Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1976
- Issue
- No. 39 (April 1976)
- Date
- 1976-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Entwicklung des Im Jahre 1934 schrieb Rabb. Dt. Max Escheltaacher in den Mitteilungen der Grossloge Bne Brith für Deutschland (Nr. August/Sptb) einen Artikel: “Lernen als Rettung”. Er beginnt: “Im April 1933 ist das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen ergangen. Seine nächsten Wirkungen machen sich bereits bemerkbar, seine weiteren lassen sich mit Sicherheit Voraussagen. Wissen ist Macht, Unwissenheit Ohnmacht. Die Gefahr der völligen Bedeutungslosigkeit und der hoffnungslosen Armseligkeit als Folge unzulänglicher Schulbildung steht drohend vor dem deutschen Judentum. Aber unabwendbar ist sie nicht... wir können trotz aller äusseren Einschränkungen vieles wettmachen, wenn unser bestes Erbteü lebendig bleibt, die alte jüdische Freude am Lernen”. Vor uns liegt ein Buch, das die Geschichte dieses Ringens gegen die Gefahr unzulänglicher Schulbildung der Juden im Nazi-Deutschland und ihrem Kampf um das “Lernen” beschreibt. Dr. Joseph Walk: Die Erziehung des jüdischen Kindes im Nazi-Deutschland (das Gesetz und seine Durchführung) oder mit seinem hebräischen Titel: Chinucho schel hajeled hajehudi b’Germanla hanazit — Hachok uwizuo. Gedruckt bei Rafael Chajim Hakohen, Jerusalem. Herausgegben vom Jad wa-Sehern u. Leo Baeck-Institut, wurde d. Veröffentlichung durch die A.M. Dushkin Foundation und Memorial Foundation for Jewish Culture, New York und Bar-Han Universität ermöglicht. Hintergrund dieses Buches ist die Erziehungsgesetzgebung im Nazi-Deutschland zwischen 1933— 1942. Mit diesem Buch — die reife und reiche Frucht der Doktorarbeit von Dr. Walk — veröffentlicht er den ersten Teil, der auf Veranlassung von Dr. Sch. Esch s.A. geplant wurde u. Prof. Dr. Ernst Akiva Simon unterstützte. An den Beginn wird ein Wort von Robert Weltsch — leider ohne Quellenangabe — gestellt: “...Die Dinge so sachlich darzustellen, wie sie sich aus den Quellen ergeben und dokumentieren lassen... Vieles... ist schmerzlich... für Gefühlsausbrüche ist hier nicht der Ort”. Das Thema wird sachlich mit ausführlicher Dokumentation behandelt. Auf 186 Seiten werden nüchtern Gesetze, Anordnungen, Tatsachen, Korrespondenzen mitgeteilt. Die Quellen werden in 1106 Anmerkungen mitgeteilt und auf das verarbeitete Material hingewiesen. Die Arbeit ist das Ergebnis von zwei Reisen in Deutschland und einer geradezu detektivischen Spürarbeit In Archiven, Brief Sammlungen, Protokollen usw. Hinter diesen trockenen Ziffern verbirgt sich der heroische Widerstand des untergehenden Judentums in Deutschland und sein Ringen gegen die geistige Verarmung. Es geht um die Bewahrung seines wertvollsten Gutes. Ohne Zweifel hat Dr. Walk seinen eigenen Lehrern mit diesem Buch ein würdiges Denkmal gesetzt. Für den wissenschaftlichen Gebrauch muss auf eine interessante Liste der damals im Erziehungswesen benutzten Terminologie und ihrer Übersetzung in die hebräische Sprache hingewiesen werden. Von Schuldirektoren, Lehrern und Schülern werden Auskünfte eingeholt. 28 Amtsblätter, Lexika, amtliche Jahrbücher, Zeitungen, 231 Bücher und Artikel durchsucht. Statistiken und Tabellen in mühseliger Arbeit zusammengestellt. Die Ziffern offenbaren das Sterben des deutschen Judenums, dem in seiner Geburtsstunde, Reifeepoche und Niedergang eine ganz besondere Rolle in der Geschichte des jüdischen Volkes zufiel. Einleitend wird die pädagogische Situation des deutschen Judentums in der Zeit der Weimarer Republik aufgezeigt — am Vorabend der Kathastrophe. Dann wird die nationalsozialistische Gejüdischen Schulwesens t E. LÖWEN STEIN, Jerusalem setzgebung über die Erziehung der jüdischen Kinder in vier Stadien beschrieben — vom 30. Januar 1933 bis zum 20. Januar, 1942 — dem Tag der Beschlussfassung über die “Endlösung” und dem 1. Juli, 1942, dem Tag der Schliessung der letzten jüdischen Schule. Nunmehr war der Unterricht jüdischer Kinder in Deutschland verboten. Die Erziehungsprobleme in Klein — und Grossgemeinden werden annalysiert, die Problematik der Lehrer dargelegt, die aus dem allgemeinen Schulwesen ausgegliedert wurden. Sie standen plötzlich vor einem Menschenmaterial, mit dem sie bisher oft keinen Kontakt gehabt hatten und mussten eine Materie unterrichten, die sie wenig gekannt. Kinder sahen sich plötzlich einer feindlichen Umwelt gegenüber und mussten in einer engen Umwelt leben, für die sie nicht vorbereitet waren. Die schwierige Aufgabe der Reichsvertretung der Juden in Deutschland” und späteren "Reichsvereinigung” wird untersucht. Die inneren Schulprobleme werden aufgezeigt, wie z.B. Sprachenprobleme (für die Auswanderung)? Handwerksunterricht (Umschichtung), sportliche Ertüchtigung. Es geht um Bewahrung des wichtigsten Gutes einer Gemeinschaft — um d. geistige Niveau der jüdischen Jugend. Dahinter steht die Hoffnung auf einen Weg in die Zukunft. Das Buch sollte zusammen mit “Bewährung im Untergang”, dem Gedenkbuch von Dr. E. G. Löwenthal im Auftrag des Council of Jews from Germany, gelesen werden. In dem Buch von Dr. Walk werden viele Namen wieder gefunden. Der Autor verdient für dieses mit emsigem Fleiss zusammengestellte Werk unser aller Dank. Wir hoffen, dass es aus der hebräischen Sprache, auch in andere übersetzt werden wird. Es kann der Welt helfen, uns zu verstehen, — vor allem warum wir nicht bereit sind, “die Vergangenheit zu bewältigen”. Sie wird den neuen oft agressiven Juden besser kennen lernen. In diesem Buch ist der organisatorische Rahmen beschrieben worden. Im 2. Teil werden wohl die pädagogischen und stofflichen Probleme ihren Platz finden. Trotz der Bedeutung der Schule im RABBI DR. ALEXANDER CARLEBACH Jerusalem, Haiddem Str. 1 schreibt uns folgenden Brief mit der Bitte, um Veröffentlichung: Zu der Würdigung von Dr. Erich Klibansky durch Herrn David Alster-Jardeni, Zeitung Nr. 38, Seite 19, möchte ich nur hinzufügen, d. in meinem Buch: "The Adass Jeschurun of Cologne — Life and Death of a Kehillah” (Belfast 1964) die Persönlichkeit und segensreiche Tätigkeit Klihanskys voll gewürdigt wurde. Nach den Deportationslisten der Kölner Gestapo wurde er, seine Frau, seine Mutter und 3 Kinder, im Sommer 1942 nach Minsk deportiert. Diese Information verdanke ich meinem Freunde, Dr. Salomon Wolf, Jerusalem. Prof. GUIDO KISCH, Basel, sandte uns einen Ausschnitt aus dem “Aufbau” ein, unter dem Titel: “Erich Klibanski starb an einem unzureichenden Affidavit”. Der Cousin des Verstorbenen, Herr ERWIN Klibansky aus Tel-Aviv, Rechow Hasoar 34, teilt uns mit, dass Erich Klibansky 2 mal in Palästina war und ihm eine Lehrerstelle in der bekannten “Moriahschule” ln Tel-Aviv, angeboten wurde. Er hat diese Stellung ausgeschlagen, da er seine Schüler nicht im Stich lassen wollte. Seine Gattin war Frau Meta geb. David aus Hamburg. im Nazi-Deutschland Leben eines Kindes hat in dieser Epoche die Jugendbewegung eine einmalige Rolle gespielt. Sie hat grosse Teile dieser Jugend erzogen. Im Rahmen der Rettungsversuche Jüdischer Kinder, die erwähnt werden, verdient ohne Zweifel der Heidelberger Pfarrer Dr. H. Maas einen hervorragenden Platz. Wie wir hörten, reiste er mehrere Male mit jüdischen Kindern nach England, um sie körperlich und geistig zu retten. Die auf S. 189 erwähnte Festschrift zu Ehren von Rabb. Dr. Leo Baeck erschien zu seinem 80. Geburtstag (nicht 90.) Rabb. Dr. Jakob Horowitz ist an den Folgen seiner Haft in einem Sanatorium in Holland (nicht in Frankreich) gestorben. Ein sehr interessanter Artikel an versteckter Stelle verdient Aufmerksamkeit. “Die jüdische Volksschule” von Siegfried Braun, Köln in “Die Bne Briss”-Mitteilungen d. Grossloge für Deutschland (Jan. /Fbr. 1937). Die Bedeutung des Artikels ergibt sich aus dem Datum. Die Ausgliederung der Juden aus d. deutschen Kulturkreis ist eine vollzöge ne Tatsache. Das Jüdische wird zum übergreifehden Thema in der Erziehung. Das vom Schein des Unheimlichen umkleidete Wort “Auswanderung” taucht auf. Ein Verzeichnis unterrichtet abschliessend über Schulen und Berufsausbildungsstätten usw, die über die Schule damals hinausführten. Im Jahre 1948 schrieb Rabb. Dr. Max Grünewald — Präsident des Leo-Baeckinstituts — in “The Jewish Review” (Jan/Fbr) einen Artikel über: “Erziehung und Kultur der deutschen Juden unter der Naziherrschaft”: “Deutsches Judentum... leistete keinen Widerstand mit Hilfe der Waffen; es war kein offener Kampf wie in den Strassen von Warschau; aber nichts destoweniger war es ein Widerstand gegen eine Macht, die es mit dem moralischen Tod vor der physischen Ausrottung bedrohte. Auch nach der Zerstörung aller jüdischen Institutionen und nachdem alles organisierte jüdische Leben zu existieren aufhörte, fuhren deutsche Juden fort, zu lernen und ihre Kinder zu belehren”. Diese Geschichte wird in diesem Buch begonnen, kommenden Generationen zu berichten. Wir warten auf seine Fortsetzung. Dann wird ein heroisches Kapitel unserer Geschichte vor dem Vergessen bewahrt werden. ZU DEN GEDÄCHTNISWORTEN ÜBER Dr. ERICH KLIBANSKY s.A. in Nr. 38 David Alster-Jardeni (Haifa), der dem ausgezeichneten Pädagogen Dr. Erich Klibansky in der letzten Nr. des Mitteilungsblattes so ehrende Worte der Würdigung gewidmet hat, bekannte, dass er in biographischer Hinsicht ausser, der Tatsache, dass Dt. Klibansky anfang der 30er Jahre aus Breslau nach Köln kam, nichts über ihn in Erfahrung gebracht hat. Dr. Klibansky stammte aus Frankfurt a/Main, wo seine Eltern das szt. im In- und Ausland bekannte Knaben-Pensionat führten, das den Namen der Familie trug. Sein Bruder Josef war ein bekannter Rechtsanwalt in Frankfurt (auch noch während einer Reihe von Jahren in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg), und sehr aktiv im jüdischen Gemeindewesen. Ehemalige Frankfurter werden sich seiner auch wegen seiner schauspielerischen Begabung erinnern, von der man sich bei zahlreichen Festlichkeiten jüdischer Organisationen überzeugen konnte. Er war stets bereit, jungen Studenten auf verschiedene Weise zu helfen, zumeist im Rahmen des Bundes Jüdischer Akademiker, in dem orthodoxe Studenten organisiert waren. MORDECHAI NOT (Manfred Neuberger) Ramat Chen, Israel 16