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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Die mit Traenen saeen, werden in Freuden ernten Arnos war sehr niedergeschlagen. Jetzt war er bereits einige Wochen bei seiner Grossmutter zuhause, weil seine Mutter im Krankenhaus lag. Und obwohl seine Grossmama sehr nett zu ihm war — so wie halt Grossmütter meistens sind — war es eben doch nicht dasselbe. Am frühen Morgen wusch und schniegelte sie ihn nach Kräften, damit die Leute nicht etwa sagen sollten, dass sie ihn vernachlässigte. Und sie gab ihm auch viel und gut zu essen und sorgte dafür, dass er beizeiten aus dem Hause ging, um vor Beginn der ersten Stunde in der Schule zu sein. Für alles sorgte sie, aber doch war es nicht wie bei seiner Mutter zu Hause. Oft verstand sie nicht, was er zu ihr sagte, denn sie konnte nicht so gut Hebräisch wie seine Mutter, und dann musste er versuchen, es ihr auf Deutsch zu sagen. Auch war sein Schulweg länger als der vom Hause seiner Eltern, und darum musste er früher aufstehen und kam mittags sehr müde nachhause. Und wenn er seine Schularbeiten fertig hatte, hatte er nicht einmal jemanden zum spielen, denn alle seine Freunde wohnten in der Nähe seines elterlichen Hauses, und das war ziemlich weit entfernt. Manchmal kam sein Vater ihn besuchen und brachte Naschzeug für ihn und Grüsse von seiner Mutter. Aber was Arnos so gerne hören wollte: “Komm’ mit nach Hause, Mutter ist wieder gesund!” — das hörte er nicht. Und dann lag er abends in seinem Bett, dass von Hause hierher gebracht worden war, und weinte. Was war ein Leben ohne seine Mammi? Der Winter ging vorbei und noch immer war Arnos’ Mutter nicht gesund. Nun kam Tu b’- Schwat. Seine Grossmutter zog ihm frühmorgens eine welsse Bluse und blaue Hose an, gab ihm sogar einen kleinen Blumenkranz, tun ihn auf den Kopf zu setzen — so wie alle Künder an Tu b’- Schwat. Amos nahm seine kleine Hacke und ging ln die Schule. Auf dem grossen Spielplatz versammelten sich alle Kinder, jede Klasse mit ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin, und in langem Zuge gingen sie alle miteinander in den Park und sangen unterwegs mit heller Stimme. Der Morgen war kühl, aber es regnete nicht. Jedes Kind hielt vorsichtig eine kleine Blechbüchse in der Hand, in der Erde war und ein ganz kleines, zartes Pflänzchen. Das sollte heute in den Park gesetzt werden. Als der Zug Kinder den Park erreichte, sahen sie schon den Gärtner, der ihnen den Platz anwies, auf dem sie dieses Jahr pflanzen sollten. Amos nahm, so wie alle Kinlder, seine Hacke in (Fortsetzung von Seite 8) Solidarität mit seinen jüdischen Kameraden ablehnte, wude sein Brief öffentlich verbrannt (1930!) und ihm 1933 wegen dieses Vorfalls an der Universität grosse Schwierigkeiten bereitet. Im Abitur hatte ich Italienisch als Wahlfach gewählt und wurde nach dem Examen vom Rabbiner Vogelstein in vollendetem Italienisch beglückwünscht. Zur Entlassungsfeier fuhr ein jeder in einer eigenen Droschke vor. Das Abschiedsessen fand in der Odd Fellow-Loge statt. Nach 5 Jahren wollten wir uns wiedertreffen. Jahrzehnte gingen darüber hin. Einige wenige sind nur geblieben, es war in Eretz Israel Professor Dr. Wolfgang Pax, Jerusalem beide Hände und grub eine kleine Grube in die feuchte, gute Erde. Dann nahm es sehr vorsichtig das dünne Pflänzchen aus seiner Blechbüchse und hielte die Würzelchen über die Grube. Die Lehrer und Lehrerinnen gingen rund herum, tun zu sehen, ob jede der kleinen Gruben auch wirklich breit und tief genug war, um das Pflänzchen aufzunehmen. Amos kniete neben seinem Grübchen und setzte das schwache grüne Pflänzchen sorgfältig in die Erde. Dann drückte er sachgemäss mit beiden Händen die Erde rings um die Wurzeln. Nun stand das Pflänzchen aufrecht in der braunen Erde. Aus kleinen Gieskannen gossen die Kinder vorsichtig Wasser rundum ihre Pflanzen, und dann kam der Gärtner, um die leeren Blechbüchsen einzusammeln. Die Lehrerin, die wusste warum Amos so traurig aussah, kam auf ihn zu und sagte: “Amos, hier hab’ ich eine Ueberraschung für Dich. Nimm diese paar Samenkörnchen mit nachhaus und steck’ sie in ein Blumentöpfchen mit Erde! Wer weiss, ob nicht irgenein Blümchen daraus wächst...” “Todah”, sagte Amos und rannte, noch bevor der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, schnurstracks nach Hause, die drei Saatkörner, fest in die Faust geklemmt. Zuhause bat er seine Grossmutter um einen leeren Blumentopf, ging damit hinunter, füllte ihn mit frischer Erde und drückte die schwarzen Körner hinein. Von nun an gab Amos seinem Töpfchen Jeden Tag Wasser und prüfte nach, ob noch nicht Grünes zu sehen war. Hoffnung erfüllte ihn, und die Wochen vergingen ihm Jetzt etwas schneller als früher. Am Purim erschien sein' Vater und brachte die freudige Nachricht “Morgen kommt Mutter aus dem Krankenhaus!” Aber sie durfte noch nicht nach Hause, wo wieder soviel Arbeit auf sie wartete, sondern vorläufig in ein Beth Hawraah, um erst noch mehr zu Kräften zu kommen. Amos war schrecklich enttäuscht: anstelle nach Hause zu kommen, ging seine Mutter noch viel weiter von ihnen weg, nämlich nach Moza auf dem Wege nach Jeruschalajim. Aber sein Vater tröstete ihn: “Noch ein bis zwei Wochen, dann ist Mama bestimmt viel kräftiger, und dann fahren wir zusammen nach Moza und besuchen sie dort, B’sseder?” Amos strahlte vor Freude und umarmte seinen Vater. Der grosse Tag brach endlich an. Abba und Amos gingen zur Tachanah Merkasith und fuhren mit dem Autobus, bis sie ins Gebirge kamen. Nach beiden Seiten zugleich wollte Amos am liebsten aus dem Fenster gucken nach der grünen Erde, die jetzt im Frühling so frisch und verlockend aussah, nach den Bergen und den schönen Abhängen, wo neue Dörfer und Bäume miteinander abwechselten. Aber den ganzen Weg über hielt er ein rundes Päckchen in der Hand, dessen Inhalt er nicht seinem Vater gezeigt hatte. In dem herrlichen Garten, der das Beth Hawraah an allen Seiten umgab, fanden sie Amos’ Mutter in einem Liegestuhl. Zwar war sie noch sehr blass,aber doch — es war Mammi, wie immer. Amos legte ganz vorsichtig sein Päckchen in Ihren Schoss, noch ehe er sie umarmte und küsste. Und sie strich ganz sanft über sein Haar — so wie eben nur Mammi das konnte, — ganz zart, ganz liebevoll. “Wie gross Du geworden bist, Amos!”, sagte sie. “Nicht wahr, Abba, er ist enorm gross geworden?! Und was ist nun eigentlich in diesem Päckchen?” “Guck’ nur selber nach!” sagte Amos und lachte. Imma machte das Päckchen auf und da kam das Blumentöpfchen zum Vorschein. Und, oh Wunder! Noch am Morgen war nichts zu sehen gewesen als einfach braune Erde, und jetzt sah man doch wahrhaftig drei winzigkleine grüne Pünktchen! “Todah rabbah, Amos”, sagte Imma, “das ist wirklich ein schönes Geschenk. Komm schnell her, du kriegst einen Kuss!” Viel zu schnell war die Zeit um. Im Bus redete Amos die ganze Zeit, fragte seinen Vater nach den Namen der Dörfer, an denen sie vorbeikamen und hatte eine Menge zu erzählen und Unsinn zu machen. Ein völlig verändertes Kind! Im Laufe der Woche bekam Amos einen Brief. Darin stand: “Das Pflänzchen wächst! Jeden Abend gebe ich ihm Wasser und jeden Morgen sehe ich als erstes danach. Es hift mir gesund zu werden!” Amos nahm diesen Brief mit In die Schule und zeigte ihn der Lehrerin. “At Zadakt! At Zadakt!”, rief er einmal über das andere. “Jetzt wird es sicher auch noch blühen, und dann kommt mein Mutter gesund wieder nach Hause!” Eine Woche vor Pessach kam Imma nach Hause, und es gelang ihr wahrhaftig, mit Hilfe einer Tante und eines Jungen Mädchens, noch alles frisch und sauber zu machen fürs Fest. Am Sseder-Abend, nachdem Amos "Mah nischttaneh?” gefragt hatte, steckte er einen Finger in die Höhe, um noch einen Zusatz zu machen, und dann sagte er: “Jede andere Nacht haben wir jeder auf einem anderen Platz gesessen, — diese Nacht sitzen wir alle beieinander!” Und das Pflänzchen stand mitten auf dem Ssedertlsch neben dem Becher für Elijahu Hanawi und an jedem der drei Stengelchen sass eine ganz feine zarte rosafarbene Blüte. SCHULAMITH PELES “FRIEDE MIT ISRAEL” Ein Sonder-GIückwunsch für ERICH LUE TH! Neben allen anderen Gratulanten hier und ln Deutschland sind es auch der Verleger dieses Blattes, den “BRESLAUER MITTEILUNGEN” und seine zahlreichen in- und ausländischen Leser und Anhänger, die von Herzen dem allseits verehrten Jubilar, Herrn Erich Lüth, zu seinem soeben begangenen 75. Geburtstag gratulieren! Vielleicht wird gar mancher dieser Leser während dieser Festtage (Pessach und Ostern!) im Jerusalemer “Erich-Lüth-Wald” spazieren gehen und sich dabei erinnern, wie gross und einzigartig diese einmalige Leistung des Jubilars war, als ersieh zusammen mit David Ben-Gurion s.A. vor ca. 25 Jahren an das schwere Werk begab, neben einer geistig-seelischen Wiedergutmachung auch eine solche finanzieller Art zu erreichen. Zwei Pioniere hatten sich zusammen gefunden, parallel zur Aktion “Friede mit Israel” wurden auch die “Schllumim” zur Realität. Nicht einer von uns vergass diese beiden umwälzenden Ereignisse, keiner wird es Je vergessen! Jetzt war Erich Lüth wieder einmal im Lande, traf in seiner ihn charakterisierenden Bescheidenheit die alten Freunde, die ihm für diesen Besuch dankten. — Er brachte sein neues Buch mit sich “Die Friedensbitte an Israel — 1951 / Eine Hamburger Initiative” (Hans Christians Verlag HBG). Ausser allen Ehrungen, die dem Hamburger Gast dieses Mal hier zuteil wurden, überreichte ihm Nathanias Bürgermeister, Herr Dr. Bar-Menachem, eine Ehrenurkunde seiner Stadt als Zeichen der Dankbarkeit für das Mitwirken an den gegenseitigen Beziehungen der beiden Länder und Völker. Von Herzen weiter alles Gute, lieber Erich Lüth! Frieda Hebel 9

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