Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 39 (April 1976)
- Date
- 1976-04-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7411685-7412491-7496486--0588-7412511- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Erdbeben Die ganze Welt ist erschüttert durch das schwere Erdbeben, das Guatemala heimgesucht hat. Alle Menschen nehmen Anteil an diesem schweren Unglück. Wir Breslauer haben sofort an all unsere Mitglieder in G. geschrieben und unseren tiefen Schmerz zum Ausdruck gebracht. Alle Empfänger unserer Briefe haben geantwortet. Im nachfolgenden geben wir eine Copie eines der Briefe, den wir erhalten haben: Sehr geehrte Herren, Sehr gefreut habe ich mich mit Ihren so lieben Zeilen und Fürsorge. Ja, diesmal ist unser geliebtes Guatemala sehr heimgesucht worden. Unsere jüdische Kolonie hat G”tt sei Dank dieses Unglück nicht betroffen, ich meine in der Hauptsache Menschenleben. Alle sind wir G”tt sei Dank gesund. Nur, wie immer, die Armen hat es schwer betroffen, es werden ungefähr 30.000 Tote zu beklagen sein müssen, alle, die in den Lehmbaracken wohnen und schwerer schrecklicher materieller Schaden. Die ganze Welt hilft uns beim Wiederaufbau unseres schönen Guatemalas. Es kommen täglich unzählige Flugzeuge und bringen alles, was gebraucht wird. Unser kleines Land Israel hat heute schon das 4. Flugzeug mit Trockenmilch und Medikamenten geschickt. G”d bless Israel!, das kleine (grosse) Land, das selber auf Hilfe angewiesen ist. Mein Jüngster Sohn Henry, der vor ca. 2 Jah- (Fortsetzung von Seite 19) dort lebte, war Brasilien Kaiserreich. Der Kaiser Don Pedro III. war europäischer Kultur eng verbunden, verbrachte einen grossen Teil seiner Regierungszeit in der alten Welt und bevorzugte europäische Gelehrte, Künstler und Ingenieure. — In seinem Aufträge lieferte Victor bedeutende Pläne für den Ausbau der Stadt Sao Paolo. Daher ist sein Name dort heute noch wohlbekannt. Zu seiner Gedenktafel im Stadtviertel Barria führen die Strassenbahnlinien Nr. 15 und 17 von der "Silva Pointe da Nothmann” nach Dos Campos Elyseos durch eine Pappenlallee, die den Namen "Alameda Nothmann” trägt, und die Strassenbahn heisst “Bonde Nothmann”. Victors älterer Bruder Julius (1838—1902) war gleichfalls eine Zeit lang in Brasilien tätig, kehrte dann aber nach Deutschland zurück. Dagegen blieben die Brüder Maximilian (1843—1894) und Siegfried (1845—1900) in Rio de Janeiro und waren ihre Warenimport-Geschäfte, bald auch durch Errichtung von Fabriken für die Herstellung von Nähmaschinen; diese kamen damals schnell in Aufnahme, seit man gelfernt hatte, den Flachs auf Maschinen zu einem Garn zu verspinnen (Clark’- sche Garne), das sich wieder zum maschinellen Nähen eignete. Max und Siegfried breiteten ihre Unternehmungen weiter nach Buenos Aires aus und nahmen später auch die Fabrikation von Fahrrädern auf. Eine Fabrik der Firma Gebrüder Nothmann & Co., in der Nähmaschinen und Fahrräder hergestellt wurden, bestand noch 1900 in Berlin. Alle drei Brüder erwarben in Rio de Janeiro und in Sao Paolo grösseren Grundbesitz. Ihr sehr beträchtliches Vermögen hat sich jedoch in der nächsten Generaion nicht erhalten. Einen Sohn von Max Nothmann lernte ich im Jahre 1914 während einer kürzeren Tätigkeit bei d. Oberschlesischen Stahlwerksgesellschaft in Berlin kennen: Herrmann Nothmann, der in dem gleich darauf ausbrechenden Weltkriege als deutscher Soldat ins Feld zog und im Jahre 1917 vor in Guatemala ren heiratete und einen kleinen Sohn von 4 Monaten — bis 120 —, hat, kam um 3 Uhr 20 in dieser unheüvollen Nacht hier bei mir an mit der ganzen Familie. G”ttlob ist ihnen nichts geschehen, aber er wohnte in einem Apartmenthaus von einem Juden und sind die Wände bald auf sie, gefallen, alle Fenster zertümmert. Jetzt wird das Haus abgerissen. G”ttlob ist kein Menschenleben zu beklagen, aber die Wohnungsknappheit ist unsagbar gross und sehen wir zu, so schnell, wie möglich entweder bauen zu lassen, oder wie wir zu einem Haus kommen. Ja, so ein Unglück bringt viel Leid mit sich. Das ist schlimmer, als ein Krieg, dagegen kann sich keiner zur Wehr setzen, und es bebt weiter, täglich gibt es Jetzt noch 25 kleinere Beben, die Erde muss sich ersetzten. Vom 4.2. bis 27.2. haben wir schon über 1.100 Beben. G”tt soll weiter schützend, die Hand über uns alle halten. Nun, meine Herren bleiben Sie auch alle gesund und beschuetzt vor Euren und unseren Feinden und verbleibe ich, wie immer, mit den besten Griissen und auf ein baldiges, gutes Wiederhören. Ihre ALICE JASCHKOWITZ geb. Schacher, Guatemala City 18a Avenida A 8 — 30 Zona 15 Vista Hermosa 1. dem Feinde fiel. Ein anderer Sohn von Max, Henry J. Nothmann, lebt heute als Bankier in New York. JOSEF NOTHMANN Über den zweiten Sohn Jesaja’s, Josef Nothmann (1775—1859), ist einige Kunde erhalten durch die Biographie, die sein Sohn Emanuel (1806—1895) über sein eigenes Leben geschrieben hat. Josef betrieb zu Anfang des Jahrhunderts In Langendorf einen Handel mit Rohleder, Honig, Wachs und Federn. Er war aber ein unruhiger Geist, der es nie lange am selben Orte aushielt. Im Jahre 1812 übernahm er eine andere Branntweinbrennerei auf dem Gute Ksiaslas und wieder drei Jahre später eine solche Brennerei in Repten bei Tarnowitz. Als seine Vermögensumstände noch günstig waren, konnte er für seine fünf Kinder Emanuel, Abraham, Leopold, Isaac und Jettei einen eigenen Hauslehrer halten. Dieser Mann war nicht nur eine Leuchte der talmudischen Wissenschaft, sondern auch ein kunstfertiger Handwerker. Er hatte nämlich, neben seiner Lehrtätigkeit, als "Schächter” die Hausschlachtunggen vorzunehmen, wobei die Vorschriften der Tora (9 Mose 4) streng zu beachten waren. Vor allem aber schuf er die mit Stolz bewahrte Famüienbibel. Er wurde nämlich, nach rigoroser Prüfung durch den Langendorfer Rabbiner Israel Chajim Pinczower, für würdig befunden, zum Gebrauch für den ältesten Sohn des Hauses eine Gesetzesrolle (Ssefer Tora) zu schreiben. Für religiöse Zwecke durfte Ja der Pentateuch nur in einer Handschrift, nicht etwa in Gestalt eines gedruckten Buches, benutzt werden. Josefs Haus beherbergte also einen “Toraschreiber” oder Ssofer. Josefs Wohlstand hat nicht lange angehalten. Er war so unklug, sich auf zahlreiche Prozesse einzulassen, die er meist verlor, weil er in deutscher Schrift weder lesen noch schreiben konnte, es aber für unnnötig hielft, einen Advokaten anzunehmen. Diese schlechte Wirtschaft zehrte sein Vermögen bald auf. NACHBEMERKUNG : Am Schabbat, den 20. März 1976 war das Dorf Schawe Zion auf Hochstimmung, da der 90.te Geburtstag von MARKUS LUBASZ aus Quito, (Ecuador) gefeiert wurde. Nach einem feierlichen G”ttesdienst in der Synagoge des Dorfes, die ein Prunkstück ist, war ein Empfang im Beth Loewengart, wo fast alle Bewohner von Schawe Zion und Umgebung, erschienen. Anschliessend war im Beth Chawa ein Festessen, an dem etwa 50 Personen teilnahmen. Der Sohn des Jubilars, Martin Lubasz, eröffnete in warmen Worten das Bankett. Der General-Sekretär des Breslauer Verbandes, Erich Lewin, ehrte den Jubilar durch eine Ansprache, in der er das warme jüdische Herz und die Verbundenheit zum Staate Israel zeichnete. Enkel u. Urenkel haben durch ihr Erscheinen d. Feier verschönt. Vom Verband ehemaliger Breslauer wurde d. Jubilar ein Diplom überreicht, in dem er ins “Goldene Buch” des Verbandes eingetragen wurde. Mit dem gemeinsamen Tischgebet endete die schöne, unvergessliche Feier. Herr MENKO BERLINGER, früher Breslau, der seit Gründung von Schawe Zion dort ansässig ist, sorgt mit Hilfe seiner Gattin, für die schöne Abwicklung des G”ttesdienstes und aller religiösen Einrichtungen. Der Schabbat in Schawe Zion kann als Festtag gebucht werden. KARL STEINAUER (Skonner) Fort Lee USA Am 8. November feierte unser lb. Skonner seinen 70ten Geburtstag. Diesen Siptznamen erhielt er bereits im Jahre 1920, als er Milglied des Breslauer Bar Kochba’s wurde. Viele seiner alten Vereinskollegen kennen gewiss nicht seinen richtigen Namen. Er lebte bis Anfang 1939 in Breslau, wo er sich stets eifrig für den Bar Kochba eingesetzt hat. Es war nichts zu schwer für ihn und war er stark beteiligt, Gelder für die Turnhallen sowie den Keren Kajemeth und Keren Hajessod aufzubringen. Er arbeitete in Breslau in der Strumpf- & Trikotagenbranche und war er kein Unbekannter bei den Grossisten auf der Karlstrasse sowie den Warenhäusern. Als einziger Sohn hatte er auch stets seine Pflichten den Eltern und Schwestern gegenüber erfüllt. Israel ist für ihn kein unbekanntes Land, zumal er seine erste Reise schon im Jahre 1935, unternommen hatte. In den letzten 10 Jahren besuchte er Israel 6 Mal und lebt seine einzige überlebende Schwester in Raanana. Auch der grösste Teil seiner alten Freunde lebt in Israel. MAX HOCHHÄUSER, New York WIR GRATULIEREN: Herrn Dr. JOSEPH WALK, Jerusalem, Raw Herzogstr. 5, dem Leiter des Instituts für Forschung des Judentums in der Diaspora, in den letzten Generationen an der Universität Bar-Han, Ramat-Gan, zum "Duschkin-Preis” für sein soeben herausgekommenes Buch: "Erziehung des jüdischen Kindes im Nazi- Deutschland, Gesetz und Ausführung”. Dr. Walk, gebürtiger Bseslauer, Schüler des . Heiligen Geist und des Jüd. Reformreal Gymnasiums ist durch seine erfolgreiche Tätigkeit im Erziehungswesen in Israel bekannt und beliebt. Er hat mehrere Forschungsreisen in die Bundes-Republik und nach Amerika unternommen, und sich auch an gemeinsamen Seminarkursen in der Bundes-Republik beteiligt. Er ist ein präziser, unermüdlicher Arbeiter, besonders verlässlich und sehr bescheiden. Wir verdanken ihm die Herausgabe des Tagesbuches “Als Jude in Breslau 1941” von Dr. Willy Cohn, s.A. Wir wünschen ihm weiterhin Erfolg in seiner so wichtigen Tätigkeit. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER 20