Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 38 (September 1975)
- Date
- 1975-09-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2198)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7411685-7412437-7412460--0554-7412478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Als Jude in Breslau - 1941 Unter diesem Titel ist in diesen Tagen ein Buch erschienen, das Auszüge aus den Tagebuchnotizen des Studienrats a.D. Dr. Willy Cohn veröffentlicht. Herausgegeben wurde es von Dr. Joseph Walk unter Mithilfe des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel und der Bar- Han University, Institute for the research of Diaspora Jewry. Im September 1971 erfuhren die Leser der Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel (No. 30), dass im Archiv des Jad Waschern Tagebücher aus den Jahren 1939—1941 des leider in dem tragischen Sturm unserer Zeit umgekommenen Studienrats Dr. Willy Israel Cohn hinterlegt worden sind. Im April 1973 (No. 33) wurden an dieser Stelle Auszüge veröffentlicht. Nunmehr ist der letzte Teil dieser Tagebuchnotizen, die Dr. Cohn 41 Jahre lang führte, der Öffentlichkeit übergeben worden. Vor uns liegen Eintragungen v. Mittwoch, d. 1. Januar 1941 bis Montag, d. 17. November 1941. Voran gehen ein hebräisches und englisches Vorwort seiner Tochter Ruth Atzmon-Cohn auch im Namen der Geschwister, die überlebten. Es folgt eine Einführung des Herausgebers Dr. Joseph Walk, die den historischen Hintergrund dieser Tagebuchnotizen zeichnet — auch in hebräischer u. englischer Sprache. Es folgen die Tagebuchnotizen des Studienrats a.D. Dr. Willy Israel Cohn, Breslau, 21, Opitzstr. 28 in deutscher Sprache. Auch das ist ein Symbol einer noch nicht bewältigten Vergangenheit. Wie kann es anders sein? Wie kann sie von uns bewältigt werden? Wir haben sie ln den 30 Jahren nicht vergessen, die seitdem vergangen sind. Diejenigen, die das schon nicht mehr verstehen können, sollen Bücher wie diese Tagebuchnotizen lesen. Das Buch wird mit der Photographie des Mannes eröffnet, der am Johannesgymnasium unser Geschichtslehrer war und dem später ein Lehrauftrag für allgemeine Geschichte am Rabbinerseminar, Fränkelscher Stiftung übertragen wurde. Er war durch Arbeiten auf dem Gebiet der mittelalterlichen Geschichte bekannt geworden. Darunter ist das Photo seiner Gattin mit den beiden Kindern, die ein gemeinsames Schicksal erlitten. Die Tagebucheintragungen erstrecken sich über 80 Seiten. Wir lesen sie mit immer steigender Erregung. Die tragischsten Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes beschäftigen uns unser ganzes Leben. Aber hier wird die noch immer unfassbare Tragödie — ähnlich wie im Tagebuch der Anna Frank — an einem Einzelschicksal deutlich. Für uns geht der Schmerz noch tiefer. Alles an diesem Buch ist uns bekannt. Nur sehr oberflächlich vernarbte Wunden brechen wieder auf. Wir kennen den Schreiber, seine Umwelt, die Personen, die Strassen. Der Sturm kommt immer näher, die Wolken ballen sich immer mehr zusammen. Es rast der Orkan über die Welt hinweg. In diesem Sturm ‘wird alles vernichtet. Und es folgt die tragische Stille, das absolute Schweigen — das namenlose Unglück unserer Zeit. Das verleiht diesen Tagebuchnotizen ihre Unmittelbarkeit. Es ist unfassbar, wieviel Hoffnung doch noch immer durch diese Zeilen hindurch schimmert! Hier schreibt der Familienvater, Lehrer, Jude, Historiker und Sozialist. Er nimmt den Kampf gegen den sich immer stärker aufdrängenden Pessimismus auf. Der Historiker will das Schicksal aus der Sicht der Jahrhunderte meistern. Bis zum letzten Augenblick spricht aus ihm die jüdische Hoffnung... vielleicht doch noch... Aber dann ist er sich wieder bewusst, erst am Anfang der Tragödie zu stehen. Dann weiss der Jude wieder, dass sich alles rächen wird. Bewundernswert ist die aussergewöhnliche Kraft zur geistigen Konzentration. Während um ihn herum die letzten Bestandteile der damals noch existierenden jüdischen Gemeinschaft zusammenbrechen, arbeitet er an der “Germania Judaica”. Während um ihn herum Wohnungsaussiedlung, Verschickung das Problem der überlebenden ist, ist er zufrieden im Gemeindearchiv arbeiten zu können. Immer wieder drückt er seine Dankbarkeit gegenüber denjenigen nichtjüdischen Menschen aus, die ihm die Möglichkeit zur geschichtlichen Forschung an ihrem Arbeitsplatz geben. In der •‘Dombibliothek” gab es noch “Menschen”. Es bleibt tragisch, dass es ihm, der an eine bessere Welt glaubte, nicht möglich war, den Weg in die rettende Freiheit Erez Israels zu finden. Br selbst war stolz über jeden Schüler, den er auf diesen Weg geführt hat. In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass er an dem noch heute brauchbaren Jüdischen Lexikon mitgearbeitet hat. Viele schöne Gedanken schrieb er in der von Prof. Isaak Heinemann redigierten MGWJ (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums) nieder. Unermüdlich trägt er mit Buchbesprechungen bei. Seine erste gilt dem Buch von Fritz (Isaac) Baer, Studien zur Geschichte der Juden im Königreich Aragonien im Jahre 1915, gezeichnet: Breslau, z.Zt. an der westlichen Front. Leider kann nur auf einige für ihn charakteristische Bemerkungen hingewiesen werden. So wird 1922 von ihm das Buch von Karl Kautsky: Rasse und Judentum besprochen. Schon damals bekennt er sich zur zionistischen Lösung der Judenfrage in Erez Israel. “Allerdings wird das Judentum nur dann die Krise der Gegenwart überleben, wenn es eine innere Renaissance erlebt und sich auf die Werte besinnt, die in ihm leben”. Im Jahre 1924 wird von ihm das bekannte Buch von Felix A. Theilhaber: Der Untergang der deutschen Juden besprochen. “Wenn man dies Buch gelesen hat, so möchte man so gern haben, dass man den Ausführungen Unrecht geben könnte, weU es doch unsere Seele aufs Tiefste erschüttert, dass der deutsche Teil der Judenheit dem Untergang geweiht sein soll”. Im Jahre 1930 wird von ihm ein Rechenschaftsbericht des belgischen sozialistischen Ministers Emile Vandervelde Über seine Palästinareise besprochen: "Der Verfasser Zum Andenken (geb. 25. August 1880, Robert Stolz gehörte ohne Zweifel zu den weltanerkannten Persönlichkeiten, über diesen “Botschafter der Wiener Musik” ist wohl schon alles geschrieben worden. Musikbücher, Zeitungen, Zeitschriften, Illustrierte und Lebensbilder haben seinen Weg “im Dreivierteltakt durch d. Welt“ genau geschüdert. Sie haben die Lichtseiten und triumphalen Erfolge dieses Meisters in schillernden Farben interpretiert, die Welt weiss, wie er das Leben meisterte, sie vernahm von seiner grossen Könnerschaft, die leichtgeschürzte Muse der Wiener Musik zu adeln. In diesem Sektor hat er sowohl als Dirigent, wie als Komponist den Gipfel erfolgreich gestürmt. Sein Taktstock war ein Symbol jener Blütezeit der Wiener Operette, als er mit der “Lustigen Witwe” und dem “Fidelen Bauer” begann bis weit über “2 Herzen im Dreivierteltakt“. Wenn Stolz am Pult sass, erklang eben alles anders, liebevoller, nuancenreicher und herzlicher. Und wenn er komponierte, dann gestaltete er deutlich die Atmosphäre der Wiener Landschaft, der Wieglaubt an die Zukunft des Landes.. Er schliesst mit einem Scherz: als er sich nach dem Stande der Geisteskrankheiten erkundigt, antwortet man ihm: “Alle Juden Palästinas. Man muss toll sein, um hierher zu kommen. Wir sind es“. Vandervelde fährt dann fort: “Ihre Tollheit, wenn es eine ist, gehört zu denen, d. notwendig sind, um neue Dinge zu schaffen, schöne und glückliche”. Im Jahre 1930 bespricht Dr. Cohn ein Buch, dessen Hiematik noch immer aktuell ist: “Juden in der deutschen Politik”. Er kommt zu dem Ergebnis: “Die Totenliste ist lang, die das deutsche Judentum dem neuen Vaterlande zum Opfer gebracht hat. Skeptisch steht man ...vor dem Ergebnis: Sind die Opfer, die man gebracht hat, anerkannt worden? Und, was noch wesentlicher ist, hat der Jude, der sich der Politik in die Arme warf, nicht oftmals sein Bestes, sein Judentum geopfert, um der Menschheit zu dienen? Vielleicht, dass die Zukunft einen neuen Typ des jüdischen Politikers gebiert, dem die Synthese von jüdischem Wesen und reiner politischer Betätigung zur Selbstverständlichkeit wird”. Und zum Schluss eine Bemerkung aus dem Jahre 1931. Dr. W. Cohn bespricht ein Buch von Dr. Ernst Simon, Das Werturteil im Geschichtsunterricht... erschienen bei Teubner, Leipzig: "Das Verdienst des jungen jüdischen Gelehrten, hier gerade Pionierdienste geleistet zu haben, ist nicht zu bestreiten. Hier spricht wahre Humanität Wenn das Vorwort aus. Haifa datiert ist, so beweist dies, dass von dem neuen jüdischen Leben in Erez Israel ein Segen für die Menschheit ausgeht.” Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Viel Blut und Tränen sind vergossen worden. Aber mir will scheinen, dass die Probleme die Gleichen geblieben sind. Mit Überraschung nimmt der Leser davon Kenntnis, dass noch im Jahre 1941 in Berlin ein “Jüdisches Nachrichtenblatt” erschienen ist. Dr. Cohn publizierte wei in diesem Buch wiederveröffentlichte Artikel über den Historiker Heinrich Graetz und den Breslauer Gemeindeführer Jonas Fraenkel. Schliesslich wurde noch ein anonymer Bericht über: "Jüdisches Leben in der Provinz Schlesien und In Breslau 1940/41 (The Wiener Library, London) hinzugefügt. Besonders hervorgehoben werden muss auch der würdige und originelle Einband dieses Buches. Ohne Zweifel ein ehrendes Denkmal für den Menschen, Juden, Zionisten Studienrat a.D. Dr. Willy Israel Cohn, Sohn der Kehilla Kedoscha Breslau. Rabbiner EGON ISRAEL LÖWENSTEIN Jerusalem. an Robert Stolz gest. 27. Jnnl 1975) ner Frauen, der Wiener Lebenslust und Dichtigkeit. Alles schrieb er mit dem Herzen, er brauchte keine Elektronik, um den Prater oder ein verliebtes Liedchen oder die Wiener Maderln zu besingen. Die Melodien quollen nur so hervor, und die meisten von ihnen sind echte Volkslieder geworden. Er liebte Wien, jene Stadt des Praters, des Heurigen und der geniesserischen Lebensfreude. In seinen Noten, in seinem Melos, ist das alles enthalten, In grossartigen Einfällen ist hier seine Liebe zu der Wiener Stadt, zu ihren Menschen und zu ihrer Musik ausgedrückt. Wertvolles, Bleibendes, hat dieser geistige Nachkomme eines Johann Strauss geschaffen. Wenn der noch lebte, hätte er unserem Freund gesagt: “Gut hast du das gemacht, lieber Freund”. Das Volkstümliche, seine Originalität und sein Wienertum ergaben seine Grösse, Ein Symbol der. heiteren Musik ist nicht mehr. Er sei nicht vergessen. JULIUS SACHS 18