Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 39 (April 1976)
- Date
- 1976-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus dem Breslauer Seminar vor hundert Jahren (Siehe anch Seite 30 unten) Breslau, 1. August 1873 Geliebte Eltern, Aus den Briefen von Bertha und Adolf (Geschwister) ersehe ich, dass bei Euch in Bendzin leider die Cholera herrscht, und namentlich in der Umgebung von Oswinzien viele Opfer fordert. Wir hoffen, dass Gott durch seine schützende Hand alles Unheil femhalten wird. Aber es ist doch in solchen Fällen die erste und heiligste Pflicht eines jeden Menschen, für sich selbst besorgt zu sein und alles zu tun, was nach menschlicher Berechnung heüsam ist, und alles zu unterlassen, was schädlich ist. Darum habe ich mich gefreut, dass in Oswiencin das Fasten und Enthalten von Fleischgenuss untersagt worden ist. Vor drei Wochen als auch hier in Breslau einige Cholerafälle vorgekommen sind, hat auch uns der Direktor das Fasten am 17. Tamus, wenn auch nicht gerade verboten, so doch es zu unterlassen empfohlen und namentlich denen, die sich schwach fühlten ans Herz gelegt, ja nicht zu fasten. Nun geliebte Eltern, hoffentlich werdet auch Ihr für diesmal das Fasten unterlassen. Ihr seid doch jetzt nicht in dem jugendlichen Alter, an welches man' die Forderung des Fastens stellen könnte. wma’oi1? ns» amatwi ist minn p msa ustellt mindestens so hoch als das Fasten, das doch nur eine Takanat Sofrim ist, zumal da diesmal der Festtag nidcheh (verschoben) ist und sich daher gern zurückdrängen lässt. Hier hat Gott sei Dank die Cholera fast ganz aufgehört, dennoch wird in den meisten Synagogen schon um 1 Uhr Minchah stattfinden und damit der Festtag beendet werden. Gestern ist der Direktor ins Bad gereist und wird vor 5—6 Wochen nicht zurückkommen. Die Ferien im Seminar und meiner Schule sind bald zu Ende, sonst wäre ich gerne nach hause gekommen... Euer Euch liebender ISAAC Breslau, 29. Elul 5634 (September 1874) Geliebte Eltern, Mit tiefbewegten Herzen, mit weihevoller Stimmung pflegen wir das Rosch haschanahfest zu beginnen. Ob einfach Neujahrsgedanken diese Stimmung in uns wachrufen? Ich glaube nicht. Schon deshalb, weil ja die Hauptbedeutung unseres Festes eben nicht die des Neujahres ist, sondern durch die religiöse Seite sich kundgibt... ... Denn wir sollen nie vergessen, des Satzes ’n us1? D’2X’3 ans darum hat Gott uns diesen Tag, uns seine Kinder gleichsam in sein Vaterhaus geladen und dort dürfen wir all’ unsere geheimsten Gedanken und Wünsche unseres Herzens vor ihm aussprechen, und dort Stärkung, neuen Mut und neue Hoffnung für das weitere Leben schöpfen... Wie im vorigen Jahr, so werde ich so Gott will auch dieses Jahr über Rosch haschanah und Jom Kippur in einer fremden Gemeinde als Prediger fungieren, und zwar diesmal in Strehlen. Ich reise am Erev Rosch haschanah dorthin, habe drei Mal an Rosch haschanah und ebensoviel an Jom Kippur zu predigen. Mit dem Wunsche, dass Ihr die heiligen Tage so gut als möglich verleben für Euch alle, möget, und dem Wunsch: Euer Euch liebender ISAAC Erev Rosch haschanah, 5636 Geliebte Eltern, ... So hoffen wir auch, das folgende Jahr werde Gott über uns kommen lassen zur Freude und zum Segen, zu neuem glücklichen und nützlichen Leben... Wie ich Euch schon in meinem letzten Brief schrieb, bleibe ich dieses Mal über Rosch haschanah und Jom Kippur hier in Breslau Nach Königshütte bin ich nicht wieder gerufen, weil die Gemeinde keine Mittel hat, um einen Rabbiner kommen zu lassen, und anderswohin wollte ich nicht gehen. Ich werde also so Gott will am Rosch haschanah hier im Seminar predigen... Mit den herzlichsten Wünschen rufe ich Euch eine p"m3 211 und wünsche Euch einen guten Jomtov... Euer Euch liebender ISAAC Breslau, 5. Januar 1871 Geliebter Vater, Was meine Militärgeschichte betrifft, so habe ich schon in meinem letzten Briefe berichtet, dass ich zur Gestellung nicht mehr zu gehen brauche, sondern erst zur Supervision, welche frühestens erst im Februar stattfinden wird. — Meine Einkünfte belaufen sich hier auf etwa 4 Taler Stundengeld, 1 1/3 Taler vom Seminar. Von Arnold bekomme ich nichts Bestimmtes, sondern wenn ich Geld brauche, so schreibe ich an ihn. Im übrigen bin ich wohl und munter. Dass Du wieder in der letzten Zeit viel gelitten, hat mich sehr betrübt. Wie wäre es, wenn Du einmal hierher kämst, zu Lebert. Der unglückselige Krieg scheint sich immermehr in die Länge zu ziehen. Man ist jetzt ziemlich sicher, dass selbst wenn Paris gefallen sein wird, der Krieg noch keineswegs beendet sein wird. Heute abend sind hier Nachrichten eingetroffen, dass die Ost- und Südfront von Paris stark beschossen werde. Über die starken Rekrutierungen darf man sich nicht wundem. Wenn man bedenkt, dass mehr als 600.000 Mann vor Paris stehen, dass man gegen 4 neue franz. Armeen kämpfen muss und ausserdem das halbe eroberte Frankreich mit allen Festungen besetzt halten muss, so ist leicht zu verstehen, dass man immer mehr Menschen braucht. An Verlusten sind wie die Verlustlisten melden, bereits 70.000 von unsrer Seite allein zu beklagen. Schreckliches Schicksal der Völker, welche der Laune einzelner Menschen so viele Opfer bringen müssen. Gebe Gott, dass diesem Jammer bald ein Ende werde. Mit den besten Grüssen u. herzlichstem Danke, von Eurem Euch liebenden ISAAC Breslau, 4. August 1871 Geliebte Eltern, Diese Woche sind hier alle Vorlesungen geschlossen worden. Ich habe in den ersten Tagen der Woche aus allen Bibliotheken die Bücher zusammengetragen und mit den teils abreisenden, teils hierbleibenden Kollegen noch viele angenehme Stunden verlebt. Habe auch manches geschäftliche Ding betreffs meiner Stunden, usw. geordnet, und gestern mit meiner Arbeit begonnen, nachdem ich etwa 8 Tage für meine Erholung und mein Vergnügen verwendet habe. Sonntag habe ich mit einer Anzahl Kollegen einen feierlichen Kneipabend mitgemacht, in ei- Danny Kwilecki ist der Enkel unseres Mitgliedes des bekannten Sportlers und Boxers, Max Hochhäuser, New York, Benctt Ave. 80, N.Y. 10033. i t j \ DANNY KWILECKI hat seine Sportliche Laufbahn mit 10 Jahren angefangen. Als “alround Sportler” Im Jahr 1973 wurde er als "The most outstanding Athlet of the year 1973" ausgezeichnet. Er begann im Boxen, Baseball, Bascetball sowie Leichtathletik und Schwimmen. Im Schwimmen hat er sich ganz besonders als ein “Lichtblick der Zukunft” bewiesen. (Wie seine Couches bemerkten) Nun hat er die folgenden Siege unter Beweis gestellt: 1973 — 3 dritte Preise 1974 — 2 zweite Preise 1975 — 6 erste Preise Seine Couches die bes. von seinem Können begeistert sind, sehen in ihm den kommenden Champion. Die Namen der Couches sind. M. Backinan sowie Mr. Calahan, die bereits einige hervorragende Schwimmer heraus brachten. Beide Couches sind die Trainer des berühmten Schwimmclubs “Dolphin”. nem Verein,* in dem ich Präsident bin. Wir waren bis 2 Uhr nachts zusammen, etwa 15 an der Zahl, und haben uns vorzüglich amüsiert. Derselbe Verein hat auch eine Vergnügungsreise nach Altwasser, Salzbrunn, Fürstenstein gemacht. Von Salzbrunn aus haben uns viele Bekannte erwartet, uns dort mit mehreren Familien bekannt gemacht, welche uns dann zu Wagen nach Fürstenstein begleitet haben. Darunter auch viele Damen, welche nichts besseres zu tun hatten, als für uns grosse Kränze zu machen und uns damit zu schmücken. So gingen wir, eine Gesellschaft von etwa 25 Personen durch den Fürstensteiner Grund, und dass wir einen sehr vergnügten und angenehmen Tag verlebten, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Die ganze Reise hat mich etwa 1 Taler gekostet. Die Fahrt hin und zurück im Extrazuge kostet 15 Silbergroschen. Während der Ferien habe ich die Anordnung und Korrektur der “Israelitischen Wochenschrift" übernommen, u. ich bekomme für das Durchsehen und Verbessern jeder Nummer 15 Silbergroschen und ein Freieexemplar. Es ist das eine Arbeit von 2—3 Stunden wöchentlich. Dr. Treuenfeld aus Stettin, der Redakteur des Blattes, schickt nämlich die Manuskripte an mich, welche ich hier in der Druckerei zu ordnen habe. Der Direktor ist diese Woche ins Bad nach Kolberg gereist. Mit den herzlischsten Grüssen und dem Wunsche, dass es Euch wohlgehen möge, Euer Euch liebender ISAAC * Es handelt sich um den Verein “Liwjath Chen”, einen Verein zur gegenseitiger Hilfe, der bis 1936 bestanden hat. 17