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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Gedichte aus der Zeit 1939-45 STANISLAW WYGODZKI, der polnische, jetzt ln Israel lebende Dichter, versuchte, das Selbsterlebte ln einer perforierten Gestalt des Gedichts, in einer Art realistischer Dechiffrierung wiederzugeben, wobei ihm bewusst war, dass die von ihm selbst vollbrachte Absicht, noch “Verse” zu schreiben, verfehlt war. Das Werk in seinem Zwiespalt von Bejahung und Verneinung der dichterischen Diktion ist der bewusste und ehrliche Ausdruck einer unvollendbaren Vergegenwärtigung. Die Titel lauten “Pamietnik milosci” ("Tagebuch der Liebe”, 1948), “Wierszt” (“Gedichte”, 1950), “Wzgorza” (“Hügel”, 1952) und “Wybor wierszy” (“Ausgewählte Gedichte”, 1954). Sprich jetzt nicht Verse an meinen Ohren von Lokomotive und dunklem Waggon. Kalt sind die Füsse. Die Hände erfroren im Lager schon. Sprich mir nicht Verse. Denk sie für dich. Schweigen wir still, da wir ausruhen wollen. Noch sehe ich dich, noch atme ich. Die Räder rollen. Vom Lumlnal sprich. Hast du’s zur Hand? Weckt man die Schlafenden wohl mit Gewalt? Und... wenn ich verbrenne... werd’ ich verbrannt... Erlösche ich bald? Sprich mir doch lieber von unserer Kleinen. Schwül der Waggon, der nur Finsternis kennt! Bist du auch sicher... wird sie nicht weinen, eh sie verbrennt? “Meine Leidenszeit hatte damit begonnen, dass ich gemeinsam mit zahlreichen bekannten und unbekannten Menschen den Weg nach Auschwitz antreten musste. In einem Viehwagen eingepfercht, wurden wir, d.h. meine Frau und ich, mein vierjähriges Töchterchen und viele andere Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft nach Auschwitz verschleppt. Ich allein überlebte das Grauen, meine Frau und mein Töchterchen fanden den Tod ln der Gaskammer. An dem gleichen Tag, am 1. August 1943, verlor ich Vater und Mutter. Meine Brüder kamen später ebenfalls in Auschwitz ums Leben”. Eine Skizze der Sammlung “Basy” gründet sich auf Akten des Gestapo-Archivs in Gleiwitz: Der stellvertretende Theaterintendant Wiesner begeht zusammen mit seiner Frau Selbstmord, da sie in einem Verhör gestehen musste, Jüdin zu sein. In einer Vision ohnmächtiger und untrennbarer Gemeinschaft gehen die Eheleute zugrunde. Eine zweite Skizze dieses Buches schildert Elend und Untergang des jüdischen Proletariats in der Stadt Bedzin (Bendzin). Die acht Erzählungen “Widzenie” berichten autobiographisch vom Kampf der kommunistischen Partei in der Pilsudski-Aera und vom Widerstand während der NS-Zeit; sie spielen vorwiegend im Industrierevier von Bendzin-Dobrowa. Die Anlage des berüchtigten Bendziner Ghettos wird beschrieben: “Man vertrieb uns aus den Wohnungen und Häusern, drängte uns langsam, aber nach einem Plan ins Ghetto, das erst Strassenabschnitte und dann ganze Strassen einnahm... Der Plan unsrer Aussperrung war gross, wohlüberlegt und brauchte seine Zeit. In der Stadt lebten damals an die dreissigtausend Juden. Die Deutschen bereiteten sich zur grossen .Abrechnung’ vor, und die Ruhe, die bisher geherrscht hatte, war eine scheinbare Ruhe gewesen”. Die abschliessenden Erzählungen führen in die Gegenwart, die sozialistische Ideologisierung. Wygodzki, 1907 in Bendzin geboren, war bereits als Gymnasiast Mitglied der (damals illegalen) Kommunistischen Partei Polens. Er wurde 1924 von der Schule verwiesen und 1925 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Wegen der jüdischer Abstammung kam er ins Warschauer Ghetto und war KZ-Sträfling in Auschwitz, Oranienburg, Sachsenhausen und Dachau. 1945 kehrte er nach Polen zurück. 1968 wanderte er nach Israel aus. In einer Art Autobiographie, “Zatrzymany do Wyjasnienia” (“Festgenommen bis zur Klärung”, 1968 in einem Pariser Exilverlag ersch.), blickte er auf die Kampf- und Leidenszeit zurück und erklärte seinen Unwülen über die Herrschaftsmethoden des Stalinismus (er war abermals verhaftet worden). In einigen Skizzen suchte er noch eiiimal die oberschlesische Landschaft einzufangen: “Indessen brauste der Die Lebenserinnerungen des Rechtshistorikers Guido Kisch, die 1975 im Verlag Thorbecke, Sigmaringen erschienen, sind nicht nur für Juristen interessant; denn das Rechtswesen ist die Basis der menschlichen Kultur. Wie oft empfinden wir dankbar, dass in unserem Staat bei allen sonstigen Schwierigkeiten die Unbestechlichkeit des Gerichtswesens gesichert ist. Zurecht betont Kisch: “Das römische Recht, diese Schöpfung antiken Geistes hat den römischen Staat um Jahrtausende überdauert und wirkt bis heute auch in den europäischen Rechtssystemen nach”. Ab Beginn der Neuzeit haben Melanchton und Reuchlin, der sich besonders durch seine hebräischen und kabbalistischen Studien ausgezeichnet hat, in “wahrhaft bahnbrechender Weise das Recht als Grundphänomen des menschlichen Lebens gesehen”, wie bei der Ehrung für Guido Kisch anlässlich der Verleihung des Jakob Burckhardt-Preises 1972 in Basel gesagt wurde. Guido Kisch, geboren 1889 in Prag kann seine Vorfahren bis auf den Hohen Rabbi Löw im 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Als Zeichen seiner tiefen Beziehung zu seiner Geburtsstadt Prag gibt er die Verse seines Bruders Bruno wieder, die er dichtete, als er Militärarzt in der österreichischen Armee war. “In grauer Stunden Einsamkeit / denk ich an dich mit Sehnen. / Ich liebe deine Sonderheit / ich liebe deine Ewigkeit, / du steinernes Meer des Schönen.” In unserm Zeitalter der tektonischen Verwerfungen verlief ein wichtiger Teil des Lebens von Guido Kisch in der Emigration. Dass für sein spezielles Forschungsgebiet kein Platz, “kein Stühlchen” kein Lehrstuhl gefunden werden konnte, ist nicht verwunderlich. Seine Forschung gehört zum europäischen Kulturraum und fand in den 30er Jahren in Amerika, wohin er flüchtete, kein Interesse. Als ihm, nach der Machtübernahme durch die Nazis sein Lehrstuhl an einer deutschen Universität entzogen wurde, schrieb. er eine Biographie über das Leben seines Vaters, d. Rabbiner in einer Grossgemeinde in Prag war und eine Forschung über “Die Prager Universität und die Juden, von 1348—1848”. Gleichzeitig beteiligte er sich an der jüdischen Kulturarbeit, die mit gewissem Recht als “Aufbau im Untergang” bezeichnet wird. Seine Bemühungen um Berufung an eine Universität in der Schweiz, in Holland und auch in Prag schlugen fehl. Nachträglich war er dankbar dafür, denn sonst wäre er bei der Besetzung der Tschechoslowakei in die Nazi-Falle geraten. Zug an qualmenden Industriewerken vorbei: In riesigen, offenen Fabrikhallen loderten Öfen, ganze Wände flüssigen Stahls verschoben sich quietschend, Eisen rasselte. Es roch nach Säure, Schwefel, Chlor... Der oberschlesische Nachmittag wurde bald klarer, warf Farbe auf das junge Grün der Felder. Die niedrigen Wolken zogen nach Westen, wo die Sonne rot drohend glühte. Vor ihnen lag makellose, ruhige Bläue. Zu beiden Seiten der Chaussee erstreckten sich Felder. Auf einem kleinen Hügel sah er eine Schlossruine, und plötzlich erinnerte er sich an die Gegend. Es war Bendzin”. Frau ELSE LEVI - MÜHSAM D. 775 Konstanz, Gottfried von Herdeweg 2 hat uns freundlicherweise den Artikel von Stanislaw Wigodski überlassen, der in uns traurige Erinnerungen weckt. Wir danken von dieser Stelle aus Frau Levi, die als alte Breslauerln immer Interesse für unsere Zeitung zeigt und sehr rührig und aufgeschlossen in der Bundes-Republik literarisch arbeitet. Nur zögernd entschloss er sich zur Auswanderung nach Amerika, da er damals noch nicht englisch sprechen konnte. In Amerika erhielt er zunächst ein Stipendium der American Acadeiny for Jewish Research und später eine Gastprofessur am Jewish Institute of Religion. Jedoch reichte das Einkommen für den Lebensunterhalt nicht aus. Daher übernahm er zusätzlich Deutschunterricht an einer Musikschule. Vergebens hat er sich bemüht, zu seinem Fach zurückzukehren, verlor aber nicht den Humor. So erzählt er, dass mittellos und unbekannt wie die Emigranten waren, sie, um Interesse zu erwecken, sich zwar jetzt als kleine Dachshunde darzustellen liebten, die aber früher grosse Bernhadiner gewesen seien. Da er in seinem Gebiet nicht arbeiten konnte, vertiefte er sich in die jüdische Geschichte. Seine Forschung “The Jews in Medieval Germany” wurde mit Hilfe des Bankiers Paul Bärwald, der aus Frankfurt stammte, veröffentlicht. Der Initiative von Kisch ist die Gründung der Halbjahrsschrift “Historia Judaica” in Amerika zu verdanken. Er wollte die Tradition der “Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums” fortsetzen, die 1854 von Zacharias Frankel, dem ersten Direktor des Theologischen Seminars in Breslau gegründet wurde und deren letzte von Leo Baeck herausgegebene Ausgabe im Jahre 1938 von den Nazis vernichtet wurde. Dieses Abbrechen der Zeitschrift hat ihn damals tief niedergeschlagen und hat veranlasst, trotz seiner Unkenntnis der amerikanischen Verhältnisse, sie zu ersetzen. Seine Frau, die aus Breslau stammte, half ihm durch ihre unermüdliche Unterstützung. Die Zeitschrift gab vielen eingewanderten Gelehrten die Möglichkeit, ihre Forschungen zu veröffentlichen. Er erwähnt, dass die sachliche und objektive Behandlung der Buchbesprechungen in “Historia Judaica” beispielgebend auf diesem Gebiet in USA gewirkt hat. In den 60er Jahren kehrte er nach Europa zurück u. lebt in Basel, wo er freundlich aufgenommen wurde und weiter wissenschaftlich tätig ist. Er ist dankbar, dass er auch im Alter dazu fähig ist. Am Ende einer Erinnerungen zitiert er einen Auspruch Jakob Burckhardts, zu dem er sich auch selbst bekennt: “Aufrecht gehaltene ehrliche Arbeitskraft ist auch ein Gottesdienst”. ANNI LÖWENSTEIN - PBIEBATSCH Ramat-Chen. Der Lebensweg eines Rechtshisforikers 12

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