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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Schlusstein der Emanzipation ZUM 10«. GEBURTSTAG VON ISMAR FREUND Von MAX P. BIRNBAUM, Jerusalem Der Verfasser, der ein enger Mitarbeiter Freund’s war, stellt uns diese Würdigung zur Verfügung. In diesen Tagen jährt sich zum hundertsten Male der Geburtstag eines Breslauers, der in der Zeit der Weimarer Republik eine für das deutsche Judentums entscheidende und historisch bedeutsame Rolle gespielt hat. Dr. Ismar Freund, am 11. April 1876 in Breslau geboren, war der einzige deutsche Jurist, der zugleich das Rabbinerdiplom besass. Er war seit 1902 im Dienste der grössten jüdischen Gemeinde Deutschlands — Berlin, mit damals rund 180.000 Juden — und ihr leitender Beamter. Zugleich war er Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, an der er jüdisches Staatskirchenrecht und jüdische Rechtsgeschichte in Deutschland lehrte. Auf diesem Spezialgebiet errang er sich internationalen Ruf. Unter anderem veröffentlichte er 1908 im Aufträge des Verbandes der Deutschen Juden ein grundlegendes Quellenwerk über das jüdische Volksschulrecht in Preussen und 1912 anlässlich der Hundertjahrfeier des preussischen Emanzipationsedikts eine zweibändige Geschichte dieser Emanzipation. Im folgenden Jahr betraute ihn das massgebende Wörterbuch des deutschen Staatsrechts mit der Abfassung des Artikels über die jüdische Religionsgemeinschaft. Noch bedeutsamer als diese wissenschaftlichen Spitzenleistungen aber war die jüdisch-politische Tätigkeit, die er in den Jahren der Weimarer Republik ausübte. In einer kleineren Arbeit hatte er 1911 geschrieben: “Der Weg zur völligen Emanzipation des Juden führt über die Emanzipation des Judentums”. Diesem Ziel, der Gleichstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft mit den christlichen Kirchen, widmete er mit unbeirrbarer Zähigkeit seine einzigartigen Gaben staatsrechtlichen Wissens und politischen Verhandlungsgeschicks. Die Gelegenheit hierfür bot sich in den Bestimmungen der Weimarer Verfassung von 1919, die eine “Staatskirche” abschafften und grundsätzlich keinen Unterschied zwischen den Religionsgesellschaften öffentlichen Rechts kannten. Trotzdem hatte Freund einen oft erbitterten und unnachgiebigen Kampf mit der Ministerialbürokratie zu führen, die immer wieder versuchte, das schon Erreichte zu sabotieren. Nur eine Persönlichkeit von der Kompetenz und Zielbewusstheit Freund’s war diesen Gegnern gewachsen, gegen die er sich mit scharfem Blick für politische Konstellationen die Unterstützung führender Parlamentarier von der Rechten bis zur Linken sicherte. Nachdem im Jahre 1921 sein Versuch, den seit 1869 als Privatverein bestehenden Deutsch-Israelitischen Gemeindebund (DIGB) zur öffentlichrechtlichen Gesamtvertretung der deutschen Juden umzugestalten, trotz anfänglicher Erfolge auf unerwarteten Widerstand der in Süddeutschland bestehenden jüdischen Landesorganisationen stiess und zu endlosen Verhandlungen mit den zuständigen Regierungsstellen zu führen drohte, schlug er kurz entschlossen Mitte 1922 dem Berliner Gemeindevorstand vor, die Synagogengemeinden in Preussen zur Gründung eines Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden einzuladen und auf diese Weise die erwähnten Schwierigkeiten zu vermeiden. Diese Gründungstagung fand am 25. Juni in Berlin in Gegenwart von Vertretern des Reichsinnenministeriums, sowie des preussischen Finanz- und Kultusministeriums statt, die die Versammlung begrüssten und ihre Untestützung zusagten. Bis zur Bildung der Verbandsorgane im Jahre 1925 war Freund im Aufträge der Berliner Gemeinde der alleinige Geschäftsführer des Verbandes, dessen Mitgliederzahl in wenigen Jahren bis auf über 750 Gemeinden anstieg, und der damit rund 95% der Juden in Preussen umfasste. In dieser Übergangszeit erzielte er seinen ersten grossen Erfolg. Die Ermordung Walter Rathenau’s am Tage vor der Gründung des Verbandes und die Besetzung des Rheinlandes Anfang 1923 hatte die von dem verlorenen Krieg ohnehin geschwächte deutsche Wirtschaft so nachhaltig erschüttert, dass ein beispielloser Zusammenbruch der deutschen Währung eintrat. Der Kurs des Dollars sprang von 100.000 Mark im Juni 1923 auf über eine Million Mark Anfang August, bis er im November die astronomische Höhe von 4,2 Billionen Mark erreichte, bevor durch Einführung der Rentenbezw. Goldmark die Stabilisierungsperiode begann. Alle öffentlichen Einrichtungen waren durch diese Entwicklung schwer betroffen, insbesondere auch die Religionsgesellschaften und ihre Einrichtungen. In enger Zusammenarbeit mit den Spitzen der Kirchenverwaltungen gelang es Freund, die Katastrophe zu mildern, indem das Reich auf völlig unorthodoxe Weise unter Übergehung der Länder den Religionsgesellschaften direkt die Mittel zur Besoldung ihrer Beamten zur Verfügung stelle. Auf diese Weise erhielten die jüdischen Gemeinden das Equivalent von über 640.000 Goldmark, die einzige Hilfe, die monatelang den Zusammenbruch selbst der Grossgemeinden verhinderte. Nach der Stabilisierung erwirkte Freund in ungemein mühsamen Verhandlungen und gegen immer neue Widerstände die Gewährung von Staatsbeihilfen, die regelmässig in den jährlichen Staatshaushalt aufgenommen wurden. Neben den sogenannten Rabbinerstaatsbeihilfen, die nur an verhältnismässig wenige Gemeinden flössen, da es in Preussen nur etwa 80 Rabbinerstellen gab, waren es vor allem die “Beihilfen an leistungsschwache Synagogengemeinden behufs Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht”, die dem Landesverband zur weiteren Verteilung übergeben wurden, und durch die Hunderte .von Kleingemeinden in allen Teilen des Landes vor dem Zusammenbruch gerettet und in die Lage versetzt wurden, ihre Kultusbeamten beizubehalten und ihnen angemessene Gehälter zu gewähren. Diese Beihilfen beliefen sich bis zum Beginn der Naziperiode auf über 3 Millionen Mark. Ihre Bedeutung für die Erhaltung des Jüdischen Lebens abseits von den grossen Zentren ging weit über das Finanzielle hinaus. Zugleich waren sie der sichtbarste Beweis für die endliche Gleichstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft mit den Kirchen, denen der Staat seit einem Jahrhundert ähnliche Zuwendungen gemacht hatte. Es ist eine der Ironien d. Geschichte, dass diese “Vollendung der Emanzipation” in Deutschland, mit der der Name Ismar Freund unlösbar verbunden ist, in ihre absolute Negierung durch die Nazis mündete. Freund wanderte 1939 nach Israel aus und stellte seine besonderen Fähigkeiten der Jewish Agency zur Verfügung, in deren Auftrag er eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten unternahm, u.a. ist ihm der erste Entwurf für eine Verfassung des Staates Israel zu verdanken. Er starb ln Jerusalem kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres am 21. Februar 1956. Seine umfangreichen Papiere, die eine unschätzbare Quelle für die Geschichte der Juden in der Weimarer Republik darstellen, sowie wertvolles Material über die Emanzipation der Juden, das er in Berlin bis zuletzt, quasi unter den Augen der Nazis, im Geheimen Staatsarchiv kopiert hatte, sind von ihm den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem vermacht worden, wo sie noch einer vollen Auswertung harren. Karl Ludnowski Haifa ZUM 90TEN GEBURTSTAG Im Jahre 1967 haben wir ln Nr. 22 unseres Blattes eine Würdigung für Karl Ludnowski, anlässl. seiner'Übersiedlung nach Haifa, geschrieben. Heute haben wir die Freude, ihn anlässl. der Vollendung seines 90ten Geburtstages von dieser Stelle aus, nochmals zu würdigen. Dieser geistig und körperlich so rege Mensch hat im Gemeindeleben Breslaus, in der Loge und in den verschiedenen Wohltätigkeits-Institutionen, trotz schwerer Arbeit als Handels-Vertreter, immer ehrenamtlich gearbeitet. In diesem Blatt bringen wir ein Bild der “Alt Glogauer Synagoge, Breslau, Gartenstr.”, in der er die Beter durch seinen schönen Gesang, seine innige Vortragsweise und sein tiefes,, religiöses Gefühl ermunterte. Es ist unmöglich, im Rahmen eines Artikels all die Vorzüge aufzuzeigen, die der Jubilar hat. Uns liegen etwa 10 verschiedene Dankschreiben und andere Zeugnisse vor, die Karl Ludnowski von den verschiedenen Bethäusern und Wohlfahrts- Institutionen erhalten hat. Auch hier im Lande hat er immer, dort wo er, war, ob in Pardess Chana, oder Megged etc. für eine würdige Ausgestaltung der Tefillah Sorge getragen. Auch in Haifa, in der neuen Umgebung, ist er beliebt und geehrt. Wir wünschen unserem lb. Karl Ludnowski, auch weiterhin viele Jahre in Gesundheit, Zufriedenheit und Lebensfreude. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL 7

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