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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Reise nach Beulhen O'S im Jahre 1975 Und im November war ich — höret und staunt — in Beuthen, um endlich einmal das Grab meines sei. Vaters zu besuchen, wahrscheinlich zum letzten Mal. Ich wollte es schon vor 2 Jahren im Sommer machen, doch damals kam das polnische Visum zu spät, wie man mir sagte, hat es von der polnischen Konsulatsabteilung der Botschaft in Bern erst nach Warschau gehen müssen. Diesmal habe ich es im Anschluss an eine Internat. Briefmarken-Ausstellung in Wien machen können, wo ich meine Judaica-Sammlung ausgestellt hatte und eine Bronze-Medaille als Auszeichnung erhielt. Wien-Kattowitz ist für mich nämlich der kürzeste Weg, um nach Beuthen zu kommen. Es geht der Chopin-Express von Wien via Kattowitz-Warschau nach Moskau. Der geht nur einmal täglich und zwar um 22 Uhr abends von Wien über die Tschechoslovakei (Transit-Visum hatte ich bekommen) und ist morgens um 7 Uhr in Kattowitz, wo ich nach Beuthen umsteigen musste und war um 8 Uhr in Bytom (wie es heute heisst). Ich hatte mir durch das polnische staatl. Reisebüro ORBIS in Wien Hotels in Beuthen mit Preisangaben geben lassen. Und man muss an der polnischen Grenze (CSR-Polen) Dollar in Zloty umwechseln. Jede Ein- und Ausfuhr von Zloty ist streng verboten. Und man muss 10.— Dollar pro Tag ausgeben. Ich wollte ja nur 2 Tage bleiben und habe 30.—? gewechselt und bekam ca. 1000 Zloty dafür. Ein Zloty ist ungefähr ca. 10 cts Schweizer Geld oder 100 Zloty sind 10 Schweizer Pranken. Nun ich nahm das sogenannte Luxushotel zu 13.50 $ und wenn es auch heute Hotel Bristol heisst, so war es genau das alte Hotel Kaiserhof in der Bahnhofstr. Immer noch wie früher, innen Marmor mit dem Lift, die Zimmer alt und hässlich, das Waschbecken war mehrfach geplatzt, in der Toilette gab es kein Papier, das Badezimmer (Etagenbad) war so dreckig, dass ich nicht hätte hineinsteigen wollen. Und trozdem mir das ORBIS-Büro Zimmer mit Frühstück, offeriert hatte, gab es kein Frühstück, sondern ich musste für eigenes Geld in einem Cafö ein Frühstück bestellen. Nun, ich hatte ja genügend Zloty. Ich war die Nacht durchgefahren und oft war es kalt und ungemütlich. Einen Schlafwagen zu nehmen hätte sich nicht gelohnt, denn während der Nacht kamen dauernd irgendwelche Pass- und Zollbeamte. Erst am Ausgang von Österreich, die österreichischen Zöllner, dann tschechische Pass- und Zollbeamten, dann 2 Vi Stunden Fahrt durch die CSR. An der Grenze CSR-Polen kamen erst die tschechischen Ausreise-Kontrolleure also wieder Pass und Zollkontrolle. Und dann kamen die Polen zu dritt: 1 Zollbeamter, 2 Passbeamte und eine Frau, welche die Devisen regelt und Deine westlichen Währungen In Zloty wechselt und alle anderen Valuten musst Du zeigen und es wird genau notiert ec. Bürokratie am laufenden Band. Dabei wollte die Dame, die deutsch sprach, dass ich für 14 Tage a 10. $ — also 140. $ umwechseln sollte, weil im Pass stand, das Visum berechtige zu 14 tägigem Aufenthalt in Polen. Ich erklärte ihr, ich werde nur 2 Tage bleiben. Aber sie bestand darauf, dass ich viel mehr Dollar wechsle. Dann wurde es mir zu bunt und ich sagte ihr wörtlich: Ich komme aus der Schweiz und wie lange ich in Polen bleibe, das bestimmt nicht sie, sondern ich. Und dann wechselte ich 30 $. Also, nach dem ich im Hotel meinen Pass gezeigt hatte und die Dame an der Rezeption, die Heinz Badt, Basel (Schweiz), führendes Mit-, glied der zionistischen Vereinigung in der Schweiz, früher Beuthen O/S schreibt an seine Beuthener Freunde, die jetzt in Israel wohnen. auch deutsch sprach, genau die Pass-Nummer etc. notiert hatte, musste ich die Devisenbescheinigung zeigen und sie zog mir gleich den Hotelbetrag ab und notierte auf einem Formular, dass Ich laut Devisen-Umtausch so und soviel Zloty habe, abzüglich Hotel (ca. Fr. 26.—) Rest noch... Zloty etc. Dann habe ich mich für 2 Stunden hingelegt und um 11 Uhr ging ich schweren Herzens in die Piekarerstrasse zum Friedhof. Ich hatte zweimal an die Jüdische Gemeinde geschrieben und angefragt, ob der Friedhof noch besteht und keine Antwort erhalten. Ich nahm an, dass keine Gemeinde mehr besteht und das war auch so. Aber, v 'S jfem««»- Im* I Ü ..'«****-• ' o Wunder — der Friedhof mit dem Vorgebau bestand wie früher, es war nichts verändert. Ich klopfte an der Tür, wo früher der Wärter wohnte und es kam eine Frau in den mittleren Jahren, und da sie aus Radzionkau stammte, konnte sie aus ihrer Kindheit noch etwas deutsch und sie sagte mir, der Friedhof sei offen, ich könnte hineingehen. Nun, er ist inzwischen voll geworden und es war ein neuer Grabstein nahe dem Eingangsgitter mit der Inschrift gestorben 1973. Nach einigem Suchen fand ich das Grab meines Vaters, besonders daher, weil ich 1935 damals meiner Mutter einen Entwurf für den Stein gemacht hatte (von Basel aus) der für damals sehr modern war. Ein rechtiger Marmorstein mit Goldschrift, während damals die Grabsteine alle In länglicher Form waren, oben spitz. Es war stark bewachsen mit Sträuchern, die Schrift nicht lesbar, weil das Gold in den genau 40 Jahren verwittert war. Es lag Schnee und ich wartete, bis ein paar Sonnenstrahlen kamen und fotografierte mit meiner Kamera. Ich welss, nicht ob es hell genug war. Ich entfernte in mühsamer Arbeit die Sträucher und sagte ein Kaddisch. Dann ging ich zu der Frau und gab ihr 100 Zloty (10 Schweizerfranken ( und sie wollte garnicht glauben, dass das Geld für sie sei, denn — sie erhält aus Warschau von der Centrale der jüd. Kultusgemeinde jeden Monat ausser freiem Wohnen genau 50 Zloty (5.— Franken). Ich bat sie dann, so weit es möglich sei, das Grab zu pflegen, was sie versprach. Dann hörte ich von ihr, dass nur noch wenige Juden, nur alte Leute dort leben und ich versuchte, mit der Leiterin der kleinen Gruppe zusammenzukommen, was aber nicht gelang, denn ich wollte so schnell wie möglich, wieder zurück. Die ganze Atmosphäre dort war mir zuwider, in den wenigen Geschäften nichts ausgestellt, überall Schaufenster mit roten Fahnen und dem polnischen Adler mit Hinweis auf den Parteikongress etc. In einem Herrenkonfektionsgeschäft waren Anzüge ausgestellt für 3000 Zloty (ungefähr 300 Franken) also im Preis so hoch wie in der Schweiz, jedoch verdient ein Arbeiter resp. Beamter ca. 3000 Zloty, sodass man also einen Monat arbeiten muss, um einen Anzug zu kaufen. Was billig ist, sind Nahrungsmittel die man zum Leben braucht, wie Brot, Milch, Erbsen, Bohnen, Butter etc.. Fleisch- und Wurstwaren sind schwer erhältlich, ich sah Frauen schon am Morgen anstehen bis auf die Strasse. Im Warenhaus (staatlich wie alles) früher Barasch, wenige Gebrauchsartikel wie Tassen, Töpfe, Gardinen, Teppiche in kleiner Auswahl und die Verkäuferinnen in Mänteln, weil schlecht geheizt (im Kohlenrevier!) und alles dreckig, ungepflegt und viele Artikel fehlen, weil die Zufuhr nicht klappt. Im ehemaligen Cafö Hindenburg unten ist ein Selbstbedienungsrestaurant und im 1. Stock ein besseres Cafe. Doch Kaffee ist in Polen ungeniessbar, ich habe Immer Tee (herbata) getrunken und als Kuchen gab es nur eine Sorte. Restaurants sind in drei Kategorien eingeteilt: Solche mit Plüschsesseln und gutem Essen nach Karte, mittlere mit Holzstühlen und gewöhnliche Stehrestaurants, mit Selbstbedienung. Ausser dem Rathaus und dem Bahnhof, die irgendwie durch Beschuss zerstört waren, ist alles alt und jetzt nach 40 Jahren schmutzig und nicht gepflegt. Da, wo das Rathaus war, am Ring ist der Platz vom Viereck zu einem Rechteck geworden. Das Haus, wo wir gewohnt haben, Bäckerstr. ist neu und geht bis ehemals Dombrowski. Auch das Haus meines Vaters steht nicht mehr, d.h. dort ist ein neuer Block entstanden der bis früher Fleischer Paikert geht. Das alte Haus, wo mein Vater das erste Geschäft hatte, Gleiwitzerstr. 13 steht noch Original, auch der Hofdurchgang, vorne ist ein Lebensmittelgeschäft die hinteren Räume, wo das Kontor war und die Lagerräume sind leer, ohne Fenster und nicht bewohnt. Das Sternberg - sche Haus ist vorne auch anders und hinten ein Kiosk. Ich war auch am Kaiserplatz und war in dem Haus wo Freimann gewohnt hat, bin die Treppe herauf, alles so wie es war. Der Platz ist heute Endpunkt von Strassenbahn und Autobussen (früher Dyngosstrasse) Vom Gymnasium wurde der grosse Vorplatz weggenommen und bildet eine Reihe mit der Hausfront Kaiserplatz, Theater und Konzerthaus genau wie früher, Jedoch kein Restaurant mehr. Wo die Synagoge stand, die in der Kristallnacht von den Nazis angezündet wurde, stehen heute Wohnblocks. Am Ring steht mein Geburtshaus, mit den weissen Klinkersteinen noch. Auch das Haus von Nathan Tau. Phillipp und Schüftan sind umgebaut. Komischerweise kamen mir beim Durchwandern der Gleiwitzerstr. alle Namen der Bewohner ins Gedächtnis. Angefangen bei Tengel- (Fortsetzung auf Seite 12) 11

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