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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1975-09-01 · No. 38 (September 1975) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1975
Issue
No. 38 (September 1975)
Date
1975-09-01
Page
Seite 12 (sequence 2192)
Language
German
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Das Rabbinerhaus in Gailingen - eine Erinnerung Ich habe Rabbiner Bohrer und das Rabbinerhaus ln Oailingen nicht gekannt, aber ein unvergessliches Erlebnis verbindet mich damit. Im Frühjahr 1944 hatte Ich ln Tel Aviv die Sammlung “WAS NICHT IN DEN ARCHIVEN STEHT” gegründet, ln der wir Berichte von Juden aus Deutschland aus den Hitlerjahren aufnahmen und sammelten. Diese Sammlungstätigkeit war durch Veröffentlichungen ln einigen Zeitungen bekannt geworden. Noch im Jahre 1944 oder vielleicht auch 1945 erschien bei mir eine Frau mittleren Alters, die ganz ln unserer Nähe wohnte, ohne dass wir uns Je kennen gelernt hätten. Sie hatte von der Sammlung gehört und brachte mir fünf eng beschriebene Quarthefte mit, die ihre Memoiren über die Jahre 1933 bis 1938 enthielten, und bat mich, sie zu lesen. Die Schrift war sauber, aber trotzdem unendlich schwer zu lesen. Schon nach den ersten Seiten sah Ich, dass wir hier ein Manuskript von ganz besonderem menschlichen (und historischem) Werte erhalten hatten. Die Überbringerin war die Frau des im November 1938 ln Dachau umgekommenen Rabbiner Bohrer aus Gailingen. Gallingen war ein Dorf an der badischen Grenze gegenüber der Schweiz und wohl der einzige Platz ln Deutschland, ln dem zeitweilig die Zahl der Jüdischen Einwohner die Zahl der nicht-jüdischen übertraf. Gallingen war ein Ort, der für den illegalen Grenzübertritt nach der Schweiz für Verfolgte des Nazi-Regimes besonders günstig gelegen war. Hier Im Lande ernährte Frau Bohrer sich und Ihre 8 damals noch jungen Kinder als Krankenschwester. Es wurde vereinbart, dass Frau Bohrer an einem Freitag Abend zu uns kommen sollte um mir, meiner Frau und einigen Bekannten den Anfang Ihres Berichtes vorzulesen. Dies geschah — aber das ganze war so eindrucksvoll, dass wir sie baten, fortzufahren und das vollständige Manuskript vorzulesen. — Nachdem Frau Bohrear uns verlassen hatte, blieben wir ganz erschüttert zurück und hatten alle den Eindruck, hier ln der Einfachheit der Schilderung, der Kraft des Herzens, des ungebrochenen jüdischen Lebens und Erlebens einer neuen Glückei von Hameln begegnet zu sein.* * Anm. Ich habe die Hefte dann einige Zeit bei mir behalten und sie einer Stenotypistin in die Schreibmaschine diktiert (32 eng geschriebene Schreibmaschinenselten). Ein Exemplar dieser Abschrift hat Frau Rabbiner Bohrer gleichzeitig mit der Rückgabe der 5 Originalhefte erhalten. Ein zweites Exemplar ist später, zusammen mit meiner ganzen Sammlung, in das Archiv von Yad Washem gekommen und liegt dort im Archiv unter der Signatur 01/44. Ein weiteres Exemplar befindet sich bei mir. — Soviel mir bekannt, sind die Erinnerungen niemals gedruckt worden, obwohl dies überaus wünschenswert wäre. Dr. BALL-KADURI, Tel-Aviv Flüchtling aus Breslau wird englischer Lord Zum erstenmal ist ln England soeben ein jüdischer Flüchtling aus Hitler-Deutschland zum Lord (Baron) geadelt worden, und zwar auf Lebenszeit (das heisst, der Titel ist nicht vererblich). Es handelt sich um den 57jährigen Sir Rudy Stemberg, der somit als erster dieser Neueinwanderer aus Mitteleuropa in das britische Oberhaus einzieht. Er ist zwar an sich nicht das erste vom europäischen Festland stammende Oberhausmitglied, aber das erste aus der Gemeinschaft der Hitler- Flüchtlinge. In der, wie alljährlich, zum Neuen Jahre von der Königin genehmigten Liste der Ordens- und Ehrenverleihungen ist sein Name unter den zu Lords ernannten Persönlichkeiten aufgeführt. Sir Rudy Sternberg war schon 1970 in den niederen Adelsstand erhoben worden; damals wurde er zum Ritter geschlagen (das heisst, er erhielt den Titel “Sir”). Der breiteren Öffentlichkeit ist er so gut wie unbekannt, was sich auch daraus ergibt, dass sich gerade jetzt wieder einige Presseorgane gefragt haben, was seine besonderen Verdienste seien, die zu diesen Ehrungen geführt haben. Damit ist aber genau einer seiner Charaktermerkmale angezeigt, denn er lebt ziemlich zurückgezogen, und seine Tätigkeit werden gewöhnlich nicht an die grosse Glocke gehängt. Er stammt aus einer jüdischen Familie und wanderte in England gegen Ende der dreissiger Jahre ein. Im Kriege diente er einige Jahre beim britischen Militär, und nach seiner Entlassung gründete er kaufmännische Unternehmen. Damals noch ein verhältnismässig junger Mann, beeindruckte er seine Freunde und Bekannten insbesondere durch seine Tatkraft und unermüdliche Energie; zu seinem Freundeskreise gehörte der Journalist “Pem”, der bis zu seinem Tode englischer Korrespondent des “Aufbau’ war. Im Laufe der Zeit baute er seine Firmen weiter aus, vereinigte sie schliesslich in der “Sterling Group of Companies”, deren Präsident er ist, und machte sich speziell um die Förderung des Ausfuhrhandels sehr verdient; so gehörte er — in den fünfziger und sechziger Jahren — zu den Pionieren der Ausfuhr nach osteuropäischen Ländern, die er häufig selbst bereiste. Gleichzeitig wandte er sich der Landwirtschaft zu, und seit Jahren besitzt er ein grösseres Gut südlich von London. Sein persönlicher Einsatz für die landwirschaftlichen Interessen fand dadurch sowohl Ausdruck wie Anerkennung, dass er seit 1968 den Vorsitz des britischen Rates für die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse (“British Agriculturäl Export Council”) führt. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er ist Ehrenbürger ("Freeman”) der City von London; ausserdem ist er Zunftmitglied von zwei der traditionellen und hoch angesehenen “Gilden” der City. Bei seinem Einsatz für d. für Grossbritannien lebenswichtige Ausfuhr stellte er stets seine Dienste den Regierungen beider grossen Parteien — Labour und Konservative — unterschiedslos zur Verfügung. Als seine “Erholungen” nennt er die Landwirtschaft und den Segelsport. WILLIAM STERN (London) Treffen des Landesverbandes der „Centra" im Kasseler Kreis Im Rahmen der “Centra”, des Verbandes der deutschen Landsmannschaften in Israel lud die Kasseler Gruppe, die von Emst Freudenthal geleitet wird, zu einem Treffen in den Gü-Saälen. Unter den vielen Veranstaltungen in Tel Aviv zeichnete sich der Abend durch den Vortrag, den der 87jährige deutsche Pfarrer Achenbach hielt, besonders aus. Pfarrer Achenbach hat es persönlich auf sich genommen, Wiedergutmachung zu leisten. Zuerst gründete er ein Heim für K.Z.-Geschädigte in Naharia. Ihm folgte die Gründung eines Pflegeheims in Rechowoth und eines Jugenddorfes. Dann schuf er eine Werkstätte für Blindenarbeit und ein Kinder-Krüppel-Heim bei Jerusalem. Er brachte selbst die Fonds für die Institute auf und besuchte Israel 11 mal, um für die Durchführung seiner Pläne zu sorgen. Als Krönung seines Werkes empfand er ein Konzert, das ein von ihm geschaffenes Heim zu seinen Ehren gab und bei dem dauernd ans Bett gefesselte Kinder mitzusizierten. Er erzählte an dem Abend von seinem frommen Elternhaus und von dem unvergesslichen Eindruck eines mit seinem Vater befreundeten Juden, der den Messias erwartete. Im Weltkrieg fuhr er als Leiter von Soldatenheimen oft mit jüd. Fuhrleuten, um diese Heime in Kowno, Wilna, Odessa zu besuchen und lernte auf diese Weise das Jüdische Volk im Osten kennen. Als die Synagogen angezündet wurden, sagte er zu seinen fünf Söhnen, von denen drei später gefallen sind: Deutschland ist verloren. Pfarrer Achenbach fühlt sich in Israel wie zu Hause; er sagte: Ich lebe nicht in Jerusalem; ich lebe mit Jerusalem. Er sprach davon, dass er ebenso wie Nehemia, d. Mundschenk d. Königs von Persien in Susa, als er von der Not Jerusalems hörte, die Verpflichtung fühlte, heimzukehren, so fühle auch er die Verpflichtung, Israel zu helfen, im Gedenken an die eigene Schuld.. Der Abend wurde eingeleitet von dem Presse- Attachöe der Deutschen Botschaft Dr. Sudhoff mit den Worten, dass er in den “Olim” aus Deutschland eine Brücke zwischen Deutschland und Israel sehe, denn Deutschland wolle an die Zeit vor 33 anknüpfen. Es dürfe die Jahre von 33—45 nicht vergessen' und habe Israel gegenüber eine Verpflichtung, "die wir uns nicht durch eine Tonne Oel abkaufen lassen werden”. Erich Elieser Levin beschloss den Abend unter Anspielung auf die gegenwärtigen zahlreichen Unterschlagungen mit einer moralischen Mahnung. Er ehrte den Gast als einen der 36 Gerechten, auf denen nach einer jüdischen Sage der Fortbestand der Welt beruht. Anni Löwenstein - Priebatsch Ramat-Chen, Haggaistr. 12 Verband ehemaliger Halbersfädter Am 8. Juli 1975 fand auf dem Campus der “Jeschivat Hanegev” in Netivot die Benennung eines Wohngebäudes des dortigen Kinderheims auf den Namen der untergegangenen Gemeinde Halberstadt statt. Die feierliche Enthüllung der am Eingang des Gebäudes angebrachten Gedenktafel erfolgte durch Herrn Dr. Alex Meyer, Mitglied des Vorstandes. Der Verband stiftete dem Kinderheim, in dem ausser dem üblichen Schulprogramm auch Berufsunterricht geboten wird, aus seinem Vermögen den Betrag von IL 10,000.—, um das Andenken an die kleine, aber so bedeutende jüdische Gemeinde Halberstadt zu verewigen. An der Feier nahmen eine Anzahl ehemaliger Halberstaedter aus Tel-Aviv, Ramat-Gan, Jerusalem und Kibbuzim des Negevs teil. Passende Worte wurden von Rabbiner Emanuel Könlgshöfer und Rafi Auerbach, Sohn des verstorbenen Rabb. Zwi Benjamin Auerbach, letzten Rabbiners von Halberstadt vor dem Untergang und Gründer, sowie Vorsitzender des Verbandes, gesprochen. Von Zeit zu Zeit finden in Tel-Aviv zwanglose Zusammenkünfte statt, tun den Kontakt mit den Verbandsmitgliedern aufrechtszuerhalten. 12

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