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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-09-01 · No. 42 (September 1977) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 42 (September 1977)
Date
1977-09-01
Page
Seite 5 (sequence 2292)
Language
German
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E. M. HAUSCHNER Der weise König Salomo - Manager und Pferdehändler Wer denkt nicht, wenn der Name des Königs Salomo erwähnt wird, Schlomo, den Friedfertigen, an den ‘weisen Herrscher“, den Prachtliebenden, den Klugen, der ein ‘salomonisches Urteil’ fällt, um der rechten Mutter ihr Kind zurückzugeben. I. Kön. 3/18—28. Man sieht den Erbauer des Tempels, der königlichen Paläste der Hauptstadt, die sein Vater, König Dawid, eroberte, und die zu keinem der Stammesgebiete ghörte. Man kennt das Bild, als ihn die Königin von Saba besucht. Salomo wird der König der Legende, der — insbesondere durch die Bibelübersetzung Luthers — zum Verfasser vieler Bücher wurde. Die Deuter späterer Zeiten haben sich auf den ‘weisen König“ bezogen, ein Hinweis, der scheinbar wichtig wurde, um zu erreichen, dass sie in den Kodex aufgenommen wurden, insbesondere das ‘Lied der Lieder Salomos“. Man rätselt bis heute, wie und warum dieses Liebesepos in die Schrift gekommen ist, und vielleicht nur der Behauptung, dass es der ‘weise König* geschrieben habe verdanken wir, dass dieses schöne lyrische Gedicht erhalten geblieben ist. Die Spruchweisheiten, Mischle, nennt Luther die ‘Sprüche Salomos“, nach ihren ersten Worten, aber auch Kohelet, dem ‘Prediger Salomo', die recht unverbindlich beginnen: ‘Dieses sind die Worte Kohelets, des Sohnes Dawid, des König in Jerusalem'. Der Verfasser ist vorsichtig, den Namen Salomo nicht zu erwähnen. Bei Luther werden noch 19 Kapitel der Apokryphen die ‘Weisheit Salomos' genannt. * In der Bibel, wenn man sie nur richtig liest, erhalten wir ein anderes Bild des Königs. Wir werden mit einer geschätfstüchtigen Persönlichkeit vertraut gemacht, einem modernen Managertyp, der an alles denkt, alles unternimmt, seinen ‘Betrieb* zu vergrössern. Handel und Industrie sind in Jenen Tagen persönliche Unternehmen der Herrscher. Salomo wird als der kaufmännische Organisator geschildert, der die gepriesene Klugheit mit der Macht vereinigt, um seine Pläne erfolgreich durchführen zu können. Dem Historiker und Archäologen ist Salomo als der grosse Bauherr bekannt. Nicht nur den Tempel und die Paläste in Jerusalem, sondern der ganze Städte errichtet und ausbaut, Chazor, Megiddo, Geser. 1. Kön. 9/15, wie es die Grabungen an den Tag gebracht haben. In dem Bericht der Chronik 2,8/6 werden noch andere Städte erwähnt, ‘wo er Lust hatte zu bauen, in Jerusalem, und auf dem Libanon, und im ganzen Lande seiner Herrschaft“. Zu diesen Arbeiten gehörten Transportunternehmungen, Baumaterialien und Versorgungsgüter an den Bauplatz zu bringen, um die Bauarbeiter zu ernähren.— Salomo teilt das Reich in 12 Provinzen ein, um die Steueraufbringung zu erleichtern. Jeder Bezirk wurde für einen Monat der Staatsausgaben herangezogen, 1. Kön. 4/7. Eine fast ideale Form der Steueraufbringung. Die Schiffahrt im Mittelmeer wird von den phönizischen Stadtstaaten beherrscht. Salomo weiss, dass er nicht konkurrieren kann und darf, so sucht er Möglichkeiten, sich mit ihnen zu verbinden. Er geht eine Partnerschaft mit Hiram ein, dem König von Tyros, um den Handel im Roten Meer gemeinsam durchzuführen. Sie bereedern — so würde man heute sagen — die Schiffe, die nach Ophir segeln, um Geld gegen ‘Waren des Landes' einzutauschen. Im 1. Buch der Könige lesen wir, 9/26—28, ‘und Salomo baute Schiffe zu Ezion Geber, das bei Elot liegt, am Ufer des Schilfmeeres, im Lande der Edomiter, und Hiram sandte seine Knechte im Schiff, die gute Seeleute und auf dem Meer erfahren waren mit den Knechten Salomos. Und sie kamen gen Ophir und holten dort 420 Einheiten Goldes’. Wir wissen nicht, mit welchen Waren sie in das unbekannte Land gesegelt sind, man glaubt, dass es Kupfererze waren, die der König in der Arawa abbaute, südlich des Toten Meeres, und in Timna, dem ‘Verbotenen Platz’. Die Flotte beteiligt sich am Gewürzhandel Arabiens. Hier liegt einer der Gründe des Besuches der ‘Königin von Saba“, die den neuen Konkurrenten kennen lernen, und ein Handelsabkommen abschliessen will. In der Unterhaltung werden nicht nur Komplimente augetauscht, Süssholz geraspelt, mit dem jedes Gespräch im Orient anfängt, Rätsel aufgegeben, sondern ‘sie redete mit ihm über alles, was sie sich vorgenommen hatte“. In der Antwort heisst es, 1. Kön. 10/13, ‘Und der König Salomo gab der Königin von Arabien alles, was sie begehrte und bat — ausser, was er ihr von sich selbst gab“.— Die Reise wird für die Königin von Saba ein diplomatischer und wirtschaftspolitischer Erfolg, — ja, vielleicht sollte man immer junge Königinnen verhandeln lassen... In diesem Fall lernen wir einen weichherzigen König kennen, der 'alles gab, was sie begehrte“, aber in anderen Stellen der Schrift wird er als kluger Geschäftsmann dargestellt, so in 1. Kön. 10/28,29. ‘Und man brachte dem Salomo Pferde aus Ägypten und allerlei Waren. Und die Kaufleute des Königs kauften diese Ware und brachtens aus Ägypten, je einen Wagen um 600 Silberlinge, und ein Pferd um 150. Also brachte man sie auch allen Königen der Hethiter und den Königen von Aram — dem heutigen Syrien — durch ihre Hand“.— Die Agenten des Königs sind in seinem Auftrag im internationalen Pferdehandel tätig, den militärischen Transportmitteln jener Tage, so wie man heute gepanzerte Geländewagen kauft und verkauft... * Die Grossunternehmen des Königs Salomo, vom Vater ererbt und durch ihn ausgebaut und erweitert, konnten nur durch eine starke Persönlichkeit geleitet werden und geführt, die Zentralregierung in Jerusalem, die aber gegen die Tradition der Stämme ist. Es entsteht der paradoxe Zustand, dass die Regierungszeit Salomos für das Land und für die Bevölkerung zu einer wirtschaftlichen Blüteperiode wird, wie es niemals vorher und nie wieder später erreicht werden konnte, — aber gleichzeitig wird der Reichtum und die äussere Pracht zum Fluch für das Land. Die Bevölkerung, grade erst von den Philisterherrschaft befreit, will sich nicht mit einer starken Zentralregierung abfinden. Während Lebzeiten des Königs bleibt die Herrschaft der staken Hand, Handelsgeschäfte, Schiffahrt und Kupferabbau florieren, aber nach seinem Tod wird die Gegnerschaft spürbar. Keinem der Söhne gelingt es, die Nachfolge anzutreten. Das Staat spaltet sich in zwei kleine, politisch und wirtschaftlich unbedeutende Einheiten. Die Handelsunternehmungen wie die der Industrie verfallen, die Handelsbeziehungen sowohl zu den prönizischen Staaten im Norden wie zu der arabischen Halbinsel werden gelöst. Die Kleinstaaten, ohne jede wirtschaftliche Bedeutung, werden bald zu Vasallen der Grossmächte jener Tage, und nicht zu Partnern, und in den Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und Babylon zerrieben und zerstört... Heinzwerner Goldstein GEDENKE ... rwy *wx nx tot Nicht gedacht soll seiner werden, Nicht im Liede, nicht im Buche Dunkler Hund, im dunklen Grabe Du verfaulst mit meinem Fluche. Selbst am Auferstehungstage Wenn geweckt von den Fanfaren Per Posaunen, schlotternd wallen Zu Gericht die Totenscharen. Und alldort der Engel abliest Vor den g”ttlichen Behörden Alle Namen der Geladenen Nicht gedacht soll seiner werden! Heinrich Heine Während die Prozesse der angeklagten Nazis in Deutschland langsam — langsam vor sich gehen und dauernd vertagt werden — legten die Behörden der Bundes Republik eine beneidenswerte Schnelligkeit an den Tag und beeilten sich zu erklären, dass die Bundes Republik den ln Italien zu lebenslänglichem Kerker verurteilten und von dort entflohenen Nazihenker Kappler nicht ausliefern würde. Und um jeden Zweifel zu beseitigen, wurde unmissverständlich erklärt, dass auch die Bundes Republik ihn nicht belangen würde. Wenige Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des teutonischen Reiches, nach der Vernichtung von 6 Millionen unserer Brüder und Schwestern, sehen wir in dem sogenannten “Anderen Deutschland“ eine “Einheitsfront“ von der SPD, FDP und CDU, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesem Nazi Verbrecher Deckung zu geben. Und wohlgemerkt: Kappler ist kein Verdächtiger, sondern ein abgeurteilter Naziverbrecher, dessen Schuld klipp und klar bewiesen wurde. Diese Einheitsfront der Nachfolger Eberts und Bruenings, die im Jahre 1933, auch wenn nicht alle tätlich an dem Massenmord beteiligt waren, doch fast alle den Kopf wegdrehten und die Augen zudrückten, will heute alles vergessen und nicht in ihrer Ruhe gestört werden. Wir Leser und Herausgeber dieser Zeitung, alle Opfer des Naziregimes, haben die Aufgabe unsere Stimme zu erheben, um dieses Vergessen zu vereiteln. Die Kongresse ehemaliger Nazis und SS Männer, die ohne Störung in der Bundes Republik abgehalten werden, sind ein Zeichen dafür, dass auch heute noch die Mörder unter uns sieh frei bewegen. Wo auch immer ein Jude in der freien Welt ist, dort muss protestiert werden. Solange noch ein Nazimörder frei herumläuft, so lange noch ein Opfer der Konzentrationslager lebt, so lange noch ein Jude seine Lieben betrauert, die durch die Nazis umkamen — so lange darf kein Deutscher mit einem ruhigen Gewissen leben. Am heiligsten Tage des jüdischen Jahres, am JOM HAKIPPURIM, wenn wir nach der Thora Vorlesung unserer Heimgegangenen gedenken und das Gebet zum Andenken an unsere "6 Millionen Brüder, Kinder Israels, welche ermordet wurden, abgeschlachtet, verbrannt, ertränkt, erstickt und lebendig begraben wurden durch die Nazimörder und ihre Schergen, — nicht gedacht soll ihrer werden”, — sprechen, sollen auch wir einen Augenblick darüber nachdenken, ob nicht auch wir etwas schuld sind an dem Vergessenwollen der grossen Blutschuld des deutschen Volkes, dass wir allzuschnell “normale Beziehungen“ aufnehmen wollten, nach allem, was uns angetan wurde, und es den Deutschen zu leicht machten über ihre Schuld hinwegzukommen. Unsere Aufgabe ist es an das Gewissen aller Humanisten in der Welt zu apellieren gegen den sich wieder in Deutschland ausbreitenden Hamanismus. 5

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