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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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viel wert wie alle Menschen.” Wir waren ergriffen, gibt es so etwas noch?, Um eine Flucht von uns zu verhindern, schnitt man uns die Haare ab. Es war ein furchtbarer Anblick, keiner erkannte den anderen. Die Russen näherten sich, ln der Nacht schlug eine Bombe in Nebengebäude ein, die Detonation war furchtbar, unser Schreck auch! Der Scharführer kommt und sagt zu uns : "Sollte etwas passieren, so öffne ich die Tore und ihr seid frei!” Leider kam es nicht dazu. Man sagte uns, dass wir alle per Schiff nach Deutschland abtransportiert werden. Ein grosses Kriegsschiff, mit der restlichen S.S.-Besatzung, wurden wir in den tiefsten Teil des Schiffes im Sand verfrachtet. Es war in der Nacht des Versöhnungsfestes. Ein Inferno begann, das Schiff wurde von den Russen beschossen, es gab kein Licht, das Schiff schaukelte, viele wurden seekrank. Zwei Mädchen hatten sich auf ein Brett an der Seite des Schiffes gelegt, da ertönt ein Schrei : “Wir ertrinken, das Schiff hat ein Leck.” Plötzlich hören wir Schritte auf der Treppe, Matrosen brachten die erlösende menschliche Stimme. “Kinder, habt keine Angst, Wir bringen Euch gut rüber, Es ist nur Wasser durch das Bullauge gekommen”. Wir landeten in Danzig und wurden mit einem Kahn nach Stutthof gebracht. Wir gingen durch eine Allee, ein wunderbarer Anblick, dann mussten wir stehenbleiben, wir hören : “Friedei, Grete, Anna, wie seht Ihr aus! So könnt ihr nicht durch die Kontrolle, wenn ihr leben wollt,” schrie Alex. Wie er es geschafft hat, Schuhe, Kopftücher, einen Lippenstift zu beschaffen, wird uns ewig ein Rätsel sein. Wir kamen durch, das zweite Inferno begann. Nicht die leiseste Spur von einem menschlichen Laut war zu spüren. Nur Appell, Aussuchen zum Tod und Läuse. Ich erinnere mich, einmal gelesen zu haben. Es wirkte sich die Wohltat aus und man erkannte, dass es fast keine unerträglichen Situationen gibt, mit denen man nicht fertig werden könnte. Ketten, an denen man verzweifelt rüttelt, schneiden um so tiefer in die Haut, lässt man sie ruhen, spürt man sie weniger. Diese Lehre übten wir besonders im Stutthof aus. Jeder Tag war furchtbar, nur die Hoffnung, dass uns die A.E.G. aus diesem Todesblock herausholen könnte, erhält uns. Da hören wir eines Tages den Ruf : “A.E.G. Kabelabteilung raus.” Mir zittern die Knie, werden wir Drei zusammen bleiben? Wir stellen uns an und warten auf die Nummeransage. Als Erste ertönt meine, ich, musste auf die andere Seite. Nie in meinem Leben vergesse ich die Spannung und Sorge! Ich glaube, eine Schwester von Dir kommt, Anna stürmt auf mich zu, sie schreit: “Wir sind gerettet”. “Sara, ran an die Kolonne!” schreit der Scharführer. Gottlob, als letzte kam Grete, “Anna, jetzt ist es gleich, wo wir stehen, die Hauptsache ist, wir bleiben zusammen” Wir bekamen Zivilsachen, so sehr ich mich mit meinem Mantel mit Pelzkragen freute, so schwer war es mir, ihn zu tragen. Am Tor sahen wir Alex. "Kinder,” rief er, “Gott sei Dank! Viel Glück, wir sehen uns wieder!” Wir waren sehr bedrückt, dass er noch in der Hölle blieb. Gottlob sehen wir ihn nach der Befreiung wieder. Wir kamen nach Thorn, vom Regen in die Traufe. Ein Scharführer, der uns erst mal zur Begrüssung viele Stunden in Schnee und Eis Appell stehen Hess. Wir wurden in Baracken verteilt. Arbeiten in Schichten in einer kleinen Fabrik, die die A.E.G. provisorisch eingerichtet hatte, wieder Kabelarbeit. Ein Abend brachte uns etwas Freude in die trostlose Einöde. Es schneite, die Lagerführerin meldet die gute Nachricht. "Heute kein Appell!” Wir legten uns in die Koje und vergassen unsere Lage. Es wurden selbstverfasste Gedichte deklamiert, in Gedanken kochten wir die schönsten Gerichte. Wir kamen uns vor, als wären wir im Gebirge in einer Baude. Der nächste Tag brachte uns in die Wirklichkeit zurück. Der Scharführer verbrannte alle Papiere; ein Zettel flog weg, er jagte ihm nach. Ich denke, das bedeutet doch was, vielleicht Flucht? Man entfernt alle Schilder, schiesst die elektrischen Birnen kaputt, da ertönt der Befehl : “Alles antreten” Wir marschieren! Man drückte jedem von uns einen Strohsack, ein Stück Brot in die Hand und wir marschierten ab. Es war sehr kalt, wir gingen automatisch, sprachen kein Wort. Die Nacht kam. Endlich machten wir in einer Papierfabrik Station Viele, die polnisch sprechen konnten, ergriffen die Flucht. Viele hielten es nicht durch und starben Am nächsten Tag ging der Marsch weiter. Wir überschritten die Vordoner Brücke, über die Weichsel, sie war kilometerlang, endlos erschien sie uns. Kurz darauf hörten wir ein Getöse, sie wurde gesprengt. Und ich dachte : “Aus, Freiheit!” Endlich kamen wir nach Bromberg. Kurze Zeit standen wir dort. Da kommt die menschliche Stimme eines Mannes, der uns zuflüsterte : “Ich gebe Euch einen Rat, versteckt Euch, bald sind die Russen da!” Wir marschieren weiter, Grete konnte kaum mehr laufen. Anna, die vorher an Typhus erkrankt war, wurde auf einem Wagen gefahren, wir blieben ein paar Meter hinter der Kolonne und ich sagte : “Grete, wenn der Scharführer jetzt nicht sagt 'Sara, macht, dass ihr weiter kommt’, ist der Krieg für uns beendet.” Wir fliehen, unbeschreiblich ist das Bild, wie Grete aussah, ein langer Hals, der Kopf ohne Haare, sie konnte kaum die Füsse bewegen. Der Scharführer kommt, er sieht uns an, er sagt nichts. Vielleicht rührt sich in ihm auch eine menschliche Stimme. “Grete,” sage ich, “wir gehen nicht mehr mit.” “Ja”, sagt sie, “aber wir dürfen Anna nicht im Stich lassen..” Wir wissen nicht, wie wir es fertig gebracht haben, noch Kilometer zurückzulaufen. Wir fanden Anna, mit vielen Toten auf dem Wagen. “Anna, komm, wir müssen fliehen.” “Ja”, sagt sie, “aber ihr müsst alle mitnehmen”. Unmöglich, so schwer es auch ist, was können wir mit den Toten machen? Anna, wir wissen ja selbst nicht, was wir machen sollen. Unterwegs trafen wir einige Leidensgenossinnen, von denen zwei polnisch sprachen. Die erste Nacht verbrachten wir in einer Scheune, Kälte, Angst. Trotzdem schliefen wir etwas ein. Am Morgen sahen wir, dass noch viele zweifelhafte Gestalten mit in der Scheune waren. Wir hüllten uns in unsere Decken, damit man unsere Sträflingssachen nicht sah. Wir sehen ein Bauernhaus, gehen hinein, die Wirtin ist ein Mensch, sie hat so viel Mitleid mit uns. Will uns Kaffee machen und vor allem Schuhe geben. Sie geht einen Augenblick ins andere Zimmer, da wird d. Tür aufgerissen, zwei S.S.-Männer erscheinen, gehen zur Wirtin. Ich stehe auf, wir müssen sofort aufbrechen. Alle schrien: “Wir wollen Kaffee und Schuhe.” Da kommt die Wirtin : “Kinder, so leid es mir tut, ihr müsst sofort weg, sie haben mich gefragt, wer ist das Gesindel, und ich habe gesagt, Flüchtlinge.” Traurig ziehen wir ab. Es wird Nacht. Fliegeralarm, wir sehen einen Mann, können wir es wagen, ihn anzusprechen? Wir tun es und fragen, ob er nicht wüsste, wo wir Unterkunft finden konnten. Er sagt, es gibt eine Scheune von einem Gärtner, der bestimmt schon fort ist. Ich weiss nicht, woher wir die Kraft hatten, weiter zu wandern. Wir sehen ein Haus mit einer Scheune, ein Pole hat die Gärtnerei übernommen Er erlaubt uns Holz zum Heizen, bald lodert ein Feuer. Unsere Lebensgeisterarbelten. Wir sind alle so glücklich. Wie lange? In der Nacht setzt ein furchtbares Bombardement ein, dann herrscht Stille, Stille. Der Bauer kommt : “Die Russen sind da, ihr seid frei.” Frei, was bedeutet das? Ich hatte mir unter Freiheit Musik, Fröhlichkeit vorgestellt. Wir waren ein verwehtes Blattt im Winde. Am nächsten Tag zogen wir aus, um etwas zum Essen zu suchen. Wir fanden ein paar Kartoffeln Unter den Russen war es für uns Frauen in der ersten Zeit sehr schwer zu leben. Wirwanderten von einem Quartier zum anderen. Manchmal gaben sie uns etwas Lebensmittel. Endlich fanden wir eine Wohnung. Eine polnische Familie zog zu uns. Grete, Anna und noch einige waren nicht gehfähig. Ich ging arbeiten, zuerst in einem Hospital, aber es war zu schwer, wieder alles Elend zu sehen, da fand ich eine Stelle in einer Gärtnerei. Als Lohn bekam ich Gemüse, Kartoffeln, Schnittlauch. Am 3ten Mai schenkte uns die Wirtin ein paar Eier. Ich rührte sie in der Pfanne, die Wirtin fällt mir in die Arme : “Kinder, es ist Frieden!” Ich rührte weiter. “Frieden”, sagte ich. Ich verstand es nicht, bis die Glocken läuteten und meine Tränen flössen. Grete, Anna, wir alle konnten es nicht begreifen, was für eine Freiheit! Wir mussten auf Befehl Polen verlassen. Wie ein Carl-May-Film war die Fahrt nach Berlin, mit vielen Umwegen in den Hart - Wernigerede. Ich wurde schwer krank, Typhus. Dank dem Arzt, der das Herz und den Mut hatte, Grete’s und Anna’s Flehen zu erhören und mich nicht in das Sammellager der Erkrankten zu bringen Es gelang uns, mit einem Transport von Rheinländern über die Demarkationslinie nach Köln zu kommen. 2 Jahre warteten wir, bis wir endlich auswandern konnten. In Israel war wieder Krieg. Ein unbeschreibliches Wiedersehen mit meinen Geschwistern. Viele menschliche Stimmen hörten wir. Der Empfang im Dorf, alle nahmen Anteil an unserem Schicksal. Es wird bei vielen Lesern lauten : “Warum hast du das nicht alles eher geschrieben? Nach dem Anfang überstürzten sich so viele Ereignisse in unserem Land. Ich erlebte 4 Kriege, sah so viel Elend, Leid. Nun, da die Welt so umgestüplt ist, alles Schöne, Wahre verschwand, konnte ich weiter schreiben, jetzt empfand ich es als meine Pflicht, die Stimmen klingen zu lassen, die die wahre Menschlichkeit ausstrahlten! Habe an alle Menschen nur die eine Bitte: Gebraucht täglich die menschliche Stimme. Ein gutes Wort kann soviel Wärme geben, Gutes stiften! Zum Schluss meinen Dank an all die Menschen, die mir geholfen haben. ELFRIEDE BEIN (geb. Tau) (früher Beuthen O/S) i Lnhn I I 1 I I I 1 I I Willst du gute Speisen speisen, lasse dich zu TCHELET weisen. Ob es Chuppe oder Briss, Eine Sache ist gewiss: Waller weiss auf alle Fälle, wie er dich zufrieden stelle. Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — Dort das Fest hat Athmosphäre! „TCHELET” TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59. TEL 22 05 45 i i i s i \ \ i m

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