Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Harry Abt s.A. Nur drei Jahre war es dem jüdischen Reform Realgymnasium ln Breslau vergönnt, Harry Abt als Schulleiter zu haben und beinahe vier schicksalschwere Jahrzehnte sind seitdem verflossen. Und doch steht mir — und sicherlich vielen unserer Leser — seine Persönlichkeit lebhaft vor Augen. Seine vielseitige Begabung befähigte ihn, Menschen aus den verschiedensten Kreisen unseren Idealen nahezubringen, zur Verbindung von Thora und Derech Erez, von jüdischer Tradition und den Werten europäischer Kultur. Ein ausgezeichneter Lehrer, der es verstand, jeden Gegenstand interessant zu machen. Als ehemaliger Führer im Jugendbund “Esra” war er weiter kameradschaftlich, zusammen mit seinen Schülern —, hatte stets ein offenes Ohr für die vielen Probleme, mit denen besonders damals unsere Jugend zu ringen hatte. Sogar bei uns jungen Lehrern ein ausgezeichnetes Beispiel durch seine Tätigkeit, darüber hinaus unterwies er uns in einem wöchentlichen Seminar in der Methodik des Unterrichts und der Erziehung. Sein gastfreies Haus stand uns stets offen, und sein Humor half viel über die Sorgen der Zeit hinweg. Ich selbst sah ihn noch im ersten Kriegswinter in Brighton, wohin wir uns mit Hilfe von guten Freunden gerettet hatten. Es war auch dort nicht leicht, aber sein Lebensmut verliess ihn nicht. Alles was er besass, all sein Eigentum einschliesslich seiner Bibliothek wurde auf dem Weg nach Süd-Afrika ins Meer versenkt, jedoch bald baute er sich in der Fremde einen neuen segensreichen Wirkungskreis auf. Es ist unfassbar, dass ein langes, schweres Leiden all dem ein frühes Ende bereitete. Möge es seiner Familie ein Trost sein, dass seine Ideen und Ideale in seinen Schülern und Mitarbeitern weiterleben werden. Df. MARTIN PEERLY (Perle) Zum Andenken an Ansprache nach Entzünden des 5. Chanukka- Uchtes in der “SEVULON” Loge, B’nai Brith Kiriath Bialik Kaf Tet Wislew 5737, 20. Dezember 1976 Ehe das Programm des heutigen Abends beginnt lassen Sie mich angesichts der soeben entzündeten Chanukkalichter und im Nachklang zum so festlich angestimmten Moaus Zur, des Chanukkafestes gedenken. Diese Lichter haben den Juden geleuchtet auf ihren Wanderungen durch die Jahrhunderte. Wie haben sie die Mächte der Finsternis gebannt, wie haben sie Trost gespendet und den Weg gewiesen durch Leiden, durch Schmerz und Bedrückung bis zum heutigen Tage, wo es uns vergönnt ist, diese Lichter in unserem Staate in Freiheit zu entzünden. Das Moaus Zur ist nicht verhallt. Es ertönt und wird auch heute überall wo Juden wohnen angestimmt. Es spricht zu den Juden der ganzen Welt in gleicher Innigkeit seit undenklichen Zeiten. Zeiten und Völker schwinden, Reiche stürzen, das Moaus Zur klingt und singt die alte Melodie, das uralte Lied von der Ewigkeit des Judentums, von seinem Ruhm und seinem Sieg und schwer Grösse. Diese Lichter und dieses Chanukkalied zeugen von der Unsterblichkeit des jüd. Volkes, von der unbesiegbaren Kraft des jüd. Geistes. Der Kampf um die Existenz des Judentums tobt auch heute noch wie zu jenen alten Zeiten, nur dass uns heute die Maccabaeer fehlen. Darum müssen wir B'nai Brith gemeinsam mit anderen Institutionen Begeisterung in die Herzen der Menschen pflanzen und dazu beitragen uns zu modernen Maccabäern zu erziehen, zu gesinnungstreuen Juden, zu Staatsbürgern eines Heldentums, das an Selbst- Irene Militscher s.A. Wir haben die traurige Aufgabe der Obengenannten einige Worte der Ehrung zu schreiben. Irene Militscher geb. Glaser ist am 8. September 1976 in Frankfurt a/Main, gestorben. Die Beerdigung fand dortselbst am 10. September auf dem jüdischen Friedhof statt. Sie wurde im Jahre 1898 in Ostrowo, Provinz Posen, geboren, heiratete im Jahre 1920 in Breslau den Rechtsanwalt und Notar, Alfons Militscher. Ih Jahre 1939 wanderte sie mit ihrem Mann, dem Sohn Arthur, und der Tochter Hanni nach Palästina, aus. Im Jahre 1952 ging sie nach Deutschland zurück, wo ihr Mann in Frankfurt a/Main eine angesehene Anwaltspraxis eröffnete. Sofort nach ihrer Rückkehr nach der Bundes Republik war sie sozial sehr aktiv tätig. Sie war eine zeitlang die Präsidentin der Jugend-Alija, war 12 Jahre Mitglied der jüdischen Gemeinde von Frankfurt a/Main und tätiges Mitglied der Chewra Kadischa. Sie gründete die liberale religiöse Gemeinde, da sie in liberaler Tradition in Schlesien aufgewachen war, wirkte unermüdlich für alte und kranke Gemeinde-Mitglieder und wenn es ihr nur möglich war, machte sie Krankenbesuche, um den Kranken und Einsamen beizustehen. Sie hatte ständigen Kontakt mit Israel, da ihr Sohn Arthur in Tel-Aviv wohnt. Bei ihren Besuchen in Israel erschien sie immer bei Arbeitssitzungen und Vorträgen der CENTRA. Wir sprechen von dieser Stelle aus dem Sohn, der Tochter und der weiteren Familie unsere tiefgefühlte Teilnahme aus. E. L. Hans Chaim Einer unserer Besten, der im Laufe seines Lebens das Prinzip verfolgte, für die Allegemeinheit da zu sein, ist nach einer Rede, die wir hier zum Abdruck bringen, plötzlich abberufen worden. Hans Schiftan ist am 27.6.1901 in Bernstadt, Schlesien, als jüngster von 7 Kindern geboren, verlor seinen Vater im Alter von 4 Jahren und die Familie zog zurück in den Geburtsort der Mutter, nach Kempen in Posen. Der Heimgegangene war mit seiner Gattin Nelly, geborene Braniss schon als Kind in Kempen befreundet. Im Jahre 1919 nach Option für Deutschland, zogen die Familien Schiftan und Braniss nach Breslau. Nach kurzem Studium wurde Hans Schiftan Getreidehändler und heiratete Ham Chaim Schiften Verleugnung dem Märtyrertum verklungener Zeiten nicht nachsteht. Das Licht ist das Symbol des Lebens. Ewiges Licht brennt in unseren Gotteshäusern: Licht entzünden wir am Chanukkaabend. Aber wo Licht ist, soll auch Freude herrschen. Licht und Freude, Ora Wessimcha stehen im Judentum stets beieinander wie ein Begriff. Als einmal, so sagt eine alte Legende — der Prophet Elijahu auf d. Markte gefragt wurde, wer wohl in d. grossen Volksmenge am ehesten d. künftige Seligkeit verdiene, da wies d. Prophet auf einen Spassmacher hin und sagte: ‘‘Derjenige der die Betrübten aufheitert, und den Menschen Freude bereitet!” So wünsche ich, dass unsere heutige Chanukkafeier dazu beitragen möge Ihnen allen rechte Freude zu bereiten, die Sie meine 1. Schwestern und Brüder und auch unsere 1. Gäste so herzlich auf sich wirken lassen mögen, wie wir sie Ihnen darbieten. Möge mit den Chanukkalichtern bald wieder die allgemeine Freude in unsere Loge einziehen und mögen sich in unserem Staate aufs neue die Wunder vollziehen, die aus jeder Zeit der Not siegreich emporsteigen: Sheassa nissim La’awotenu — Bejamim Hähern, Bazman Haseh! Dr. Emst Lehmann, s.A. Vor einigen Monaten ist der oben Genannte nach kurzem, aber schwerem Leiden, verschieden. In Goerlitz i/Schlesien geboren, in Posen erzogen, studiert an den (Universitäten Heidelberg, Berlin, Breslau, hat er als Assistentsarzt einige Jahre am juedischen Krankenhaus In Breslau, gearbeitet. 1931 ging er nach Berlin und schon 1933 begab er sich nach Jerusalem, wo er 11 Jahre wirkte. 1944 war er Leiter der urologischen Abteilung an dem bekannten Beilinson Krankenhaus und arbeitete spaeter im “Scharon Krankenhaus”, Petach-Tikwa, sowie in der Zentrale der Kupat Cholim auf der Zamenhof. Dr. Ernst Lehmann zaehlte zu den ersten bekannten Urologen im Lande und war durch seine Geschicklichkeit, Diagnose, bekannt und beliebt. Sein Rat wurde oft bei schwierigen Faellen hinzugezogen. Er fand in seiner Gattin Ilse Lehmann geb. Heilborn aus Breslau, eine treue Helferin, eine verstaendnisvolle Gattin und einen musischen Menschen. J Dr. Ernst Lehmann gehoerte zum Stadtbild Tel-Avivs und wird bei uns unvergessen bleiben. Unsere herzliche Teilnahme gilt der Gattin und der weiteren Familie. Schiffan s.A. Im Januar 1926. Als Zionist von frühester Jugend war er in der Manuel Joel Loge sehr tätig. Im Jahre 1939 zog er mit seiner Familie, nachdem er noch in Buchenwald einige Wochen zubrachte, nach Palästina. Wie alle, die hier ohne richtige Vorbereitung ins Land kamen, hat er mit seiner Familie sehr schwere Einwanderungsjahre gehabt. Das hielt ihn aber nicht ab, immer für die Allgemeinheit tätig zu sein. In den letzten Jahren insbesondere nach dem Heimgang seiner Frau, war er im Stillen ausserordentlich wohltätig, besuchte Kranke, sprach ihnen Mut zu und das alles ohne Aufsehen und in grösster Bescheidenheit. Sein Heimgang bedeutet ein grosser Verlust für seine Familie, für uns Breslauer und nicht zuletzt für Kirjat Bialik. Er bleibt bei uns allen unvergessen. 26