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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Orient 1846 S. 16, Denkschrift a.a.O., Volksbuch d. J. Gern. Kempner 1835, Nr. 26 Mitteil. d. Syn.- Gem. Oppeln, a.a.O, Israel. Familienblatt, Hamburg 1927 Nr. 44, Benjakob, Thesaurus, Zadeh Nr. 16, Mem Nr. 1481, Handschriften Sammlung Louis Lewin Nummern 112, 149, 196, 201, 355, 376, 402, 418, Kattowitzer Zeitung 27. Okt. 1921, Jewish Encyclopedia I S. 428, IV S. 160, Bruell’s Populaer- Wissensch. Monatsbl. 1892 S. 163, Jüd. Presse, Berlin 1889, S. 439, für 1793 cf. Weinryb, Neueste Wirtschaftsgesch. d. Jud. i. Russland u. Polen S. 35, für 1852 siehe Jüd. Familienforschung 1938 XIV 908, siehe noch Brann, Gesch. d. Jud. in Schlesien I S. 25, 27, m 86, 6, Anhang XXXIX. 3. Pitschen. Hier sollen schon in der Piastenzeit Juden gewohnt haben. Die Stadt gehörte zu den Orten, die die durch Gesetz d.d. 8. März 1780 vom Lande vertriebenen Juden aufnehmen durften. Im selben Jahre wird hier ein Mitglied der Familie Pappenheim (aus Pappenheim Mittelfranken stammend) genannt, von denen auch andere Mitglieder in Oberschlesien wohnten. Im Jahre 1830 finden sich hier einige Subscribenten auf das obenerwähnte Breslauer Machzor. 1843 wohnten hier 10 Familien oder 101 Seelen. Am 3. August 1865 erliess der Corporationsvorstand bestehend aus: David Tropolowitz, Rosenstein und Glaser einen gedruckten Aufruf, in dem um Beiträge zur Umfriedung eines neuerstandenen Friedhofs gebeten wurde, die Regierung hatte die Gemeinde, die damals aus etlichen 20 wenig bemittelten Mitgliedern bestand, zum Ankauf des Begräbnisplatzes gezwungen. Die Gemeinde schuldete damals einige 100 Taler. Es existierte auch eine Chewrah Kadischa. Als Curiosität wird erwähnt, dass im Jahre 1650 hier eine christliche Hebraistin, Maria Cunitzen, Tochter und Gattin eines Arztes, lebte. Sie redete 7 Sprachen, darunter auch Hebräisch. LITERATUR: H. Koelling, Gesch. d. Stadt Pitschen, Der Israelit 1912 Nr. 5 S. 2, Mitteil. a.d. Gesamtarch. d. deutsch. Jud. IV, 171, Allgem. Zeit, d. Judent. 1912 S. 41 f., Lustig, Gesch. d. Stadt Myslowitz 1867 S. 323, Denkschrift, a.a.O., Jewish Encyclopedla IX S. 511 f., Der Orient, a.a.O., Archiv d. Syn. — Gern. Breslau, Akten Rosenberg O/S, S. VH CI, 9, Steinschneider, Hebr. Bibliographie XX 67, Berlin 1880, fr 1831 siehe Erwin Hintze, Katalog... Ausstellung... das Judent. i.d. Gesch. Schlesiens, Breslau 1929 S. 43, vor 1852 cf. Jüd. Familienforschung, a.a.O., siehe auch Brann, a.a.O., Handschriften-Sammlung Louis Lewin Nummern 136, 149, 184, 201, 376! STATIONERY — BOOKSELLER Josef Freyhan formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTAEBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 PAPIERWAREN ROTKOWITZ BUROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel.' 625420 Meine wunde Aus den Lebens-Erinnerungen von BELLA CARLEBACH - ROSENAK. Gattin des verstarb. Rabb. Rosenak, Bremen, die in New York am 24. November 1957 gestorben ist, die Breslauer Zeit In dem schönen “Beate Gutmann-Heim”, das ich in meinem Bericht schon einmal als vobildliches Altersheim erwähnte, war ich ein Jahr vor meine Auswanderung mit Omama Aber zusammen. Hier setzte die Zeit meiner wunderbaren Rettung ein, die zweimal in meinem Leben durch das Bild des Grossvaters in Uniform erfolgte. Mein treuester Helfer und Beschützer war mein Bruder Joseph, der damals noch der Ober-Rabbiner in Hamburg war. Als ich 1938 mit Aber’s zusammen in Hamburg beim “Amerikanischen Konsulat” vorsprach, um mein Visum zu bekommen, sagte der Konsul — ohne mich anzusehen —: “Eine Mutter gehört nach amerikanischem Gesetz nicht zur Familie. Sie muss sich registrieren lassen”. Da half mir nicht mein “affidavit” von Dr. Bernstein mit hoher Verdienstangabe. Das war ein schwerer Schlag für mich, war aber nicht zu ändern. Mein Sohn glaubte von Washington aus die Sache innerhalb 4 Wochen regeln zu können. Aber es dauerte 3 Jahre. Diese 3 Jahre waren nach dem Tod des Grossvaters wohl die schwersten für mich, obgleich ich das Glück hatte, im Beate Gutmann-Heim sein zu können und unter dem Schutz meines Bruders Joseph stand. — Meine Leipziger Kinder waren im Begriff, vorerst nach Holland zu gehen und hofften von dort aus zu ihren Kindern nach England zu kommen — aber leider glückte es nicht. Das erste Mal war ich im “Beate Gutmann- Heim” nur ein Gast für 4 Wochen; ich wollte gern das Leben in einem Altersheim kennen lernen und hatte Gelegenheit Omi Aber’s Zimmer zu bekommen, während sie bei ihren Kindern in Palästina war. Es gefiel mir ausserordentlich gut, besonders dadurch, weil Jung und Alt vereint war. In den Parterre-Räumen war eine Haushaltungsschule, und man hörte vom Garten herauf immer die frohen Stimmen und den Gesang der Jungen Mädchen. Ich machte den Vorschlag, uns am Freitag Abend nach dem Essen, in den Gesellschaftsraum zu setzen um uns zu unterhalten — möglichst mit einem festen Programm — um dadurch die Unterhaltung über das Essen zu unterbinden. Am ersten Abend blieben nur 8—10 Damen zusammen. Ich sprach von dem Buch meiner Mutter und las einiges vor — wodurch eine interessante Diskussion entstand. Es waren 2 Tanten von Dr. Berthel Badt- Strauss dabei, die sehr unterhaltend mitwirkten. Am 2ten Freitag kamen schon viel mehr Damen, und manche meldeten sich zum Vortragen und Vorlesen. Vor allem unterhielten wir uns immer über das laufende jüdische Jahr. Sehr befriedigt trennten wir uns, um uns am nächsten Freitag Abend wiederzusahen. Meine 4 Wochen waren bald herum, und die reizende, vornehme erste Leiterin des Heims — Frau Cohn — versprach mir, sobald ein Zimmer frei würde, mir Nachricht zu geben, damit ich bis zu meiner Auswanderung wieder im Heim bleiben könne. Die Jahreszahl kann ich nicht genau angeben; es muss Mitte oder Ende 1939 gewesen sein. Als ich ins “Beate Gutmann-Heim” zurückkam, fand ich das Haus und die Insassen verändert und als ich in einer Unterhaltung der Leiterin meinen Eindruck erwähnte, antwortete sie: “Sicher liegt diese Veränderung in der Zeit und in der Unruhe, was der nächste Morgen uns bringen mag. Seien Sie nicht boese, wenn ich von Ihnen das Gleiche empfinde”. bare Rettung Nachdem ich kurze Zeit wieder im Heim war, überfiel mich eine schwere Nervenentzündung, hinzu kam eine doppelseitige Lungenentzündung. Ein hinzugezogener Professor sagte: “Unter 100 Fällen tritt diese Krankheit einmal so schwer auf”. Man wollte und konnte mich nicht mehr im Heim pflegen und wollte mich ins gegenüberliegende jüdische Krankenhaus schicken. Da ■ war wieder der Bruder der Retter. Er fand nach der rührend fürsorglichen Pflege meiner Schwägerin Recha Carlebach, die zu ihrer eigenen Rettung den Liebesdienst an mir 'vorzeitig abbrechen musste, zwei "private nurses”, (eine Tag -und eine Nachtsschwester) und zahlte meine Pension (die von Bremen aus aufhörte) und die "nurses”. Ein grosses Glück für mich war die Tagesnurse — Elsbeth Bornstein — die mich lieb gewann und mich wieder gesundpflegen wollte (wie sie es sich gelobte). 7 Monate lag ich — dann trat eine Wendung zur Genesung ein — doch blieb die Schwester weiter meine Retterin, indem sie fast täglich zum “Hilfsverein” ging, um zu hören, ob ich einem Transport angeschlossen werden konnte. Dieses monatelange Hangen und Bangen war furchtbar. Die Schwester sparte jedes Stückchen Zucker, Obst für mich, da alles zur Pflege fehlte. Nach einem Jahr holte mein Bruder mich für einige Wochen zu sich trotzdem die Familie selbst nicht genug zu essen hatte. Es war unbeschreiblich rührend, wie er mich pflegte und betreute. Ein Jahr später kam über Nacht der Befehl, das Heim zu räumen; innerhalb 2 Tagen müsse es geschehen sein. Einige Monate vorher ordnete man an, dass niemand ein Zimmer alleine bewohnen dürfe. Auch das war für viele schon eine harte Prüfung. Für mich setzte die Schwester Elsbeth durch, dass sie selbst bei mir bleiben durfte, da ich noch sehr schwach war.-Als der Befehl zur Räumung kam, tröstete man die Alten und Leidenden, sie kämen nach Thormersdorf, einem schönen Platz mit mehreren Heimen, wo sich alle wohlfühlen würden. Schwester Elsbeth setzte durch, d. ich zu ihr ziehen dürfte, da man im Hilfsverein sagte, ich müsse in Breslau bleiben, da täglich ein Transport zusammengestellt werden konnte. Doch die leitenden Damen des Hauses baten mich mit nach Thormersdorf zu gehen, da ich es so gut verstünde, die Alten zu trösten und zu unterhalten; ausserdem sei ich von Thormersdorf aus näher zu Berlin, wenn der Ruf kommt, als von Breslau aus. So entschloss ich mich, mitzugehen. In der Nacht vor unserer Abfahrt versuchte eine Blinde, die am Tage unserer Ankunft ihren 80sten Geburtstag hatte, Gift zu nehmen, und nach wenigen Tagen versuchten es mehrere. Die Wagen, die wir besteigen mussten, glichen einem Viehwagen. Da fühlten wir schon, wie und wo wir landen würden. Schwester Elsbeth hob mich ln den Wagen, gab mir für einige Tage etwas zur Verpflegung mit und schickte. täglich etwas, wass sie sich vom Munde absparte. In rührenden Briefen schrieb sie mir, dass sie alles tun würde, mir zu helfen, damit ich bald herauskäme. Die vielen schrecklichen Einzelheiten der Ankunft die Schilderung der vor noch 2 Tagen gewesenen Irrenanstalt, erregt mich jetzt noch beim Schreiben. Einige nicht schwer Geisteskranke blieben im Hause. Man konnte kein Fenster öffnen, keine Tür schliessen. Toiletten funktionierten nicht. Wasser musste man von der Strasse holen — und jeder Insasse musste helfen. Schwester Elsbeth Hess sich von der Heimschwester das Versprechen geben, mich noch zu schonen — was sie auch tat. Ich versuchte — selber mit blutendem Herzen — einige Alte und eine Blinde zu trösten, doch es gelang mir nicht. (Fortsetzung Seite 10) 9

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