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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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Aus der Chronik der Kaiser Wilhelm Strasse und ihrer Umgebung in Breslau Wenn wir uns an Breslau erinnern, so steigt das Air, das Flair, das Image der Geburtsheimat in uns auf. Der Athmosphäre gedenkt man, in der man die Jugend verlebte. Das Elternhaus ersteht noch einmal vor unserem geistigen Auge, die Schulzeit, Studium und Lehrzeit. Wie war es doch damals, wie waren die Häuser, die Strassen? Wie waren die Menschen, die Freunde, die Ereignisse? Breslau hatte bis 1933 eine grosse jüdische Gemeinde. Viele Familien wohnten um 1900 in der Gegend um die Freiburgerstrasse. Die Nähe der Storch-Synagoge und des Gebäudes der “Gesellschaft der Freunde” mag hierfür mitbestimmend gewesen sein. Die symetrischen Häuserreihen der Freiburger Strasse liessen geordnete, gepflegte Haushalte vermuten. In der No. 34 war die Privatwohnung des beliebten Rabbiners Dr. Ferdinand Rosenthal, auch der bekannte Herzspezialist Sandberg wohnte auf dieser Strasse, ebenso Persönlichkeiten wie Theodor Oschinsky, Lewinski-Cohn, Benno Hausmann, Gebr. Pollack, Wreszynski — um nur einige zu nennen. Aber es änderte sich nach und nach, man verzog in die Südvorstadt, als Rittergutbesitzer Schottländer das Terrain des Südparks der Stadt geschenkweise übergeben hatte. Dorthin führte also die Kaiser Wilhelmstrasse, die am Ende der Neuen Schweidnitzerstrasse begann. Unvergessen ist diese Prachtstrasse, in der und deren Nebenstrassen sich nunmehr viele als Bewohner zusammenfanden. Neue Fassaden entstanden, neue Villen gaben der Strasse interessante “Linien". Vornehme Aufgänge führten in die komfortablen Wohnungen. Es waren hohe Häuser, oft mit 4 Stockwerken. Es waren schöne Häuser, in denen gute Freunde, angesehene Familien und Persönlichkeiten zu Hause waren, die wohl etwas zu sagen hatten. Hier in der No. 23 war im Gartenhaus das Atelier der Malerin Grete Ehrlich, Schwester der bekannten beiden Regierungsbaumeister Ehrlich. In No. 25 war der Cellist der Breslauer Philharmoniker, Melzer, zu Hause. Er war meist nicht zu Hause, sondern bei der Probe. Weiterhin gab es eine Buchhandlung Lichtenstein. In No. 33 wohnte der Spediteur Matzdorff. In der No. 54 war die bekannte Frauenklinik von Prof. Heymann. Ecke Viktoriastrasse wohnte Familie Nelken, in der 56 residierte Frau Schiff, dort war auch die Praxis meines Vaters resp. Wohnung meiner Eltern. An der Eisasserstrasse waren die Büroräume der Feldbahnfabrik von Smoschewer. In dem grossen Komplex No. 82/84 war Leuchtags Privatwohnung. Die Häuser hatten alle grosse Gärten. Ecke der Goethestrasse bewohnten Nathan und Regina Schall eine geräumige Flucht von Zimmern. Und einige Häuser weiter domizilierte Justizrat Mendelsohn. Um die Ecke, in der Goethestrasse 53, war das Musiktudio von Mathilde Hirsch-Kaufmann. Sie war eine hervorragende Klavierlehrerin und viele Fortgeschrittene profitierten von ihrer grossen Kunst, die Klassiker, besonders Schubert und Liszt, verständnisvoll zu interpretieren. Sie lehrte nach moderner Methode bis zur künstlerischen Reife. An dem grossen schönen Kaiser Wilhelmplatz gab es elegante Villen. In No. 11 war die Wohnung der kunstsinnigen Familie John Levi (Schles. Furnierwerke). Die Schles. Spritfabrik war durch Famüie Leo Schlesinger hier ebenfalls vertreten. In der nahen Hohenzollernstrasse, vis a vis dem jüdischen Krankenhaus, traf man sich oft mit Familie Hugo Lesser. Kapellmeister Julius Prüwer studierte in der Woelfl Strasse, die hier abzweigte, seine Partituren. Man sah ihn oft mit der Verhunk hier spazieren gehn. Im Widerschein einst hier erlebter Jugendjahre tauchen noch viele Namen von Bekannten, Angehörigen und Freunden aus dem Schatten der Vergangenheit auf, so Architekt Albert Wolff und Frau Edith (Ecke, Kurassierstrasse) , in No. 192 Adolf Danziger und in Krieterien Fritz Sandberger, dessen musisches Haus ein Begriff war. In den Nebenstrassen, z.B. Kirschallee, wohnten Ephraims, und Kommerzienrat Sternberg, Schidlowers, in der Wölflstrasse Justizrat Rogosinski, in der Scharnhorst Strasse Famüie Wittenberg. Die Tochter, jetzige Frau Paula Barth, dürfte vielen Lesern dieser Zeitung bekannt sein. Und an einem Hause dieser Strasse las man auf dem Schild: Prof. Dr. G. Gottstein. Es war die Praxis einer ärtzlichen Kapazität. — In der Kürassierstrasse war das Gebäude der Odd-Fellow-Loge mit würdigen Innenräumen. Nicht alle und alles kann genannt werden. Der freundliche Leser möge sich mit dem zufrieden geben, was liebevolle Erinnerung dem Schreiber eingibt und ihn hervorheben lässt. Einige Namen von Bewohnern dieser schönen Strasse seien noch genannt: In No. 5/7 befand sich die Wein-Probierstube von Becker & Bretz. Nahe der Sadowastrasse (No. 17) war die Kaiser Wilhelm-Apotheke. Und dass es in der Konditorei Stromenger einen vortrefflichen Kaffee mit Streuselkuchen gab, sei erwähnt. Das Haus No. 25 beherbergte den Versicherungs-Konzern Konicki. Auch das Künstler-Ehepaar Oskar und Betty WU1 hatte in diesem Haus sein Domizü. An der Ecke Elsasserstrasse war das Postamt 13. In No. 58 deckte man seinen Raucher-Bedarf, Ecke Victoriastrasse hatte die Firma Stiebler (Kafee-Rösterei und Delikatessen) eine FUiale. In einem dieser Eckhäuser war das Institut BUltzlngslöwen, wo man in der Kunst des Gesellschaftstanzes und des feinen “Benimm dich” unterwiesen wurde. “Wer zählt die Völker, nennt die Namen...” Wie gesagt, hier können nur wenige für viele genannt werden! In dem Hause Ecke Goethestrasse (No. 88/90), wo Nathan und Regina Schall (Steinbruchbesitzer) später wohnten, war vor 75 Jahren ein Pferdebahn — Depot. In reizvoller Schönheit entwickelte sich die Südvorstadt seit 1900 von Jahr zu Jahr. Wer die Kaiser Wilhelmstrasse in der Strassenbahn durchfuhr, im Frühling im offnen Sommerwagen, nicht ln der “Zunen”, den erfreute die Breite der Fahrbahn mit ihren fliederduftenden Vorgärten. Am Kaiser WUhelmplatz fiel das Oberbergamt auf und die Eisenbahndirektion. Gleich dahinter war der Friebeberg, einst ein beliebter Ausflugsort, als noch die Pferdebahn fuhr. An manchen Tagen spielten hier Militärkappellen zur Unterhaltung der Gäste. Die Kurassler-Kapelle unter Christian Schall, die der “Elfer” unter Obermusikmeister A. Reindel, die 51 er unter Sobanski oder die Artilleristen unter Stabführung von Ruschka. Einst vereinigten sie sich alle hier, um ein grosses militäriches Tongemälde unter dem Armeemusikinspizienten Grawert zu Gehör zu bringen. Dort, wo später die Oranienstrasse war, gab es ein Ausstellungsgebäude, das ein monumentales Schlachten-Gemälde beherbergte. Auch gegenüber der KUrassierstrasse befand sich einst ein Depot der Pferdebahn. Weiter an den Tennisplätzen vorbei gelangt man zu Siebs “Kaffeegarten Kleinburg” ebenfalls einem beliebten Ausflugsziel der Breslauer jener Zelt, wo man sich bei Kaffee und Kuchen, bei Bier und Wurstspezialitäten — die gute Schläsische — erholte und unterhielt. Es gab dort auch Kinderfeste mit “Onkel Drolly” und, wer wollte, konnte im Saale das Tanzbein schwingen. Es ging sehr dezent zu, eine kleine Kapelle spielte zu Walzer, Polka und Rheinländer auf. Später, als Tango und modernere Step- Tänze en vogue waren, waltete hier Kapellmeister Georg Kunze mit seinem Orchester seines Amtes. Spazierte man weiter, so kam man an Tennisplätzen vorbei zum alten Kaiser Wühelm-Park, wo im Sommer ein Teü des Stadttheater-Orchesters unter 'Prüwer Konzerte gab. Bald war man im Südpark. Hinter dem Denkmal des Botanikers Cohn führten reizvolle Wege zum Gondelteich, zum Restaurant und zum Rondell, dem Lieblingsplatz vieler Spaziergänger. Welch gut gelungene gärtnerische Anlage, dieser Südpark! Uber die Südpark-Konzerte der Philharmonie Informiert ein spezieller anderer Artikel. Als literarisches Kuriosum der Südparkgegend sei noch erwähnt, dass in den 20er Jahren im nahegelegenen Krietem Schnitzlers "Reigen” aufgeführt wurde, der in Breslau verboten war. Ein Tanzlokal in Krietem hatte ein Art Vereinsbühne. Dort also sah Breslaus literarisch interessierte (Fortsetzung Seite 24) Alt-Glogauer Synagoge, Gartenstrasse mi fs *

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