Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 39 (April 1976)
- Date
- 1976-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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IN MEMORIAM MAX TAU S.A« Nun ist auch unser hier und in aller Welt vielgeliebter jüdischer Dichter und Autor, Israel- Freund par excellence, dahingegangen, still und unauffällig wie er lebte und sich in allen seinen Büchern, in Worten und Briefen, kungab: vielwissend, vieles lehrend und bei alledem unendlich bescheiden — das war der in Oslo lebende, in Beuthen geborene und im traditionellen jüdischen Elternhaus aufgewachsene Mar Tau s.A. Seine Gesamtbiographie nannte er “Trotz allem” (1972 im Hamburger Siebenstern-Taschenbuch Verlag.) und gab ihr das Motto mit “Man kann nie dankbar genug sein für das Leben”. Dies einzig wahre, faszinierende Bekenntnis dominiert in den drei Bänden als Teüe dieser Biographie, alle szt. bei Hoffmann und Campe erschienen und betitelt: “Das Land, das ich verlassen musste” (1961), “Ein Flüchtling findet sein Land” (1963), “Auf dem Weg zur Versöhnung” (1968). Was Wunder, dass Max Tau schon 1950 als Erster den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt! Er schrieb viele Bücher, unmöglich, sie hier alle aufzuzählen, Ehrungen und viele verdiente Würdigungen von allen Seiten wurden diesem deutschjüdischen Autor zuteil. Seit 1962 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, seit 1965 Ehrenbürger der Universität Kiel, der Stätte seiner einstigen Promovierung. Danach erfolgte an ihn der Nelly Sachs-Preis der Stadt Dortmund, 1970 der dänische Sonningpreis als höchste literarische Auszeichnung der skandinavischen Länder überhaupt. Als er aber 1972 aus Israel zurückkehrte, wo er soeben mit Verwandten und Freunden seinen “Fünfundsiebzigsten” begangen hatte, erhielt er vom König selbst den höchsten norwegischen Orden, “Ritter des St. Olaf”! Das war alles wunderschön, wurde auch vom Dichter selbst tief dankbar anerkannt — aber aus seiner schlichten Art, seiner angeborenen Humanität und der Auffassung, dass nur liebendes Verstehen vom Einen zum Anderen dominieren sollte, konnte ihn keinerlei weltliches Gepränge herausreissen. Seine vielen Briefe an Freunde in aller Welt und insbesondere an die israelischen sprechen ihre eigene beredte Sprache. Wo ist heute noch Platz für solche Begriffe wie Verehrung und Anhänglichkeit, Dank und Demut? Man muss es, auch wir hier müssen es uns selbst fragen. Zeit und Menschen ändern sich, Begriffe gehen verloren. Aber weit darüber hinaus haben wir alle hier einen unersetzlichen Freund verloren, einen wahren, der Menschlichkeit noch tief vertrauenden Freund, ein Angehöriger unseres Volkes. Im ehrendem Gedenken trauern wir mit seiner Frau in Oslo, mit den Geschwistern und der Famüie in Israel- Viele Male war Max Tau hier zu Gast, rüstete sich gerade jetzt zur Pessachreise nach Israel, wo er für immer unvergessen bleiben wird. FRIEDA HEBEL Der letzte Kantor der grossen, einst blühenden Breslauer Gemeinde, der an der Neuen Synagoge fungierte, und über Bolivien und Ecuador vor 20 Jahren ins Land kam, ist uns entrissen worden. Seine Gattin, die ihn mit Liebe betreute, und die in seinem Leiden ihn hingebungsvoll pflegte, sein Sohn, Prof. Lachmann, ein bekannter Bio-Chemiker, und die ganze Familie, haben einen schweren Verlust zu beklagen. Wir Breslauer schätzten in ihm die Feinheit seines Wesens, die tiefe Religiosität, die ausserordentliche Bescheidenheit, den Kontakt zum Nebenmenschen, all das wurde erst richtig bei seiner Bestattung bekannt. Ausser dem Vertreter der Rabbiner Dr. Paul Holzer s.A. (London) Im April 1973 (Nr. 33) unseres Blattes haben wir dem jetzt Heimgegangenen szt. zum 80ten Geburtstag einen ausführlichen Artikel gewidmet. Heute müssen wir leider dieses ausgezeichneten Mannes in Liebe gedenken. Dr. Holzer hat seinen Beruf als Berufung aufgefasst und verstanden, in Hamburg seinen Schülern das Judentum in Liebe nahezubringen. Für alles hat er Verständnis gezeigt. Seine Schüler hingen mit Liebe an seinen Lippen und haben im Laufe von Jahrzehnten ihrem Lehrer all das versucht zu vergelten, was er ihnen vorgelebt hat. Trotz seiner gesetzestreuen Einstellung war er immer wendig genug, um den anderen zu verstehen und auf ihn Einfluss zu nehmen. Seine Predigten waren immer interessant und aktuell. Wenn er auch kein Zionist im üblichen Sinne war, so hat er das Judentum als jüdisches Volk gezeichnet und den Kontakt mit den Ostjuden gepflegt. Sein Haus stand Allen offen in Gastfreundschaft und im Lernen. Als Lehrer, Erzieher, Wegweiser und Freund, so bezeichnen seine, heute schon erwachsenen Schüller ihren Rabbiner. Möge sein Sechut der Familie, den Freunden und ganz Israel beistehen. PROF. ERNST JOSEPH COHN s.A. Eine ausseordentliche Persönlichkeit im “Deutschen Recht”, ein, weit über den Durchschnitt bekannter Gelehrter, ist vor einigen Wochen verschieden. Als gebürtiger Breslauer hat er bereits im Alter von 28 Jahren einen Lehrstuhl für Zivilrecht an der Universität, Breslau, erhalten. 1933 gelang es ihm nach England zu kommen, wo er hauptsächlich für deutsche Emigranten Vorträge über deutsches Recht, hielt. Durch seine ausserordentlich grosse Begabung hat er schnell das englische Recht gelernt und wurde in die Rechtsanwalts-Vereinigung aufgenommen. Nach dem Kriege, den er im englischen Militär mitmachte, war er einer der ersten deutsch-jüdischen ' Professoren, die nach dem Nazizusammenbruch an der Koelner Universität Vorlesungen hielt. Er war eine so grosse Autorität, dass das englische Aussen-Ministerium ihn über deutche Gesetzgebung interviewte. Die englische Koenigin verlieh ihm einen besonderen Titel und spielte er auch im Gemeindeleben als Präsident der Reform- Synagoge, Im Präsidium des Leo Baeck-College und im Comitee des jüdischen Welt-Kongress, eine führende Rolle. Er wurde bei der 25 Jahr-Feier des Patenschaftswerk Köln — Breslau ehrend erwähnt. Seine Aufsätze in den verschiedenen Zeitungen sind von hohem Niveau. Professor Ernst Cohn gehört in die Geschichte Breslaus. Wir gedenken seiner in Wehmut und sprechen der Familie unsere aufrichtige Teilnahme aus. Breslauer, der die Zeremonie leitete, und seine Verdienste hervorhob, sprachen 2 Rabbanim vor der Synagoge in Bne Berak, in der er täglich zu finden war und der er stäfidig hohe Beträge insgeheim zur Erweiterung der Bibliothek spendete. Am 30ten Tage nach seinem Heimgang fand die Steinsetzung statt, und auch da waren wie bei seiner Beerdigung, sehr viele Freunde und Bekannte, erschienen und legten Zeugnis ab für die Beliebtheit dieses ausgezeichneten Menschen. Wir verbinden uns nochmals von dieser Stelle aus mit der Gattin, dem Sohn, seiner Familie, sowie dem Bruder und der Schwester. DR. KURT BALL-KADURI 5*A. In derselben Stunde, ln der wir die Absicht hatten, unserem lieben Vorstands-Mitglied, Dr. Ball-Kaduri zum 85ten Geburtstag einen Artikel zu widmen, haben wir ihn zur letzten Ruhe begleitet. Er ist, wie er gelebt hat, sanft entschlafen. Seine besonderen Eigenschaften, seine hohen menschlichen Qualitäten, hat der Generalsekretär des Verbandes ehemaliger Breslauer, im Aufträge der CENTRA bei der Bestattung, an der Hunderte von Menschen teilnahmen, zum Ausdruck gebracht. Dr. Ball-Kaduri, von Beruf Anwalt, war dank seines umfassenden Wissens, im Ministerium der Weimarer Republik, tätig, später Dozent für Wirtschaftsfragen in Berlin an der Hochschule. Er hatte umfassende Kenntnisse, besonders in Sachen der Steuer und ein grundlegendes Werk in diesem Rahmen verfasst. Von 1936-38 hat er im Rahmen d. Reichsvertretung deutscher Juden wertvolles Material gesammelt u. stand allen mit Rat u. Tat zur Seite. Nach schweren Einwanderungsjahren in Israel hat er sich vor keiner Arbeit gescheut und ist von seiner Gattin in jeder Weise unterstüzt worden. Die Sammlung von Dokumenten im Rahmen der CENTRA, die er mit Liebe durchführte, ist von Jad Waschern besonders anerkannt worden. Erich Lewin hat in seinen Abschiedsworten dem Heimgegangenen versprochen, dass wir diese Arbeit nach besten Kräften fortführen wollen. Alfred Scherek sprach im Aufträge der Menorahloge dem heimgegangenen Bruder herzliche Abschiedsworte und schilderte die besondere Persönlichkeit dieses bescheidenen Mannes. Wir sprechen von dieser Stelle aus der Gattin, den Söhnen und der weiteren Familie unser tiefes Mitgefühl aus. Dr. Ball-Kaduri wird in der Geschichte des Judentums aus Deutschland unvergessen bleiben. CHAWA (EVA) LEHMANN s.A. ist im Dezember 1975 in Haifa nach einer, mit grösster Geduld ertragenen schweren Krankheit verschieden. Sie ist 1920 in Breslau geboren, war Schülerin der jüd. Schule am Rhediger Platz und Mitglied der Zion. Jugendbewegung. Als der 2. Weltkrieg ausbrach, war sie in Holland auf Hachschara. Ihre Eltern, die ln Breslau am Mathiasplatz ein Radiogeschäft hatten, waren Indessen nach Haifa ausgewandert und haben während des Krieges sehr um das Leben der Tochter Chawa gebangt. Chawa, die in einem jüd. Altersheim gearbeitet hatte, war in der letzten Nacht, bevor die Nazis das Heim geschlossen und alle Insassen verschickt hatten, bei einem holländischen Bauern untergetaucht und so konnte sie den Krieg überleben. Nach Beendigung des Krieges kam Chawa nach Haifa zu den Eltern und nach einiger Zeit heiratete sie Martin Lehmann, der aus Süddeutschland stammte. Sie führte eine sehr glückliche Ehe und hinterliess 2 Kinder Neomi und Mizlah. Chawa hatte eine künstlerische Begabung und es sind von ihr einige sehr schöne Zeichnungen vorhanden. Sie liebte die Natur und diese stellte sie in den Zeichnungen dar. Chawa hat in vorbildlicher Weise der Mutter, Frau Käthe Fink, die 83jährig zurückgeblieben ist, zur Seite gestanden, und für sie gesorgt. Nun ist Chawa nicht mehr. Sie hatte ein schweres, aber auch ein schönes Leben. Auf dieses Leben passen sehr gut die Worte Hiobs: G”tt hat gegeben, G"tt hat genommen, es sei G”ttes Name gepriessen”. Er hat genommen, aber ER hat auch gegeben und von dieser Gabe haben die Mutter, ihr Mann, ihre 2 Kinder und ihre Geschwister sehr genossen und diese Gabe werden sie nie vergessen. Das sei Ihr Trost. SCHMUEL LACHMANN sA 25