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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Güterbahnhof, wo sie arbeitete, hielt ein Sanitätswaggon. Der Oberarzt, ein Kölner, erkennt sie, nahm sie mit in den Waggon und schenkte ihr gute Zigarren für den Vater und Süssigkeiten für uns. Er wollte uns an diesem Weihnachtsabend erfreuen. Der gute Vater, gönnte sich nicht alleine, die Zigarren zu rauchen. Er verteilte sie. Am Abend bot sich uns ein Bild, das wir nie vergessen werden. Friedlich sitzen die Männer um den Brunnen und ziehen den Duft vom richtigen Tabak ein. Es war eine helle Mondnacht, der erste Winter in Gefangenschaft, der uns durch menschliche Hilfe etwas Freude in unser armseliges Dasein brachte! Das Leben geht weiter, mit vielen Aufregungen, zumal unsere Grete täglich Lebensmittel hineinschmuggelte und jede Kontrolle den Kopf kostete. Glücklich waren wir, wenn wir abends wieder vereint zusammen sassen. Ich hatte eine gute Stelle bei einem hohen Beamten, der Reichsbahn, ich bekam Essen und man hatte Verständnis für unsere Lage. Einmal sah ich im Hof lettische Juden arbeiten, sie luden Holz ab, zerkleinerten es.“ Bekommt ihr hier etwas zu essen?” frage ich sie. “Nein.” “Wartet, ich werde euch etwas bringen.” Frau W. bringt mir mein Essen, ich rühre es nicht an. “Was ist das?” sagt Frau W., “haben Sie keinen Hunger?” Ich sagte ihr die Wahrheit. "Unten arbeiten lettische Juden. Ich will ihnen mein Essen geben.” Sie überlegt einen Moment, "So, jetzt wird erst mal gegessen, wir setzen einen grossen Topf Suppe auf, für alle, die unten sind.” Das war eine Freude, als ich mit dem vielen Essen, mit Teller und Löffel, ankam. Es war ein kalter Tag, Schnee und Eis. In mir ist etwas davon geschmolzen. Frau W. wusste, dass ich so gerne Kaffee trank, sie, gab mir etwas gemahlenen Kaffee mit, den ich am Körper versteckte, dann lief sie um mich herum um zu riechen, damit die Kontrolle nichts merkte! Die Familie, Mann, Frau und Tochter, waren gut zu mir, nie werde ich sie vergessen! Nach dieser Stellung arbeitete ich in einem Kasino der Reichsbahn ausserhalb Rigas. Täglich brachte uns ein Tender dort hin. Die Arbeit, der eintönige Trott, geht weiter. Es ist schon bald ein halbes Jahr, dass ich Muttel und alle Lieben verliess. Vielen von uns gelang es einmal, Nachricht zu geben, mir leider nicht. “Weisst Du, wir haben einen neuen Chauffeur”, sagte eine Kameradin von mir beim Nachhausefahren. “Er spricht Oberschlesisch, alle einsteigen.” Mein erster Gedanke, ich muss Ihn sprechen. Wir fahren über die Strassen, plötzlich hält er an. Eine Panne. Ich steige aus, “Kann ich Ihnen vielleicht helfen?” “Ich werde sehen, bleib unten.” Lieber Gott, bete ich, lass ihn ein Herz haben, lass ihn in nächster Zeit Urlaub haben! “Alle Sitzenbleiben,” schreit er, “setz Dich neben den Wagen auf die Erde und reiche mir’ zu, was ich Dir sage.” Still tue ich meine Arbeit. Ich sehe in sein Gesicht. Viele Gedanken strömen auf mich ein. Kann ich es wagen? Mein Bitte an ihn zu richten, es kann auch den Kopf kosten. Endlich wage ich es : “Sind Sie aus Oberschlesien?” "Ja, Hindenburg”. “Und ich aus Beuthen”. StUle, mechanisch reiche ich ihm die Werkzeuge, plötzlich schreit er mich an : “Sara, pass auf, gib alles richtig in meine Hand”. Ich höre auf der Strasse S.S.-Streife vorbeimarschieren, ich verstehe, die Mädels und Männer auf dem Wagen sind auch unruhig, dann geht alles weiter. Hammer, Zange, ich bin so aufgeregt, rutsche hin und her, er sagt leise: “Du hast doch verstanden, warum ich schrie, ja?” Nun, sag schon, was Du willst.” "Sind Sie schon in Urlaub gewesen?” flüstere ich. “Ich fahre nächste Woche. Kann ich was für Sie tun. Es muss eine arische Adresse sein”. Ich sage sie ihm, die Nummer wusste ich nicht genau, die Schwierigkeit bestand aber darin, dass er erst in 3 Wochen zurückkam. Und ich nicht wusste, ob ich auf dieser Stelle blieb. Da erinnere ich mich, dass in der Garage 2 Mädchen von uns ständig arbeiten. Ich bat Ihn, er sollte dort Bescheid geben. Als Dank schenkte ich ihm ein Taschenmesser. Nach Wochen bekam ich Antwrt, ein paar Zeilen, die mit kurzen Worten alles enthielten, was es an Tragik für mich gab. Meine Nachricht erreichte keinen mehr, meine Mutter mit allen Lieben sind im Juli 1942 transportiert worden. Drei Tage kam kein Laut über meine Lippen. Ich sah den Beamten noch mal wieder, auf der Strasse, er holte mich aus der Kolonne in ein Haus und sagte nur kurz, was auf dem Zettel stand. DIE GÖTTLICHE STIMME Wir wurden jeden Tag zum Strand befördert, um Aufräumungsarbeiten zu verrichten. Es war der Tag unseres Neujahrfestes. Wir hatten uns heimlich Gebetbücher mitgenommen, um zu beten. Wehmütig fegte ich den grossen Saal, wehmütig dachte ich an das Elternhaus, an den Gottesdienst, die unvergesslichen Melodien. Wie sah unsere Wirklichkeit aus? Nur nicht denken, arbeiten, arbeiten. Was war das, eine Halluzination, die mich täuschte, ich höre und will es nicht glauben, Orgelklänge, die Stimme des Vorbeters. Ich laufe hinaus, die lettischen Männer hören, sie hören, fallen auf die Knie vor Ergriffenheit. Für Minuten sind wir der rauhen Wirklichkeit entrückt. Wir hören einen Gottesdienst, ein Geschenk für uns. Des Rätsels Lösung kam. Das Radio war offen und der Ansager sagte in Englisch : “Sie hörten soeben die Uebertragung aus der grossen Synagoge in London.” “London”. Wirklichkeit mit einem Satz, das Radio ausdrehen war eins, es konnte uns den Tod kosten. Jeder läuft zur Arbeit, ich bleib voller Dankbarkeit und Vertrauen I WEIHNACHTEN 1942 Hoher) Schnee liegt auf den Strassen von Riga. Es ist Weihnachten. Frieden müsste in alle Herzen einziehen. Ich arbeite in einer Unterkunftstelle für die Eisenbahner, weise sie inl die Zimmer ein und arbeite im Haus für den Leiter dieser Stelle. Er ist ein Träumer) und kann unsere Lage nicht recht begreifen. Er lebte eine Zeitlang in Amerika, hatte jüdische Freunde. Heute lächelt er mir schon entgegen. “Ich habe ein Paket von meiner Frau bekommen, mit einem Honigkuchen, kommen Sie schnell zu mir herein.” Er schenkt mir ein grosses Stück. Ich gehe in die Küche und fange an, den Kuchen für uns alle einzuteüen, Vater W., Grete, Anna, Alex und Max. Kleine Würfel entstehen. Ich bin froh, es reicht für alle. Die Tür öffnet sich und Herr D. kömmt herein. “Was machen Sie denn da?” Ich sagte: “Ich habe d. Kuchen für uns alle eingeteilt, könnte ihn doch nicht ohne meine Familie essen.” Er geht, ohne ein Wort zu sagen, heraus. Vielleicht habe ich ihn beleidigt? Da höre ich seine Stimme : “Kommen Sie bitte herein, setzen Sie sich.” “Wie in Kinderzeiten”, sagt er, “Mund auf, Augen zu. So, das ist für Dich allein.” -Ich spüre den lang entbehrten Geschmack von Kuchen auf der Zunge. Für mich war es Weihnachten gewesen. Mit diesen Menschen verband mich ein herzliches Gefühl. Eines Tages sagte er zu mir : “Hören Sie mal, Frau R., vielleicht wollen Sie lieber in den Räumen putzen, dort geben die Beamten den Mädchen immer etwas zu essen ab und ich habe hier doch nicht viel, ich brauche nichts, bin froh, einen Menschen wie Sie gefunden zu haben. 1943 Die Zeit , läuft, mit ihren Schrecknissen, Entbehrungen, weiter. Ich las ein Gedicht in der deutschen Zeitung, die In Riga erschien, die mir mein Beamter durchschmuggelte. Es gab uns etwas Hoffnung. Ich weiss es nicht mehr genau, behielt aber etwas vom Text. Ein Mann kehrt heim, er sieht seiner Frau ins Gesicht und spricht : “Sie ist es nicht, sie ist es nicht. Wer jetzt noch träumt von einem Sieg. der kehrt nie heim aus diesem Krieg.” Es dauerte leider noch 2 Jahre! AUGUST — SEPTEMBER 1943 Eine kurze schöne Zeit verlebten wir in einer dörflichen Gegend, wo wir Torf aufschichteten. Es war eine schwere Arbeit, aber der Druck des Ghettos lastet nicht so sehr auf uns. Eines Tages ertönt ein Pfiff unseres Lagerführers, eines jungen Arztes. Wir lassen die Arbeit liegen und laufen zu ihm. Er sagt : “Kinder, hört zu, ich habe die Nachricht erfahren, Italien hat kapituliert!” Wir liegen uns in den Armen, freuen uns, klatschen in die Hände, da sagt er : "Freut euch nicht zu früh, wenn nicht in den nächsten Tagen, Wochen etwas Entscheidendes geschieht, ist unser Traum von Freiheit ausgeträumt.” So war es. Kurz darauf kamen wir ins Ghetto zurück. Und nun kam das Schrecklichste : ich musste mich von Grete und allen Lieben trennen. Vater W. segnete mich und sagte: “Haltet zusammen, ihr sollt die Freiheit erleben!” Leider sah ich ihn nicht wieder! Ich wurde mit einer Kolonne in den Kaiserwald gebracht. Es war Versöhnungsfest. Ich fastete und betete. Hatte grosse Sehnsucht nach meinen Lieben, die im Ghetto blieben und eine gausige Zelt erlebten. Eines Tages hörte ich, dass man Leute für die A.E.G. in Riga sucht. Ich dachte, es ist immer besser, in einem Betrieb zu sein, als gewöhnliche Arbeit zu verrichten. Viele sagten : “Mach es nicht, es ist ein Frauenkommando und Hunger gibt es dort.” Trotzdem meldete ich mich, mit einigen bekannten Frauen. Wir kamen in eine grosse Fabrik, sahen Maschinen in allen Formen. Ich dachte, nie werde ich begreifen, was hier zu tun ist, doch ich begriff. Wir reparierten Feldkabel. Man musste kleine Stücke Gummi auf die beschädigten Stellen legen, dann in die Maschine, wo sie vulkanisiert wurden. Wir wohnten in Baracken, nicht weit von der Fabrik. Die Lebensmittelrationen waren sehr klein. Einige Wochen danach sagte man mir: “Eine Schwester von Dir ist da!” Anna schrieb mir : “Ich bin hier in Quarantäne, Grete wird nachkommen.” Ein ewiges Warten begann. Anna erzählte mir von der Auflösung des Ghettos und wie Vater W. im Auto vergast wurde. Anna fühlte! sich nicht wohl, sie hatte genau so viel Angst und Sehnsucht nach Grete wie ich. Es dauerte noch lange. Auf dem Hof höre Ich: “Grete ist da.” Ich laufe in den grossen Block und schreie : “Grete!” Wir liegen uns in den Armen. Es war ein grosses Wunder, dass wir “drei” wieder vereint waren. Gleich am ersten Tage gelang es Grete, durch Tausch unsere Brotrationen aufzubessern. Die Aufseherin war ein B.D.M.-Mädchen. Wir lagen in einem Block mit Frauen aus Litauen, Wilna, Libau zusammen. Am Abend wurde rezitiert, geistvolle Gespräche geführt. Mit einem Ohr horchten wir immer, ob jemand kommt. Die Erste, die es hörte, schrie : “Achtung!” Wir sprangen aus unserer Koje und mussten strammstehen. Kaum war sie weg, begann unsere Unterhaltung wieder. Eines Tages bekamen wir an Stelle der Aufseherin als Führer, einen Sanitäts-Offizier. Er war streng, gerecht, hielt auf Disziplin. Er sorgte dafür, dass das Essen besser wurde und wir warme Sachen erhielten. Einmal, beim Appell, hörte ich die menschliche Stimme von ihm. Ein Mädchen sah traurig, teilnahmslos aus. Er sagte zu ihr : “Du brauchst Dich Deiner Sträflingskleidung nicht zu schämen; in meinen Augen bist Du genau so-

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