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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Die Tragödie des Friedhofes an der Lohesfrasse in Breslau L Ein Friedhof ist immer eine traurige Angelegenheit, umsomehr wenn man auf ihm alles begraben hat, was Kindheit und Jugend war. Dann ist der Friedhof ein Ort des Kummers und der Tränen. Und doch ist von dem Jüdischen Friedhof an der Lohestrasse in Breslau etwas Beruhigendes und Tröstliches ausgegangen. Er war kein Waldfriedhof, sondern ein gewöhnlicher “Begräbnisplatz”, wie er auf dem Plane von Breslau genannt wurde. Die Toten lagen auf ihm in Reih und Glied ziemlich dicht beieinander. Aber die Gräber waren schön bepflanzt, und die Bepflanzung ordentlich gehalten, sodass das Ganze wie eine Art Park wirkte. Es war schon ein alter Friedhof; denn er stammte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts als Nachfolger des Friedhofes am Fränkelplatz. Leider war er nicht allzu gross: wenn man im Norden durch das Tor trat, konnte man die gegenüberliegende Südfront sehen. Niemals reichte der Platz; denn die vielen Breslauer Juden, die aus der Innenstadt, besonders aus der Gegend der Freiburger Strasse um die Jahrhundertwende in die Südvorstadt gezogen waren, wollten natürlich an der Lohestrasse begraben werden, da man den Friedhof dort noch um 1900 vom Kaiser Wilhelm Platz au? sehr gut sehen konnte, während der neueste Friedhof in Kosel am Gandauer Truppenübungsplatz äusserst weit vor dem Osten der Stadt lag. Um diesen Platzmangel zu beheben, kaufte man zu dem Friedhof an der Lohestrasse zunächst einen schmalen Streifen Landes an der Ostgrenze hinzu: den sogenannten Neuen Teil. Er bot nicht viel neuen Platz: es war nur ein breiter Weg mit Gräbern rechts und links, die nur allzu schnell ausverkauft waren. So war der alte Platzmangel von neuem da. Da entschloss man sich — es mag kurz vor dem ersten Weltkriege gewesen sein — zu einer grossen und durchgreifenden Aktion, die die Situation auf dem Friedhofe erheblich änderte. Vor dem grossen Eingangstore, zu dem eine alte Kastanienallee führte, befand sich ein ziemlich grosser, leerer Platz, der als Halteplatz für die Equipagen bestimmt war, mit denen man zu den Beerdigung fuhr. Direkt innerhalb des Tores hatte es links eine Leichenhalle gegeben und gegenüber das Inspektorhaus. Diese beiden Gebäude, die alt und sehr unmodern waren, man kann fast sagen: primitiv, kassierte man und planierte den Boden für Gräber. Ferner opferte man fast den ganzen Platz vor dem Tore: man errichtete direkt vor dem Eingänge eine schöne, grosse, runde Leichenhalle, die wie ein kleiner Tempel wirkte und neben ihm rechter hand baute man einneues, modernes Inspektorhaus. Den ganzen übrigen Halteplatz mit Ausnahme eines schmalen Zufahrtsweges von der Lohestrasse her stellte man ebenfalls für Gräber zur Verfügung. Das alles war ein beträchtlicher Platzgewinn, der bis zu dem traurigen Ende des Friedhofes leaidliche ausreichte. In dieser Verfassung ging der jüdische Friedhof an der Lohestrasse in Breslau in das dritte Reich ein, schön und wohlgepflegt. 2. Mit der Heraufkunft Hitlers im Februar 1933 begann der Niedergang und die beabsichtigte Verelendung des Friedhofes an der Lohestrasse. Die zum Antisemitismus aufgehetzten Deutschen versuchten mit allen Mitteln, diesen schönen Judenfriedhof zu einer Stätte des Abscheus zu machen. Zunächst sprengten sie die neue Leichenhalle, sodass es dort mit den Beerdigungen schwierig gewesen sein muss. Sodann verboten sie in raffinierter Weise die Anstellung von Gärtnern, sodass der ungepflegte Friedhof verwildern und zu einer Wüste werden musste. In dieser Verfassung hat ihn noch 1941 der ehemalige Studienrat Willy Cohn gesehen, der in seinem Tagebuch aus demselben Jahre erzählt, dass ein Mitglied der Gemeinde freiwillig die Pflege der Bepflanzung übernommen hatte. Aber wieviel konnte der einzelne Mensch für den ganzen Friedhof tun. So war im Winter das Gehen wegen Glatteis gefährlich. Inmmerhin war das noch kein eigentlicher Churban, noch immer war der Friedhof eine ruhige Ruhestätte für die Toten. Das änderte sich, nachdem die Russen 1945 die Stadt erst*' fast ganz vernichtet und erobert hatten. Sie hatten im Süden der Stadt anschliessend an die Gebäude der Funkstunde einen Ehrenfriedhof für gefallene Offiziere errichtet. Ihn schmückte statt eines religiösen Emblems ein Zwillingspaar von Tanks auf den Eingangspfosten des Friedhofes. Drohend waren sie auf die doch schon sowieso zertrümmerte Stadt gerichtet. Für diesen Friedhof nun brauchten die Russen Grabsteine und stahlen sie aus den Friedhöfen Breslaus. Sehr nahe für diese Räuberei lag der jüdische Friedhof an der Lohestrasse: es war sozusagen gleich der erste. So nahm man von ihm die Grabstein, wohl nicht alle, aber viele. Das bedeutete, dass man die Namen der Beerdigten nicht mehr wusste. Aber noch immer hatten die Toten selbst ihre Ruhe. Aber selbst die war ihnen nicht auf die Dauer vergönnte, als das dritte Volk in Breslau einbrach, das jetzt Wrozlaw hiess: die Polen. Zu hunderttausenden wurden sie in diese neu “eroberte” Stadt eingeschleust und zwar aus den an Russland abgetretenen Ostgebieten Polens. Unter diesem Gewimmel befanden sich sogenannte “polnische Vandalen”. Die hatten von den deutschen Im Strom-Verlag, Zürich, hat der bekannte Philosoph Dr. HANS MARGOLIUS, das oben genannte Buch herausgegeben. Aphorismen zur Ethik sind wieder einmal aus seiner Feder in vielfacher Sicht erschienen. Da ich als Mann des Volkes mir nicht erlauben darf, ein Buch von so hochstehendem Niveau zu beurteilen, gebe ich nachstehend Einzelnes aus dem Umschlagband gezeichnet von Sigmund Graff, bekannt. v In diesem neuen Aphorismenband von Hans Margolius finden sich mindestens fünfzig - hundert echte, feine und feinste Aphorismen: Ziselierarbeiten des Geistes und zugleich Dokumente des Herzens. Hans Margolius will nicht blenden. Er will überzeugen. — Gibt es reine Egoisten? — Es mag manche geben, die nur wenig um das Wohl anderer bekümmert sind. Aber es gibt gewiss keinen, dem an der Meinung anderer nichts gelegen ist. — Keiner will für einen Egoisten gehalten werden.— Eine Atmosphäre von warmer Menschlichkeit weht uns aus diesen “Gedanken” an.— Dieses Buch, das wie Balsam wirkt, auf den man gewartet hat. Nachstehend einige Ergüsse aus seinem Werk: Erklären ist Näherbringen. Alle Wissenschaft dient letztlich dem Wachstum der Liebe. Konzentrationslägern gelernt, dass selbst Tote noch Wertsachen besitzen, die man stehlen kann: nämlich goldene Zähne. So schlichen sie sich nachts auf die Friedhöfe, gruben die Särge aus und stahlen den Totenköpfen die Goldzähne. Zuerst kam natürlich der Friedhof an der Lohestrasse an die Reihe, der so nahe lag und zudem jüdisch war. In diesem grauenhaften Zustande hat eine ehemals Breslauer Jüdin, die in Amerika lebte, den Friedhof besichtigt und den Churban mit eigenen Augen gesehen. Sie hat darüber im “Aufbau” berichtet. Das machte einiges Aufsehen in der jüdischen Welt, das den Polen unangenehm war. So verschlossen sie das Tor zu dem Friedhofe und erklärten ihn sozusagen für ein DenkmaLViel genutzt wird das nicht haben; denn der sogenannte Neue Teil an der Ostseite hatte nach aussen hin nur einen leichten Zaun, der einfach zu durchbrechen war. Dort stand dicht neben dem Friedhofe eine Schule, die im Kriege ein Lazarett gewesen war. Willy Cohn berichtet in seinem Tagebuch vom Jahre 1941, dass schon im dritten Reich die kranken Soldaten Abfälle auf den Friedhof geworfen hätten. Also werden wohl die “polnischen Vandalen” durch diesen Zaun eingestiegen sein und ihr grässliches Tun fortgesetzt haben. So lag der einst so schöne Friedhof im Grauen der Verwüstung jahrzehntelang. Dem Friedhof in Kosel ist es scheinbar nicht ganz so schlimm ergangen. Zwar haben auch hier russisch-polnische “Vandalen” Ihr Mütchen gekühlt, aber im ganzen scheint die Situation dort besser zu sein; denn auch jetzt noch begräbt die neue jüdische Gemeinde in Wrotzlaw ihre Toten dort. In letzter Zeit wollten Gerüchte wissen, der Friedhof an der Lohestrasse sei vollends planiert wordeni und man habe eine Strasse über ihn gelegt. Diese Behauptung hat die jüdische Gemeinde in Wrotzlaw auf Befragen dementiert. Aber ob dieser “gute Ort des Friedens” mit seinen offenen Särgen schon planiert ist oder ob er morgen oder übermorgen planiert werden wird, "was tuts? Er geht dahin, als wäre er nie gewesen...” Walter B. Goldstein Es gibt kein Leben ohne Enttäuschungen. Aber vielleicht machen erst diese Enttäuschungen das Glück eines Lebens gleichsam “erlaubt”, verdient berechtigt. Erst sie geben den Erfolgen, den Freuden, dem Glück eines Lebens den Glanz ausgleichender Gerechtigkeit. Sich des Lebens freuen — ist ein Akt der Dankbarkeit. Bildung ist nicht Wissen — aber Interesse am Wissen. Ein Lob, das nichts weiter als ein Lob, ist wenig wert. Aber ein rechtes Lob ist ein Spiegel, in dem wir uns selber beschauen können, der uns über uns selber belehrt. Wir wüssten nur wenig von uns, wenn keiner uns lobte. Das Werk eines Menschen überschätzen ist immer besser, als es gering zu achten. Vielleicht hat jeder Mensch etwas, worauf er stolz ist. Und gewiss. Ein Mensch ohne jeden Stolz wäre ein Mensch ohne Halt in der Welt. Leer und oede wäre die Welt ohne die Kräfte des Guten. — Wie ein Haus ohne Menschen. Das Glück des Optimisten ist Vertrauen zum Leben. Werte und Wege von Hans Margolius (Miami Beach) 6

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