Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 38 (September 1975)
- Date
- 1975-09-01
- Page
- Seite 19 (sequence 2199)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/7411685-7412437-7412460--0555-7412479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
IN MEMORIAM: Dr. Erich Klibansky BRESLAU — KÖLN Einer der führenden Persönlichkeiten im Kölner Judentum vor der Zerstörung der Gemeinde war der bekannte Pädagoge Dr. Erich Klibansky. Als Direktor des Reformrealgymnasiums “Jawne” In Köln seit Anfang der dreissiger Jahre übte Dr. Klibansky einen grossen Einfluss auf die Jüdische und menschliche Entwicklung der jüdischen Jugend in der Rheinstadt aus. Er arbeitete unermüdlich, um das hohe Studienniveau der “Jawne” trotz der schweren Nazi-Jahre aufrechtzuerhalten und den Schülern eine im echten Judentum verwurzelte Erziehung zu gewähren. Keine Mühe war ihm zu gross, um die besten Lehrer zu engagieren. Dem Schreiber dieser Zeilen ist, zum Beispiel, noch in klarer Erinnerung wie Dr. Klibansky einen Jemeniten als hebräischen Lehrer aus London nach Köln berief, da er örtlich keine zufriedenstellende Lehrkraft finden konnte. Als infolge der Nazibeschränkungen viele nichtreligiöse Schüler die allgemeinen Oberschulen verlassen mussten, öffnete Dr. Klibansky die Tore der "Jawne" weit, um alle herzlich aufzunehmen und gemeinsam das jüdische Los zu teilen, trotzdem dies zu Diskussionen und gewissen Spannungen führte. Die “Jawne” war ja ein Teil der streng religiösen “Adass” Gemeinde, und war es ja vorauszusehen, dass die religiösen Schüler dadurch fremden und unerwünschten Einflüssen ausgesetzt werden würden. Aber nichts konnte der festen Absicht Klibanskys, des Erziehers, im Wege stehen, jedem jüdischen Kind hilfreich beiseite zu stehen in jener stürmischen Zeit. Diese Hilfsbereitschaft war jedoch nicht nur auf das erzieherische Gebiet beschränkt, sondern bewegte ihn auch dazu, alles zu tun, um seinen Schülern zur Auswanderung zu helfen und ihnen einen bessere Zukunft zu ermöglichen. Zahlreich sind die “Jawne”-Schüler, einschliesslich den Schreiber dieser Zeilen, denen Dr. Klibansky Stipendien zum Studium im Ausland verschaffte und ihnen so zum zeitigen Flüchten verhalf. Den Höhepunkt dieser gesegneten Tätigkeit erziehlte Dr. Klibansky, als es ihm Anfang 1939 glückte, ganze Klassen der “Jawne” samt ihren Lehrern nach England zu überführen und ihnen dadurch im letzten Moment das Leben zu retten. Dies war eine präzedentlose Rettungsaktion, die viel Mut, Wagnis und Organisation erforderte. Leider führte sie aber auch zu Dr. Klibanskys tragischem Verschwinden nach seiner letzten Rückfahrt nach Köln. Nichts wurde später mehr von ihm gehört. Sein grosses erzieherisches Werk lebt aber in den Herzen seiner zahlreichen Schiller in aller Welt fort und wird nie vergessen werden. Es ist nun Zeit, ihm ein gebührendes Denkmal in Jad Vaschem zu errichten. In biographischer Hinsicht ist dem Schreiber nur bekannt, dass Dr. Klibansky Anfang der 30iger Jahre aus BRESLAU nach Köln kam. DAVID ALSTER-YARDENI, Haifa Hans 1 o e! s.Ä. Mit' diesen Zeilen wollen wir einem Manne gedenken, der in Stille und Schlichtheit in seinem Leben viel geleistet hat. Geboren in der Stadt Posen, Sohn der bekannten und angesehenen Familie JOEL, die zu dem Kreis der zionistisch tätigen Menschen gehört hat, verliess er die lebendige Gemeinde Posen als diese polnisch wurde und arbeitete in Breslau als Kaufmann, angesehen und geehrt von allen, die ihn kannten. Sein Ideal, nach Israel zu gehen, hat er verwirklicht und heiratete hier eine ebenfalls stark zionistisch und ideal gesinnte Frau. Neben einer ausgedehnten geschäftlichen Tätigkeit verschrieb er sich mit der ganzen HERMANN GRAMATTE s. A. Mit Rektor und Stadtrat i.R. Hermann Gramattte ist eine in besonderem Masse liebenswerte Persönlichkeit dahingegangen, die auch in hohem Alter noch den Zauber des Frühlings der Jugendlichkeit auszustrahlen vermochte. Er war der erste, der nach dem Kriege die Beziehungen zwischen der schlesischen Geburtsheimat und den ehemaligen Breslauern, die Jetzt in Israel leben, anknüpfte. Man hat von jeher seine Tatkraft, sein mustergültiges Organisationstalent und seine immense Lehrbefähigung bewundert. Alle seine Schüler und Schülerinnen haben ihn geliebt und nicht nur diese. Wir alle staunten über seine geistige Vitalität, seine unermüdliche Tätigkeit für die Schlesier und sein Interesse an allem was in seinem letzten Domizil, Augsburg, vor sich ging. Auch dort hat man offiziell anerkannt, dass er aus vorbildlichem “Schrot und Korn” stammte. Damit hat man auch seine gradlinige Einstellung und seine unantastbare Gesinnung hervorgehoben. Gramatte war, wenn ich Otto Ernst zitieren darf, kein verknöchertes “Flachsmann“, vielmehr ein fortschrittlicher Lehrer und Erzieher. Er hat die ihm anvertraute Jugend modern fiir’s Leben gerüstet. Dies war ihm Herzenssache. Im Breslauer Lobe-Theater sah man in der Aufführung des “Flachsmann als Erzieher” die beiden Gestalten des Lehrers Flemming und des Schulrats Pröll, sie haben beide Gramattes Geist und Einstellung zur Pädagogik versinnbildlicht. Er war ein idealer Lehrer, er adelte diesen schönen Beruf. Er war bis zuletzt geistig rege, eine gemgesehene, gepflegte Erscheinung, die stets Menschen um sich zu scharen wusste, also einen grossen Freundes- und Bekanntenkreis unterhielt. Hermann Gramatte wird weiterleben in allen, die ihn kannten. Julius Sachs LORE BIRN s. A. Um 1910 wurde im Breslauer Schauspielhaus (Operettenbuhne) die erfolgreiche Operette “Die keusche Susanne” (Gilbert) aufgeführt. In den Hauptrollen gastierten Ludwig Stössl und Lore Birn auf Engagement. Sie wurden sofort engagiert, bald darauf heirateten sie und spielten jahrelang die führenden Rollen in den glanzvollen Aufführungen, die Dr. Theodor Loewe in jener Zeit herausstellte. Nachdem Stössl vor mehreren Jahren verstarb, erreicht uns jetzt aus USA die Nachricht vom Hinscheiden v. Lore Birn. Die Künstlerin wird den damaligen Theaterfreunden als hervorragende Sängerin und gewandte Darstellerin in angenehmster Erinnerung bleiben. In allen ihren Rollen strahlte sie neben ihrer trefflichen Gesangskunst Menschlichkeit und spielerischen Charme aus, womit sie die Zuhörer ungemein zu fesseln wusste. Das Andenken an sie wird bestimmt wachbleiben. J. S. Liebe der Cherut (revisionistische Bewegung) und fuhr fast jedes Jahr mehrere Male in die verschiedensten Länder, um Kontakte und Sammlungen für die Cheruth durchzuführen. Seine Hilfsbereitschaft, seine Ehrlichkeit und seine Liebe zu Mitmenschen waren die Wegweiser seines Lebens. In seiner Gattin fand er eine ebenbürtige Partnerin. Ein schweres Leiden hat ihm Jahrelang Schmerzen und Mühsal verursacht. Aber immer war sein Lebensmut Ungebrochen. Wir nehmen Anteil an dem Schmerz der Gattin, Toni Joel, sowie der Tochter und des Schwiegersohns, Dr. Manor, deren 4 Enkelkinder mit grosser Liebe mit Eltern und Grosseltern verbunden sind. ZUM 10. TODESTAG unseres unvergesslichen Gründers Dr. Wilhelm Seew Freyhen s.A. Am 14. November 1975 (10. Kislew) jährt sich zum 10. mal der Tag, an dem unser unvergesslicher Dr. WILHELM SEEW FREYHAN uns verlassen hat. In Nr. 19 unserer Zeitung ist ihm ein würdiger Nachruf mit all den Beisetzungs-Feierlichkeiten gewidmet worden. Wir können nicht umhin, gerade nach 10 Jahren dieses aussergewöhnlichen Mannes zu gedenken, der ln unermüdlicher Kleinarbeit den Grundstein für diesen Verband gesetzt hat. Es ist unvorstellbar, was er im Rahmen des Verbandes und darüber hinaus im jüdischen Leben geleistet hat. Eine Persönlichkeit aussergewöhnlichen Grades, hat er in Breslau mit eiserner Energie und feueriger Rednergabe sich für die Einheit der Breslauer Gemeinde eingesetzt. Schulwerk, Sozialarbeit, kulturelle Werte, Hilfsbereitschaft, künstlerisches Schaffen, schriftstellerische Tätigkeit, ein Mann von wahrer Humanität, aufgeschlossen für alles Gute und Schöne im Leben, so hat er sein Dasein geformt und bis zum letzten Atemzuge ist er dieser Parole treu geblieben. Seine unermüdliche Arbeit für den Verband wird nach besten Kräften weitergeführt — und wir glauben — ganz in seinem Sinne. Wir gedenken seiner in Liebe und Verehrung und jeder, der unser Blatt in die Hand nimmt, findet oben auf dem Titelblatt seinen Namen, der uns verpflichtet. Möge sein Andenken uns zum Segen sein! KURT BAGINSKY s.A. Wir haben die traurige Pflicht, einem guten Freunde diese Zeilen zu widmen, der ganz plötzlich in London verstarb. Das Hotel Baglnsky ln Rosenberg O/S war in Deutschland Treffpunkt vieler Reisender, die sich dort nach anstrengender Tagesarbeit geborgen fühlten. Kurt Baginsky lernte Koch in den grössten Hotels in Breslau und anderen Städten, sowie auf der Schiffahrtslinie Hapag. Er verstand es, nicht nur sein Fach zu meistern, sondern er bediente seine Gäste mit einer Ruhe und Freundlichkeit, die unvergessen bleibt. Nach Einlieferung ln KZ Buchenwald gelang es ihm, 1939 nach London auszuwandern. Der Unterzeichnete kannte ihn aus nächster Nähe und schätzte ihn sehr. Seine Gattin und seine beiden Söhne standen ihm In den schweren Jahren der Arbeit in London zur Seite. Eine besondere Liebe verband ihn mit seiner Schwester Edith Haris geb. Baginsky und seinem Schwager, die mehrmahls wöchentlich zusammenkamen. Wir verbinden uns im Gedenken an diesen ausgezeichneten ruhigen und feinen Menschen und viele unserer Leser werden beim Empfang dieser Nachricht ein gutes Gedenken dem Hotel Baginsky, Rosenberg O/S, bewahren, das der jüdischen Gemeinde gerade in Zeiten der Verfolgung bis 1939 als Versammlungslokal und Treffpunkt zur Verfügung stand. Er bleibt uns unvergessen. WIR KONDOLIEREN: Herrn WERNER S. TISCHLER, 88-50, 62 Drive Rego Park, N. Y. 11374 zum Hinscheiden seiner Gattin Lotte geb. Ausuebel. Familie PICK, Tel-Aviv und Frau ROSE SITTNER, Ramat Chen, zum Ableben der Mutter und Schwester, Erna Pick, geb. Mechner. Frau ROSE SURASKI geb. Jereslaw, Haifa, Rechow Bar Giora 15, zum Ableben ihres Mannes, Israel Suraski. 19