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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1975-09-01 · No. 38 (September 1975) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1975
Issue
No. 38 (September 1975)
Date
1975-09-01
Page
Seite 20 (sequence 2200)
Language
German
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Dr. Günther Friedländer s.A. (EIN PIONIER DER INDUSTRIE)) (Gestorben 15. Mat 1975) Wir beklagen den Heimgang eines wahren Industriepioniers, eines Schlesiers, der wie so manche Menschen der deutsch-Jüdischen Ali j ah eine erstklassige fachliche Ausbildung mit Energie und praktischem Sinn für Durchführung verband und so zum Aufbau der jüdischen Industrie noch zur Zeit des Britischen Mandats wesentlich beitragen konnte. Was Dr. Günther Friedländer Jedoch vor vielen anderen auszeichnete, und ihn wirklich in die nicht sehr grosse Gruppe der ersten Pioniere einreiht, war die Tatsache, dass er sein aktives Leben in Palästina-Israel bereits in den ersten Jahren seiner zionistischen Tätigkeit vor sich sah, und dass es ihm gelang, dieses sein Jugendideal durch seine Lebensarbeit praktisch zu verwirklichen. Friedländer stammt aus einer oberschlesischen Familie, sein früh verstorbener Vater hatte in Ratlbor die Filiale der berühmten Schuhfabrik Conrad Tack, die nach seinem Tode von seiner tüchtigen Frau Paula Fr. weitergeführt wurde, der die Erziehung des einzigen Sohnes anvertraut war. Eine Schwerster des Vaters, die in Goerlitz lebende Besitzerin der dortigen Kronen-Apotheke, ebenfalls Witwe, Frau Else Kober, half der Mutter bei der Ausbildung des Sohnes als Apotheker, und so studierte Friedländer in Breslau Pharmazie, aus dieser Zeit stammen unsere persönlichen und fachlichen Beziehungen. Schon frühzeitig dem Blauweiss, und später dem K.J.V. angehörend, dachte Guenther Friedländer schon in seiner Studentenzeit an eine spätere Tätigkeit in Palästina, und dieser Gedanke nahm praktischere Gestalt an, als er nach beendetem Examen in die Apotheke der Tante nach Goerlitz zog, wo er bald fachlicher Leiter der dortigen Kronen-Apotheke wurde. Bereits lange vor Hitler wurde die Absicht einer pharmazeutischen Fabrik in Palästina von ihm in praktischen Einzelheiten ausgearbeitet und mit dem Schreiber dieser Zeilen, der Industrie-Chemiker war, durchgesprochen. So bildete das Herankommen der Hitlerzeit nur den praktischen Anstoss, um die Absicht zur Tat werden zu lassen, auch die Besitzerin der Apotheke, seine Tante Frau Kober, schloss sich dem Gedanken an, und bereits im Jahre 1934 wurde der Grundstein der ‘‘TEVA, Middle East Chemical and Pharmaceutical Works” gelegt, die im Mai 1935, 40 Jahre vor seinem Ableben, mit der praktischen Arbeit, als eine der ersten pharmazeutischen Fabriken des Landes, — mit Zori und Assia — begann. Das Produktionsprogramm war vorher sorgfältig ausgearbeitet worden, wobei ebenfalls zwei Dr. Friedländer charakterisierende Prinzipien hervorgehoben werden müssen: Die Fabrik hiess nicht zufällig “TEVA”, es war seine Absicht, die allerdings nur teilweise zur Ausführung kam, möglichst viel pflanzliche Landesprodukte pharmazeutisch auszuwerten, so z.B. die wild wachsende Kamille des Landes, — noch heute verwertet, — die Blätter des für Israel charakteristischen Oleander, die nach entsprechener Verarbeitung ein wirksames Herzmittel abgeben; ein anderes sehr typisches ‘'Landesprodukt“, — allerdings nicht pflanzlicher, sondern mineralischer Natur ist der Asphalt des Toten Meeres, dessen organische Schwefelverbindungen in dem noch heute daraus hergestellten “Bitupal” ein wirksames Mittel gegen Hauterkrankungen bilden. Auch das heute kaum noch hergestellte, hingegen in der Kriegszeit äusserst wichtige “Ichthopal”, ein dem bekannten “Ichthyol” (schwarze Salbe) gleichartiges Produkt wurde aus dem Toten Meer Asphalt hergestellt. Einige andere “Naturprodukte” wurden später wieder auf gegeben. Ein zweite für Friedländers zionistische Pioniertätigkeit charakteristische Linie war sein Prinzip der "Eigenproduktion”, die ihn besonders in der ersten Zeit vor andern Fabriken auszeichnete: Er wollte nicht nur “konfektionieren”, d.h. pharmazeutische Produkte aus eingeführten Fertigpräparaten in Ampullen abfüllen, in Salben einarbeiten, in Tabletten pressen oder in Tunkturen auf lösen; sondern er wollte soviel als möglich selber produzieren, Produkte synthetisieren usw. Die genannten Beispiele aus der Natur des Landes stellen schon solche Produkte dar, Jedoch auch Chemische Synthesen wurden bald durchgeführt, hierbei, dir. bei der chemisch-technischen Produktion half ihm der Verfasser dieser Zeilen, der von 1937 bis 1940 Chefchemiker der Fabrik “TEVA” war, und nach Friedländers pharmazeutischen Absichten die notwendigen chemischen Synthesen durchführte, später wurden viele dieser Synthesen durch den erstklassigen I. G.-Chemiker Dr. Stein, — leider auch schon “sei. And.” — durchgeführt. Dr. Friedländer konnte das erstaunliche Wachstum seiner Fabrik, die sich bald auch räumlich wesentlich erweiterte, und einen sehr guten Stab von Fachleuten heranzog, während 34 Jahren miterleben, im Jahre 1968 zog er sich zurück, als das Werk in den grossen pharmazeutischen Konzern “ASSIA-ZORI-TEVA” — eingegliedert wurde, in dessen Rahmen es sich weiter schön entwickelt, und bald in neue Räume übergehen wird. Leider waren Friedländers letzte Jahre durch schwere Krankheit verdüstert, die auch seine Aktivität behinderten, seine Frau und Familie, mit der wir sein Hinscheiden betrauern, umhegten ihn, und er fand noch viel Freude an seinen Kindern und Enkeln. Sein schönes Werk, dessen Mitarbeiter ihre Verbundenheit mit ihrem langjährigen Chef bei der Trauerfeier zum Ausdruck brachten, bleibt bestehen, und legt Zeugnis ab für die hingebungsvolle und fruchtbare Tätigkeit eines Schlesiers, auf den wir Juden aus Schlesien stolz sein können. Sein Andenken in Ehren! Ramat Chen.' Dr. ERNST MARKOWICZ JÜDISCHE FRIEDHÖFE UND KRIEGERGRÄBER Bei meinem Besuch in Oberschlesien im Mai dieses Jahres, besuchte ich unter anderem Beuthen, Kattowitz, Neustadt und Oberglogau. Es dürfte Ihre Leser interessieren, dass der Friedhof in Beuthen, den Umständen angemessen, in sehr guter Verfassung ist und noch in Benutzung ist; Gräber mit Todesdatum 1973-1974 deuten darauf hin. Der Friedhof in Kattowitz wird auch noch benutzt, ist aber in nicht sehr gutem Zustande. Die Synagoge in Oberglogau wird Jetzt als Lagerhaus benutzt. Es wohnt eine jüdische Familie in dieser kleinen Stadt, welche ein kleines Geschäft betreibt. Ich besuchte auch einen deutschen Soldatenfriedhof in Frankreich um das Grab meines verstorbenen Vaters zu sehen. Bei dieser Gelegenheit stellte ich fest, dass noch viele andere jüdische Soldaten dort beerdigt sind. Der Friedhof ist in der Nähe von St. Laurent- Blangi, Bahnstation Arras, zwei Stunden von Paris entfernt, und in ausgezeichneter Verfassung. Sollten Leser weitere Auskunft wünschen, stehe ich gerne zur Verfügung. S. Tichauer, 1149 Roswell Avenue Long Beach, Callf. 90804 SIEGMUND FROST ist am 9.12.174 in seinem Wohnort Manchester nach einem Herzinfarkt plötzlich entschlafen. Siegmund Frost, geb. 26.6.1905 in Zerkow (Posen) kam schon in Jungen Jahren nach Breslau, sodass er mit Recht als Breslauer bezeichnet werden kann. Sehr früh schloss er sich dem Herzl- Bund an und war dort so beliebt, dass sein immer offenes Heim zu einem Treffpunkt dieses Kreises wurde, wo man sich immer wieder gern traf. Leider liess sein Lebensschicksal seine immer zionistischen Gedanken nicht in die Tat der Alijah umsetzen, doch träumte er immer davon, wenigstens den Lebensabend in unserem Land zu verbringen, was ihm nicht mehr vergönnt war. Er hat das Land mehrfach besucht und beglückende Zeiten im Kreis vieler Freunde hier verbracht. Beruflich wurde er durch die bekannten Zeiten reichlich hin- und hergeworfen, doch wegen seines graden Wesens, seiner strikten Seriosität und seines stets heiteren Gemütes war er bei allen, mit denen er zu tun hatte, sehr beliebt. 1938 heiratete er Hanne, eine der damals als “unzertrennlich” bekannten Schwestern Bertel und Wanne Jacobowitz. Sie war viele Jahre im Hause Kober tätig und danach in der Verwaltufag der Mohren-Apotheke. Als Opfer der Kristallnacht kam Sieg, wie er von allen Freunden genannt wurde, nach Dachau, hatte dann aber das Glück, nach England auswandern zu können, wo sich bereits seine Schwägerin Bertel aufhielt. Kurz vor Ausbruch des Krieges gelang es dann noch, seine Frau Hanne ebenfalls nach England zu bringen. Die gemeinsame Zeit währte Jedoch nur kurz, da Sieg, wie fast alle Männer, interniert wurde. Er wurde vorzeitig befreit und arbeitete in einer Fabrik für Flugzeugteile. Nach dem Krieg ging er in die Textilbranche und machte sich 1962 selbständig. Er arbeitete bis zum letzten Tag. Das grosse Unglück seines Lebens aber war der viel zu frühe Tod seiner geliebten Frau im Jahre 1943. Darüber kam er nie hinweg, obwohl ihre Schwester Bertel ihn danach in rührender Weise bis zu seinem letzten Atemzuge versorgte und pflegte. Ein grosser Kreis alter (Breslauer) und neuerer Freunde trauern um ihn. WALTER BODANOFF (FL 9495 — Triesen). GOLDENES BUCH Dr. med. FRITZ GROSS, früher Breslau, geb. 20..12.1891—gest. 14.10.1974—28 Tischri 5735 eingetragen von Ernest R. Lane, Los Angeles, USA. FRITZ BRANDT, Schraga Feibisch ben Zwi geb. 3. August 1891 in Ostrowo. MARGARETE BRANDT, geb. Sieradz SCHOSCHANA Bath JEHUDA geb. 12. August 1896 in Kriewen umgekommen in Auschwitz, eingetragen von ihrem Sohn Hai Zwi Baram, Denver, Col. USA. BIANCA GERUCH geb. Kreuzwirth gest. am 15. Juli 1975, 7. Aw 5735 eing. von ihrer Schwester Erna Scheyer, Tel-Aviv. 20

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