Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Landwirtschaftliche Gemeinschafts-Siedlung in Palästina Von Tel-Avlv fährt der Autobus durch rotbraunen, trockenen Lehm in das jüdische Land. Zwei bis drei Meter hoher Feigenkaktus bildet die Hecken, hinter denen die dunkelgrünen Apfelsinenbüsche stehen mit den goldenen Früchten. Das ist die Landschaft — kilometerweit. Apfelsinenbüsche hinter Kaktushecken. Es kommt ein Ort, gerade, unschöne, kleine, neue Häuser, rasch mit wenigen Mitteln in dem Jahrzehnt seit dem Kriege aufgerichtet, eine saubere, moderne Arbeiterküche mit gutem Essen, ein Kramladen, eine Bude für Apfelsinensaft, Milch, kohlensaures Wasser. BESUCH IN BEUTHEN-. (Fortsetzung von Seite 11) mann, Fernbach, später Paikert, Popelauer, Paul Jugel, Steinitz, Hotel Lomnitz, Schirmgeschäft? Haus Sternberg, Bianka Holländer, Fleischer Hoffmann. M. Badt, Paul Köhler, (Juwelier), Papierhandlung Immerwahr, dann Micksch-Schokolade vis a vis Pagel, Damenkonfektion etc. Delikatessen Drzesga. An der Tarnowitzerstr., wo Dr. Gräupner war, wieder ein Arzt, Farbengeschäft Karliner — ein Obstgeschäft. Am Nachmittag war ich im Stadtpark bis zur Holzkirche, es war kalt und es lag etwas Schnee. Gefängnis, Gartenstrasse wie früher, das Kino vis a vis Gericht, Ecke Boulevard, genau so wie es war. Post etwas innen umgebaut. Allgemein wenig Autos, viele Menschen auf der Strasse, schlecht gekleidet. Ich sah weder ein Pelzgeschäft, noch einen Uhrenladen. Restaurant Knoke, wo wir manchmal Freitag abend für Grossvater Sternberg ein Seidel Bier holten, gibt es nicht mehr, die Fassade aber steht. Es war für mich sehr eigenartig, diese unsere Heimatstadt nach 40 Jahren zu sehen. Man spricht nur polnisch, einzig eine Frau im Kiosk an der Post, konnte noch deutsch, ich bekam dort nach vielem Suchen ein Luftpostconvert für Kurt Joschkowitz und Heinz Kornfeld, die in Tel-Aviv leben und denen ich eine Ansichtskarte sandte, im Couvert, weil ich wenig schmeichelhaftes über Polen etc. gesagt habe. Nächsten Tag fuhr ich nach Kattowitz, um am Abend dort den Nachtzug Chopin-Express Moskau-Warschau-Wien zu erreichen. In Kattowitz ein ähnliches Bild. Mehr Geschäfte und ein gutes Bahnhofrestaurant. Mit dem polnisch war es schwierig Ich hatte zwar einen Dictionaire, aber oft bekam ich etwas zu essen ,was ich garnicht bestellt hatte. “Nie rosumiem po polsku!” Im Zug entdeckte ich hinten in den russischen Wagen georgische Juden, die nach Wien fuhren, um von dort nach Israel geflogen zu werden. Ich versuchte, mit ihnen zu sprechen, doch sie verstanden nur russisch. Als ich hebräisch versuchte, wie Scholem alechem, hatte ich den Eindruck, dass sie es verstanden hatten, aber aus Angst nicht anworteten. Bei der österreichischen Passkontrolle stand hinter dem Passbeamten ein Soldat mit umgehängter Maschinenpistole und als ich den Beamten fragte, warum das so sei, sagte er, seitdem sie russische Juden transportieren, die nach Israel fahren, müssen sie jederzeit mit Angriffen von arabischen Terroristen rechnen und daher muss an der österreichischen Grenze jeder Pass- oder Zollbeamter einen bewaffneten Soldaten hinter sich haben. Bei der Ankunft im Ostbahnhof in Wien war der ganze Bahnhof voll mit bewaffneten Soldaten, welche die russischen Juden zum Autobus begleiteten, der sie in das Auffanglager bei Wien bringt. Dort bleiben sie ein bis zwei Tage und bekommen ein israelischen Pass, weil ihnen der russische Pass an der Grenze abgenommen wurde. Dann werden sie sofort mit EL-AL nach Israel geflogen. Von GABRIELE TERGIT Ein Mädchen steigt ein. Sie trägt derbe Stiefel auf Beinen die bis hoch hinauf nackt sind, dazu schwarze, baumwollene, weite, geschlossene, kurze Höschen, eine kurzärmelige Polobluse, einen breitrandigen Strohhut. Das ist die Tracht der jüdischen Landbewohnerin, die Arbeiterin, Bäuerin, Pionierin in einem ist. Ihre Grossmutter trug noch in Polen den falschen Scheitel, um das eigene Haar nicht zu zeigen. Die Mutter trug um 1920 den modernen kurzen Rock, sie selbst aber wirft alles von sich, um kurze Hosen zu tragen. So neu u. so kühn wie diese kurzen Hosen zu nackten Beinen in einem orientalischen Land, in dem uralte heilige Tradition aller Völker das Verhüllen der Frauen gebietet — so neu und kühn ist dieser Versuch einer Lebensform, die sich Kwuza nennt. Mit der Kwuza ist für eine kleine Gruppe eine selbstlose Sammlung aller Kräfte zu gemeinsamen und gleichmässigem Wohle vollständig durchgeführt. Die Kwuza ist eine gemeinschaftliche Siedlung von Pionieren zur Fruchtbarmachung des Landes. Im Gegensatz zu den Pionieren des Urwaldes, dessen Boden noch Generationen alte Kraft in sich trägt, kommt der jüdische Pionier in uraltes Land, ausgesogenem Boden, Wüste. Jahrtausende hat dieser Boden nur gegeben, nichts erhalten, weder Mist noch Dünger. Durch moderne Methoden (Bewässerung, Fruchtwechsel, Motorisierung der Feldarbeit) wird er In fruchtbares Land verwandelt. Die Kwuza ist einerseits eine einzelne einen Zweig der Landwirtschaft be- Gemeinschaft von Spezialisten, von denen jeder herrscht. Und mit Fanatismus fördert, andererseits der Versuch, eine Wirtschaftsform von höchst denkbar sozialer Gerechtigkeit zu finden. Es gibt alte und neue Kwuzoth. Die alten sind die reichen, die neuen sind die armen Kwuzoth. Die Kwuza Giwat Brenner ist eine neue Kwuza, 1928 auf Boden errichtet, der dem jüdischen Nationalfond als Eigentum verbleibt. Der Boden soll nach einer Reihe von Jahren verzinst werden in Höhe von Vi v. Hundert bis 4 von Hundert. Nur in wenigen Fällen aber wird bisher der Boden dem Nationalfond verzinst oder, anders ausgedrückt, Pacht gezahlt. Die Kwuza hat 300 Mitglieder. Davon sind 100 deutsche Einwanderer vom letzten halben Jahr. Die Mitglieder treten ein wie in ein Kloster. Was sie besitzen, was sie erarbeiten, gehört der Gemeinschaft. Wollen sie in die Stadt fahren, so gibt die Kwuza das Geld dafür, braucht einer neue Stiefel, so gibt die Kwuza das Geld, will einer einmal in langer Zeit das Theater, die Habimah, besuchen, gibt die Kwuza das Geld. Sie nennen nichts mehr ihr eigen. So wie die lateinischen Mönche das Land kolonisierten, in grossen Teilen Europas, ohne eigenen Nutzen, es sei denn für den der Kirche, des Klosters und der Zukunft so kolonisiert hier die jüdische Jugend das Land ohne eigenen Nutzen, es sei denn für den der werdenden Nation, der Kwuza und der Zukunft. Kwuzath Brenner hat grosse gemischte Landwirtschaft: Felder jeder Art — man erntet zwei mal im Jahr verschiedene Frucht, Zytruskulturen — wie man die Anpflanzung von Zitronen, Apfelsinen, Grapefrucht und Mandarinnen nennet — eine Baumschule, die allein etwa 1.000.— £ im Jahr abwirft, einen grossen Gemüsegarten — in 6 Wochen kommt der Blumenkohl von der Aussaat bis zur Reife von ganz grossen weissen Köpfen — einem wohlgepflegten Blumengarten. Die Gemüsefelder werden von rotierenden Rasensprengern unausgesetzt befeuchtet. Mitten in der Tiefe des flachhügeligen Landes sieht man ein viereckiges, kleines weisses Gebäude — es sieht aus wie in Europa eine Transformationenstation — das ist der Quell der Fruchtbarkeit im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist die Motorenpumpe, die das Grundwasser aus 80 Meter Tiefe hebt. Zur Feld- und Gartenwirtschaft kommt die Viehwirtschaft: In den Ställen stehen schwarz-weisse prachtvolle holländische Kühe, die man mit dem inländischen Vieh gekreuzt hat, moderne Geflügeställe mit weissen Leghorn-Hünern, jener Rasse, die man in ganz Palästina allein zieht. Du siehst keinen bunten Hahn mehr, und wenn du einen siehst, so kannst du dich darauf verlassen, dass es ein ganz altmodisches Vieh ist, nicht mehr dienend dieser Welt der rationalisierten Eiererzeugung, sondern nur noch dem schönen Aussehen. Einkommensquelle ist ferner die Lohnarbeit der Mitglieder der Kwuza. Der Lohn z.B. für Apfelsinenpflücken in den benachbarten Siedlungen kommt selbstverständlich der Kvuza zugute. Ausserdem hat die Kwuza Handwerksbetriebe. Eine Bäckerei und Tischlerei in der benachbarten Stadt. Die Handwerker wohnen in der Kwuzat Brenner, fahren täglich hin und zurück. Die Einnahmen erhält die Gemeinschaft, die für die Ernährung und das Fahrgeld aufkommt. Um solche Betriebe einzurichten ist Geld nötig. Die Kwuza verschafft es sich auf sehr verschiedenen und sehr verschlungenen Wegen. Zum Teil bekommen sie sie natürlich aus öffentlichen Mitteln. Zum Teil aber auch von Banken, die Sicherheiten verlangen. Es kommt z.B. vor, dass ein junger Mann, der in die Gemeinschaft eintritt, zwar nicht selbst Geld mitbringt, aber von seinem Vater eine Garantie verschafft, auf die hin die Bank das Geld gibt. Auf dem Wirtschaftshof stehen die Holzbaracken, in denen winzige Abteilungen zum Wohnen dienen, getrennt durch Holzwände, die bis zum Beginn des schrägen Daches reichen, also halbhoch sind. Nichts steht in den Kabinen als Bett, Tisch und Stuhl. Mönchszellen — aber das ist der Unterschied: Nie ist der Mensch in der Kwuza allein, über die Wände hinweg hört man Jedes Wort. Man wäschst sich in den Duschräumen. Kleider und Wäsche befinden sich in einem grossen Kleiderschuppen. Dort sitzen einige, und nähen und flicken für die übrigen. Draussen stehen nebeneinander Dutzende von Zelten. In Jedem wohnen 2 Menschen, in den furchtbaren kalten Regengüssen des palästinensischen Winters, in der furchtbaren glühenden Hitze des palästinensischen Sommers. In allen diesen kleinen Zelten herrscht Ordnung, Sauberkeit und Geschmack. Auf den Betten liegen handgewebte Decken. Dort steht eine kleine Etagere mit Büchern, dort ein hübscher Messinggegenstand auf einem Tisch. An dem Holzpfeiler, der das Zelt hält, hängt die Petroleumlampe. Das ist alles, der ganze Besitz, die ganze Existenz manchmal jahrelang. Eine gemeinsame Holzbaracke dient als Ess- ' raum, auf Holzbänken ohne Lehnen, sitzen die Leute, essen aus dem Emaillennapf. Aber es herrscht weder die Verbitterung der Armut, noch der Abstand der Missionäre. Es ist' alles selbstverständlich. Jetzt wird gebaut, der Essraum soll erweitert und verschönt werden. Man merkt am Arbeitstempo, in dem diese Arbeit fertiggemacht wird, aller Freude, dass man es so weit gebracht hat. Judith, die Pionierin führt uns. Für die neue Küche sind die Sachen gekommen. Wie nur je eine bürgerliche Hausfrau steht sie vor dem Schrank mif dem neuen Aluminiumgeschirr für alle und freut sich, sie freut sich über den neuen Abwaschtisch, den wir bekommen haben. Sie freut sich über die neuen Herde. Und es steht ein Gerät da, das uns unbekannt ist: “Nein, dass wir schon so reich geworden sind, dass wir schon Sa- (Fortsetzung auf Seite 13) 12