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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 31

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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BRESLAU ALS SCHADCHEN ODER WARUM ICH BRESLAUER HEISSE Ich bin nicht nur aus Breslau, sondern ich heisse auch Breslauer; und das kam so: Es war im Berlin der Nachkriegszeit, nach dem ersten Weltkrieg. Alles war reparaturbedürftig, die Strassen waren aufgerissen und schlecht beleuchtet, und die Elektrizität versagte häufig. Am späten Abend, von einem Besuch kommend, fuhr ich mit der “Elektrischen” nach Hause. Plötzlich war die Elektrische nicht mehr elektrisch. An der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, die damals noch zwei spitze Türme hatte blieb sie stehen und war durch kein Klopfen, Rütteln und gutes Zureden des Kondukteurs wieder zum Weiterfahren zu bewegen. Es blieb mir nichts übrig, als mich selbst in Bewegung zu setzen ,und den langen Weg, den unheimlich dunklen Kurfürstendamm entlang (der damals noch kein “Kudamm” war) bis herunter zum Olivaer Platz, zu Fuss nach Hause zu gehen. Mir war garnicht wohl zu Mute. Ich bemerkte, dass jemand mir folgte, oder sogar mich verfolgte, der wenig vertrauenerweckend aussah, wahrscheinlich ein Betrunkener. Aber mit jenen Augen,. die. eine Frau auch auf dem Rücken hat- oder hatte ich doch, möglichst unbemerkt, ein wenig nach hinten geschielterspähte ich, dass dem unheimlichen Verfolger eine zweite Gestalt folgte. Plötzlich war der Weg vor einer Beustelle abgesperrt, ich war in eine Sackgasse geraten, vor. mir die aufgerissene Strasse, hinter mir das Individuum, das mich anrempelte und etwas murmelte. Der Alkoholgeruch war unverkennbar. In diesem kritischen Augenblick näherte sich der Verfolger des Verfolgers. Er herrschte den Betrunkenen an, der sich murrend entfernte. Der “Ritter”, es war ein recht nett aussehender junger Mann, wandte sich an mich: “Nun, gnädiges Fräulein, das war wohl nicht das Geeignete für Sie. “Ich musste lachen, stand aber noch immer eingeschüchtert da, ohne mich zu rühren. “Geben Sie mir Ihre Hand, ich werde äie aus der Sackgasse herausführen”. Ich zögerte noch immer. “Sie werden noch in die Baugrube fallen. Warum so Schüchtern?” Ich bin ja erst kürzlich nach Berlin “importiert” worden, erklärte ich. “Aber doch wohl aus einer Grosstadt?” “Nun, Grosstadt könnte man immerhin sagen”. “Grosstadt immerhin — das klingt so nach Breslau”. "Es ist ja Breslau”, platzte ich los “Wie kommen Vielen unserer Leser ist sein Name bekannt gewesen. Denn in den Operettenpremieren und- Aufführungen des Breslauer Schauspielhauses in der Aera unseres “Theatergewaltigen” Dr. Theodor Loewe spielte er die Hauptrolle als Dirigent. Dieser Kapellmeister war ein wirklicher “Meister der Kapelle”. Was er aus einem Werk machte, was er aus einer Partitur herausholte an Klang und Rhythmus, das war unvorstellbar. Immer lächelnd warf er die glückhaften Einfälle der Operettenmeister mit seinem Zauberstab auf die Bühne, Messen sie nun Johann Strauss, Millöcker, Suppe, Abraham, Kalman, Lehar, Jessel, Fall, Oskar Straus usw. Und unsere Lieblinge auf der Bühne erwiderten die Einsätze, die er ihnen zuwarf, amüsiert und belustigt, und sangen und tanzten ihre Rollen nochmal so gut. Ja, wie hiessen sie doch damals? Irene Fidler, Hilde Stetten, Lore Birn, Lydia Petri, Rosel Albach, Edith Karin, Hella Kürty, Rita Georg, Trude Reiter und die Herren Ludwig Stössl, Otto Welte, Karl Grünwald, Helmut Hallendorf, Karl Brockel, Ino Wimmer, Ernst Wendler, Oskar Sie gerade darauf?” Er lachte “Weil ich auch aus Breslau stamme, das ist aber ein Zufall!” Nun war das Eis gebrochen, ich fasste die angebotene Hand, und wir hatten uns eine Menge zu erzählen: Vom Stadttheater, dem Trostorff, dem Schwarm der Backfische, und der populären, gewaltigen Neisch. “Wir erinnerten uns etwas nostalgisch — wie man es heute nennt-, an die Eisbahn an der Liebigshöhe, die Südparkkonzerte und die Konzerte und Tanzabende in der Gesellschaft der Freunde” (der junge Mann gehörte offenbar zur “guten Gesellschaft”) Wir kamen an einem der vielen Cafes des Kurfürstendamm vorbei. Möchten Se nich vielleicht ein Taessel Caffee und ein Stickel Totte, hä?” schlug er in unverfälschtem, heimatlichen Schlesisch vor. “Aber ich kenne Sie doch garnicht”, sagte ich wohlerzogen. Der “Ritter” bestand nicht auf “Nie sollst du mich befragen”. “Oh Verzeihung, ich vergass ganz, mich vorzustellen: Mein Name ist Breslauer”: “Das ist ja unerhört, mich so aufzuziehen”, tobte ich zornig los. “Aber ich heisse doch wirklich Breslauer”. “Das glaube ich Ihnen nicht” (Heute würde man sagen: “Das nehme ich Ihnen nicht ab”). Er zückte eine Visitenkarte. “Hier steht es schwarz auf weiss. Es Ist doch unwahrscheinlich, dass ich mir extra Visienkarten drucken lasse ,um Sie anzuschwindeln. Ich konnte doch unmöglich wissen, dass ich heute abend eine junge Dame treffen würde, die aus Beslau stammt”. Das klang logisch. “Wollen wir wetten, dass ich Breslauer heisse? iSie sehen im Telefonbuch unter diesem Namen nach, und läuten mich morgen in meinem Büro an. Wenn ich mich melde, dann haben Sie den Wahrheitsbeweis. Wenn ich gewinne, dann bekome ich einen Kuss, und Sie bekommen — auch wenn Sie verlieren-, einen grossen Kasten “Hamann-Konfekt”; denn wenn Sie die Wette gewinnen, und es keinen Herrn Breslauer gibt, dann kann er Ihnen doch kein Konfekt schenken”. Ich acceptierte die Wette, obgleich das sehr unpassend war — nach den Begriffen der damaligen Zeit. Er hiess wirklich “Breslauer”! Der Name und der dazugehörige junge Mann gefielen mir so gut, dass ich auch “BRESLAUER” heissen wollte. Und das gelang mir! JENNY BRESLAUER, Tel-Aviv, 138, Ben-Jehuda Str. Brandl usw. Das war sein Enemble — und was für eins! Marszalek dirigierte alles auswendig, er sprach alle Texte soufflierend mit. Robert Stolz sagte mir einmal, dass Franz Marschalek einer der besten Dirigenten der heiteren Muse gewesen sei. Seine Premieren waren Operettenfestivals. Später war er Dirigent des Schlesischen Landesorchesters, Kapellmeister im Breslauer Filmtheater Gloria-Palast und übersiedelte danach ins Breslauer Funkhaus. Dann ging er nach Berlin, Köln, München und Königsberg. Nach dem Kriege 1949 folgte er einem Ruf des Westdeutschen Rundfunkintendanten in das Funkhaus Köln, wo er sich etwa 20 Jahre musikalisch betätigte. Er erhielt hohe Auszeichnungen. Nun dirigiert er nicht mehr, aber in unserer Erinnerung klingt es manchmal, als ob er dirigierte. Wie einst vom Leitpult im Breslauer Schauspielhaus aus, elastisch, anfeuernd und "immer nur lächelnd”. JULIUS SACHS LEONARD M. FIEDLER: MAX REINHARDT IN SELBSTZEUGNISSEN UND BILDDOKUMENTEN (Rohwohlt Taschenbuchverlag 1975) In dieser Monographie schildert der Verfasser den Zauberer des Theaterwesens, der Anfang dieses Jahrhunderts anregend und richtunggebend Neues schuf. Zwar gibt es ca. 40 grössere Werke, Uber Reinhardts künstlerische Arbeit, sowohl Angehörige der Familie, die Gattin und der Sohn, wie auch Theaterwissenschaftler und Theaterkritiker haben ihn als Bühnenleiter als Regisseur, also als szenischen Praktiker portraitiert, jedoch die se Veröffentlichung von der hier die Rede ist, ergänzt bisher Bekanntes noch durch persönliche Aeusserungen und auch durch ausgewählten Bildschmuck. Man weiss, dass Reinhardt sich die fähigsten Kräfte für seine Bühnen holte, aber der Verfasser schildert interessant, wie er sie einsetzte, wie sie durch ihn prominent, Ja arriviert wurden. Reinhardt überzeugte sie, dass eine Rolle, von der sie das Gegenteil glaubten, doch für sie geeignet sei. Er besetzte manchmal Hauptrollen mit Darstellern völlig anderer Auffassung doppelt, es wurde ein anderes Spiel daraus. Immer fand Reinhardt den Anschluss an seine Künstler, die er zu führen verstand. Immer habe es sorgsame Proben gegeben, die spieltechnischen Massnahmen waren genauestem erarbeitet, keine Kleinigkeit bei einer Anzahl von Bühnen in der Weltstadt Berlin. Man erfährt wesentliche Einzelheiten über die administrativen Mitarbeiter, über Kahane üüber Bruder Edmund, über Kommer aus Cz. (wie es auf seiner Visitenkarte stand, das übrigens in der Bukowina liegt). Interessanteste Kräfte führt der Verfasser an, nie gab es Fehlbesetzungen. Ja, übertroffen sind die kühnsten Träume, wirft man einen Blick auf die Namen, von Reinhardts Künstlern. Es war, so lesen wir, eine hohe Ehre, bei Reinhardt engagiert zu sein, sie waren mit ihm zu einer Einheit zusammengeschweisst. Weiter ist die Rede von den technischen Neuerungen, Rundhorizont, Drehbühne u.a. Drängende technische Probleme der neuen Bühnenkunst fanden eben bei ihm schnellste Förderung. All diese Dinge, die sich hinter dem eisernen Vorhang abspielen, werden gestreift, und man verfolgt mit lebhaftem Interesse die Stationen Reinhardts, Salzburg, Wien, Berlin und USA. Das Büchlein ist ein wertvoller Führer durch die Welt des Theaters, der geniale Meister steht wieder vor uns, es ist nicht nur ein Sommernachtstraum, seine Bühnen waren sein Leben. Er hegte und pflegte sie mit aller Bessenheit. JULIUS SACHS WIR KONDOLIEREN: Frau META CITRIN geb. Nebel, Cholon aus Kattowitz O/S stammend zum Ableben Ihres Gatten Moshe Mendel Citrin, deren Ehe vorbüdlich war und die aufopfernd in der Krankheit für ihren Mann gesorgt hat. Ein grosses Trauergefolge zeigte die Wertschätzung, die d. Heimgegangene genoss. Erich Lewin vom Verband der Breslauer sprach Abschiedsworte am Grabe. Herrn MAX MENACHEM NAUMBURG, Haifa zum Hinscheiden seines Bruders. Abschied von Franz Marszalek (2. August 1900 — 28, Oktober 1975) 31

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