Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabb. Dr. E. SCHEFTELOWITZ (Tel-Aviv) Breslau - Wendepunkt eines Lebensabschnittes Breslau bedeutete für mich das Ende eines Lebensabschnittes — obwohl ich als Berliner niemals in Breslau war. Und hiermit soll über einen Teil der Zeit von vor 40 Jahren berichtet werden. In den Jahren 33—36 waren schon mehrere Rabbiner aus Deutschland ausgewandert, wie z.B. Rabb. Dr. Emil Nathan Levy und Dr. 'Wilhelm Levy (die später die beiden ersten Rabbiner der Tel- Aviver Ichud-Schiwat-Zion-Gemeinde wurden), Dr. Arthur Levy (der spätere Rabbiner von Kirjat- Bialik), Dr. Emil Bernhard Cohn (der auch Schriftsteller war) ua. Dies und das Ableben einiger älterer Rabbiner machte die Anstellung neuer Rabbiner nötig. Bei der Neuanstellung standen die Gemeinden aber plötzlich vor einem bisher unbekannten Problem. Die Nazibehörden begannen, ausländischen Staatsangehörigen und Staatenlosen bei der Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis Schwierigkeiten zu machen und sie allmählich aus Deutschland auszuweisen. (Bekannt ist die allgemeine Polen-Ausweisung im September/Oktober 38). Wenn daher die Gemeinden nicht das Risiko eingehen wollten, dass ihre neu angestellten Beamten von den staatlichen Behörden bald ausgewiesen werden, so mussten sie, soweit es möglich war, deutsche Staatsangehörige anstellen, die zu jener Zeit noch als “geschützter” galten. Und nur die Grossgemeinden konnten noch bis zur “Kristallnacht” des Jahres 38 einige ausländische Staatsangehörige anstellen. Im Jahre 35 oder 36 setzte sich Dr. Hans Klee, mit dem ich eng befreundet war, mit mir in Verbindung, und teilte mir namens seines Vaters, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, (der auch im Vorstand des Preussischen Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden sass) mit, dass man mir das Bezirksrabblnat Oldenburg antragen werde, welches durch das Ableben des Landesrabbiner Dr. de Hass verwaist war. Dies geschah auch in den nächsten Tagen durch Rabb. Dr. Galliner, der namens des Landesverbandes alle Bezirksrabbinate betreute. Ich beriet mich wegen des Angebots mit meinem sei. Vater, der als Vertreter des Misrachi im Rahmen der Jüdischen Volkspartei Mitglied der Berliner Repräsentantenversammlung war, sowie mit dem Rektor des Berliner Rabbinerseminars, Rabb. Dr. Weinberg, und... ich lehnte das Angebot dankend ab. Ausschlaggebend war, dass ich als Berliner nicht in der “Provinz” Kleingemeinden betreuen wollte, obwohl auch dies eine dringend notwendige Aufgabe war. Es genügte mir die, wenn auch noch unbeamtete, ständige Beschäftigung In den Berliner Gemeindesynagogen an den Schabbatot und Feiertagen, die wochentags mit der Seelsorge der jüdischen Patienten in den allgemeinen Krankenhäusern und mit der Erteilung von Religionsunterricht in den Religionsschulen der Gemeinde und an den staatlichen und städtischen Gymnasien und Lyzeen verbunden war, wobei ich hinsichtlich der Predigtaufträge der Kultusverwaltung mit dem Dezernenten Ehrenreich unterstand, hinsichtlich des Religionsunterrichts der Schulverwaltung mit dem Dezernenten Dr. Guttmann und nach dessen Pensionierung Dr. Bamberger, und hinsichtlich der Seelsorge direkt dem Gemeindevorsitzenden Heinrich StahL In der ersten Hälfte des Jahres 37 wanderten meine Eltern nach Erez Israel aus, und ich beschloss, mich ihnen anzuschliessen. Zuvor hatte ich ein längeres Gespräch mit meinem “Rebben”, Rabb. Dr. Weinberg, der mir die Notwendigkeit vor Augen hielt, als religiöser Führer einer Gemeinde in Deutschland zu bleiben, solange es noch Gemeinden geben wird. (Ein ähnliches Gespräch hatte ich mit ihm auch nach dem Krieg in Montreux und Bad-Nauheim, als er mich wiederum von der Notwendigkeit der rabbinischen Betreuung deutschsprachiger Gemeinden in Europa überzeugen wollte, die allen beruflichen und privaten Erwägungen vorangehen müsse). An einem Sonntag verliess ich vom Anhalter Banhof aus Berlin und Deutschland. Am Abend zuvor, zwischen Mincha und Mozae-Schabbat, hatte ich in der Synagoge Lessingstr. im Rahmen des von Rabb. Dr. Altmann begründeten Rambam-Lehrhauses einen Vortrag zu halten (dessen Plakatankündigung ich nach dem Vortrag vom Anschlagbrett der Synagoge abmachte und mir als letztes Andenken von Berlin mitnahm, und es auch heute noch besitze) über “Die Bedeutung Jehuda Halevy’s in der Geistesgeschichte des Judentums”. Und nach dem Vortrag ging Rabb. Dr. Weinberg, der auch zum Vortrag gekommen war, mit mir auf der Strasse lange auf und ab, und er berichtete mir zu meinem Erstaunen, dass das Rabbinerseminar die Bitte der Breslauer Gemeinde erhalten hat, ihr einen Nachfolger für den verst. Rabb. Dr. Simonsohn zu benennen, und dass ich für diesen Rabbinerposten vorgeschlagen wurde. (Der kürzliche 40. Todestag des Rabb. Dr. Simonsohn s.A. ist der äussere Anlass für die Aufzeichnung dieser Erinnerungen). Die Mitteilung war für mich eine völlige Überraschung. Hier war eine Aufgabe, die mich reizte: eine Grossgemeinde, in der ich neben dem alten Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann eine grosse rabbinische Tätigkeit entfalten konnte, sowohl von der Kanzel wie durch Schiurim und Lehrvorträge, praktische Seelsorge und sonstige rabbinische Tätigkeit. In Breslau lebte auch mein Onkel Ison Scheftelowitz in der Höfchenstr., der Vorbeter und Schochet war, und mein Vetter, der jetzige Oberkustos i.R. Dr. Bernhard Brilling, der damals am Archiv der Breslauer Jüdischen Gemeinde arbeitete. Alles war also gut, aber — bereits am nächsten Tag sollte ich Deutschland verlassen. Und Dr. Weinberg verstand mich... Ungefähr 4 Wochen später erschien an einem Schabbat im Jascha-Hefez-Saal in Tel-Aviv, in dem die G”ttesdienste des ‘Ichud’ stattfanden, — Rabb. Dr. Hoffmann aus Breslau, der zu einem kurzen Besuch nach Erez Israel gekommen war. Ich stellte mich ihm vor, ...und ich merkte seine Überraschung. “Was machen Sie denn hier? Sie müssen doch in einem Monat zu den Hohen Feiertagen bei uns ln Breslau Ihr Amt antreten!?” — Dies war das 2. Mal, und diesmal direkt und dringlich, dass mir der Rabbinerposten in Breslau angeboten wurde. Fiel die Absage mir dieses Mal noch schwerer als 4 Wochen zuvor in Berlin? Ich wusste, hier war ein Wendepunkt meines Lebens, und sogar noch nach meiner bereits stattgefundenen Alijah. Ich habe mich in den folgenden Wochen (bis zur Verschlimmerung der Lage in Deutschland) oft gefragt, ob ich richtig gehandelt habe, dass ich das Breslauer Rabbinat nicht annahm, zumal Ich mir bewusst war, dass mein Leben in Erez Israel nicht nur eine örtliche, sondern auch eine berufliche Umstellung erfordert, und dass daher die mit grösstem Bedauern erfolgte Ablehnung des Breslauer Rabbinats einen Wendepunkt in meinem Leben bedeuten wird. Rabb. Dr. Weinberg hatte klar gesagt, dass Rabbiner aus Deutschland mit einer ähnlichen Position in Erez Israel allgemeinen nicht rechnen können (und In der Tat wurden nur Rabb. Dr. Arthur Levy s.A. Ortsrabbiner in Kirjat-Blalik, und mein Freund und Studienkollege Dr. Keller Ortsrabbiner in Naharia, und beide nur aus besonderen Gründen), und er hatte mir geraten, da ich juristisch und rabbinisch ausgebildet bin, in Erez Israel eine Synthese zwischen beiden Disziplinen zu suchen, — was vor 40 Jahren ein absolutes Neuland war, während es heute bereits im Land viele Juristen mit gediegener talmudischer Rechtsausbildung gibt, die der Stolz unserer Hochschulen sind. Seither ist auch die rabbinische und die Juristische Ausbüdung kein Widerspruch mehr, zumal an unseren Universitäten Jüdisches Recht gelehrt wird, und an den Jeschiwot Rechtsbegriffe an Hand der talmudischen Rechtsfälle und halachischen Responsen geklärt werden. Doch zurück zu unserer Geschichte. Die Zweifel über die Richtigkeit meiner Entscheidung über das Breslauer Rabbinat schwanden erst nach einem Jahr, In der "Kristallnacht” des 9. November 38, von der ich, noch bevor der Jischuw hiervon am nächsten Tag ln den Nachmittags-Zeitungen las, bereits früh um 9 Uhr durch ein verschlüsseltes Telegramm unseres unvergesslichen Benno Cohn s.A. erfahren habe, u.z. am selben Tag und zur selben Stunde, an dem die Böden der damaligen Templerkolonie “Sarona”, der heutigen Tel-Aviver Kirjah, von der “Haavarah”, der einzigen deutscherseits genehmigten Transfergesellschaft, gekauft werden sollten. Aber dies gehört bereits zu einem anderen Teil meiner Erinnerungen. “Tempi passati” oder auch “Haju s’manim”... AKIBA EGER-FEIER IN MAERKISCH FRIEDLAND In Nr. 40 unserer Zeitung auf Seite 11 haben wir über diese Feier berichtet. Auf Anfrage verschiedener Leser geben wir folgenden Nachtrag: Die Feier fand am 24. Oktober 1937 in der Synagoge von Maerkisch Friedland-Grenzmark, statt. Es sprachen: Dr. Alfred Klee, Dezernent des Preuss. Landesverbandes, Bezirks-Rabbiner Dr. Fritz Plotke. Das Hauptreferat hielt: Rabbiner Dr. Harry Levy, Berlin. Es sangen als Ortskantor: Herr Hirsch, ein eingeübter Chor und Kantor Jacob Lasowski aus Deutsch-Krone. Über die Feier wurde berichtet: 1. Im Israelitischen Familienblatt, Hamburg, vom 18. November 1937, Nr. 46, Seite 5, gezeichnet L. St. 2. Im Berliner Gemeindeblatt v. 5.11.37, gez. C.A. 3. In der C. V. Zeitung um dieselbe Zeit gez. F.P. Bei der Feier ist den Mitwirkenden eine vom Aufbringungswerk der jüdischen Gemeinde, Berlin, zur lOOsten Wiederkehr des Todestages am 18.9.1937 gestiftete Plakette mit seinem Bild überreicht worden. Wir finden es richtig, dies unseren Lesern bekannt zu geben, da dies ein historisches Dokument darstellt. Wir danken Herrn Kantor Jacob Lasowski, Jetzt wohnhaft in Jerusalem, für diese wichtige Information. 7