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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1976-04-01 · No. 39 (April 1976) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1976
Issue
No. 39 (April 1976)
Date
1976-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Die Provinz Schlesien in jüdischer Geschichte und Folklore Motto: Wir werden wieder Glück erleben, vergessen dürfen all das Grauen die Zukunft wird uns wiedergeben, dem Frohsinn und das G’ttvertrauen. Max Herrmann, Neisse, geb. 1886 in Neisse, lebte bis 1944 in London. Die sieben Jahrhunderte, in denen man von einer Geschichte der jüdischen Ansiedlung in Schlesien sprechen kann, sind von 2 welthistorischen Katastrophen gezeichnet. 1241 war der Mongolensturm, der über das ganze östliche Europa brauste und bei einer schlesischen Stadt, Liegnitz, zum Stehen kam. Und genau siebenhundert Jahre später der Barbarensturm des 3. Reiches, der das jüdische Leben auslöschte. In diesem Zeitraum gehörte Schlesien nacheinander zum polnischen Reich der Plasten, zum Herrschaftsbereich verschiedener Herzoge, zu den Ländern der Habsburger (seit 1526) und nach den nach dieser Provinz benannten Kriegen zu Preussen (seit 1740/41) und schliesslich zum Deutschen Reich. Nach Osten hin erfuhren Schlesiens Grenzen auch innerhalb dieser Epoche gewisse Veränderungen: Bis Ende des 14. Jahrhunderts galt auch noch der Kreis Auschwitz als zu Schlesien gehörig, er kam dann durch Kauf an den Polenkönig Casimir d. Grossen. Umgekehrt gehörte d. Ehreis Beuthen lange zu Polen und kam erst 1617 zu Österreich. Von bedeutenden alten Gemeinden in Niederschlesien ist vor allem Glogau zu erwähnen. Schon im frühen Mittelalter werden Juden in dieser Stadt erwähnt. Wie andere schlesische (und darüber hinaus europäische) Gemeinden ist auch Glogau Schauplatz der Verfolgungen gewesen, die zur Zeit des Schwarzen Todes (14. Jahrhundert) und der Hetzkampagne des fanatischen Mönchs Capistrano über die Judenschaft dahinbrausten. Bedeutende Figuren der jüdischen, modernen Bewegungen sind hier geboren. Anfang des 19. Jahrhunderts, Michael Sachs und David Cassel, zwei Leuchten der Wissenschaft des Judentums. David Cassel ist der letzte Kommentator des Kusari von Jehuda Halevy. Ende des Jahrhunderts ist Glogau der Geburtsort des Schriftstellers Arnold Zweig. Seit dem 17. Jahrhundert kommt auch Glogau als jüdischer Familienname vor. Jechiel Michael Glogau war ein bedeutender Rabbiner in Halberstadt. Hervorzuheben ist, dass Kolonisten aus Glogau, wie aus der anderen wichtigen niederschlesischen Stadt Goerlitz, die Name ihrer Wohnorte nach Galizien verpflanzten und “Tochtersiedlungen” begründeten. So werden die Namen der galizischen Plätze Glogow und Gorlice erklärt. Auch der Name Gorlicky stammt daher, der bis heute seine Träger hat. Bis ins frühe Mittelalter zurück geht auch die Geschichte der Gemeinde Breslau. Der Vorsteher dieser Gemeinde führte schon 1315 den Titel “Ju- (Fortsetzung von Seite 2) nur zum Guten überschreiten, in Gesundheit, Freude und im gegenseitigen Verstehen. Neben unserem lauten “Chag sameach” für uns hier und für alle jüdischen Menschen in aller Welt sei mit diesen ZeUen auch insbesondere all denen, die ihren für sie bedeutsamen, nicht leichten “Alters-Entschluss” gefasst und realisiert haben, unser leiseres, aber tief mitempfindendes “Gam su le tova!” von Herz zu Herzen gesagt... FRIEDA HEBEL denbischof”. In der Zeit der Emanzipation war gerade diese Gemeinde der Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen den sich befehdenden Richtungen im Judentum. Hier wirkte eine zeitlang Geiger,' der geistige Vater der Reformbewegung. Das Breslauer Seminar wurde 1854 gegründet und schuf dann die vermittelnde Linie zwischen den Extremen. Der Historiker Graetz, der Alt-Phüologe Bernays und der bedeutende Talmud-Gelehrte Zacharias Frankel (Darche Mischna) können als Vertreter dieser Tendenz angesehen werden. Auch Breslau ist zum jüdischen Familiennamen geworden. Ein bedeutender Träger dieses Namens ist der Historiker Harry Breslau (1841/1926). der in dem Antisemitismüs-Streit der Berliner Universität eine Rolle spielte (1880). Auch andere schlesische Städte haben ihre Spuren in der Jüdischen Namenskunde hinterlassen. Neisser ist der Name von weltberühmten Medizinern geworden, ein Lothar Brieger hat sich als Kunsthistoriger einen Namen gemacht, und selbst die im allgemeinen jüngeren oberschlesischen Gemeinden haben sich in manchen bedeutenden Gestalten unserer Geschichte verewigt. Jakob Gleiwitz war ein Rabbiner in mehreren österreichischen Gemeinden und Ernst Mislowilzer hat auf dem Gebiet der Chemie wichtige Entdeckungen gemacht. 1884 wurde das oberschlesische Kattowitz als Tagungsort der 1. frühzionistischen Konferenz gewählt. Seine Lage in der Nähe der Drei-Kaiserecke war wohl ausschlaggebend. Hier trafen die Staaten zusammen, in denen sich die überwiegende Mehrzahl der Chowewej Zion befanden: Russland, Deutschland und Österreich. 1909 schon schrieb Heinrich Loewe eine Broschüre, die der 25.ten Wiederkehr des Datums dieser denkwürdigen Kon- Mit diesen ZeUen woUen wir unserem treuen und rührigen Mitglied unseres Verbandes zu seinem 90TEN GEBURTSTAG am 21. März 1976 diese ZeUen widmen. i Der JubUar kam mit 19 Jahren nach Breslau. Seine Jugend hat er mit seinen Eltern in Newark, N. J. USA, verbracht. In Breslau ist er in der Kurzwaren-Galanterie- und Spielwarenbranche tätig gewesen. Im Jahre 1912 verheiratete er sich mit der Tochter der in Breslau sehr bekannten Handels-Vertreterfirma Josef Nothmann. Als Reisender in der Provinz Posen, Ost - West Preussen, Schlesien und Oberschlesien hat er sich grosse Kenntnisse erworben. Er war immer durch sein heiteres Wesen bei seiner Kundschaft beliebt. Während des Weltkrieges war er in der Krankenstation Lubinitz O/S., sowie in Czenstochau und tief in Polen. Väterlicherseits ist der JubUar Österreicher und ist dadurch an die galizisch-russische Front gekommen. Auch an anderen Fronten kämpfte er als Sanitäts-Unteroffizier und war sehr oft im feindlichen Kugelregen. Markus Lubasz erhielt 10 Auszeichnungen. Im Jahre 1919 hat er sich als selbständiger Handels-Vertreter unter der Fa. Markus Lubasz, Gartenstr. 21 etabliert und konnte dort bis zur Nazizeit 1938 arbeiten. Seine Mutter starb im Jahre 1921, sein Vater kam leider bereits 1895 auf d. Rückreise nach d. Staaten mit dem Schiff "Bremen" um. Oft amtierte Markus Lubasz als Vorbeter in der Alt-Glogauer Synagoge, wo er von dem bekannten, leider umgekommenen Rabb. Dr. Hamburger, viel an jüdischen Wissen lernte, was er später verwerten konnte. Er ist Mitglied der Bne Berith-Loge seit 1920 und hat nach ferenz gewidmet war. So kam es auch, dass unter den Tel-Aviver Strassen eine nach Kattowitz benannt worden ist. Es ist also neben Frankfurt die einzige Stadt des deutschen Raumes, die in dieser Form ausgezeichnet worden ist. Schon 1495 ist Jakow aus Beuthen als namhaftes Mitglied der Gemeinde von Krakau genannt. 1617, das Jahr in dem Beuthen zu Österreich kam, werden Juden als Mauth — Arendatoren (Zollpächter in der damaligen Sprache) aufgeführt. Beuthen ist in späterer Zeit einer der bedeutendsten und -volkreichsten Jüdischen Gemeinden geworden. Der spätere Ober-Rabbiner Kopenhagens, Melchior, hat u.a. hier gewirkt und widmet in seinen Erinnerungen der Beuthener Zeit ein besonderes Kapitel. (In seinem Buch: Darknes over Dänemark). In Dyhernfurth unweit von Breslau bestand im 17.ten und 18. Jahrhundert eine der bekanntesten Jüdischen Druckereien. Andere schlesische Städte, die gleichfalls in Familiennamen fortleben, sind: Glatz, Landeck, Sagan, und das oberschlesische Pless. (Nach einigen soll der Name Lipschütz von dem schlesischfen Leobschütz herruehren). Nahum Glatzer schrieb u.a. eine Biographie Franz Rosenzweigs und eine Geschichte der talmudischen Zeit. Schachne Sagan war einer der führenden Persönlichkeiten des polnischen Judentums z.Zt. der letzten Katastrophe. Last not least ist der Name der Provinz selbst zu einem der häufigsten jüdischen Namen geworden. In der deutschen Form Schlesinger und in der polnischen From (Slask) in dem Namen des modernen hebräischen Dichters Abraham Schlonskl. A. TOBIAS — Natanja 50jähriger Zugehörigkeit das Goldene Ehrenzeichen erhalten. Innerahlb der Gemeinde Quito ist er im Kulturleben eifrig tätig, sowohl als Vorbeter und Gabbai, als auch als Leiter der Chewra Kadischah. Nach seiner Auswanderung im Jahre 1939 gab es für einen Kaufmann ln Süd-Amerika keine Möglichkeiten und so entschied er sich mit seiner FamUie für die Landwirtschaft. Zuerst ging es nach Bolivien, wo er mit seiner Familie in einer Kolonie “Buena Tierra” Gute Erde, arbeitete. Dort waren 35 Famüien. Alle Schabatot und Feiertage wurden zusammen gefeiert. Eine Thorarolle brachte ein Jeschiwa-Bachur aus Warschau mit. Leider konnte die Kolonie sich nur 7 Jahre halten, da der Boden nicht den genügenden Ertrag gab. Im Jahre 1960 ist die FamUie nach Quito übergesiedelt. Leider starb Frau L. dort und sowohl der Jubilar mit seiner verheirateten Tochter, Schwiegersohn und FamUie wohnen dort in bester Eintracht zusammen. Eine Enkeltochter ist in Israel verheiratet. Sohn mit Familie leben in Schawe Zion und so kommt Herr Lubasz Jedes Jahr nach Israel. Seinen 90ten Geburtstag feiert er auch in Schawe Zion und der Vertreter der Breslauer wird an der Feier persönlich teünehmen und ihn durch eine Rede ehren. Wir wünschen unserem Landsmann, dass es ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, in Gesundheit und Zufriedenheit mit all seinen Lieben zusammen zu kommen zur Freude seiner Familie, seiner Freunde und zum Besten des Judentums, für das er sich immer einsetzt. Ad Mea Weesrim! VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL Markus Lubasz (w*o) ecuador zum 90fen Geburtstag 3

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