mann baut vor“. “Quidquid agis prudenter agas et respice finem“ (Was du tust, tue klug und bedenke das Ende). Aber der Optimist ist eben nicht vorsichtig; er ist stolz darauf, kein Schwarzseher, kein Miessmacher zu sein. Es wird schon alles gut werden, sagt er, und versäumt den Anschluss. Wen G“TT verderben will, den schlägt er mit Blindheit. Warum will uns der Herr so oft verderben? Weil dieses Volk des harten Nackens abtrünnig geworden ist, weil es versucht, einen jüdischen Staat ohne Judentum aufzubauen und ein Judentum ohne Judentum und ohne G“tt beliebt. Ich hatte einen Freund, der pflegte zu sagen: “Wir werden für alles bezahlen müssen". Beim Jom Kippur-Krieg haben wir bezahlt. Was du tust, tue klug und bedenke das Ende und lass die ewigen Optimisten dich getrost einen Pessimisten schelten. Walter B. Goldstern, Jerusalem schleudert haben. Im brennenden Heiligtum Jerusalems ging auch der Staat Judäa unter. Für Rom war die Geschichte der Juden abgeschlossen. Das Land wurde nunmehr Palästina genannt, um an die Philister zu erinnern. Dem vernichteten Jerusalem stand der Titusbogen in Rom gegenüber. Nach 1900 ist dieser Har Hazofim wieder ein Zentrum des jüdischen Geistes und Symbol seiner Energie und Ewigkeit. Zentrum des Kongresses war das Martin Buber gewidmete Gebäude. Es ist schwer sich in diesen Tagen der Begegnung mit Menschen und Wissenschaft, auf Ereignisse zu konzentrieren, die noch entfernt zu liegen scheinen. Aber gerade dieser Kongress lässt uns fragen, wie ist es möglich, dass Israel nach 1900 Jahren der Tragik und Zusammenbrüche wieder seine Renaissance erleben konnte? Die Jamim towim, die vor uns liegen, können eine Antwort geben. Wieder feiern wir Rosch Haschana, Jom Kippur und Sukkot. Jede jüdische Gemeinde erlebt diese Tage als einen besonderen Einschnitt. Leider kennen viele nur die Jamim Noraim mit ihrem Ernst und ihrer Besinnlichkeit. Sukkot ist ihnen mit seiner Freude eine unbekannte Welt. Viele Kinder erleben nur die Erhabenheit unseres Festkalender, aber nicht die freudige Innigkeit. Sie leben darum nur mit einem Zerrbild der Jüdischkeit — vor allem in der Diaspora. Ein jüdisches Wort sagt: Jedes dieser drei Feste spricht zu einem anderen Teil des Menschen — Rosch Haschana zum Kopf, Jom Kippur zum Herzen und Sukkot zur Hand. Das Schofar will uns von falschen Entschlüssen aufrütteln (1. Tekia) zur Demut und Erschütterung aufrühren (Sch’warim, Terua), und zu einem neuen Entschlus führen (2. Tekia). Jom Kippur will uns nicht in Busstimmung niederdrücken. Die Entscheidungen des Kopfes sollen durch die Reinheit des Herzens stark gemacht werden. Nach den Tagen des Gerichts wird an Sukkot der Lulaw in der Hand des Juden zum Zeichen des Sieges. Wir sind nicht nur Juden des Geistes und des Herzens — der Theorie — sondern auch Juden der Tat. Das ist die Bildersprache des ewigen Israels. Sie muss verstanden werden. Sie sind nicht nur Tage träumender Erinnerung an eine längst versunkene Epoche unseres Lebens. Nicht die Schönheit der Tradition, Innigkeit der Melodie, Festesstimmung dieser Tage ist für die Ewigkeit Israels ausschlaggebend. Wir sollen durch das Tauchbad des Intellekts und die Reinigung des Herzens den Weg zur Tat finden. In der Sprache unserer Zeit gesprochen, kann man sagen: derjenige hat den Sinn dieser Tage verstanden, der am Ausgang der Reihe der Feste eine jüdische Tat — Mizwa — erfüllt, die vorher nicht zu seinem Leben gehörte. Damit können wir etwas für uns, unsere Familie, unsere Gemeinde, unseren Staat vor unserem Gewissen — und damit vor Gott — tun. Aus dieser Sicht hat das jüdische Volk die Jahrhunderte dadurch überleben können, dass es die Kraft zur Tat und damit zur Wiedergeburt fand. Es blieb nicht in theoretischen Betrachtungen oder in Beteuerungen eines jüdischen Herzens stecken. Das, was wir als Juden tuen, macht uns stark. In diesen Tagen erhielt ich ein interessantes Buch: Das Gewissen in der Diskussion. Viele Autoren haben mitgearbeitet. Charakteristisch ist, dass am Anfang ein Artikel des Professors der Jerusalemer Univessität R. I. Zwi Werblowsky steht: Das Gewissen in jüdischer Sicht. Er beginnt mit der überraschenden Feststellung: “Es gibt kein hebräisches Äquivalent — ja nicht einmal eine Aproximation — zum okzidentalen Gewissen” (Das neuhebräische Mazpun-Gewissen stammt in dieser Bedeutung erst aus späterer Zeit). Ich gestehe, ich habe über diese Feststellung lange nachgedacht. Prof. Moritz Lazarus sagt in seinem leider ein Fragment gebliebenen 2. Teil des posthum im Jahre 1911 erschienenen Werkes: Die Ethik des Judentums: ‘Gewissen: Die hebräische Sprache hat keinen speziellen Ausdruck für Gewissen“. Dazu wird vom Herausgeber hinzugefügt: "Lazarus hatte die Absicht, dem Gewissen einen besonderen Paragraphen zu widmen". Vielleicht hätte er doch eine Anwort auf die Frage nach dem “jüdischen Gewissen“ gegeben. Aber ich fand eine Antwort in einem Artikel von Dr. Joseph Wohlgemut (Jeschurun, 20, S. 421): “Doch das jüdische Gewissen? Es gab das niemals dem Namen nach, wie das berühmte europäische Gewissen. Man sprach nicht davon, aber es war eine Wirklichkeit”. Das “Weltgewissen“ ist in der Tat ein Wort, das nur in Büchern zu finden ist. Unsere Generation bezeugt mit Schmerzen die Oberflächlichkeit dieses Weltgewissens. Im jüdischen Denken ist es unbekannt. Aber es wird gelebt. Wir bezeugen mit unserem Leben das Gewissen. Darum geht es in den Jamim- Noraim — um die stete Regeneration dieses Gewissens. Davon soll das Symbol in der Hand des Juden an Sukkot — der Lulaw — Zeugnis ablegen. Das Gewissen führt zur Tat. Trotz allen Schmerzes, das uns dieses Versagen des Weltgewissens zufügt, sind wir dankbar für den Neuaufbau und Wiederbeginn. Sie sind in Zeiten des jüdischen Gewissens wirklich geworden. Dieses weiter zugeben, ist die Aufgabe der Zukunft in unseren Gemeinden und ln unserem Israel, Warum habe ich diese Zeilen unserem Vorsitzenden Erich Lewin gewidmet? Die Leser der “Mitteilungen“, die Mitglieder der CENTRA und jeder der ihm begegnet ist, weiss: Erich Lewin ist der Jude des "lebendigen Gewissens", der mit Kopf, Herz und Hand seinen Idealen und den Mitmenschen dient. Der Allmächtige gewähre ihm die bewährte Energie noch viele schöne Jahre mit seiner Familie — wie wir sagen: ad mea w’essrim schana. Wir alle mögen gemeinsam zu einem Jahr des Friedens und Segens eingeschrieben und besiegelt werden. I Allen unseren Mitgliedern, Freunden und « Goennern wünschen wir ein gesundes und 8 zufriedenes Friedensjahr. « VERBAND EHEMALIGER | OBERSCHLESIER IN ISRAEL | Heinz Kornfeld, Tel-Aviv, Lipastr. 8 <> STATIONERY — BOOKSELLER JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTÄBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 7