Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 39 (April 1976)
- Date
- 1976-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Ober-Magislrafsrat Dr. Fritz Guttmann s.A. Im Zusammenhang mit den Berichten über das Wirken der Jüdischen Aerzte ln Breslau und dem Artikel über Sir Dr. Ludwig Guttmann im Jüdischen Krankenhaus, das szt. das grösst* und modernste in Breslau war, möchte ich Uber seinen damaligen Verwaltungsdirektor Dr. Fritz Guttmann, schreiben. Er war Ober-Magistratsrat in der Breslauer Stadtverwaltung. Kurz bevor die Nazis zur Regierung kamen wurde er zum Finanz-Direktor befördert. Nach seiner Entlassung aus seinem Posten durch die Nazis, arbeitete er im Vorstand der Gemeinde am Anger. Seine Familie waren alt eingesessene Schlesier und Breslauer. Im 1. Weltkrieg war er in Polen und Russland Richter in der Armee. Eine kleine Kette, Überbleibsel unseres geraubten Eigentums, ist noch in meinem Besitze : “Gold gab ich für Eisen” steht darauf. Dies ist die Antwort auf die Parole : “Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiss.” — Dank ist die Juden-Zerstörung durch die Nazis. Mitinbegriffen in seinen Pflichten als Richter hatte er dafür zu sorgen, dass die Bauern ihre Schulden zahlten. In dieser verworrenen Zeit wurden die Gesetze nicht befolgt. Ihm gelang es Jedoch die Bauern mit der Autorität des Gesetzes zu beeindrucken, in dem er einem Offizier befahl, in voller militärischer Tracht mit Schwert in der Hand, die Zahlung vom Schuldner zu erhalten. Die schrecklichen Nazi-Zeiten kommen mir jetzt wieder lebhaft in Erinnerung. In der Kristallnacht, als die Synagogen zerstört wurden, stand ich am Morgen vor der Synagoge am Anger. Erschütternd sah ich unsere heiligen Thorarollen auf dem Boden zerstreut mit Schmutz bedeckt. Schweigend stand eine grosse Menge der Bevölkerung, da Lastwagen mit Opfern für Konzentrationsläger in das nahegelegene Polizeipräsidium rasten. Ich eilte ins Krankenhaus, tun meinen Mann zu sprechen. In der Halle standen lange Reihen von Patienten in PJamas, die aus den Betten gerissen worden waren, umzingelt von der Gestapo. Erschöpft kam mein Mann später nach Hause. Bald darauf war die Gestapo da, ihn zu holen, durch ein Wunder konnte er entkommen. Viele Frauen, deren Männer und Söhne in die Konzentrationsläger abtransportiert wurden, bestürzten meinen Mann um Rat. Wir hatten gerade ein Visa für die Schweiz bekommen. Er liess es verfallen und sagte : “Ich bin kein Dienstmädchen, das von seinem Posten wegläuft.” Glücklicherweise bekamen wir Monate später ein anderes Visa. Wir kamen gerade ein paar Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges nach England. Leider hat uns Dr. Guttmann schon im Alter von 65 Jahren verlassen müssen. Er hatte grosse Genugtuung von seinen Kindern gehabt. Aberder Geist des Vaters lebt in seinen Kindern fort. Dr. Alex Guttmann, der in Zürich lebt, hat eine bedeutende Stellung in der IBM und hält daneben Vorlesungen an der Universität und Kurse in Computer Science. Levis Godman, der Name wurde in der Bradforder Schule anglosiert, er avancierte in Marx & Spencer zum Direktor in den Firma in London. Ich freue mich, dass ein grosser Teil seiner Arbeit für Israel ist. Er ist Chairmann der Anglo-Israeli Chamber of Commerce und bekämpft momentan in England den arabischen Boykott. Er half bei der Gründung des Schenkar College für Textiles, nimmt an den economischen Konferenzen in Jerusalem teil, sowie auch an den Fashionsshows in Israel. Seine Tochter Ruth, Jetzt Halle, war mehrere Jahre Counsellor an der Open University und unterrichtet englisch an der Jüdischen Schule. Berta Guttmaim 30 Brookside Road LONDON N.W.ll Dr. Max Köhler s.A. Geboren am 11.8.1900 in einer kleinen Stadt in der Nähe von Weimar, besuchte er die Oberrealschule in Erfurt, und studierte in Heidelberg und WUrzburg. In Würzburg machte er auch sein Staatsexamen. Die Spezialausbildung als Chirurg u. Urologe erhielt er am Jüdischen Krankenhaus in Breslau unter Professor Gottstein (Schüler von Mikulicz) und am Stadtkrankenhaus in Osnabrück. Im Jahre 1930 heiratete er die damalige Ärztin, spätere Kinderärztin, Dr. Annemarie Laband, und liess sich in Breslau als Chirurg und Urologe nieder. Lange bevor die “Nichtarier-Gesetze” verkündet wurden, betrieb er seine Auswanderung gleichzeitig nach USA und Bolivien; so erhielt er auch fast gleichzeitig das Affidavit für USA und die Einreise für Bolivien. Da aber die Quote für USA keine schnelle Auswanderungsmöglichkeit bot, zog er es — sehr zum Erstaunen aller vor, Ende 1938 nach Bolivien zu gehen, wo er bald eine Anstellung als Militärarzt in den Tropen erhielt. In einem kleinen Dorf verbrachte er dort mit seiner Famüie und den sehr ausländerfreundlichen und gastlichen Bolivianern ein glückliches Jahr; führte unter primitivsten Verhältnissen schwierige Operationen aus u. war allgemein geschätzt. Dann bot sich die Gelegenheit, bei dem “Gummikönig” Suarez in Cachuela Esperanza, ebenfalls in den Tropen, zu arbeiten. Dort gab es ein nach europäschen Grundsätzen eingerichtetes Hospital und eine komfortable Wohngelegenhelt, aber die Arbeit 26 war anstrengend und nervenaufreibend. Jedoch wurde auch hier Dr. Koehler geschätzt und gerühmt, und hatte Zustrom von vielen Privatpatienten, die sogar aus dem benachbarten Brasilien angereist kamen, um sich von ihm behandeln und operieren zu lassen. Nach Ablauf des Vertrages bei Suarez, trat Dr. Koehler vorübergehend wieder in den Militärdienst ein u. wurde neuerlich auf einen Tropen- Posten geschickt, hielt es aber gesundheitlich nicht mehr aus, quittierte den Posten und liess sich schliesslich in Cochabamba, der zweitgrössten Stadt Boliviens, nieder, wo ihm seine Patienten aus den Tropen und speziell die Brasilianer treu blieben und ihn weiterhin aufsuchten. Dr. Koehler war Arzt aus Berufung und Leidenschaft, und fasste seinen Beruf nie vom kommerziellen Standpunkt auf. Die einfache und oft arme Bevölkerung war seine liebste und anhänglichste Klientel. Seit vielen Jahren hinderte ihn ein unheil t bares Augenleiden am Operieren, jedoch behandelte er seine Patienten unter grossen körperlichen Opfern bis fast zuletzt. Dr. Koehler hinterlässt seine Witwe, eine verheiratete Tochter und drei Enkelkinder, von denen die beiden ältesten in Israel und Argentinien studieren. Recha Fink s.A. Mit Recha Fink, die im Oktober 1975 verstarb, hat unsere Gemeinschaft eine kluge und markante, sozial eingestellte Persönlichkeit verloren. Sie hielt ein Leben lang das geistige Erbe des Elternhauses aufrecht, das sich durch Traditionstreue und echte, von Herzen kommende Frömmigkeit auszeichnete. Ihre Eltern, Rabbiner Dr. John Cohn und Frau, Jenny geb. Goldstein, Hessen ihren 7 Kindern eine vorzügliche Bildung angedeihen. Recha, noch in Wreschen geboren, verlebte ihre Jugendzeit in Rawitsch, wo der Vater das Amt des Rabbiners bekleidete. Sie heiratete Ernst Fink in Hamburg und man lebte in vorbildlicher Ehe. In den 30-er Jahren ging die Familie in das damalige Palästina, wo sie ihr Leben neu aufbaute. Nach dem Tode von Ernst Fink übernahm die Witwe mit den Söhnen die Fabrik (Nahrungsmittelbranche), die sich günstig entwickelte. Mit vorbildlicher Tatkraft war die Verstorbene nebenbei sozial tätig und in religiösen Institutionen aktiv (Neschej Mizrachi). Sie half den Aermsten der Armen in rührender Fürsorge, sie verschaffte Arbeit und tat in vielen Gremien opferrungsvoll Gutes. Ihr Herz lebte für die, die in Not waren, sie organisierte klug und ideenreich Hilfe und Beistand, ohne sich auch nur im Geringsten dessen zu rühmen oder in den Vordergrund zu stellen. All das geschah völlig unauffällig und bescheiden, nur aus dem Innersten ihre Herzens heraus, wie sie es von Eltern und Grosseltern vor sich gesehen. Recha Fink führte ein gastliches Haus. Mit der Familie und dem grossen Verwandten- und Freundeskreis war sie in Liebe und Freundschaft verbunden. Wir alle, jüe ihrem Herzen nahestanden, trauern um diese fromme, gütige Frau von echt jüdischem Adel. Sie möge in Frieden ruhen. J. S. Else WisSicki geb. Hirsch s.A. BRESLAU — LONDON Während der Drucklegung unserer Zeitung erfahren wir vom Heimgang von Frau Else Wislicki, die hochbegabt nach langer Krankheit in London verschieden ist. Sie ist die Witwe des Salo Wislicki, der vor 10 Jahren in Jerusalem auf einer Besuchsreise bei seiner Tochter plötzlich verschieden ist, genau eine Woche nach dem Heimgang unseres unvergesslichen Gründers unseres Verbandes Dr. Wilhelm Seew Freyhan. Salo Wislicki war in Breslau und auch in London ein sehr angesehener Kaufmann und hat der Unterzeichnete mit ihm und seinem Vater Jona Wislicki ca. 20 Jahre in der Landschul in Breslau gebetet. Else Wislicki führte mit ihrem Mann ein offenes, streng religiöses Haus und sind ihre 3 Töchter in gut jüdischem Sinne erzogen, führen diesen Weg weiter und waren mit den Eltern aufs engste verbunden. Die Bestattung fand nach Überführung aus London am 29. April in Jerusalem in später Nachtstunde statt u. war der Generalsekretär der Breslauer als Vertreter des Verbandes und als Freund der Familie bei der Beerdigung zugegen. Das Begräbnis fand in aussergewöhnlich würdiger Weise unter persönlicher Leitung des Direktors d. allgemeinen Chewra Kadisch, Jerusalem statt. Direktor Dow Schachor (Schwarz) war Oberst in der israelischen Armee und versteht sein Amt mit Würde und Takt zu versehen. Von Breslauern Persönlichkeiten waren Rabbi Günther Nathan sowie Dr. Daniel Fränkel trotz der späten Stunde zugegen. Wir sprechen den Töchtern und ihren Familien sowie dem Bruder unsere innigste Teilnahme aus. , E. L.